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    Dienstag, 24. Mai 2022
    24052022

    Eine der besten Süßigkeiten für mich ist Haribo Anaconda. Für die armen Menschen, die das nicht kennen zitiere ich von der Haribo Website: "Ihr geschmeidiger Körper besteht aus Schaumzucker und Fruchtgummi mit Saftorange/Erdbeer-, Himbeer/Erdbeer- und Himbeer/Zitronen-Geschmack."

    Eine Anaconda hat für mich genau die richtige Dessertgröße. Einmal aß ich zwei Anacondas, da war mir sehr schlecht. Aber eine ist perfekt, man kann sie aus der Dose nehmen (bzw. ich aus der Suppenschüssel, bei mir steht immer eine Suppenschüssel mit Fruchtgummi auf dem Küchentisch, die Suppenschüssel ist "von Omma" und sehr hübsch, echtes Porzellan, Blümchenverzierung, auch was mit Gold, wir essen aber ja nie Suppe und wenn, dann vom Topf auf den Teller und nicht über den Umweg Suppenschüssel. So eine schöne Schüssel im Schrank ist aber natürlich total sinnlos, daher steht sie, mit Fruchtgummi gefüllt, auf dem Küchentisch. Alle Teenager, die meinen Haushalt frequentieren, kennen und schätzen diese Suppenschüssel) und sich durch die Wohnung zum bevorzugten Entspannungssitzplatz begeben, dabei kann man die Anaconda aus der Hand locker baumeln lassen. Ist man dann im Supercharger angekommen, steckt man ein Ende in den Mund und lässt den Rest heraushängen, hat folglich beide Hände zum Tippen frei aber auch für ca. 15 Minuten ein Dessert, also bis man sie Stück für Stück in den Mund gezogen und aufgegessen hat. Wirklich perfekt. Schokolade und Chips hingegen: klebrige/fettige Finger. Bonbons: schlechte Geräusche. Kuchen oder Puddings: Teller und ggf. Löffel erforderlich, daher hat man nicht beide Hände frei, das ist auch bei vielen Dingen, die man aus der Hand isst so, Weintrauben oder Mandarinen, alles super aber ständig braucht man mindestens eine Hand, das ist nicht zumutbar am Abend, viel besser dran ist man mit einer aus dem Mund hängenden Anaconda.

    Gibt es aber nicht immer. Halten Sie mal danach Ausschau. Kaufen Sie aber nicht versehentlich die Pythons, die sind viel kleiner und haben nicht so ein gutes Mundgefühl, sie sind meiner Ansicht nach ein höchst minderwertiges Produkt.

    Dienstag, 24. Mai 2022
    23052022

    Die perfekte Wohnung oder das perfekte Haus wäre natürlich selbstreinigend. Dass das noch niemand erfunden hat! Da muss doch etwas gehen mit so einer Art Lotusbeschichtung für Flächen, und wo man eine Klimaanlage hat muss es doch auch eine Staubabsauganlage geben? Falls sie geräuschvoll ist, könnte sie tagsüber laufen, da bin ich ja im Büro. Die perfekte Wohnung hätte kein Büro

    Also, selbstreinigend, ganz wichtiger Punkt. Es wäre immer aufgeräumt, das ist ja auch wichtig, wenn die Staubabsauganlage läuft, es könnte sein, dass die einen ziemlichen Sog hat um Krümel vom Boden zu entfernen und wenn dann zu viel offen herumliegt, kommt es zu Problemen. Wie man das mit Haustieren macht, weiß ich auch nicht. Katzen mögen ja noch nichtmals den handelsüblichen Staubsauger. Vielleicht würde die perfekte Wohnung erkennen, wenn die Tiere in einem Raum sind, dann die Türen verriegeln und kurz einen anderen staubabsaugen. Vielleicht wären die Wände in diesem Moment schalldicht, damit die Tiere sich nicht aufgeregen. Insgesamt wären sie das aber keinesfalls, ich liebe hellhörige Wände, deshalb habe ich ja auch die Fenster immer gern auf Kipp und die Balkontür auf. Ein Balkon muss schon daher zwingend vorhanden sein.

    Weiter hätte das perfekte Haus kein Erdgeschoss. Erdgeschoss ist anstrengend wegen Sicht- und Einbruchsschutz, man muss da immer was mit Milchglas oder Rolläden machen, außerdem ist man am Ende mit Passanten auf Augenhöhe, wenn man fensterrentnert, das will doch niemand, man will hinabschauen! Dafür gäbe es aber zumindest einen Warenaufzug, man könnte mit Auto, Fahrrad oder Hackenporsche bis genau davor fahren, aufladen und der Warenaufzug endet in der Küche.

    Über die Ausrichtung der Fenster bin ich unschlüssig. Osten brauche ich zwingend, Norden eigentlich nicht, Süden und Westen sind aber schon auch gut. Sonne natürlich ein Problem, es gäbe vielleicht diese Holzfensterläden, so dass man die Fenster auflassen kann, davor ist noch Holz als Sicht- und Sonnenschutz aber sehr luftdurchlässig aber keine Katze kann abhauen. Die Wohnung hat auf jeden Fall sehr hohe Decken, falls man mal Spinnenweben abmachen muss oder ein Leuchtmittel wechseln senken sich diese Decken automatisch ab. Es wird nie wärmer als 24 Grad in der Wohnung und nie kälter als 17 Grad.

