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    Montag, 8. Juni 2020

    Wir haben im Büro einen Raum, den wir teilweise "Die Kammer des Schreckens" nennen und teilweise den "Panic Room". Es handelt sich dabei um einen Raum, den man nur über ein anderes Büro, nicht über den Gang, betreten kann und der sich im Innenleben des Büroturms befindet, also keine Fenster hat. 3x3 Meter schätze ich. Früher stand darin mal etwas, das wir Tresor nannten, bis der Oberchef alle ausreichend belehrt hatte, dass es sich nur um einen Wertschutzschrank handelt, folglich behandelten wir diesen Schrank ab da mit weniger Respekt, stellten ihn irgendwann woanders hin und taten nur noch Dinge hinein, die eh eigentlich unwichtig waren. Was jemals im Tresor war oder wo es jetzt ist, weiß ich nicht, damals hatte ich auf diese Dinge noch keinen Zugriff.

    Der Raum war dann Gerümpelraum und neulich ging mir der Platz für die Akten aus, es wäre aber auch unsinnig gewesen, sie ins Außenlager zu schicken, weil ich sie eben alle so 1-2 Mal im Jahr doch brauche, also annektierte ich den Raum, ließ das Gerümpel entfernen und die Schließung ändern.

    Der Raum hat eine sehr schwer Tür, die von selbst schließt, wegen Gerümpel kam man immer etwas schlecht hinein und bei meiner ersten Erkundung des Raumes machte ich einen entscheidenden Fehler: wann immer ich irgendwo hineingehe, lasse ich mir Zeit mit der Betätigung des Lichtschalters denn ich sehe auch recht gut im Dunkeln. Aber natürlich nicht da, wo gar kein Licht ist. Zapp war die Tür zu und ich sah absolut nichts. Panic Room bekam kurz eine ganz andere Bedeutung, ich erinnerte mich dann aber an das Dunkeldinner mit Frau Herzbruch und dass ich dort gelernt hatte, dass die Dunkelheit mir nicht in Mund und Nase kriecht und mich erstickt. Trotzdem stieß ich mich ein bisschen an diesem und jenem, bevor ich auf die Idee kam, das Handy in meiner Hand einzuschalten. Ob man da Empfang hat, kann ich gar nicht sagen, aber auf jeden Fall reicht so ein Handy aus, um den Lichtschalter oder die Türklinke zu finden.

    Ich komme nicht umhin zu sagen, dass mir der Raum etwas suspekt ist. Heute packte ich dort knapp 20 Kartons aus, aus Faulheit hatte ich den Schlüssel außen stecken lassen und nun kam mir der Gedanke, was wohl wäre, wenn die Person, die das vor der Tür liegende Büro gerade bewohnt mich irgendwie nicht mag? Also den Schlüssel umdreht, abzieht und sich den Rest der Woche krank meldet? Gründe gibt es ja immer. Ein Handy hatte ich nicht dabei. Einen weiteren Schlüssel gibt es nicht, außer dem 0-er-Generalschlüssel (quasi Saurons Ring), den die Feuerwehr hat. Wann würde man mich finden, wäre ich verdurstet oder verrückt geworden oder hätte ich mich mit dem mir zur Verfügung stehenden Teppichmesser (zum Öffnen der Kisten) bis zum Gang durchgegraben?

    Es war mir wichtig, die Kisten fertig auszupacken und den Schlüssel nicht mittendrin von außen wegzunehmen.

    Ob ich hinterher von den Kisten verschwitzt war oder von meiner Phantasie, kann ich nicht genau sagen.

     
    Die gute Nachricht ist: solltest Du jemals zum Vermisstenfall werden und der letzte bekannte Aufenthaltsort das Büro sein, schicken wir die Feuerwehr als erstes zu diesem Raum.
     
    hehehe

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    Notschlüssel
    Ich würde eine zweiten Schlüssel machen lassen und innen hinhängen. Blöd allerdings, wenn die nicht wohlgesonnen Person aussen nur abschliesst und den Schlüssel stecken lässt.
     
    Ich bin latent klaustrophobisch und würde daher in einem fensterlosen(!) kleinen(!) Raum nur mit offener und durch ein Möbelstück o. Ä. blockierter Tür zugange sein wollen.

    Davon abgesehen tut mir der Wertschutzschrank etwas leid.
     
    Meine Strategie ist, sich keinesfalls auf die eigenen Spinnereien einzulassen.

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    Allein schon diese Episode müsste doch belegt haben, dass dieser wunderbare Raum an Unterlagen völlig verschwendet ist. Ihr spielt doch so gerne Spiele bei euch in der Arbeit: Magst du nicht eine riesige Geschichte drum aufbauen, die bewirkt, dass Mitarbeitende nur dann wissen, dass sie es in dieser Firma wirklich geschafft haben, wenn sie einmal rein durften?
     
    Psst nicht so laut. Es recken sich jetzt schon Köpfe, wenn ich die Tür aufsperre.

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    Panikschloss
    Es gibt die Möglichkeit, ein sogenanntes Panikschloss einzubauen. Die Tür ist dann von innen immer per Klinkendruck öffenbar, auch wenn von aussen mit dem Schlüssel zugeschlossen wurde.
    Das jetzige Einsteckschloss in der Tür wäre durch eines mit Panikfunktion zu ersetzen, es muss halt nur die gleichen Abmessungen haben.
    Der Schließzylinder könnte weiterverwendet werden.

    Gegen das automatische Schließen der Tür hilft das Entfernen des Obentürschließers, dies ist erlaubt, wenn die Tür keine Brandschutzanforderungen hat.

    Verdursten würden Sie nicht, binnen 3 Tagen kommt sicher jemand auf die Idee, die Logfiles der ZuKo zu checken und Sie erstmal in der Büroeinheit zu suchen.
     
    Ich lehne Panik ab ;-)

    Ansonsten sollte ich mich vielleicht einfach so aufstellen, dass mich niemand im Büro länger als mal ein halbes Stündchen aus Spaß irgendwo einsperrt.
     
    Oh, ich bin sicher, dass Letzteres bereits der Fall ist.
     
    Ok, ich korrigiere: ich sollte mich vielleicht einfach so aufstellen, dass ich nicht heimlich befürchte, jemand im Büro könnte mich für länger als mal ein halbes Stündchen aus Spaß irgendwo einsperren.

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    Letzter Regen: 10. Juli 2020, 00:25 Uhr