MamaN. zu Besuch bei FrauN.
Teil 1 (ahnungsvoll am Küchentisch):
MamaN: Kind, sag mal - Dein Computer ist schneller als meiner, oder?
FrauN: Ähm. Nicht unbedingt. Kommt rauf an welcher. Wieso?
MamaN: Ach, nur so.
FrauN: Mama - Du interessierst Dich nicht für Computer an sich. Sag mal, warum Du das gefragt hast.
MamaN: Ich will der Monika Bilder schicken, aber mein Computer ist ja zu langsam dazu.
FrauN: Ah. Meine Internetverbindung ist schneller als Deine, das stimmt. Willst Du sie von hier schicken?
MamaN: Aber meine Bilder sind nicht in Deinem Internet, oder?
FrauN: Äh - nein. Aber Du hast den LaptopDesGrauens ja hier, das ist dann kein Problem.
MamaN: Können wir dann meine Bilder auf Deinen Computer machen?
FrauN: Können wir, aber wollen wir nicht. Wir stecken einfach mein Internetkabel in Deinen Computer.
MamaN: Ach, das ist mir alles zu kompliziert, lass einfach.
FrauN: Nein, nein, das ist nicht kompliziert. Ich mach Dir das.
MamaN (im Rausgehen): Oh, schön, ja, dann mach das mal.
Teil 2: (quer durch die Wohnung gebrüllt zu spielen)
FrauN (nach Kabel stecken und LaptopDesGrauens hochfahren): Mamaaaaaaa??
MamaN: Was ist denn?
FrauN: Die Bilder??
MamaN (vorwurfsvoll): Ich dachte, Du machst das für mich!
FrauN: Mach ich doch auch. Aber die Mail musst Du schon selbst schreiben.
MamaN: Neee, also dafür hab ich jetzt keinen Nerv, ich spiel doch mit Mademoiselle! Schreib Du doch was.
FrauN: Ähm.
MamaN: Du tippst doch auch viel schneller.
FrauN: Mh. Ok... An wen denn überhaupt?
MamaN: An die Monika, die hab ich im Urlaub kennen gelernt.
FrauN: Ah. Im Adressbuch ist aber keine Monika.
MamaN: Ach, aber die hat mir letztes gemailt, darauf kannst Du doch einfach antworten.
FrauN (seufzend und Nachrichten der letzten 2 Jahre in der Inbox durchsuchend): Ok...
MamaN: Also Du seufzt so - wenn es Dir zu viel ist, dann lass es.
FrauN: Nein, nein, ist schon ok. Was soll ich der denn schreiben?
MamaN: Ach, irgendwas. Denk Dir was nettes aus.
FrauN: Mama - ich kenn die Frau gar nicht!! Ach - egal, ok... komm, zeig mir erstmal welche Bilder.
MamaN: Die, wo die Monika drauf ist. Im "Bilder" Ordner. Such einfach welche aus.
FrauN: Aber ich kenn die Monika doch nicht!!
MamaN: Die sieht richtig nett aus.
FrauN: Ah.
(Frau N. öffnet den Ordner "Bilder" in der irrsinnigen Annahme, dort einen Unterordner "Monika" oder "Urlaub 2008" vorzufinden. Frau N. findet alle Bilder der letzten 4 Jahre ohne jegliche Aufgliederung.)
FrauN: Mamaaaa??? Ich finde die Monika nicht!
MamaN: Kind, stell Dich doch nicht so an. Die hat eine karierte Bluse an!!
(FrauN. sucht grob nach dem Urlaubsdatum und entdeckt vier Bilder, die neben anderen Personen eine richtig nette Frau mit karierter Bluse zeigen. Frau N. hängt diese Bilder an die Mail, schreibt ein paar Zeilen an die fremde Frau und schickt die Mail ab.)
Teil 3: (am nächsten Tag, Epilog):
MamaN: Hast Du der Monika eigentlich die Bilder geschickt?
FrauN: Klar.
MamaN: Siehst Du. Da brauchtest Du mich ja gar nicht. Was hast Du denn geschrieben?
