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    Mittwoch, 31. März 2021
    31032021

    So. Frau Fragmente sitzt in ihrem Arbeitszimmer und bloggt, ich sitze an dem Schreibtisch, auf dem unter anderem auch der ganze Arbeitsmüll steht, und blogge über Frau Fragmente. Heute schaue ich aus der anderen Richtung auf ihren Arbeitsplatz. Kann man nach einem Jahr Pandemie ja mal machen. Ich sehe nun einen Wäscheständer, von dem ich nicht sicher bin, ob es derselbe ist wie sonst und ich nur die Drehung der Kamera nicht so richtig gut verstanden habe - ich bin im räumlichen DenkeIn miserabel. Oder ob es zwei davon gibt, aber warum sollte eine Person zwei Wäscheständer haben. Auch im Bild ist ein sehr hübsches Sideboard. Und ein Whiteboard. Ich muss diese Wörter nur einmal im Kopf sagen, keine Migränegefahr also, sehr gut. Ich habe mich gerade rückversichert: Frau Fragmente hat im Schlafzimmer und im Arbeitszimmer ein Whiteboard hängen. Instinktiv würde ich an dem, das sich da halb hinter der Tür des Arbeitszimmers verbirgt, einen Fluchtplan vermuten, so wie in einem Hotel, aber ich gehe sehr davon aus, dass mir da meine Phantasie einen Streich spielt.

    Ich bin natürlich hervorragend schlecht gelaunt, das wird auch nicht mehr anders, bis ich es irgendwann vergessen haben werde. Schlechte Laune machen mir heute neben den bereits bekanten Themen die folgenden Dinge: ich bin bei der vorletzten Mango angekommen, möchte aber eigentlich noch immer nichts anderes als Mango mit Skyr und Baiserbröseln essen außer, hier kommt ein Problem auf uns zu, möglicherweise Orangenfilets mit Skyr und Baiserbröseln. Auf diesen Gedanken kam ich heute im Gespräch mit Frau C im virtuellen Büro, die nämlich keine Mango verträgt. Es könnte sein, dass die Speise durch den Austausch Mango/Orange nochmal sehr deutlich gewinnt, allerdings verliert die Zubereitungsart durch erhöhten Schwierigkeitsgrad dann auch extrem an Attraktivität, ich bin noch nicht sicher, wie ich das insgesamt abwägen und bewerten soll, so lange mir das nicht einfach mal jemand zubereitet. Vielleicht das Kind. Auf diesen Gedanken brachte mich vorhin Frau Fragmente, das heutige Treffen hat sich also schon einmal auch ganz abseits des "natürlich lohnt es sich ja immer, sich mit Frau Fragmente zu treffen" belegbar gelohnt.

    Morgen wird ein großer Tag im virtuellen Büro sein, denn: wir verlassen die TARDIS. Ich werde morgen nicht zu Hause arbeiten. Allerdings auch nicht in einem echten Büro. In einem anderen Haushalt! Ohne anwesende Menschen, dafür mit anwesendem Dackelbaby. Aus diesen beiden Informationen ergibt sich auch schon der Grund. Darauf freue ich mich sehr und ganz abseits des Dackelbabys habe ich kurz überlegt, ob es vielleicht schön wäre, generell in einem anderen Haushalt Büro zu spielen statt im eigenen. So als Tausch. Viele nervige Dinge würden da ja sofort wegfallen: man müsste keine Pakete annehmen, sich generell nicht um die Türklingel kümmern, käme auch nicht auf die Idee, zwischendurch Wäsche zu waschen und auch, wenn die Kaffeemaschine entkalkt werden will, würde man abends einfach einen Zettel hinterlassen "Kaffemaschine muss entkalkt werden DRINGEND kann so NICHT ARBEITEN!!", am nächsten Morgen wäre alles erledigt, denn Besuch muss man es ja schön machen. Erstmal nur angedacht. Das mit der Kaffeemaschine treibt mich aber sehr um, ich habe heute nämlich von 13 Uhr bis Feierabend die Kaffeemaschine entkalkt, weil ich durch Arbeit immer gerade dann nicht verfügbar war, wenn sie für den nächsten Schritt piepste und so das Programm immer wieder starten musste. 5 Stunden lang. Das ist echt unzumutbar, bitte machen Sie hier beim Lesen ein paar Minuten Pause und fügen Sie meinen Rant zum Grauen der Arbeit von zu Hause selbst ein, ich kann das ja nicht alles hundert Mal schreiben, das ist mir dann auch zu langweilig.

    Weiter hatte ich heute mit Frau C zusammen die erste Italienisch-Stunde. Die erste galt nicht, das war eine Probestunde, heute war daher Lezione 1. Wir haben eine Privatlehrerin engagiert, weil wir beide keine Geduld mehr für andere Lernende haben, stellen Sie sich mich in einem Kurs vor mit 23 Teilnehmerinnen und jede einzelne sagt "Ciao! Mi chiamo xyz, ho xx anni e sono tedesca." Können Sie sich das vorstellen? Wenn ja haben Sie hier seit sehr langem etwas falsch verstanden oder sind, das ist der bessere Fall, ganz neu, benvenuto!

    Ich habe an mir mit der reichhaltigen Erfahrung dieser einen Unterrichtsstunde (plus einer Probestunde) die folgenden Erkenntnisse gewonnen: a) im Gegensatz zu "früher" habe ich beim Spracherwerb keinerlei Scheu mehr; b) ich lerne ganz anders als früher, Dinge fallen in ein Raster des Bekannten oder daran vorbei und werden dann in einer Schatztruhe der Merkwürdigkeiten abgelegt, beim aktiven Sprachgebrauch krame ich darin herum und baue zusammen, anstelle des früheren eher instinktiven Sprechens nach Gedächtnis und Gehör; c) ich bin Lernen nach einem vorgegebenen Tempo, also nicht für mich selbst sondern mit einer erklärenden Person, komplett nicht mehr gewohnt. Diese Erkenntnisse führen momentan zu keinem Punkt, ich wollte sie nur erwähnen.

    So. Heute also sehr aufregender Tag wegen Italienisch-Stunde, morgen sehr aufregender Tag wegen Dackel, Karfreitag sehr aufregender Tag wegen Kreuzigung und dann sehen wir mal weiter!

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