    Es gibt eine kleine Station in der Küche, so wie ein Schuhregal, darin wohnen kleine Roboter. So in Schuhgröße halt. Ruft man sie, kommen sie angefahren und verbreiten Strom und Internet, man muss gar nicht aus dem Sessel aufstehen, alle Kabel sind immer vorhanden.

    Die Dusche hat einen sehr vollen Wasserstrahl und gleichzeitig bleibt das Wasser immer in der Dusche, wird irgendwie auch abgesaugt und durch die Lotusoberflächen ist alles sofort blitzeblank. Vielleicht wäre auch ein Pool vorhanden, nein, eigentlich kein Pool sondern ein See, da wären aber niemals Mücken. Der See wäre auf einer Seite des Hauses, vom Balkon aus kann man eine Treppe zum Wasser heruntersteigen, auf der anderen Seite des Hause ist aber Innenstadt. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher beim See. Das ist ja auch sowas, das da ist und dann bindet es auch gleich Gedankenenergie - wann gehe ich rein und wann nicht, ist irgendwas mit Blaualgen, geht es den Fischen gut, füttern irgendwelche Leute etwa die Enten und der See kippt, kommt eine Invasion der Nilgänse? Ich glaube, das mit dem See direkt am Haus ist mir doch zu anstrengend.

    Dieses Konzept ist noch nicht abschließend betrachtet.

    Montag, 23. Mai 2022
    22052022

    Fragmente fragte mich neulich, als wir zusammen saßen, was aktuell mein zweitgrößtes Problem sei. Ich reagierte sehr ungehalten und fragte zurück, was sie wohl gerade reitet solche Schlechtes-Vorstellungsgespräch-Fragen an mich zu richten.

    Mein zweitgrößtes Problem heute Abend hier in diesem Sessel sind meine Fingernägel, also nicht die Nägel an sich, die sind nämlich nach dem letzten nervösen Abkauen schon wieder nachgewachsen, sondern der Lack. Der ist ständig beschädigt, ich sage nur "Parmesanreibe", "Schlüssel in der Handtasche", "Asphalt". Als ich mit Frau Herzbruch neulich bei Mr. Wash war, kassierte eine Frau mit ca. 7 cm langen gebogenen Krallen. Sie waren dezent, also irgendwie goldfarbig, lackiert und ich war voller Bewunderung, wie diese Frau solche Nägel haben konnte und gleichzeitig bei Mr. Wash den ganzen Tag Hartgeld abkassiert. Ich glaube, in einer anderen Realität, in die ich nur gerade zufällig nicht irgendwo abgebogen bin, habe ich auch solche Nägel. Auch in gold, ich hätte dann insgesamt viel mit Gold, in meiner jetzigen Realität habe ich nur eine Geldbörse (rot) mit goldfarbenem Reißverschluss, Herr N und Frau Herzbruch finden sie doof, ich bin extrem verliebt und in meiner jetzigen Realität reibe ich Parmesan, krame in Handtaschen nach Schlüsseln und rette kleine Tiere auf der Straße. Es ist völlig ok so, wie es ist, aber das mit den immer schön lackierten Nägeln wäre auch irgendwie schön, deshalb frage ich mich zunehmend, warum man da noch nichts erfunden hat. Eine Pille, die die eigenen Nägel färbt, so dass sie wie lackiert aussehen, aber halt immer ohne Macken, denn es ist ja der Nagel selbst. Ich muss mal kurz googeln, ob es das nicht schon gibt. Gibt es nicht, okay, es gibt Pillen für feste Nägel und es gibt in der Barbara einen ultimativen Lackierhack, den ich jetzt auch gerade noch gelesen habe aber der überzeugt mich nicht, weshalb ich ihn hier nicht wiedergebe.

    Wo war ich. Bei der Pille für lackierte Nägel. Könnte sich mit anderen Hornangelegenheiten im Körper beißen, also Fußnägel (wäre ja noch okay), Haare (naja), Schwielen/Hornhaut (schwierig). Vielleicht sind wir auch nur in einer Übergangsphase. Man kann sich ja jetzt schon in Zoom schminken (ist nur doof, wenn die Internetverbindung hakt, dann hängen die Augenbrauen plötzlich mitten im Raum), vielleicht tragen wir bald alle Brillen, mit denen man die Personen so sieht, wie sie gerne aussehen würden.

    Das wäre schön! Mich erkennen sie dann an den goldenen Krallen!

    Sonntag, 22. Mai 2022
    21052022

    Ich bin einer Sache auf der Spur. Ein, sagen wir mal, Bekannter von mir ruft mich öfters an und klagt lautstark über Dinge, die ihn bewegen: Dass sein Flug anulliert wurde, dass das Hotel teurer ist als üblich, dass eine dritte Person schlecht arbeitet etc.

