Auch neu ist, dass ich bei "diesen Temperaturen" nun nicht mehr unbeweglich verharre und flach atme, sondern Aktivitätsschübe erleide. Heute z.B. habe ich Marmelade gekocht, zwei Tortenböden gebacken, 3 Ladungen Wäsche aufgehängt, 4 Ladungen Wäsche gefaltet und zwar alles relativ zeitgleich zwischen 17 und 20 Uhr. Dann war mir sehr warm.
In Wirklichkeit mache ich das alles nämlich nur, weil ich so gerne dusche. Ich dusche so gern, dass es schon absurd ist. Eigentlich würde ich jedes Mal, wenn ich mir die Hände wasche, am liebsten gleich duschen, einfach weil es so schön ist, und ich mache es nur aus Vernunftnicht. Nach Marmelade-und-Tortenböden-Backen bei über 30 Grad ist duschen aber natürlich legitim, auch wenn man eigentlich schon hatte.
In meinem Elternhaus gab es gar keine Dusche. Wie haben wir das gemacht? Ich habe Erinnerungen an reichliches Baden in der Kindheit, genau gesagt dass ich immer irgendwie aus der Badewanne wieder raus sollte, wenn ich doch noch gar nicht wollte. In einer Badewanne kann man natürlich auch duschen, das mache ich heutzutage, wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch bin, aber es gibt dort keinen und gab nie einen Duschvorhang, was das Untefangen verkompliziert. Mein Vater duscht auch mindestens täglich, er schafft das, ohne das Bad unter Wasser zu setzen und wir haben schon oft überlegt, wie das kommt. Die favorisierte Theorie dabei ist, dass mein Vater zum einen keine Haare hat, die man ausspülen müsste, deshalb geht alles viel schneller und allein die Zeit, in der Wasser fließt, ist schon deutlich reduziert, damit natürlich auch das Spritzwasser. Zweitens glaube ich auch, dass Wasser an Frauenkörpern anders abprallt als an Männerkörpern. Leider wird diese Theorie durch meinen Schwager - männlich und mit wenig Haar - maßgeblich geschwächt, denn er setzt das Bad noch viel mehr unter Wasser als ich. Aber: er ist auch viel größer als Papa N. und ich! Es kann damit zusammenhängen, Fallhöhe, logisch. Soviel also zu dieser Thematik, was ich eigentlich nur belegen wollte ist, dass ich in Bezug auf Duschen etwas nachzuholen habe, es ist also auch in dieser Hinsicht völlig okay, wenn ich mehrmals täglich dusche.
Nebenbei - ich bin ja mal ins Fitness-Studio gegangen. Eigentlich auch nur wegen der schönen Duschen dort.
Der Status quo ist also: ich habe Erdbeermarmelade, Erdbeerkuchen UND ich habe zweimal geduscht. Das nenne ich einen erfolgreichen Tag!
Die Wohnung dunkel und kühl gehalten, Schwimmen gegangen und Wassermelone gegessen. Alles richtig gemacht also.
Jetzt hitzefrei.
Ich habe das große Glück, einen sehr schönen Weg zur Arbeit zu haben. Nunja, nicht, wenn ich mit der S-Bahn fahre, dann ist er so wie vermutlich viele Arbeitswege: in die S-Bahn-Station eintauchen, 20 Minuten Tunnel, aus der Station auftauchen, fertig. Aber wenn ich mit dem Rad fahre. Der Weg beträgt knapp 9 km, von denen etwa 7 km direkt am Flussufer entlang gehen. Ich fahre von zu Hause einmal quer durch die Innenstadt, dann durch den Hafen, dann eben die 7 km Fluss, dann über eine Brücke, durch eine lange Straßenschlucht und bin am Rapunzelturm.
Heute gab es auf dem schönen Weg ein Ereignis, und zwar wird etwa auf halber Strecke seit längerem eine Brücke gebaut. Wie man Brücken genau baut, weiß ich natürlich nicht, aber heute musste etwas mit Wasser und mit Schweißen an der Stelle genau über dem Radweg gemacht werden, weshalb zwei Brückenbauarbeiter den Weg sperrten. Ich war die erste, die auf dieses Hindernis stieß. "Nur kurz", hieß es, und ich fragte den Brückenbauarbeiter, was denn da gemacht werde. "Ich habe nicht die Sprache", sagte er. "Mit Feuer und Wasser!" - Ich schaute nach oben und sah im Stahlgerüst Holzteile, die anscheinend irgendwie gewässert oder gesäubert wurden, jedenfalls spritzte Wasser mit ziemlich viel Wucht hindurch, und an anderer Stelle stoben Funken. "Vielleicht Schienen? Oder ein Gerüst?" fragte ich. "Vielleicht!" sagte der Brückenbauarbeiter und rieb sich die Hände.
