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    Donnerstag, 18. Juni 2020

    Ich wachte heute morgen gegen 5 Uhr auf, weil ein Herr auf der Straße sehr laut "Rivers of Babylon" sang. Man könnte sagen: grölte. Amüsiert schlief ich wieder ein.

    Als ich gegen 7 Uhr vom Wecker erwachte, sang er immer noch. Er hatte zwischenzeitlich etwas umgedichtet und sang "Rivers of Offenbach" und sehr oft kam auch "schalalalala" vor. Weiterhin amüsiert stand ich auf, erledigte die Körperpflege, fütterte die Katzen, groß den Balkon und kehrte schließlich in ein Zimmer der Wohnung zurück, das zur Straße hinausgeht. Der Herr sang noch immer. Meine Güte.

    Als ich das Haus verließ, hatte er aber aufgehört.

    Als ich abends zurück kam, fuhr die Nachbarin von schräg unten drunter gerade in den Hof und rief durch das Autofenster, ob wir wenn sie geparkt habe kurz sprechen könnten. Ich bejahte und ging, während sie in die Garage fuhr, die Optionen im Geiste durch. Müllvergehen hatte ich keine begangen (der Feigenbaum ist noch nicht in der Biotonne versenkt), sowieso ist diese Nachbarin auch keine Müllkontrolliererin, so weit ich weiß. Post hatte ich keine angenommen, auch keine Zeitungen gestohlen, wenn ich Blumen gieße tropft es auf der Seite, auf der ihr Balkon nicht ist, es wurde nicht übermäßig gegrillt, niemand hat geraucht, das Garagentor ist geölt. Hm hm.

    Dann stieg sie aus dem Wagen, ich fragte "Wie geht's euch denn?" und sie sprach, mit Leidensmiene: "Völlig gerädert, das ist ja schlimm momentan und besonders heute Morgen!" Sie sprach vom singenden Herrn und von anderen laut sprechenden Herren und manchmal auch Damen, die sich wohl häufig am Kiosk am Eck versammeln und von der Polizei, die sie dann ruft und die immer erst nach einer Stunde oder zwei kommt aber dann mit Martinshorn, so dass man dann auch wieder senkrecht im Bett steht.

    Und ich muss leider sagen: außer von dem Babylon-Mann wusste ich von nichts. Ich dachte, der Kiosk habe sowieso aufgrundderaktuellensituation pleite gemacht oder mindestens derzeit geschlossen. Die letzte Ruhestörung, an die ich mich erinnere, war als vor zwei Jahren ebenfalls ein Mann in den frühen Morgenstunden gerne "Angela Merkel ich liebe dich" in Sprechgesang intonierte (ich habe den stimmlichen Verdacht, es könnte derselbe Sänger wie der von "Rivers of Babylon gewesen sein - gesehen habe ich aber beide nicht).

    Es ist echt faszinierend, wie unterschiedlich das Empfinden für Lärm ist.

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    Letzter Regen: 07. August 2020, 17:48 Uhr