    Ich sage dann logische Dinge: dass der nächste Flug in 1 Stunde geht, dass das Hotel so teuer ist, weil Brückentagwochenende ist, dass er die dritte Person ja entlassen kann. Damit sind meiner Meinung nach gute Lösungswege aufgezeigt, das sieht mein Bekannter aber anders und sagt dann Dinge wie "Aber darum geht es doch gar nicht, Frau N!" und wiederholt seine Klage, ohne weitere Informationen anzufügen, worum es denn geht.

    Ganz verschiedenen Reaktionen habe ich schon ausprobiert, noch keine führte aber dazu, dass das Gespräch die Laune von beiden Gesprächsparteien gleichzeitig verbessert hätte.

    Heute befand ich mich in der Situation, in der eine Angelegenheit zu meiner höchsten Unzufriedenheit nicht gelöst wurde. Ohne, dass irgendwer etwas dazu konnte. Ich nahm das zum Anlass, mal den umgekehrten Weg auszuprobieren und rief meinen Bekannten an, trug ihm die Sachlage vor und tobte, dass ich das unsäglich fände - in gespannter Erwartung, wie wohl seine Reaktion wäre, damit ich die dann für zukünftige umgekehrte Fälle übernehmen könnte.

    Der Bekannte sagte, ich hätte völlig Recht mit meiner Unzufriedenheit, alle meine Punkte seien absolut valide, es sei eine Zumutung, jetzt am Wochenende solle ich mir aber erst einmal eine gute Zeit machen und wir würden Montag bei einem Kaffee in Ruhe darüber sprechen.

    Bin jetzt auf Montag gespannt. Nicht in der Sache, die kann man gar nicht lösen sondern nur abwarten und irgendwann wird sie vorüber sein. Aber wie das Gespräch mit dem Kaffee dann ablaufen wird, worüber wir sprechen, es gibt ja gar nichts zu sagen. Ob Kommunikation über Emotionen zur Sache stattfinden wird? Ob das in Wirklichkeit bei den normalerweise umgekehrt verlaufenden Anrufen der zentrale Punkt ist, dass gemeinsam auf etwas geschimpft werden soll? Sozusagen gemeinschaftliches Jammern?

    Es ist alles höchst mysteriös, aber nun habe ich endlich die Gelegenheit, es herauszufinden!

    Samstag, 21. Mai 2022
    20052022

    Nachts um 4 mit Migräne des Todes aufgewacht, Mittel genommen, wieder eingeschlafen, morgens um 6 mit dröhnendem Schädel aufgewacht, versucht, das mit Essen und Trinken und frischer Luft zu beheben aber gescheitert, um 10 wieder was eingenommen, weiter dröhnender Schädel, um 14 Uhr wieder was, repeat, keine richtige Erinnerung an den Tag, gegen 15 Uhr bemerkt, dass ich gar keine Unterlagen aus dem Schrank geholt hatte bis zu diesem Zeitpunkt und ich weiß wirklich nicht, was ich gemacht habe aber die To-Do-Liste ist nur noch 1/3 so lang wie zuvor und ich habe quasi unmöglich scheinende Dinge, die gar nicht darauf standen, erledigt. Glaube ich. Ich muss das mal überprüfen, wenn ich wieder ein normaler Mensch bin (das ist jetzt noch nicht der Fall, deshalb gehe ich jetzt schlafen).

    Freitag, 20. Mai 2022
    19052022

    Heute regnet es also. Gestern glaube ich auch schon, das habe ich nicht mitbekommen aber im Treppenhaus ist ein Fenster undicht und heute morgen war auf dem Fensterbrett eine kleine Pfütze. Also entweder hat dort jemand die Blumen gegossen oder es hat reingeregnet. Dass jemand die Blumen gegossen hat ist unwahrscheinlich, die Blumen gehören nämlich mir und es handelt sich um einen hässlichen dicken Kaktus, der aber ein paar Mal pro Jahr eine wunderschöne Blüte produziert und um eine Forellenbegonie, von der wir bis vor kurzem nicht wussten, dass es eine ist, M hatte einen "Stock" gefunden und in einen Topf gesteckt (also vor ca. 10 Jahren), der war dann angewachsen aber tat weiter nichts und neulich, also vor ca. 2 Jahren, bekam er plötzlich Blätter. Es handelt sich also nicht um eine buschige Pflanze sondern um einen langen Stock mit Blättern oben dran. Ich müsste die mal pflegen aber weiß nicht, was zu tun ist. Kurz gesagt: Die Nachbarschaft findet die Pflanzen eher so mittel, spricht das aber nicht klar aus, weshalb ich es ignoriere.