FrauN: Weiß nicht mehr - "Hallo hier ist die TochterN, ich schick die Bilder weil Mama so langsam tippt, hoffe es sind die richtigen weil ich ja nicht weiß, wie Sie aussehen" oder so.
MamaN: KIND! Da hättest Du Dir aber etwas mehr Mühe geben können! Und welche Bilder hast Du geschickt?
FrauN: Die von der Monika!!?
MamaN: Alle??
FrauN: Klar!
MamaN: Du hast nicht die schönsten ausgesucht und die, auf denen ich komisch gucke, weggelassen??
FrauN: Äh - nein.
MamaN (empört): Du machst es Dir ja leicht!!!
(...)
Zwischen einem 20-seitigen Persönlichkeitsprofil und den Kreditkartenabrechnungen aus 2004 lag dann auch das Rezept für den Spaghettisalat. 2 Wochen oder so zu spät gefunden. Egal, hat trotzdem gschmeckt.
(Rückfragen zum Persönlichkeitsprofil zwecklos, hab es weggeworfen.)
Ich glaub ich hab beim Sport noch nie so geschwitzt wie beim Sortieren der Finanz-, Versicherungs- und Immobilienunterlagen. Dei Erschöpfung hinterher ist auch eine andere.
***genervt***
Wir werfen nur gut gekühlte Küchenabfälle weg.
Ich hab mich früher immer gefragt, warum meine Mutter sowas sagt. Mittlerweile ist mir einiges klarer.
Bei abendlicher Durchsicht des Panini-Albums am Kinderbett.
Mademoiselle: Wer ist denn das?
Frau N: David Odonkor
Mademoiselle: Und in welchem Land spielt der?
Frau N (ehrlich gesagt in Erwartung von Komplikationen): Deutschland.
(Kurzes Schweigen)
Mademoiselle: Ist ja klar. Dachte ich mir doch. Der hat ja genauso Haut wie der Gradie bei mir im Kindergarten, und der Kindergarten ist ja auch in Deutschland.
is noch immer so warm
...
glaub ich
(gut, im Büro eigentlich nich
hab aber auch gar keine Socken an)
Ein Gefühl, auf das ich nicht richtig den Finger legen kann. Ich bin selten im Wald, momentan. früher fuhr ich im Sommer täglich hindurch, mit dem Rad, auf dem Weg zum Badesee, und ging im Wald laufen. Noch davor, als Kind, wohnte meine Freundin direkt am Wald und wir spielten dort und machten immer weitere Streifzüge. Sonntags ging ich mit Papa im Wald spazieren, wenn wir eigentlich in der Kirche sein sollten.
Das Gefühl, wenn ich weit nach oben durch die Baumkronen in den Himmel schaue, war: Zukunft. Ohne feste Vorstellung, aber ein sehr konkretes Gefühl. Dass etwas vor mir liegt, das ich machen werde, wenn ich erwachsen bin. Ein Gefühl, dieses Fremde zu leben, ein Kribbeln im Bauch.
Heute fuhr ich durch den Wald und wollte es gerade spüren, aber die Zukunft war Gegenwart. Nicht dieses aufgeregt Fremde, kein Kribbeln sondern Realität.
Das ist wie Weihnachten. Man freut sich ewig drauf, dann ist es da, und dann auch schon vorbei.
Ist schon wieder so weit. Und ich hab das alles noch gar nicht gelesen. Jetzt aber schnell, denn heute um 22:00 Uhr ist Schluss mit Abstimmen.
Und hier isses auch bald so weit. Nach dem Spiel ist zwar vor dem Spiel, aber der geschicktere Zeitpunkt, noch mitzumachen, liegt irgendwo innerhalb der nächsten Woche.
Großes Bier, indischer Rum, Cuba libre, Jägermeister. Umringt von vielen kleinen jungen Männern. Vom Nachbarn Einladung zur Porno-Party im Sonnenstudio erhalten. "4cl Sperma 2 Euro" (oder umgekehrt?) steht darauf. Ehrlich gesagt musste ich bisher nie dafür bezahlen, aber man wird ja nicht jünger. Und das alles auf den hohen Schuhen und vor 22 Uhr.
isso warm...
