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    Freitag, 4. September 2020
    Urlaub Tag 14 - Metallkatze

    In der Nacht wachte ich auf uns wusste nicht mehr, wo die silberne lebendige Katze aus Metall ist. Ich war auch nicht sicher, wo sie sein müsste. Eigentlich ist ihr Schlafplatz im Kleiderschrank aber den hatte ich ja neulich aussortiert und neu eingeräumt und dabei gar kein Katzenlager errichtet. Wann hatte ich diese Katze eigentlich zum letzten Mal gesehen? Irgendwas musst ich doch auch mit ihr machen, füttern nicht, ich konnte mich gerade nicht erinnern, was mit ihr zu tun war, aber es war wichtig. Erstmal die Katze finden.

    Ich stand auf. Im Flur lagen die zwei schwarzen Fellkatzen, eine in ihrem Pappkörbchen und eine auf dem Schrank. Die im Pappkörbchen sprang auf und wuselte mir zwischen den Beinen herum. Ich streichelte sie und versuchte mich zu erinnern. Was war nochmal mit der lebendigen Metallkatze? Sie war etwas größer als die Fellkatzen aber auch etwas feingliedriger mit einem eher länglichen Kopf. Und sie war aus silberfarbenen, matt gebürsteten Metall das sich unter der Hand sehr angenehm anfühlte. Sie sah nicht niedlich aus, eher elegant bis gefährlich. Vom Körperbau wie eine Bengalkatze. Wo war sie bloß? Seit wann war sie weg?

    Durch den Flur ging ich in die Küche, dann ins Arbeitszimmer. Ob sie auf dem Balkon war? Sie war eigentlich noch nie auf dem Balkon gewesen, dachte ich, aber sicherheitshalber öffnete ich die Tür und ging hinaus. Nacht, Mond, viele Sterne. Irgendwas war nicht richtig, nicht draußen oder in der Wohnung sondern in meinem Kopf, ich kam nicht genau dran, was, aber die Gedanken liefen auf Bahnen, die nicht die normalen waren. Irgendwas. Was war nochmal mit der Metallkatze, was war das nochmal für eine Metallkatze.

    Wenn die Gedanken so komisch laufen, ergibt Nachdenken keinen Sinn. Ich ging zurück in die Küche und trank ein Glas Wasser. Dann ging ich ins Wohnzimmer. Keine Metallkatze. Ich ging wieder in die Küche, schaltete das Licht ein und setzte mich mit dem Glas Wasser an den Küchentisch. Kopf sortieren. Metallkatze, Fellkatzen. Wer wohnt noch hier. Herr N. Noch wer? M. Noch wer? Zwei Fellkatzen. Noch wer? Eigentlich nicht. Sind die alle da? Ja, Herr N und M in ihren Betten, die Fellkatzen bei mir in der Küche, weil sie hoffen, es gibt jetzt etwas zu fressen. War im Schrank jemals ein Katzenlager im 2. Regalbrett? Nein, da lagen schon immer meine Pullis. Habe ich je eine Metallkatze gefüttert? Nein. Gab es hier je eine Metallkatze? Hm. Ich habe da so ein Bild vor Augen, aber es ergibt keinen Sinn. Ich kann mich an nichts erinnern, was die Metallkatze je getan hätte, außer in dem Katzenlager im Schrank zu sitzen und herauszuschauen, aber das Katzenlager gibt es ja nicht und gab es auch nie. Vermutlich gibt es also keine Metallkatze.

    Ich ging wieder schlafen.

    (Schlafwandeln ist anstrengend)

    Donnerstag, 3. September 2020
    Urlaub Tag 13

    Ich kann berichten, dass ich bei der Alltagszeugsbearbeitung nun wirklich bei der Kür angekommen bin. Es ist meist nur die aktuelle Post zu bearbeiten (meist: Rechnungen), kurz die Mailfächer aufzuräumen und so kam ich heute zu einer wirklichen Luxustätigkeit, nämlich der Kinderärztin einen kurzen Brief zu schreiben, um mich für eine gute Beratung im Frühjahr zu bedanken und das Ergebnis der Sache, zu der die Beratungen statt fanden, zu schildern. Dass ich jemals so weit aufgeräumt habe, dass ich zu sowas komme, hätte ich nicht gedacht. Möglicherweise schreibe ich demnächst sogar noch pünktlich Geburtstagskarten!

