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    Mittwoch, 2. September 2020
    Urlaub Tag 12

    Frau Fragmente sitzt in ihrem Wohnzimmer am Esstisch und bloggt, ich sitze an meinem Schreibtisch und blogge über Frau Fragmente. Wir sind heute also wieder digital unterwegs, was nicht pandemie- sondern organisationsbedingt so ist.

    Fragmente hat eine neue Spülmaschine, die steht aber auch schon wieder offen. Wäre ich Fragmentes Ehefrau wäre diese offene Spülmaschine unsere Zahnpastatube. Außerdem liegt auf dem Esstisch noch eine Bohrmaschine, damit wurde was am Sessel gebohrt, wurde mir berichtet, ich nehme an, die Bohrmaschine liegt da noch wegen des guten Gefühls, das man hat, wenn man endlich etwas erledigt hat. Das kann ich gut nachempfinden.

    Mein Urlaubstag heute war anstrengend. Zum einen war ich insgesamt sehr angespannt, weil Mama N. sich einer Operation unterziehen musste und die Nachricht, dass alles gut gegangen ist, zwar planmäßig aber eben doch erst gegen 20 Uhr kam. Zusätzlich ist das Kind wegen der bevorstehenden Abreise ja sowieso nervlich jenseits von Gut und Böse und meine Aufgabe ist es, das irgendwie auszutarieren. Und dann tun mir zwei Quadranten im Mund weh, wenn Kälte drankommt, da es zwei sind, vermute ich eher "Verkühlung" als "Karies" aber das hält mich nicht davon ab, immer wieder kalte Luft einzusaugen um zu schauen, ob es dann immer noch weh tut und davon wiederum bin ich selbst genervt. Ich sage mal so: ein normaler Bürotag wäre heute vielleicht entspannter gewesen.

    Dafür lese ich im Moment viel. Ich habe - per Zufall - ein Buch gelesen, in dem eine Frau, die Automechanikerin ist und sich in einen Coyoten verwandeln kann, immer sehr viele Abenteuer mit Werwölfen und Vampiren erlebt. Ist Ihnen auch schonmal aufgefallen, dass Bücher, wenn man sie nacherzählt, meist völlig bekloppt klingen? Filme und Serien ja auch. Mir war es deshalb lange Zeit immer unangenehm, zu sagen, was ich gerade lese. Nicht, weil mir das Buch selbst unangenehm gewesen wäre sondern weil die Formulierungen, mit denen ich darüber sprach, in meinen eigenen Ohren so absolut lächerlich klangen. Ich habe das zum Glück abgelegt und erzähle jetzt auf die Frage "was liest du denn da?" sehr gern, worum es geht, und amüsiere mich dann über die konsternierten Blicke des Gegenübers.

    Fragmente hat ihr übliches Blog-Set-up, mir wird langweilig, es zu beschreiben, wir kennen es ja alle schon. Langeweile ist bei mir im Urlaub nochmal ganz besonders ein Thema, weil ich da mehr Muße habe, mir Sachen anzuschauen und zu merken und dann wird mir eben auch schneller langweilig. Ich tippe heute auf der Gamertastatur, nicht am flink-leisen Chromebook und Fragmente kann die Geräusche schon unterscheiden, ohne die Tastatur zu sehen (ich glaube, die Gamertastatur nervt sie).