Kind: Was kochst Du da?
Frau N: Tomatensoße für die Nudeln.
Kind: Kann ich probieren?
Frau N: Klar.
Kind: Schmeckt lecker. Will ich nicht.
Frau N: Kriegste Nudeln einfach so.
Kind: Aber Spaghetti!
Frau N: Die kannst Du doch so schlecht essen.
Kind: Aber ich will so gern Spaghettiiiiii!!!
Frau N: Ok, ok, Spaghetti.
Wenig später, am Tisch:
Frau N: Soll ich Dir die Spaghetti schneiden?
Kind: Nein, ich rolle die. Aber - ich brauch was drauf!
Frau N: Soße?
Kind: Ketchup.
Frau N. macht Ketchup drauf. Wenig später:
Kind: Mir schmeckt das mit Ketchup nicht. Kann ich Nudeln nur so haben?
Frau N, augenrollend: Jaaaa (tauscht Nudeln aus.)
Kind: Ich kann das nicht rollen. Fütterst Du mich?
Frau N: Neee! Ich will selbst essen. Wenn ichs Dir klein schneiden soll, hol ein Messer.
Kind holt Messer, Frau N. schneidet Nudeln klein.
Kind: Mama? Ich fürchte ich brauche Ketchup!
Frau N: Was??? Du hattest eben Ketchup!
Kind: Aber mach den nicht drauf!
Frau N: Was???
Kind: Ich will den selbst drauf machen.
Frau N: Na. Dann hol ihn Dir und mach ihn drauf.
Kind holt Ketchup, macht Ketchup auf Nudeln.
Kind: Mama? Kannst Du mir das umrühren?
Frau N rührt mit der Gabel um.
Kind: Mama, so richtig umrühren, mit Löffel und Gabel. Unterheben heißt das!
Frau N: Dann hol'n Löffel!
Kind: Immer muss ich aufstehen und irgendwas holen!
Frau N: Tja, Du willst ja auch dauernd was anderes haben!
Kind holt Löffel, Frau N. rührt Ketchup unter Nudeln.
Kind: So ist das lecker.
Frau N: Mh.
Kind: Mama? Ich hab aber gar keinen Hunger...
(...)
Feiertage zählen nicht als Urlaub.
Das Essen bei dem Thai schmeckt genauso lecker wie vor 4 Jahren und die Gerüchteküche in dem Laden kocht auch noch genauso gut. Das Ganze ist schon fast filmreif. Allerdings geht mir selbst momentan jeglicher Enthusiasmus verloren und ich habe so wenig Lust wie noch nie, am Montag wieder in den Rapunzelturm zu klettern.
Das Kind kann nun volle Stunden auf der Uhr erkennen, was gewissen Probleme mit sich bringt. Noch ist es aber nicht allzu schlimm - es reicht, bis 10 nach zu warten und dann eine neue unwahre Behauptung loszulassen.
Heute die Gelegenheit gehabt, zu einem Mann zu sagen "Hey, wir tragen den gleichen Rock". Ich habe sie verstreichen lassen.
Diese manchen Leute auf dem Spielplatz, die ihrem Kind fortwährend rhetorische Fragen über den Alltagsablauf stellen. Nicht, um ein Gespräch zu führen, sondern um die gesamte Menschheit an ihren Verhaltensweisen teilhaben zu lassen. Daher auch immer ein paar Dezibel lauter als nötig und immer mit Einschätzungen versetzt, deren Teilhaber man eigentlich lieber nicht geworden wäre.
Dabei sprechen diese Leute dann auch noch einen Tick zu zögerlich. Nicht einfach langsam, sondern unrhythmisch. So, als fließe ihnen die Sprache nicht in den Mund, sondern als müssten sie sie mühevoll zusammenpuzzlen - hier ein Teilchen, dort ein Teilchen.
Es ist ein gewisser Trost, dass sie allesamt keinerlei demagogische Talente besitzen.