    Mittwoch, 2. September 2020
    Urlaub Tag 12

    Frau Fragmente sitzt in ihrem Wohnzimmer am Esstisch und bloggt, ich sitze an meinem Schreibtisch und blogge über Frau Fragmente. Wir sind heute also wieder digital unterwegs, was nicht pandemie- sondern organisationsbedingt so ist.

    Fragmente hat eine neue Spülmaschine, die steht aber auch schon wieder offen. Wäre ich Fragmentes Ehefrau wäre diese offene Spülmaschine unsere Zahnpastatube. Außerdem liegt auf dem Esstisch noch eine Bohrmaschine, damit wurde was am Sessel gebohrt, wurde mir berichtet, ich nehme an, die Bohrmaschine liegt da noch wegen des guten Gefühls, das man hat, wenn man endlich etwas erledigt hat. Das kann ich gut nachempfinden.

    Mein Urlaubstag heute war anstrengend. Zum einen war ich insgesamt sehr angespannt, weil Mama N. sich einer Operation unterziehen musste und die Nachricht, dass alles gut gegangen ist, zwar planmäßig aber eben doch erst gegen 20 Uhr kam. Zusätzlich ist das Kind wegen der bevorstehenden Abreise ja sowieso nervlich jenseits von Gut und Böse und meine Aufgabe ist es, das irgendwie auszutarieren. Und dann tun mir zwei Quadranten im Mund weh, wenn Kälte drankommt, da es zwei sind, vermute ich eher "Verkühlung" als "Karies" aber das hält mich nicht davon ab, immer wieder kalte Luft einzusaugen um zu schauen, ob es dann immer noch weh tut und davon wiederum bin ich selbst genervt. Ich sage mal so: ein normaler Bürotag wäre heute vielleicht entspannter gewesen.

    Dafür lese ich im Moment viel. Ich habe - per Zufall - ein Buch gelesen, in dem eine Frau, die Automechanikerin ist und sich in einen Coyoten verwandeln kann, immer sehr viele Abenteuer mit Werwölfen und Vampiren erlebt. Ist Ihnen auch schonmal aufgefallen, dass Bücher, wenn man sie nacherzählt, meist völlig bekloppt klingen? Filme und Serien ja auch. Mir war es deshalb lange Zeit immer unangenehm, zu sagen, was ich gerade lese. Nicht, weil mir das Buch selbst unangenehm gewesen wäre sondern weil die Formulierungen, mit denen ich darüber sprach, in meinen eigenen Ohren so absolut lächerlich klangen. Ich habe das zum Glück abgelegt und erzähle jetzt auf die Frage "was liest du denn da?" sehr gern, worum es geht, und amüsiere mich dann über die konsternierten Blicke des Gegenübers.

    Fragmente hat ihr übliches Blog-Set-up, mir wird langweilig, es zu beschreiben, wir kennen es ja alle schon. Langeweile ist bei mir im Urlaub nochmal ganz besonders ein Thema, weil ich da mehr Muße habe, mir Sachen anzuschauen und zu merken und dann wird mir eben auch schneller langweilig. Ich tippe heute auf der Gamertastatur, nicht am flink-leisen Chromebook und Fragmente kann die Geräusche schon unterscheiden, ohne die Tastatur zu sehen (ich glaube, die Gamertastatur nervt sie).

    Weil ich momentan viel zu Hause bin, fällt mir auch sehr viel ein, das ich hier gerne anders hätte. Anders im Sinne von: renoviert. Leider habe ich aber für Inneneinrichtung überhaupt kein Auge, fürchte also, das wird ein längeres Projekt. Eine Freundin, die darin außerordentlich begabt ist (das sehe ich an Fotos von ihrer Wohnung) hat mir nun ganz viele Links zu Seiten, auf denen ich mich informieren kann, geschickt. Ich bin aber weiterhin unsicher über die Vorgehensweise. Ich sehe das alles und denke "TOLL!!!" Nun ist es aber ja nicht zweckmäßig, wenn ich mir einfach die Zimmer anderer Leute nachbaue. Mein Ansatz ist deshalb wie folgt, und zwar zweispurig: auf Spur 1 schaue ich mir diese ganzen Sachen an und versuche, über die Reakton "TOLL!!!" hinauszuwachsen und herauszufinden, was genau ich an den Beispielen toll finde. Und auf Spur 2 sortiere ich ganz krass zu Hause weiter aus, damit ich z.B. weiß, was für Dinge wie Schränke/Kommoden/Regale ich eigentlich brauche.

