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    Freitag, 19. Oktober 2012
    Blogging November - 354

    Ich habe bestimmt im Vorbeigehen schonmal erwähnt, dass Mademoiselles Kindergarten eher nicht so der Bildungselite sondern eher mehr so dem Prekariat zugeordnet werden konnte. Es handelte sich um eine evangelische Einrichtung, in der genau ein Kind evangelisch war (nicht Mademoiselle), was die anderen Kinder genau waren, weiß ich nicht, weil die Kommunikationsmöglichkeiten mit den anderen Eltern für religionsphilosophische Themen meist nicht ausreichten.

    Mademoiselle war dort sehr glücklich und zufrieden, also geht sie auch jetzt, als Schulkind, dort gern zu den Ferienspielen. Und heute hatte ich eine wunderbare Idee: ich habe nämlich ein Handy, mit dem ich mangels Interesse nicht umgehen kann. Es ist sogar ein Smartphone, wenn auch kein sonderlich smartes. Ich meine nicht mein Firmenhandy, mit dem kann ich gut umgehen, da besteht auch eine Interessenlage, sondern das private, das ich nie brauche, denn entweder bin ich ja im Büro (und habe dort Telefon und Computer) oder zu Hause (und habe dort Telefon und Computer) oder ich bin unterwegs, dann bin ich beschäftigt, und falls ich dann doch tatsächlich mal Smartphonebedarf verspüren sollte, benutze ich aus Gewohnheit das Jobhandy. Das ist nämlich besser. Ich kenne mich also mit meinem eigenen Handy nicht aus und habe keine Lust, mich da einzuarbeiten. Aber, jetzt komme ich zum Punkt, die Kinder in dieser Ferienbetreuung sind absolute Handyköniginnen und -könige, denn es handelt sich um eine Gesellschaftsschicht, in der Mediennutzung bei Kindern nicht reglementiert, sondern als Statussymbol angesehen wird.

    Ich habe dem Kind das Handy heute überreicht mit der Aufgabe, sich alles erkären zu lassen um mir in Zukunft als Auskunft zur Verfügung zu stehen. Noch bevor ich den Raum verlassen hatte, war das Hintergrundbild geändert, auf dem Weg ins Büro erhielt ich einen Anruf, eine SMS und dann eine MMS, bei Abholung wusste Mademoiselle über wirklich alles Bescheid, hatte einen Film gemacht und erklärte mir, ich hätte nur "Scheiß-Musik" auf dem Telefon und sie habe im Adressbuch alle Kindergartenfreunde einer Kategorie zugeordnet und die Einträge mit Foto versehen.

    Soweit, so gut. Das war eine grandiose Idee, die man in strukturell anders gelagerten Stadtteilen überhaupt nicht hätte umsetzen können! Ich bin begeistert!

    Wir müssen jetzt nur noch besprechen, wann sie mir das Telefon wieder zurückgibt.




    Heute vor zig Jahren:
    Ich mache Spanisch blau und gehe mit ein paar Jungs aus meiner Klasse zur Demo.

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