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    Dienstag, 20. November 2018
    Geheimnisse

    Neulich am Aufzug, der Oberchef gerade durch den Haupteingang gekommen, Frau N durch die Eingeweide des Turms.

    OC: Frau N, wo kommen Sie denn her?!

    Frau N: Durch den Hintereingang, beim Sicherheitsdienst.

    OC: Ich sage Ihnen doch immer, Sie müssen sichtbar sein. Sichtbar! Schleichen sie nicht durch die Hintertüren! Haben Sie das vergessen?

    Frau N: Nie würde ich das vergessen. Aber ich denke, ich sollte Vorder- und Hintereingang bespielen.

    OC: Wozu soll das gut sein?

    Frau N: Naja zum Beispiel, wissen Sie noch, als Sie im Sommer mal mit Ihrem Hund hier waren und der Hund kam nicht rein und es war dann alles kompliziert.

    OC: Ja?

    Frau N: Ich war durchaus schon mit Hund im Büro.

    OC: Mit einem kleinen Kläffer vermutlich, den sie in die Handtasche gesteckt haben! Ich habe ja einen richtigen Hund.

    Frau N: Ein Golden Retriever war das.

    (Schweigen)

    OC: Unsinn, Sie haben doch überhaupt keinen Hund!

    Frau N: Tja, umso erstaunlicher, nicht wahr?

    (geht lachend weg)

    Montag, 19. November 2018
    Divers mit Highlight

    Wieder einen etwas größeren Brocken aus dem Weg geräumt heute, ein paar hab ich noch, aber ich saß ja auch mehrere Monate einfach nur herum. Der Brocken von heute ließ sich ganz einfach durch drei kurz-freundliche und unaufgeregte Mails an einen sehr entgegenkommenden Herrn lösen.

    Sonst nur Bürokrams heute. Nachdem ich morgens die Technikerin bat, sich nicht mehr ständig artfremde Tätigkeiten aufhalsen zu lassen, habe ich eigenhändig die Spülmaschine im Empfangsbereich repariert. Wir üben das alle nochmal mit den Aufgabenbereichen.

    Abends Testversuch "Frikadellen im Backofen". Sehr zufrieden. Kein nerviges Bewachen der Pfanne, kein vollgespritzter Herd, man muss zwar hinterher das Blech spülen, während die Pfanne in die Spülmaschine passt, aber das geht dann im Vergleich doch recht schnell.

    Sonntag, 18. November 2018
    Lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt

    Papa N: Kannst Du noch Puderzucker brauchen?

    Frau N: Wie meinst du - jetzt?

    Papa N: So allgemein in deinem Leben.

    Frau N: Ja. Ich kann noch Puderzucker brauchen so allgemein in meinem Leben.

    Papa N: Dann nimm hier mal die Packung mit.

    Frau N: Kannst du keinen mehr brauchen?

    Papa N: Dieses Jahr nicht mehr.

    Frau N: Der hält bestimmt noch länger.

    Papa N: Aber der stört mich hier, nimm ihn mit und die Mandeln auch, du hast gestern gesagt, du magst Mandeln.

    Frau N: Ich mag ja auch Mandeln. Brauchst du dieses Jahr auch keine Mandeln mehr, das weißt du jetzt schon?

    Papa N: Das weiß ich jetzt schon ganz genau. Und pack deine Dekokügelchen von den Plätzchen noch wieder ein.

    Frau N: Hab ich schon.

    Papa N: Hier ist noch eine Packung.

    Frau N: Die sind nicht von mir.

    Papa N: Na von mir sind die auch nicht. Dann sind die von deiner Schwester.

    Schwester N: Von mir sind die auch nicht, die sind aus deinem Schrank Papa.

    Papa N: Das mag schon sein, dass die aus meinem Schrank sind, aber ihr habt die die letzten 2 Jahre nicht benutzt.

    Frau N: Ich mag die nicht, deshalb haben wir sie auch dieses Jahr nicht benutzt. Vielleicht werfen wir die einfach weg.