Mittlerweile - wir standen dort nun geschätzt zwei Minuten - hatte sich eine ständig weiter wachsende Traube Menschen, sämtlich in Bürobekleidung und größtenteils mit diverser Technik im Gepäck, an beiden Seiten der Brücke versammelt und wurde zunehmend angespannt. "Das ist doch nur Wasser..." murrten die einen, "Unverschämtheit!" die anderen. "Feuer und Wasser ja!" sagte der Brückenbauarbeiter. "Nur kurz!"
Mittlerweile war auch Mutter Schwan mit ihren drei Küken herbeigekommen, um die Arbeiten an vielleicht Gerüst oder Schienen zu betrachten. Die Karnickel auf der Wiese hingegen mümmelten völlig unberührt weiter vor sich hin.
"Dass Sie das hier im Berufsverkehr machen müssen!", sagte ein Mann mit Laptoptasche auf dem Gepäckträger. "Ja, muss ich auch Beruf machen", antwortete der Brückenbauarbeiter. "Als ob man das vergleichen könnte!" rief Laptopman. "Ich muss ins Büro! Das ist wohl etwas dringender!" "Bauen Sie größere Brücken?" fragte ich, aber in diesem Moment fuhr ein Radfahrer mit Schwung hinten in die Menschentraube, bremste mit quietschenden Reifen und schrie "Ihr Wichser! Das ist ein Radweg!!" - "Arschloch!" brüllte ein anderer, warf sein Rad auf die Wiese und es gab Gerangel. "Ist gleich fertig!" sagte der Brückenbauarbeiter.
"Ich fahr jetzt, ist doch nur Wasser!" rief eine Frau mit Dutt und Kostüm. "Feuer und Wasser", sagten einige Umstehenden. Die Frau fuhr um den Brückenbauarbeiter herum und unter der Brücke durch, von oben kam ein Funkenregen, wir rochen verschmortes Horn. "Jetzt fahren Sie schon!!" drängelte es von hinten. Ein Dutzend Radfahrer schlängelten sich um die Absperrung und fuhren durch den Regen unter der Brücke.
"Ist nicht gut! Doch nur kurz!", rief der Brückenbauarbeiter. Aber es war vergeblich. Von etwa fünfzig Leuten konnte nur ein Bruchteil noch etwas Zeit aufbringen, um in der morgendlichen Sommerluft am Flussufer den Schwänen, den Karnickeln und dem Bau von Schienen oder Gerüst, vielleicht, zuzuschauen. Die übrigen wollten keinesfalls auch nur eine weitere Minute Aufschub des Bürotages in Kauf nehmen und fuhren mit ihren Anzügen und Kostümen durch den Wasser- und Funkenregen.
"Alle irre", sagte ich zum Brückenbauarbeiter. "Irre?", sagte er fragend. "Verrückt", erklärte ich mit gängiger Geste. "Bekloppt. Haben einen Vogel." Wir schauten noch einen Moment Familie Schwan zu, ein paar weitere Radfahrer fuhren durch Feuer und Wasser. Der Brückenbauarbeiter stieß mich mit haarigem Unterarm an: "Alle irre, ja?!" Ich nickte. Er rieb sich die Hände.
Dann kam von oben das Signal. "Fertig", sagte der Brückenbauarbeiter und trat aus dem Weg.
Bekanntlich hasse ich Sommer. Das ist so und das wird sich auch nie ändern.
Abgesehen davon finde ich Sommer aber seit einigen Jahren zunehmend okay. Dieses Jahr ließ er bekanntlich lange auf sich warten, das kam mir entgegen, ist er mir doch sonst häufig insgesamt zu lang. Jetzt hat man bereits etwa 1/3 der kritischen Zeit geschafft, da kann man den Rest richtig genießen.
(Anmerkung: Mit ein Punkt, warum Sommer immer erträglicher wird, ist natürlich die veränderte Wohnlage. Wer in einer nicht isolierten Dachgeschosswohnung aufgewachsen ist, weiß, wovon ich spreche.)
Besonders toll finde ich an diesem Sommer, das alles so einfach geworden ist. Mit Mademoiselle, meine ich. Vor der Reise neulich schreib ich schon über die nach 8 Jahren wieder aufgetauchte Möglichkeit, mit Minimalgepäck zu verreisen. Und jetzt ist es wieder möglich, einfach "mal kurz schwimmen zu gehen". Ohne vorher mehrere Wanderrucksäcke zu bestücken. Man braucht genau nur 2x Badebekleidung, 2x Handtuch, die Busfahrkarte und einen 10-Euro-Schein. Ist man luxoriös unterwegs, darf am Handgelenk vom Kind noch die Taucherbrille baumeln. Mit diesem leichten Gepäck kann man um 18 Uhr in den Bus stürmen und zum Freibad fahren, dort eine Stunde schwimmen, dem Kind Pommes als Abendessen kaufen und dann irgendwann zurückfahren - feste Schlafenszeit ist nicht mehr sooo das absolute Konzept für 8-jährige. Im Sommer. Wenn man Schwimmen gehen kann.