    Heute auch Regen, morgen angeblich auch, sehr schön. Ich mag Regen. Das weiß die ganze Welt schon, auch, dass ich keine Sonne mag. Ich habe das Gefühl, das schon tausend Mal erklärt zu haben. Sonne vertrage ich zum einen körperlich nicht gut, meine Haut bekommt schnell Sonnenbrand, ich bin sehr blendempfindlich und mir ist auch schnell zu warm. Gegen all das kann man natürlich etwas tun: Sonnencreme, Sonnenbrille, sonnengeeignete Kleidung. Das mache ich auch, dann kann ich Sonne ertragen aber das führt natürlich nicht dazu, dass ich sie mag, warum sollte ich irgendwas mögen, das mir Maßnahmen aufzwingt.

    Zweitens vertrage ich Sonne psychologisch nicht gut, denn "BEI DEM SCHÖNEN WETTER MUSS MAN DOCH RAUS!!!" Alle meine Hobbies lassen sich viel komfortabler in Innenräumen ausüben. Ich lese zum Beispiel sehr gern. Das geht prima im Sessel. Im Gartenstuhl natürlich auch - mit Sonnencreme, Sonnenbrille und sonnengeeigneter Kleidung, sie sehen, in welche Richtung das geht, warum soll ich Maßnahmen ergreifen, um draußen zu lesen wenn ich ganz ohne weiters Bohei drinnen lesen kann und sogar ohne, dass ich vor jedem Schluck mein Getränk auf Insekten überprüfen muss. Weitere Hobbies: schreiben, im Internet herumklicken, singen, Katzen bürsten, mich unterhalten, essen, trinken, Sachen aussortieren und wegwerfen, alle Spiele bei denen man gewinnen kann. Kann man alles draußen machen, kann man aber alles drinnen besser machen. Mein einziges Hobby, dass ich draußen lieber ausübe als drinnen ist: schwimmen. Dafür nehme ich dann auch das Übel des Eincremens und des Kleidungswechsels auf mich, Sonnenbrille trage ich im Wasser nicht sondern tauche einfach viel. Manche weiteren Dinge - Essen und Trinken - finde ich draußen okay, jedenfalls wenn richtiges Mobiliar involviert ist inklusive Schattenspendern, dann hat man nur noch das Insektenproblem.

    Eine weitere Sache, die ich draußen gerne mache, ist wohin gehen. Zu einem Zielort gehen gefällt mir, das hat einen Sinn, man läuft von A nach B, mit jedem Schritt wird der Weg kürzer, dann kommt man an und geht wieder rein. Tolle Sache. Toller aber, wenn nicht die Sonne scheint, weil sonst ja schon wieder Sonnencreme, Sonnenbrille, sonnengeeignete Kleidung.

    Das ist der eine Punkt, warum ich Regen so mag, weil man da eben nicht von außen oder innen gedrängt wird, "RAUS" zu gehen und wenn ich doch raus möchte, um von A nach B zu gehen, brauche ich keine spezielle Ausrüstung, es macht mir nämlich überhaupt nichts aus, nass zu werden. Ich brauche also weder Gummistiefel noch Regenschirm und eine Regenjacke besitze ich auch nicht. Wenn es regnet und ich rausgehe werde ich nass, das finde ich völlig okay, ich dusche ja auch sehr gern. Das kommt übrigens total selten vor, also nicht das Duschen, das vom Regen nass werden, ich werde vielleicht 2-3 Mal im Jahr signifikant nass, wohingegen ich eher 2-3 Mal im Monat von Sonne, die mich blendet oder meine Haut verbrennen will, belästigt werde.

    Was ich zugebe: die Aussicht am Arbeitsplatz ist bei Regen nicht so gut. Regen mit Sturm und Gewitter mal ausgenommen, das ist dann wieder enorm faszinierend aber kommt ja nur selten vor, meist gibt es entweder Sonne-blauerHimmel-weite-Sicht oder graue Wolkendecke. Das ist die graue Wolkendecke auf Dauer sehr langweilig.

    An dem Geruch von Regen im Sommer, von dem jedes Jahr wieder jemand berichtet, dass der"Petrichor" heißt, finde ich übrigens nichts Besonderes. Ich finde, Regen riecht immer gut und hört sich vor allen Dingen immer gut an. Drinnen sitzen, gern neben der offenen Balkontür, ein Buch lesen und draußen regnet es und wenn ein Windstoß kommt, tropft es mir ein bisschen auf den Arm. Das finde ich optimal.

    Donnerstag, 19. Mai 2022
    18052022

    Die Leserschaft, also zumindest eine Person darunter, interessiert sich, warum ich Gesangsunterricht nehme.

    Entscheidungen haben ganz selten nur einen Grund. Meist beruhen sie auf einem komplexen Gebilde an Faktoren, manche sind uns gegenwärtig, andere spielen unbewusst mit hinein. Die bewussten Faktoren bei mir waren folgende:

    Erstens:
    Ich singe schon immer gerne und viel. Es gibt in meinem Haushalt ein Tonband beschriftet mit "N. singt Weihnachtslieder, knapp 2 Jahre". Mit 4 Jahren quengelte ich so lange, bis meine Schwestern mich mit in den Chor nahmen und ich durfte dann sogar auch mitsingen. Ich habe später (mit anderen) in Fußgängerzonen, auf Weihnachtsfeiern in Altenheimen und auf Übernachtfähren gesungen und es fällt mir leicht, Töne zutreffen, mir Melodien zu merken und nicht durcheinander zu kommen wenn die Personen links und rechts von mir andere Stimmen singen als ich.