    Weil ich momentan viel zu Hause bin, fällt mir auch sehr viel ein, das ich hier gerne anders hätte. Anders im Sinne von: renoviert. Leider habe ich aber für Inneneinrichtung überhaupt kein Auge, fürchte also, das wird ein längeres Projekt. Eine Freundin, die darin außerordentlich begabt ist (das sehe ich an Fotos von ihrer Wohnung) hat mir nun ganz viele Links zu Seiten, auf denen ich mich informieren kann, geschickt. Ich bin aber weiterhin unsicher über die Vorgehensweise. Ich sehe das alles und denke "TOLL!!!" Nun ist es aber ja nicht zweckmäßig, wenn ich mir einfach die Zimmer anderer Leute nachbaue. Mein Ansatz ist deshalb wie folgt, und zwar zweispurig: auf Spur 1 schaue ich mir diese ganzen Sachen an und versuche, über die Reakton "TOLL!!!" hinauszuwachsen und herauszufinden, was genau ich an den Beispielen toll finde. Und auf Spur 2 sortiere ich ganz krass zu Hause weiter aus, damit ich z.B. weiß, was für Dinge wie Schränke/Kommoden/Regale ich eigentlich brauche.

    Etwas entmutigt mich, dass ich an Spur 2 ja schon mehrere Jahre arbeite aber nie so ganz fertig werde. es wäre schön, wenn Spur 2 zur Beschleunigungsspur würde. Vielleicht mache ich ein Blogprojekt daraus, mal sehen, das könnte mich motivieren.

    Fall Sie wiederum Tipps zu Spur 1 haben, höre ich gerne zu.

    Fragmente denkt und denkt, ich sehe gar keine 6-fingrigen Tippbewegungen. Möglicherweise liest sie schon Korrektur. Ich jedenfalls surfe jetzt noch ein bisschen auf Inneneinrichtungsseiten herum.

    Dienstag, 1. September 2020
    Urlaub Tag 11

    Wir gehen hier langsam auf einen Endspurt zu und sind nervlich etwas angespannt - nicht so sehr wegen Ende des Urlaubs an sich, aber dieser Urlaub endet aus organisatorischen Gründen mit der Abreise des Kindes. Und da ist ja doch irgendwie immer noch an viel zu denken im letzten Moment und die Stimmung einer 15-jährigen, die für ein Schulhalbjahr verreist, ist naturgemäß labil. Weshalb meine Aufgabe im Wesentlichen aus "Anwesenheit" besteht.

    Mehr ist nicht zu berichten. Außer, dass es in der Wohnung plötzlich total nach Bacon riecht. Aber das hat sicher einen ganz anderen Grund und vermutlich keinen, der für mich relevant wäre.

    Montag, 31. August 2020
    Urlaub Tag 10

    Diese Tage gehen echt um wie nix, es war heute dringend erforderlich, ein paar Dinge von der Liste der Erledigungen abzuwickeln, nämlich unter anderem, bei der Krankenversicherung anzurufen und nachzufragen, ob für Großbritannien bis Ende Dezember noch irgendwas zu machen ist und wenn ja was oder ob erstmal alles bleibt wie gehabt.

    Die Dame am Telefon sagte sofort, dass es nach Dezember ganz, ganz schwierig würde, wegen dem - sie kam nicht sofort auf das Wort, sagte erst versehentlich "Corona" und besann sich dann auf - "EU-Austritt". So weit ist es schon gekommen mit Pandemie und so, dass man bei ganz gängigen Kalamitäten wie Brexit, die 2019 noch allgegenwärtig waren, nicht mehr sofort auf den Namen kommt und erstmal reflexartig "Corona" sagt. Jedenfalls, es ging mir ja um BIS Ende Dezember, als noch kein vollumfänglicher Brexit, die Dame wollte aber, wo ihr der EU-Austritt nun schon einmal wieder eingefallen war, auch unbedingt darüber sprechen. Ich hörte eine Weile geduldig zu, beobachtete dabei die Damen in meinem virtuellen Büro und sehnte mich danach an deren Gesprächen teilzunehmen, die mir deutlich unterhaltsamer erschienen, jedenfalls wurde viel gelacht (tonlos, ich hatte stumm geschaltet) und die Frau am Telefon jammerte ja nur.

