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    Donnerstag, 8. November 2018
    Gut!

    Ein Tag mit guten Nachrichten, sehr guten Nachrichten, nur kann ich Sie leider nicht hier teilen, denn die einen sind noch nicht offiziell und die anderen wurden mir im Vertrauen mitgeteilt. Insofern kann ich keine Beweise dafür liefern, dass das ein guter Tag war, Sie müssen mir einfach vertrauen.

    Andererseits war auch ein merkwürdiger Tag, ich war am späten Nachmittag noch einkaufen, unter anderem in der Apotheke, dort traf ich eine Frau, die sich eine Salbe gekauft hatte, die auf den Rücken muss. Diese Frau kannte aber niemanden, der ihr die Salbe auf dem Rücken hätte auftragen können, also was tut man logischerweise in einer solchen Situation? Genau: mich ansprechen.

    Die Frau war vorbereitet, neben der Salbe hatte sie auch in der Drogerie Einweghandschuhe gekauft, wir gingen also in die Damentoilette und ich half ihr mit der Salbe. Wobei ich dann kurz überlegt - denn die Salbe war jetzt nichts, wozu man zwingend Handschuhe benötigt hätte - ob es unangebracht ist, die Handschuhe zu verwenden, weil es ja den Eindruck erweckt, man könne diese Frau nur mit Gummihandschuhen anfassen, aber andererseits war es ja genauso gut möglich, dass die Frau gar nicht von irgendwem Fremden ohne Handschuhe angefasst werden mochte. Einen Moment lang drehte sich mein Kopf ob dieser insgesamt unerwarteten Situation und den nun zu treffenden Entscheidungen, aber dann erinnerte ich mich, dass ich ja gar nichts entscheiden musste, das war ja schon geschehen: die Frau hatte Salbe, Anliegen und eben Handschuhe. Man muss nicht ständig das Rad neu erfinden.

    Passend zu diesem Tenor habe ich im Büro momentan einen Zettel am Bildschirm hängen, darauf steht:

    a) Das ist wohl so.
    b) Das wird noch bekannt gegeben.

    Diese beiden Sätze sind eine Anweisung des Oberchefs zur Beantwortung von Fragen, die mir möglicherweise in der nächsten Zeit gestellt werden. Weil ich mir Unsinn schlecht merken kann, habe ich mir die Sätze aufgeschrieben und werde - sollte eine der beiden erwarteten Fragen an mich gerichtet werden - getreulich den passenden Satz a) oder b) nach kurzem Blick auf den Zettel vortragen.

    Mittwoch, 7. November 2018
    Pläne

    Ich habe heute den zweiten Anlauf für dieses Jahr gemacht, eine ganze Menge Termine und Pläne zu machen. Und ich hoffe mal sehr, dass es dieses Mal besser ausgeht.

    Dienstag, 6. November 2018
    Zahnfee

    Eine Freundin von mir wollte neulich mal was tun, was sie noch nie gemacht hat, so als Nervenkitzel quasi. Prompt habe ich das aufgegriffen und heute auch mal gemacht, was ich nie vorher tat, nämlich zur Zahnärztin gehen, mir einen Milchzahn ziehen und an die Stelle ein Implantat in den Kiefer bohren lassen:


    Helferin: Das ist die Angstpatientin.

    Zahnärztin: Nein, das ist die Frau N.

    Frau N: Ich bin auch Angstpatientin!

    Zahnärztin: Sind Sie nicht.

    Helferin: In der Akte steht es so!

    Zahnärztin: Ich kenne Frau N seit 17 Jahren und sie ist keine Angstpatientin.

    Frau N: Ob ich Angstpatientin bin oder nicht, entscheide ja wohl ich! Ich habe immer sehr viel Angst nur merkt man mir das nicht an. Aber sie ist da!

    Zahnärztin: Sie haben ein ganz normales Unwohlsein wie jeder beim Zahnarzt. Und dann haben sie zusätzlich eine große Klappe und es fällt Ihnen schwer, mal nicht zu reden. Aber das macht Sie noch nicht zur Angstpatientin, so und jetzt fangen wir an, wirkt die Betäubung schon, ich teste mal *zapp zieht den Zahn* haben Sie was gemerkt?