Hauptsächlich deshalb - wegen dem Schwimmen - ist Sommer jetzt erst einmal okay. Zumindest für die nächsten 2-3 Wochen. Und dann ist er ja eh fast vorbei.
Ich kann das gar nicht gut haben, wenn mir wer auf diese Art kommt!
(Aus der Reihe: Eine der besseren Ausreden, warum am Wochenende nullkommanix vom Lernkrempel weitergelernt wurde.)
Wie soll ich sagen - das mit den Erdbeeren wird erst nächste Woche was. Die Vorhut, die am Donnerstag auf dem Feld war, berichtete heute morgen und riet zum Aufschub um mindestens noch ein paar Tage. Freitag ist jetzt angepeilt.
In meiner Familie wurde übrigens schon immer Marmelade sehr spontan und in sehr großem Stil eingekocht. Das kam so: einen Garten hatten wir nie, aber Papa N. ist Landkind und sehr naturverbunden. Nachmittags hat er deshalb mit mir immer viele Ausflüge ins generelle "Draußen" gemacht, oft lagen auch Kleingärtenanlagen auf dem Weg. Zur besten Erntezeit beäugte Papa N. fachmännisch die Nutzplanzen, traf seine Wahl, lehnte sich gelassen an einen Zaun und rief einer nichtsahnenden Person im Liegestuhl zu: "Sie müssen hier aber mal die Kirschen runterholen, das verkommt Ihnen sonst, ne?!"
Es war dann eigentlich immer so, dass wir mit diversen Eimern Obst nach Hause kamen. Manchmal wurde nebenher noch Obst für den Besitzer geerntet, manchmal Skat gespielt, manchmal etwas gemeinsam repariert, manchmal gab es Bier oder Gegrilltes. Und natürlich einen neuen Bekannten. Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Johannis- und Stachelbeeren und Quitten - alles fand auf diese Art den Weg zu uns nach Hause. Nur die Brombeeren holten wir am Bahndamm.
Mittlerweile kann Papa N. nicht mehr so gut laufen, nach etwas 50 Metern braucht er ein Päuschen wegen der Hüfte. Die Familie kam aber überein, dass das keine größere Einschränkung darstellt - nie hat man diesen Mann je weiter als 50 Meter am Stück laufen sehen ohne jemand Bekanntes zu treffen und zum Quasseln anzuhalten, auch vor der Hüfte nicht. Und das Obst bringt er jetzt halt mit dem Fahrrad heim.
Es könnte sein, dass ich dieses Wochenende zum ersten Mal geplant Marmelade koche. Verstehen Sie mich nicht falsch - ich habe schon häufig Marmelade gekocht. Aber immer auf die Art, bei der man unvermutet mit einer Menge Obst aus dem Garten Bekannter in der Küche steht, zum Glück ganz hinten in einem Schrank noch 2-3 Päckchen Gelierzucker findet und die gesamte Familie dazu anhält, jetzt sehr schnell sehr viele fast-leere Gläser leerzufuttern, und in der Nachbarschaft nach Marmeladengläsern herumfragt, damit man die Marmelade auch irgendwo hineinfüllen kann.
Dieses Wochenende weiß ich aber schon, dass ich vielleicht Erdbeeren pflücken werde, und so werde ich morgen Gelierzucker kaufen. Gläser habe ich schon das ganze Jahr über gesammelt und im Schrank. Allerdings ist mir diese planvolle Vorgehen ein bisschen suspekt, so dass ich die heimliche Befürchtung habe, es wird an den Erdbeeren scheitern...
Verzeihung, heute geht es nicht, ich war bis vor kurzem auf einem Kindergeburtstag und ichkönnte schwören, dass ich von einer älteren Ausgabe dieses Kindergeburtstages bereits berichtet habe, ich habe damals ein bisschen Georgisch gelernt und ein Getränk auf Basis von Schnap, Knoblauch und Zitrone getrunken. Ich kann das hier aber partout nicht finden, naja, ich habe auch nicht gesucht, egal, vielleicht erinnern Sie sich.
Heute kam - bevor solche Getränke ins Spiel gebracht wurden - ein Unwetter auf. Vielleicht setzen wir das am Wochenende fort.