    Zweitens:
    M habe ich auch schon mit 4 Jahren in der Musikschule angemeldet. Erst zu "Musik für Mäuse", dann zu irgendwas anderem (hab ich vergessen), dann für Geige und immer wartete ich dann vor der Tür und hörte aus allen Räumen in der Musikschule mehr oder weniger schöne Klänge, aber eben musizierende Menschen und mit der Zeit entwickelte sich ein gewisser Neid: ich wollte auch Musik machen.

    Drittens:
    Eine Freundin entdeckte irgendwann vor mehreren Jahren die Karaokebar in Frankfurt und wir gingen gemeinsam in mittelgroßer Runde hin. Beim Singen fiel mir auf, dass meine Stimme leiser klang als die der meisten anderen, das konnte ich mir nicht so richtig erkären.

    Viertens:
    Eines Tages rief ich bei der Musikschule an und fragte, was für Unterricht parallel zum Geigenunterricht von M. läge - es gab aber in keinem Unterricht zu dieser Zeit freie Plätze. Daher rief ich bei einer anderen Musikschule an und fragte, was ich dort abends ab 19 Uhr in Bezug auf Musik machen könnte. Die Antwort war: Schlagzeug, Violine oder Popgesang.
    Violine hatte ich schonmal vier oder fünf Jahre gelernt und für nicht so mein Ding befunden. Schlagzeug und Popgesang fand ich ansprechend, Gesang eben um diesem Geheimnis der leisen Stimme auf den Grund zu gehen und Schlagzeug, weil ich noch nie Schlagzeug gespielt hatte. Ich konnte mich nicht sofort entscheiden aber traf auf dem Heimweg im Treppenhaus den Nachbarn, der unter uns wohnt. Was ist näherliegend, als den Nachbarn in diese Entscheidung einzubeziehen? Ich berichtete also und er sagte "Schlagzeug fände ich nicht so prickelnd".

    Also Popgesang. Am nächsten Tag meldete ich mich an.

    In der ersten Unterrichtsstunde fragte der Gesangslehrer, was mein Ziel des Unterrichts war. Ich hatte kein eindeutiges Ziel, alles, was ich wollte geht aus den vier Faktoren oben hervor. Der Gesangslehrer war erleichtert, seine größte Sorge ist es immer, dass jemand in eine Casting-Show gehen möchte.

    Üben ist natürlich super - ich hatte es schon einmal hier in der Beschreibung einer Gesangsstunde geschildert, dass ich die einzelnen Komponenten, die zu gutem Klang führen, beherrsche, aber sie nicht und schon gar nicht einfach so aus mir heraus zusammenfügen kann. Das ist sicher etwas, das sich mit mehr Übung verbessern ließe. Mein Tagesablauf gibt das aber selten her, da Singen eben laut ist (das habe ich ja jetzt gelernt) und ich fast nie allein bin und selten in Situationen, in denen lautes Singen nicht stört. Songs, also die Texte, Melodien etc. kann man natürlich auch still für sich oder mit Kopfhörern im Kopf üben aber das ist nur ein Bruchteil dessen, was Gesangsunterricht ist, es geht ja nicht darum, einen bestimmten Song singen zu können sondern die Techniken zu beherrschen, alle möglichen Songs ansprechend zu gestalten. Wenn es gut läuft, komme ich 2x pro Woche dazu, für ca. 1 Stunde zu üben. Phasenweise aber eben auch überhaupt gar nicht. Das sage ich dem Gesangslehrer dann und wir stellen den Unterricht ein bisschen um, weniger Songs und mehr Stimmübungen, bis bei mir wieder eine bessere Phase kommt.