    Papa N: Du kannst die doch nicht zwei Jahre in meinem Schrank lagern und dann wegwerfen! Nimm die mal schön mit nach Hause!

    Frau N: Nein, ich will die aber nicht, wirf sie weg.


    (einen Tag später, beim Packen)

    Frau N: Hallo? Hallo??? Wieso steckt diese Packung mit den Dekokügelchen in meiner Tasche?

    Mama N: Du hast doch gestern gesagt, du nimmst die mit.

    Frau N: Das Gegenteil hab ich gesagt, das Gegenteil!

    Mama N: Das wurde mir so mitgeteilt.

    Frau N: Also echt jetzt mal, Papa!!

    Papa N: Ich dachte wir wären so verblieben.

    Frau N: Wir waren so verblieben, dass die keiner mag und sie weggeworfen werden. Aber es ist doch Quatsch, wenn ich sie jetzt 250 km über die Autobahn fahre, um sie zu Hause wegzuwerfen statt hier.

    Papa N: Na dein Altglas fährst du auch immer 250 km über die Autobahn und wirfst es hier weg.

    Frau N: Ja - ja, aber das liegt doch daran, das sich es eh im Auto lagere und halt mit dem Auto zu Hause so gut wie nie fahre.

    Papa N: Dann ist es auch Quatsch, das Altglas ins Auto zu legen, wenn du sowieso nie fährst.

    Frau N: Manchmal fahre ich ja eben doch und dann ergibt sich manchmal eine Altglasgelegenheit.

    Papa N: So sieht mir das aber nicht aus.

    Frau N: Doch, doch, erst neulich hab ich ganz spontan als ich beim Tierarzt war noch Altglas weggebracht und sogar mal nach einer Party Elektroschrott, mit der Frau Fragmente war das, die wohnt quasi in einer Einöde und da ist nix aber ein Elektroschrottcontainer und da waren wir dann so um Mitternacht noch.

    Mama N (im Tonfall wie man mit sehr Kranken oder sehr Betrunkenen spricht): Ist die Frau Fragmente eine deiner Internetfreundinnen? Und da fährst du mitten in der Nacht hin und ihr geht in den Wald?

    Frau N: Mama, ja, aber die Frau Fragmente kenne ich seit Jahren und du kennst sie sogar auch, sie war auf der Taufe von der M und überhaupt erzähle ich doch ganz häufig von ihr.

    Mama N: Achso, die Frau Fragmente meinst du.

    Frau N: Ja, deshalb hab ich ja "die Frau Fragmente" gesagt.

    Mama N: Komm, wenn ich "die Ingrid" sage fragst du auch immer erst nochmal nach, wen ich meine.

    Frau N: Weil du zig Ingrids kennst! Aber egal jetzt hier mit diesen Kügelchen!

    Papa N: Ich hab die schon weggetan.


    (2 Stunden später)

    Frau N: ALSO ECHT JETZT MAL! WIESO SIND DIESE SCHEISS KUGELN WIEDER IN MEINER TASCHE!??

    Mama N: Was schreist du denn hier so herum?

    Frau N: Papa wieso sind diese Kugeln wieder in meiner Tasche? Du kannst nicht einfach Zeug in meine Tasche packen, irgendwann flieg ich noch mit dir wohin und du packst auch irgendwas einfach in meine Tasche, am Ende noch was, das irgendwer der nett aussieht dich bittet grad zu transportieren und dann sind es Drogen und ich lande in einem türkischen Untersuchungsknast und dann meldest du dich als guter Vater, dass es deine Schuld war und dann stirbst du im da im Gefängnis und ich komme trotzdem nicht raus, willst du das? Willst du in einem türkischen Untersuchungsknast sterben und dass mein Kind ohne Mutter aufwächst?!

    Papa N: Ich hab dir auch Frikadellen und Apfelmus einfach reingetan. Willst du das auch nicht?

    Frau N: Na doch, das schon.


    (Die Zuckerkugeln sind jetzt nach 250 km Autobahn im Müll.)