    Frau N: eee

    Zahnärztin: Prima. Dann mache ich jetzt das Implantat. Meine Güte, Helferin, Sie haben mir die Möpse schon wieder so fest in den OP-Kittel eingebunden, das ist doch Schikane.

    Frau N: gaa?

    Zahnärztin: Pscht. Sie machen jetzt mal einfach gar nix außer den Kopf zu mir drehen und den Mund auflassen.

    Frau N: ng

    Zahnärztin: *bohrt ein Loch in den Kiefer und schraubt mit einer Art Autowerkzeug etwas hinein, näht irgendwas zu* So, schon fertig, Sie haben sehr gutes Knochenmaterial, Frau N!

    Frau N: ganke

    Zahnärztin: Sie können ruhig normal sprechen, da ist jetzt gar nix.

    Frau N: Goch (spuckt blutigen Wattebausch aus)

    Zahnärztin: So dann machen wir mal ein Bild zur Kontrolle.

    (...)

    Zahnärztin: Scheiße.

    Frau N: Das hört man in diesem Ambiente nicht gern!!

    Zahnärztin: Das ist ein bisschen geneigter als ich es geplant hatte. Man könnte das so lassen, aber ich denke wir machen es lieber perfekt - Frau N, jetzt kommt Nachsitzen für Fortgeschrittene, Helferin, wir brauchen wieder die Häubchen und Kittel und nochmal alles steril!

    Frau N: Waa??

    Zahnärztin: *schneidet was auf, schraubt was raus, bohrt was, schraubt was rein, näht was zu* So, nochmal ein Bild.

    (...)

    Zahnärztin: So, jetzt ist es perfekt! Tut was weh?

    Frau N: Nee. Kann ich zum Sport heute?

    Zahnärztin: Nein.

    Frau N: Das ist nur...

    Zahnärztin: Nein.

    Frau N: A...

    Zahnärztin: Nein.

    Frau N: Okay.

    Montag, 5. November 2018
    Wmdedgt 11/2018

    (Was Wmdedgt ist und die übrigen Beiträge dazu finden Sie, wie immer, hier, bei Frau Brüllen.)

    Der Tag begann früh, sehr früh, nämlich gegen 3 Uhr mit Wachliegen wegen Schulterschmerzen. Woher - keine Ahnung, aber Herumwälzen brachte keine Erleichterung. Irgendwann beschloss ich, dass ich dann eben Schulterschmerzen habe, unabänderlich und kein Grund, sich ständig neu zu positionieren. Ist halt so. Darüber schlief ich wieder ein und morgens war alles gut.

    Dennoch war es morgens um 6 gefühlt früher als sonst morgens um 6. Sehr unangenehm. Aber trotzdem wurden wir alle rechtzeitig mit allem fertig und ich brauch mit Herrn N gegen 8 Uhr zum Arzt auf und von dort dann weiter ins Büro.

    Im Büro kam ich zunächst einmal gar nicht an meinem Arbeitsplatz an, denn es war ein Gast aus New York eingetroffen und dessen Ansprechpartnerin unauffindbar. Also trank ich mit ihm Kaffee, wir schauten von oben auf die zahlreichen Baustellen in der Innenstadt und er erzählte mir allen möglichen Entwicklungen aus dem Mutterhaus.

    Etwa eine Stunde später (viele Baustellen, viele Entwicklungen), landete ich dann doch endlich am Schreibtisch aber noch bevor der Rechner komplett hochgefahren war, schlenderte der Oberchef vorbei uns sagte "Also, wenn wir dieses Jahr noch über XY sprechen wollen, dann müsste das heute sein, genau gesagt in spätestens einer halben Stunde." XY ist jährlich wiederkehrendes, komplexes und streitträchtiges, aber unausweichliches Thema und über die Jahre hat der Oberchef dazu seine Zermürbungstaktik durch ständige Terminabsagen, -verschiebungen und -abbrüche perfektioniert - so dass ich dieses Jahr beschlossen hatte, XY einfach totzuschweigen, bis er es von selbst auf den Tisch bringt. Also sagte ich: "XY in einer halben Stunde?? Da bin ich jetzt aber unvorbereitet!" und zog dann meine Unterlagen, die ich seit mindestens August hege und pflege und seit ungefähr Mitte Oktober alle paar Tage minutiös aktualisiere und mir vergegenwärtige aus dem Schrank.