Frau N: Guten Tag, ich habe von Ihnen einen Brief und eine Mail bekommen, dass Sie mich nicht telefonisch erreichen können und dass ich mich melden soll. Worum geht es denn?
Versicherungstante: Ja, hm, lassen Sie mich mal schauen - ah, da sehe ich es, wir können Sie telefonisch nicht erreichen!
Frau N: Das stand im Brief, ja. Warum möchten Sie mich denn erreichen?
Versicherungstante: Wir haben keine Telefonnummer von Ihnen.
Frau N: Jajaja, das habe ich doch schon verstanden. Aber warum möchten Sie mich sprechen?
Versicherungstante: Frau N. es geht darum, unsere Daten zu vervollständigen. Darf ich denn die Nummer, die ich im Display sehe, eintragen?
Frau N (ärgert sich): Nein, das dürfen Sie nicht. Ich muss nochmal nachfragen: Sie haben mir eine Email und einen Brief geschickt, um meine Telefonnummer zu erfahren? Das ist ja irgendwie rührend, aber wozu soll das gut sein?
Versicherungstante: Damit wir Sie erreichen können, wenn etwas Dringliches ist.
Frau N: Sie haben doch meine Mailadresse.
Versicherungstante: Aber wenn etwas Dringliches ist.
Frau N: Sie haben doch meine Mailadresse.
Versicherungstante: Aber wenn etwas Dringliches ist.
Frau N: Sie haben doch - egal. Was denn Dringliches?
Versicherungstante: Ein Schadensfall!
Frau N: Einen Schadensfall bemerke doch ich zuerst und dann rufe ich Sie an, nicht umgekehrt. Sie sind ja die Versicherung. Für Ihre dringlichen Sachen bin ich gar nicht zuständig.
Versicherungstante: Und für Informationen.
Frau N: Was denn für Informationen? Meinen Sie Werbung?
Versicherungstante: Produktinformationen.
Frau N: Also Werbung.
Versicherungstante: Und Befragungen.
Frau N: Also Markforschung.
Versicherungstante: Also das würde ich jetzt nicht so sagen.
Frau N: Also ich würde sagen, dass ich Ihnen Beiträge zahle, damit Sie meine Versicherungsangelegenheiten regeln. Darüber hinaus möchte ich keinen Kontakt. Verzeihen Sie, wenn ich offen bin, aber ich finde es schlechten Stil, zahlende Kunden mit Werbekrempel zu belästigen.
Versicherungstante: Da haben Sie mich gründlich missverstanden. Es ist aber auch sehr ungewöhnlich, dass wir von einem Versicherungsnehmer keine Telefonnummer haben.
Frau N: Kommen Sie denn damit zurecht oder soll ich mich lieber woanders versichern? Ich bin flexibel.
Versicherungstante: Wir können Sie dann eben nicht zeitnah benachrichtigen, wenn etwas ist.
Frau N: Nur per Mail.
Versicherungstante: Ja, nur per Mail.
Frau N: Wunderbar.
Versicherungstante: Kann ich Ihnen denn sonst noch behilflich sein?
Frau N: Nein, danke.
(Alle irre.)
In der Küche stehen 24 Herzplätzchen, die aus jeweils 3 ausgestochenen Herzchen bestehen, mit Zuckerguss zusammegeklebt. Das jeweils mittlere hat ein etwa daumennagelgroßes Loch in der Mitte, dieses hat Mademoiselle mit Dingen - Dingen aus Zucker, also Liebesperlen, kleinen Schmetterlingen, Herzchen etc. - befüllt. Wir haben also 72 Herzplätzchen gemacht, davon in 24 ein Loch geschnitzt und das dann alles zusammengeklebt, nochmal Zuckerguss drüber und Verzierungen obendrauf. Dreimal ist uns der Zuckerguss ausgegangen und ich musste nochmal neuen anrühren. Drei Stunden hat das alles insgesamt gedauert, wir haben sofort angefangen, als wir um 17 Uhr nach Hause kamen und waren um 20 Uhr fertig.
Falls es je einen Grund für diese Aktion gab, ist er mir leider zwischenzeitlich entfallen. Und ich kann auch keines der Kunstwerke essen, denn Mademoiselle sagte mir nach Fertigstellung sämtlicher Exemplare, dass sie an einem ganz besonders hängt. Leider habe ich nicht gut aufgepasst, an welchem, ich kann also jetzt keins nehmen um nicht in Gefahr zu laufen, das falsche zu erwischen.
Das einzige Gute: morgen ist Mittwoch (Religion fällt übrigens morgen aus \o/). Eine solche Backaktion am Tag nach dem Putzen wäre absolut idiotisch. Am Tag vor dem Putzen hat sie selbstverständlich irgendwie ihre Berechtigung.