    Verändert hat sich vieles seit der ersten Gesangsstunde - ich hatte wirklich keine Ahnung, dass sich so viel verändern würde. Zunächst einmal wurde das Geheimnis der "leisen Singstimme" gelüftet: da ich immer in Chören gesungen hatte, also klassischen Chören, hatte ich nur die Kopfstimme erlernt. Popgesang findet aber ja ganz wesentlich in der Bruststimme oder im Mix statt. Die Bruststimme mussten wir erstmal erarbeiten, ich konnte sie zuerst gar nicht absichtlich verwenden und dann, als ich sie gefunden hatte, konnte ich sie nicht kontrollieren. Das kann ich mir heute kaum noch vorstellen. Andere Veränderungen sind weniger tiefgreifend. Ich habe z.B. viel über Atmung gelernt (besonders in der Phase, als ich mir das Kreuzbein ausgerenkt hatte und gar nicht richtig Atmen konnte). Ich habe von Natur aus eine etwas metallische Stimme mit wenigen Tiefen, ich habe gelernt, sie mit mehr Hauch und einem Stimmsitz weiter vorn weniger kindlich-schrill und statt dessen wärmer und älter klingen zu lassen und das ganz klare, eisige gezielt einzusetzen. Ich habe gelernt, wie wichtig die letzten Silben sind und wie ich Vokale etwas verändern kann um in sehr hohe Töne besser einzusteigen und wie Bewegungen die Stimme stützen können. Die Range, in der ich mich beim Singen komfortabel fühle, hat sich enorm erweitert - wir sind gerade dabei, Songs, die ich ganz zu Anfang ausprobiert und aufgegeben habe wieder hervorzuziehen und ich kann bei vielen nicht mehr nachvollziehen, wo genau das Problem lag. Ein paar Mal hat sich meine Stimme auch ohne mein aktives Zutun verändert, einmal nach einer hartnäckigen Bronchitis, da stand mir nach unten plötzlich dauerhaft eine halbe Oktave mehr zur Verfügung und einmal eine lange Singpause während einer sehr anstrengenden Zeit, nach der ein paar Dinge die Atmung betreffend plötzlich normal geworden waren, so dass sich darauf aufbauend neue Features freispielen ließen. Wir entdeckten, dass ich ein großes Talent für Glissando habe, was an sich uninteressant ist aber ein leichtes Hineinrutschen in hohe Töne lässt meine Stimme auch wieder weniger schrill wirken.

    Ich weiß gar nicht, wie lange ich jetzt schon Gesangsstunden nehme. 5 oder 6 Jahre vielleicht? Und es verändern sich immer noch Sachen, teilweise auch ganz überraschende. Meine Artikulation hat sich vor einem guten Jahr enorm verbessert, das war ungefähr zeitgleich mit dem Beginn meiner Italienischstunden. Für Italienisch benötigt man eine ganz andere Mundbeweglichkeit und Lippenspannung als für Deutsch und Englisch, und wenn ich daran denke, diese Beweglichkeit und Spannung zu nutzen, profitiert mein Gesang davon enorm. Ganz durch Zufall fanden wir neulich heraus, dass ich auch das Pfeifregister ganz gut nutzen kann, was für mich keinen Wert an sich darstellt (weil ich den Klang nicht mag) aber dazu führte, dass ich meiner Kopfstimme jetzt viel sicherer bin und Wechsel zwischen Brust und Kopf nun ganz mühelos verlaufen - interessanterweise nur in diese eine Richtung, von Kopf zu Brust nicht so mühelos.

    Wenn ich im Alltag irgendwas singe - Happy Birthday im Büro z.B. - denke ich an all das natürlich nicht. So ganz langsam komme ich aber dahin, dass manche Dinge automatisch ablaufen, ohne dass ich daran denken muss, ich bin dann selbst immer ganz überrascht vom Klang meiner Stimme. Und ich bin gespannt, was sich da noch tut.

    Dienstag, 17. Mai 2022
    17052022

    Fragmente sitzt in ihrem Ferienhaus in Südfrankreich, bzw. bis gerade sitzt sie noch nicht, sie hat mich auf Händen über die Terrasse und durch das Haus getragen und mir alles gezeigt. Die Aussicht ist sehr schön.

    Ich sitze an meinem Schreibtisch und sehe, dass der irgendwie einen Riss längs in der Tischplatte hat, möglicherweise geht er bald kaputt, aber Fragmente, die Arme, hat im Ferienhaus in Südfrankreich mit Pool und Hammeraussicht gar keinen Schreibtisch, so schlecht kann es einem auch gehen, I'm counting my blessings! Meine Schreibtischplatte quietscht sowieso schon seit geraumer Zeit, was CucinaCasalinga bei unseren gemeinsamen Arbeiten ziemlich nervt. Traue ihr zu, hier heimlich eingedrungen und die Platte angesägt zu haben. Sie hat aber eine schlimme Katzenallergie. Und sowieso ist es eher ihr Ding, zu organisieren, dass hier jemand eingedrungen ist und die Platte angesägt hat. Ja, so wird es gewesen sein. Sie quietscht auch nicht mehr. Alles ist gut.

    In der täglichen Blogcontentliste wird nach meinen Auslassungen zum Thema "Büropflanzen" gefragt. Ich habe zwei Büropflanzen. Eine war schon immer da, ich habe keine Erinnerung mehr, wo sie herkommt, es ist eine Palme, die nun schon so etwa 1 Meter hoch ist. Mehrere Male sah sie schon aus als ginge sie ein, nun ist ihr aber ein zweiter Stamm gewachsen. Dann habe ich noch eine Pflanze, die ich als Ableger von einer Kollegin bekommen habe und die immer größer wird. Beide Pflanzen sehen aus wie irgendwas Langhaariges, ich bin ja kein Fan des langen Haars, daher stehen sie irgendwo, wo man sie in Videokonferenzen nicht sieht. Die Ablegerpflanze ging dabei fast ein, weil sie zu nah am Fenster war und offenbar nicht so viel Licht mag, sie steht jetzt also in einer anderen Ecke und wuchert dort langhaarig weiter. Im Bild der Videokonferenz steht bei mir immer ein Blumenstrauß, Schnittblumen. Ich habe ein Blumenabo, das mir ins Büro geliefert wird und ständig sagt irgendwer "Du hast aber schöne Blumen, das hätte ich ja auch mal gerne!" und dann sage ich "Kauf dir doch welche".