    Ich versuchte es nochmal, schlug vor, jetzt doch erstmal kurz den Zeitraum bis Ende Dezember zu betrachten und den nach Dezember dann danach, wobei es vielleicht gar nicht so unbedingt nötig wäre, dass ich dabei dann auch noch am Telefon bliebe, das würde ich mir dann nochmal vorbehalten, separat im zweiten Teil des Gesprächs zu entscheiden. Aber auch das verhallte ungehört.

    So war das dann also. Vielleicht müssen sich Krankenkassenmitarbeiterinnen auch irgendwann mal bei jemandem aussprechen. Und vielleicht brach der Brexit jetzt nochmal ganz neu über die Dame herein, weil sie das letzte halbe Jahr halt null an ihn gedacht hatte und jetzt kehrte das Thema mit Wucht zurück. Ich weiß ja nicht, ob die Coaching oder Supervision oder sowas machen. Aber ich habe ja Urlaub im Moment, bin nicht in Eile und habe Kapazitäten frei, da dachte ich, ich höre einfach mal zu. Irgendwann kamen dann auch noch die Informationen, die ich brauchte: bis Ende September ist alles versichert, auch "die aktuelle Situation".

    Na prima.

    Sonntag, 30. August 2020
    Urlaub Tag 9

    Heute tatsächlich nichts Neues angefangen, naja, nur ein neues Buch, das ist der Abwicklung der anderen Dinge natürlich auch nicht gerade zuträglich. Trotzdem haben sich durch reines Aussitzen weitere Dinge sortiert, über die ich jetzt nicht mehr (oder weniger als vorher) nachdenken muss.

    Wenn ich viel und angestrengt nachdenke, so richtig am Rande meiner Gehirnkapazität, muss ich sehr viel Gähnen. Das habe ich vor ein paar Jahren festgestellt. Erstmal eine komplett uninteressante Feststellung und auch eine total logische, aber eine, die ich in der Praxis so an mir nicht kannte. Was man kennt kann man dann aber ja nutzen: wenn ich jetzt Phasen habe, in denen ich andauernd Gähnen muss untersuche ich kurz in meinem Kopf, ob der eventuell gerade überbeschäftigt ist und kann dann möglicherweise Maßnahmen treffen.

    Ansonsten genieße ich den Regen. Es begann am Nachmittag zu regnen und zwar glücklicherweise bevor ich mich aufgerafft hatte, den Balkon zu bewässern. Ich möchte nicht überanspruchsvoll wirken, würde es aber sehr begrüßen, wenn es auch morgen früh regnet, wenn ich aufwache. Es gibt ja kaum etwas besseres, als morgens so langsam zu Bewusstsein zu kommen und dabei dieses leichte Rauschen und Autoreifen auf nassem Asphalt zu hören!

    Samstag, 29. August 2020
    Urlaub Tag 8

    Diese Urlaubstage entgleiten mir langsam, ich habe immer mehr tolle Ideen, was ich machen möchte, fange diese tollen Ideen sogar häufig an und sitze dann aber doch den ganz überwiegenden Teil des Tages mit einem Buch im Sessel und den Rest verbringe ich in Videocalls und lache mich dabei schlapp. Das ist natürlich völlig okay so, Urlaub ist Urlaub, aber noch besser wäre, ich würde zumindest die Initialzündung meiner Ideen auslassen. Dann wäre es ordentlicher. Gegen Lesen im Sessel ist ja rein gar nichts einzuwenden, die Tasse Tee daneben mit einem Handgriff in der Spülmaschine. Aber wenn man hingegen irgendwelche Elektro-Projekte beginnt, zusätzlich Zeug-Verschickungsaktionen und dann noch Obst der Saison in größeren Mengen zum Einkochen beschafft, dann sieht es irgendwann recht wild aus und man kann froh sein, wenn man das Buch (also: das elektronische Buch, in dem alle Bücher sind) in dem Chaos noch wiederfindet.

    Plan für die nächsten drei Tage: nichts neues anfangen!

    November seit 5334 Tagen

    Letzter Regen: 11. Oktober 2020, 01:14 Uhr