    Etwas entmutigt mich, dass ich an Spur 2 ja schon mehrere Jahre arbeite aber nie so ganz fertig werde. es wäre schön, wenn Spur 2 zur Beschleunigungsspur würde. Vielleicht mache ich ein Blogprojekt daraus, mal sehen, das könnte mich motivieren.

    Fall Sie wiederum Tipps zu Spur 1 haben, höre ich gerne zu.

    Fragmente denkt und denkt, ich sehe gar keine 6-fingrigen Tippbewegungen. Möglicherweise liest sie schon Korrektur. Ich jedenfalls surfe jetzt noch ein bisschen auf Inneneinrichtungsseiten herum.

    Dienstag, 1. September 2020
    Urlaub Tag 11

    Wir gehen hier langsam auf einen Endspurt zu und sind nervlich etwas angespannt - nicht so sehr wegen Ende des Urlaubs an sich, aber dieser Urlaub endet aus organisatorischen Gründen mit der Abreise des Kindes. Und da ist ja doch irgendwie immer noch an viel zu denken im letzten Moment und die Stimmung einer 15-jährigen, die für ein Schulhalbjahr verreist, ist naturgemäß labil. Weshalb meine Aufgabe im Wesentlichen aus "Anwesenheit" besteht.

    Mehr ist nicht zu berichten. Außer, dass es in der Wohnung plötzlich total nach Bacon riecht. Aber das hat sicher einen ganz anderen Grund und vermutlich keinen, der für mich relevant wäre.

    Montag, 31. August 2020
    Urlaub Tag 10

    Diese Tage gehen echt um wie nix, es war heute dringend erforderlich, ein paar Dinge von der Liste der Erledigungen abzuwickeln, nämlich unter anderem, bei der Krankenversicherung anzurufen und nachzufragen, ob für Großbritannien bis Ende Dezember noch irgendwas zu machen ist und wenn ja was oder ob erstmal alles bleibt wie gehabt.

    Die Dame am Telefon sagte sofort, dass es nach Dezember ganz, ganz schwierig würde, wegen dem - sie kam nicht sofort auf das Wort, sagte erst versehentlich "Corona" und besann sich dann auf - "EU-Austritt". So weit ist es schon gekommen mit Pandemie und so, dass man bei ganz gängigen Kalamitäten wie Brexit, die 2019 noch allgegenwärtig waren, nicht mehr sofort auf den Namen kommt und erstmal reflexartig "Corona" sagt. Jedenfalls, es ging mir ja um BIS Ende Dezember, als noch kein vollumfänglicher Brexit, die Dame wollte aber, wo ihr der EU-Austritt nun schon einmal wieder eingefallen war, auch unbedingt darüber sprechen. Ich hörte eine Weile geduldig zu, beobachtete dabei die Damen in meinem virtuellen Büro und sehnte mich danach an deren Gesprächen teilzunehmen, die mir deutlich unterhaltsamer erschienen, jedenfalls wurde viel gelacht (tonlos, ich hatte stumm geschaltet) und die Frau am Telefon jammerte ja nur.

    Ich versuchte es nochmal, schlug vor, jetzt doch erstmal kurz den Zeitraum bis Ende Dezember zu betrachten und den nach Dezember dann danach, wobei es vielleicht gar nicht so unbedingt nötig wäre, dass ich dabei dann auch noch am Telefon bliebe, das würde ich mir dann nochmal vorbehalten, separat im zweiten Teil des Gesprächs zu entscheiden. Aber auch das verhallte ungehört.

    So war das dann also. Vielleicht müssen sich Krankenkassenmitarbeiterinnen auch irgendwann mal bei jemandem aussprechen. Und vielleicht brach der Brexit jetzt nochmal ganz neu über die Dame herein, weil sie das letzte halbe Jahr halt null an ihn gedacht hatte und jetzt kehrte das Thema mit Wucht zurück. Ich weiß ja nicht, ob die Coaching oder Supervision oder sowas machen. Aber ich habe ja Urlaub im Moment, bin nicht in Eile und habe Kapazitäten frei, da dachte ich, ich höre einfach mal zu. Irgendwann kamen dann auch noch die Informationen, die ich brauchte: bis Ende September ist alles versichert, auch "die aktuelle Situation".

    Na prima.

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    Letzter Regen: 11. Oktober 2020, 01:14 Uhr