    Ich hatte noch eine dritte Büropflanze, einen Pfennigbaum, auch ein Ableger, den mir eine Kollegin geschenkt hat, die konnte ich aber an Schanuf weiterverschenken, die sie möglicherweise auch wieder weiterverschenkt hat, da habe ich den Überblick verloren. Ich habe sie jedenfalls nicht mehr und das ist auch völlig ok so.

    Früher hatte ich jährlich im Büro einen Weihnachtsstern. Den hat mir das Team immer zum Geburstag geschenkt, out of spite, möchte ich sagen, es ist nämlich bekannt, dass mir ein Weihnachtsstern binnen weniger Tage eingeht, obwohl ich schon alles darüber recherchiert und alles mögliche ausprobiert habe. Ich glaube mittlerweile, meine Atmeluft oder meine Aura lässt Weihnachtssterne vergehen. Das Team hat vor zwei Jahren den Spaß an diesem Spiel verloren und schenkt mir seitdem diese Pflanzen, die man nicht gießen muss, deren Knollen in Wachssäckchen gesteckt werden. Namen vergessen. Amaryllis, sagt Fragmente. Finde ich super, Amaryllis habe ich jetzt jeden Winter auf meinem Besuchstisch und alles ist gut.

    Ich selbst habe auch schon einer Kollegin eine Pflanze geschenkt. Ein Fensterblatt. Das hatte ich zu Hause, es ist giftig für Katzen, stand daher in 3,40 Metern höhe auf einem Hängeschrank und wurde entsprechend oft gepflegt. Die Kollegin sprach über Pflanzen, als ich vorbeikam und dass sie so ein Fensterblatt gerne hätte, aber die seien teuer. Ich bot an, ihr meine Pflanze zu geben, es war ein perfektes Match und das Fensterblatt, das bei mir ungefähr noch ein halbes Zweiglein hatte, macht nun seinem anderen Namen alle Ehre und ist auf etwa 2 qm angewachsen und dient als Sichtschutz in einem 3-Personen-Büro. Auch schön.

    Dienstag, 17. Mai 2022
    16052022

    Drei höchst merkwürdige Serviceerfahrungen habe ich heute gemacht, zwei davon positiv.

    Die erste: M hat für die Schule ein iPad und weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie ein iPad mehrere Jahre ohne Zwischenfälle in einem Schulrucksack überstehen soll, habe ich dafür eine Versicherung abgeschlossen. Neulich war es dann so weit und eine Glaswasserflasche fiel auf das Display. Ich meldete den Schaden der Versicherung, die legte auch gleich einen Schadensfall an und versuchte dann fast einen Monat lang, mir einen Paketaufkleber zum Einschicken des Geräts zuzusenden. Ich sprach mit insgesamt 14 Mitarbeiter*innen des Unternehmens (zu verschiedenen Zeitpunkten, nicht per Videokonferenz), naja vermutlich noch mit 2-3 mehr, es hat kurz gedauert, bis ich anfing, Gesprächsnotizen mit Namen zu machen aber einen Paketaufkleber habe ich bis heute nicht. Dafür das Geld auf dem Konto. Die haben mir also das Geld ohne jeden wirklichen Nachweis über einen Defekt ausgezahlt, weil alles andere ihnen wohl noch komplizierter erschien (und sie auch nicht mehr mit mir telefonieren wollten vielleicht). Ich bin irritiert.

    Zweitens habe ich mein Internet umgestellt auf Kabel, also in der Theorie, in der Praxis wollte ich gestern - weil heute der Anschalttermin ist - die Hardware anschließen und die Anschlüsse passten nicht. Es lag ein erklärendes Heftchen bei mit einer 24/7-Telefonnummer, die rief ich gestern an, sprach mit einer kompetenten Person die sagte, ein Techniker (oder eine Technikerin, das war aber meine Ergänzung) müsse kommen. Ich war noch etwas emotional beschädigt von meinen Erlebnissen um Telefontechnikbesuche vor etwa 10 Jahren, damals kamen die Technikfachmenschen zu einem beliebigen Zeitpunkt, der aber niemals der (immer sehr kurzfristig) angekündigte Termin war und ich konnte mein Problem damals nur lösen, indem ich einen auf offener Straße einfing und in meine Wohnung zog. Also weinte ich fast am Telefon. Die kompetente Person war höchst verwundert, ich könne doch den Termin natürlich selbst online buchen und bekäme dazu zeitnah eine SMS. So war es auch, die SMS kam noch während des Gesprächs, es waren direkt ab morgen Termine frei mit angenehmen Zeitfenstern, ich war höchst verwundert über den Fortschritt in diesem Bereich. Ob die Person kommt, weiß ich natürlich noch nicht, habe aber das Gefühl dass ja.