    Nach einiger Zeit lockerte der Oberchef seine Krawatte und ich antwortete sieben mal auf "reicht das jetzt?" und "Sie machen wohl Witze!" einfach "Nein" und dann war alles unterschrieben, schnell wie nie (ok, immerhin 5 Stunden, aber sonst zog es sich über Tage) und zu meiner äußersten Zufriedenheit.

    ("Nein" ist ein sehr schönes und sehr wirkungsvolles Wort.)

    Dann schaute ich noch einem anderen Bereich vorbei, der diese Woche oder länger zur Hälfte wegen Krankheit ausfällt, aber dort sortierte ich nur ein paar Dinge und klärte Verantwortlichkeiten und mehr wurde von mir nicht benötigt.

    Auf dem Heimweg ging ich noch einkaufen und musste sehr an mich halten, im Supermarkt nicht einfach alles, was da lag aufzuessen. Eine Mahlzeit hatte bis dahin nämlich noch nicht für mich stattgefunden. Ein kleines Marzipanbrot brachte mich dann tatsächlich noch nach Hause.

    Dort einen Moment Couch, dann Sachen verräumen, Tablette in die Katze (im ersten Versuch, yeah!), Elterntelefonat, Abendessen.

    Jetzt müde.

    Sonntag, 4. November 2018
    Kaffee & Kuchen

    Eine der besseren Ideen, die ich in der letzten Zeit hatte, war, ein monatliches Kaffee & Kuchen bei mir zu Hause am Küchentisch mit Freunden einzuführen.

    Ursprünglich dachte ich mir nur: ich backe gerne Kuchen, aber zu dritt schaffen wir den nie und in einer kleinen Form backen ist so anstrengend wegen der Umrechnung der Zutaten. Also soll halt wer kommen und mitessen, man sieht sich ja eh, warum nicht auch zum Kuchen, dann passt das doch alles gut.

    Nun hat sich - das muss ich nach dem dritten Kaffee & Kuchen feststellen - das ursprüngliche Problem mit dem Kuchen gar nicht gelöst. Da wir meist zwischen 8 und 10 Personen sind, reicht ein Kuchen nämlich gar nicht aus, ich mache also zwei und habe damit dann doch jeweils noch Reste. Aber ach, es gibt Schlimmeres als Kuchenreste, das war im Grunde eine sehr merkwürdige Motivation.

    Ich muss aber auch feststellen, dass ein gemeinsamer Sonntagskaffeeklatsch noch besser ist, als ich mir ausgemalt hatte. Wir treffen uns, wie gesagt einmal im Monat, an Sonntagen, die ich vorher festgelegt habe, um 16 Uhr. Ich backe den Kuchen und decke den Tisch, zwei von den Gästen bringen eine "Kaffeemaschine" (also so ein Kaffeedrückdingens, ich weiß nicht wie das heißt) und gemahlenen Kaffee mit, denn mit einem kleinen Kaffeevollautomaten lässt sich ein Kaffeeklatsch nicht bewältigen, ohne dass eine Person permanent mit Knöpfchen drücken und Reinigen beschäftigt ist. (Das war mir vorher auch nicht bewusst, wie sehr diese Vollautomaten auf individualistisches Kaffeetrinken statt auf große gemeinsame Runden ausgelegt sind.) Und dann sitzen wir alle zusammen um den Küchentisch, trinken den Kaffee und essen den Kuchen und unterhalten uns dabei und etwa zwei Stunden später gehen alle wieder nach Hause.

    So einfach, aber so schön.

    November seit 4805 Tagen

    Letzter Regen: 19. Mai 2019, 23:16 Uhr