    Samstag, 17. November 2018
    Familiengeschichten

    (gestern fiel aus wegen Schnupfen)


    Mama N: Der G geht es auch schlecht.

    Frau N: Was ist denn mit ihr? Wie alt ist sie jetzt?

    Mama N: Gut 70. Sie ist neulich von der Couch gerutscht und kam nicht mehr vom Boden hoch. Da hat der P (Ehemann) die A (Tochter) angerufen.

    Frau N: Die Tochter? Nicht den Krankenwagen?

    Mama N: Die A hat dann den Krankenwagen gerufen und dann war die G im Krankenhaus am Tropf. Aber sie hat sich bekrabbelt und ist jetzt wieder so schlecht gelaunt wie immer und kommt ins Pflegeheim.

    Frau N: Ins Pflegeheim? Nicht mehr nach Hause?

    Mama N: Sie bekommt das mit dem Trinken und dem Zucker messen nicht mehr hin.

    Frau N: Ach herrje. Und der P? Können sie vielleicht über kurz oder lang so ein betreutes Seniorenwohnen bekommen, so zusammen nur mit Hilfe?

    Mama N: Die G ist doch froh, dass sie den P los ist!

    Frau N: Was?!

    Mama N: Der hat sie schon Jahre genervt. Schon immer eigentlich, aber als er noch gearbeitet hat, war er ja nie da.

    Frau N: Naja aber der P ist doch seit fast 20 Jahren in Rente!

    Mama N: Ja, und die G hat jeden einzelnen Tag über ihn geschimpft!

    Frau N: Aber auf die Idee gekommen, auszuziehen, ist sie nie? Die G war doch nie in einer Situation, in der sie abhängig von ihm gewesen wäre oder so. Versteh ich nicht, dass sie da bis zum Pflegeheim wartet. Flucht ins Pflegeheim, das ist ja völlig absurd!

    Mama N: Na so hat die Situation auch ihr Gutes.

    Frau N: Was sagt denn der P dazu?

    Mama N: Der P hat die Zeit seines Lebens. Der hat jetzt seine Ruhe und die A kommt ja jeden Tag, die war immer sein Lieblingskind. Die A kocht auch für ihn.

    Frau N: Die A? Die ist doch total mit Karriere und so und ständig Geschäftsreisen, wie kriegt sie das denn hin?

    Mama N: Praktischerweise ist die A ja durch die Fusion bei ihrem Arbeitgeber arbeitslos geworden.

    Frau N: Praktischerweise?

    Mama N: Ja, so ist die A jetzt vormittags beim P und kocht ihm mittags und dann fährt sie nachmittags zur G und verbringt Zeit mit ihr. Denen geht es beiden sehr gut, dem P und der G!

    Frau N: Und wie geht es der A?!

    (betretenes Schweigen)

    Donnerstag, 15. November 2018
    Spaß

    Irgendwann im letzten Jahr - ich habe keine Ahnung, wann - habe ich die Lust am Verhandeln entdeckt. Bis dahin waren mir Verhandlungen oft leicht unangenehm, entweder, weil ich dem anderen gegenüber ein schlechtes Gewissen hatte oder aber, weil ich das Gefühl hatte, über den Tisch gezogen zu werden. Oder, wenn ich es mit Profis zu tun hatte, möglicherweise sogar beides auf einmal!

    Und plötzlich ist es alles ein Riesenspaß. Um die Führung im Gespräch zu rangeln, die Themen zu lenken, Punkte irgendwo einzustreuen, die das Ergebnis beeinflussen könnten und gleichzeitig Punkte, die der andere einstreut und die den eigenen Interessen zuwiderlaufen, möglichst sofort abschwächend ins Nichts gleiten zu lassen.

    So hatte ich heute zwei sehr vergnügliche Stunden. Ohne Abschluss bisher, aber der kommt schon noch.

    November seit 4647 Tagen

    Letzter Regen: 13. Dezember 2018, 20:24 Uhr