    Die letzte merkwürdige Servicerfahrung war ein Telefonat mit der Assistentin einer Steuerberaterin, bei der ich dreimal hintereinander landete, weil die Steuerberaterin a) im Gespräch, b) im Termin, c) nicht am Platz war. "Dann versuche ich es in 15 Minuten wieder", sagte ich und die Assistentin begann mit "Es wäre schlauer..." und brach dann ab. "Was wäre schlauer?" fragte ich. "Nichts", sagte sie. "Ich möchte aber sehr gerne schlauer werden, bitte sagen Sie mir, wie ich das machen kann!" hakte ich nach. Die Assistentin legte einfach auf und die Steuerberaterin rief eine Minute später zurück. Habe ich nicht verstanden, fühlte sich aber im Ergebnis auch nicht allzu dumm an.

    Montag, 16. Mai 2022
    15052022

    Ich habe mich heute ausgeruht.

    Das ist einen eigenen Absatz wert, kommt nämlich so gut wie nie zu Hause vor, ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal dachte "hm, was mache ich denn jetzt mal" und mir das dann mit "ach - nichts" beantwortet habe.

    Der Tag begann schon erfreulich mit Ausschlafen, dann war ja Frau Herzbruch da. Ich hatte eigenes für ihren Besuch einen zweiten Sessel ins Wohnzimmer geräumt, weil wir ja ESC geschaut haben und ich nicht gern ein Sitzmöbel mit anderen teile, also nicht gerne auf Sofas sitze außer, ich bin allein darauf. Bei 6 Anwesenden Personen das Sofa für mich allein zu beanspruchen und die anderen teilweise auf Küchenstühlen sitzen zu lassen finde ich verhaltensauffällig, mir ist völlig bewusst, dass nicht nur alle anderen sondern auch ich durch den Mangel an Sozialkontakten diverse Verhaltensauffälligkeiten erworben haben, die sich eben nicht durch konstanten Kontakt mit nicht immer tolerant-zugewandten anderen zu einem geländegängigen Verhaltensmuster abgeschliffen haben sondern jetzt wie Zacken aus uns hervorragen und für Irritationen sorgen und/oder schmerzhaft abbrechen, aber so weit, dass ich Gäste einlade und dann allein auf dem Sofa lungere bin ich noch nicht. Nur so weit, dass ich einen Sessel beanspruche und die Gäste sich das Sofa teilen müssen.

    Der Sessel, also mein Sessel, ist übrigens der Supercharger, Frau Herzbruch bekam einen anderen Sessel. Der Supercharger heißt so, weil ich mich schon in diversen Erschöpfungszuständen hineingesetzt habe und es mir jedes Mal schon nach ca. 30 Minuten deutlich besser geht, nicht immer nachhaltig gut, es ist ja keine Zaubermaschine, aber so, dass ich wieder aufstehen und den Rest bewältigen kann. Wie der Sessel das macht weiß ich nicht. ER ist von Ikea und hat eine Halbliegefunktion, die ich auch ausgiebig nutze, jetzt beim Schreiben gerade nicht aber beim Lesen häufig.

    Wo war ich, bei der Entspannung heute. Heute morgen wollte Frau Herzbruch nicht im Sessel sitzen und als ich fragte, warum, erfuhr ich, dass sie nicht sprechen wollte. Wir saßen dann auf dem Balkon und sprachen, weil ich das Nicht-Sprechen ja sowieso schon durch meine Frage kaputt gemacht hatte. Irgendwann am späten Mittag brach Frau Herzbruch auf, ich duschte und danach tat ich einfah nichts. Ich überlegte kurz, hatte nämlich Lust auf einen aufgeräumten Küchenschrank jedoch nicht auf das Aufräumen, hatte Lust auf Essen aber nicht auf Kochen auf dem Balkon war jetzt Sonne, da gehe ich natürlich nicht raus, aber neben der geöffneten Balkontür stand ja das Gästebett, also legte ich mich darauf und las den ganzen Nachmittag unterbrochen von Katzenkraulen und Nickerchen und damit bin ich auch jetzt gerade erst fertig geworden.

    Was mir aufgefallen ist: mein Geist ist jetzt entspannt aber mein Körper tut überall weh, irgendwas so dezent mit Lendenwirbelsäule und der untere Nacken und als ich vorhin nach diversen Stunden aufstand waren meine Füße kurz irgendwie etwas versteift, so als hätten sie das Laufen verlernt. Mein Körper tut normal nie weh, außer er hat Fieber, das hat er aber nicht. Ob das vom bewegungslos Herumliegen kommt? Kann darüber eine Person, die das Herumliegen gewohnt ist, Auskunft geben und bitte auch darüber, was ist nun die korrekte Vorgehensweise ist? Ibuprofen?

    Das muss ich noch erforschen, wenn diese neue Gebrechlichkeit vom Herumliegen kommt, möchte ich das nämlich nicht mehr. Ich bin lieber unentspannt und schmerzfrei als ein entspanntes Wrack.

    November seit 6617 Tagen

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