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    Sonntag, 25. Mai 2008
    Geduld, Geduld...

    Kind: Was kochst Du da?
    Frau N: Tomatensoße für die Nudeln.
    Kind: Kann ich probieren?
    Frau N: Klar.
    Kind: Schmeckt lecker. Will ich nicht.
    Frau N: Kriegste Nudeln einfach so.
    Kind: Aber Spaghetti!
    Frau N: Die kannst Du doch so schlecht essen.
    Kind: Aber ich will so gern Spaghettiiiiii!!!
    Frau N: Ok, ok, Spaghetti.

    Wenig später, am Tisch:
    Frau N: Soll ich Dir die Spaghetti schneiden?
    Kind: Nein, ich rolle die. Aber - ich brauch was drauf!
    Frau N: Soße?
    Kind: Ketchup.

    Frau N. macht Ketchup drauf. Wenig später:
    Kind: Mir schmeckt das mit Ketchup nicht. Kann ich Nudeln nur so haben?
    Frau N, augenrollend: Jaaaa (tauscht Nudeln aus.)
    Kind: Ich kann das nicht rollen. Fütterst Du mich?
    Frau N: Neee! Ich will selbst essen. Wenn ichs Dir klein schneiden soll, hol ein Messer.

    Kind holt Messer, Frau N. schneidet Nudeln klein.
    Kind: Mama? Ich fürchte ich brauche Ketchup!
    Frau N: Was??? Du hattest eben Ketchup!
    Kind: Aber mach den nicht drauf!
    Frau N: Was???
    Kind: Ich will den selbst drauf machen.
    Frau N: Na. Dann hol ihn Dir und mach ihn drauf.

    Kind holt Ketchup, macht Ketchup auf Nudeln.
    Kind: Mama? Kannst Du mir das umrühren?
    Frau N rührt mit der Gabel um.
    Kind: Mama, so richtig umrühren, mit Löffel und Gabel. Unterheben heißt das!
    Frau N: Dann hol'n Löffel!
    Kind: Immer muss ich aufstehen und irgendwas holen!
    Frau N: Tja, Du willst ja auch dauernd was anderes haben!

    Kind holt Löffel, Frau N. rührt Ketchup unter Nudeln.
    Kind: So ist das lecker.
    Frau N: Mh.
    Kind: Mama? Ich hab aber gar keinen Hunger...

    (...)

     
    Aaaaaaah. Kriegt man mit der Geburt eines Kindes eigentlich sowas wie ein Zusatz-Gen?
     
    Nein, kriegt man nicht. Man härtet ab. Oder stumpft ab. Ich weiß es nicht. ;-)

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    Schön auch die Tochter des Kollegen, die letztens im Restaurant anfing, Knoten in die Spaghetti zu machen.
     
    Ich bewundere Ihre Geduld
     
    *grins*

    Ach wissense, Sie müssen dem Kind nur in die unschuldig dreinblickenden Augen schauen. Schon sind Sie eingewickelt. Ist halt so bei Kindern *seufz*
     
    Eingewickelt wie so eine Spaghetti? Immerhin will sie Sie nicht noch geschnitten ;)

    (Die Geduld würde mir fehlen, definitiv. Meine Bewunderung ist Ihnen beiden von nun an gewiss).

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    Hihi, ja, genau, so ist das.

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    Nee, ne?
    Ein Mal vielleicht noch. Vielleicht an einem guten Tag sogar gern. Aber spätestens beim dritten Mal wär mein Geduldsfaden am Ende.
    Wenn ich mir vorstelle, das würden meine alle 3 so machen - wann ich dann wohl meinen ersten Spaghetti geschlürft hätte... ;-)

    Fürchten Sie nicht, daß Ihnen das Kind irgendwann nur noch auf der Nase rumtanzt?
     
    Ganz so weit
    würde auch meine/unsere Geduld oder Dienstleistermentalität nicht reichen.

    Diese Spielchen versucht unsere Kleine natürlich auch zu spielen, aber meine Bereitschaft dazu erlahmt meistens recht schnell. Und ich fühle mich nicht als schlechter Papi, wenn die Kleine mal heult, weil sie ihren Willen nicht bekommt. Das mag temporär nervig sein, aber wesentlich mehr würde es mich nerven, 24/7 den Dienstboten meiner Tochter zu spielen.
     
    Man merkt manchmal erst hinterher, wie man geneppt wurde. So im Nachhinein fasse ich mir da auch an den Kopf ;-)
     
    Wer noch nie von seinem Nachwuchs geleimt wurde, werfe den ersten Stein. ;-)

    Ach ja, haben Sie neulich diese Titelgeschichte im "Stern" gelesen? Die hat es mal ganz gut auf den Punkt gebracht, wohin dieser Trend zur Nichterziehung von Mittelstandskindern führt...
     
    Nein, habe keine Zeit zu lesen weil ich doch rund um die Uhr das Kind bediene... Nein, leider nicht ;-) Ich kann mir aber lebhaft vorstellen, wozu das führt und bin kein Fan davon. Manchmal komme ich allerdings nicht ganz mit. Gerade wie bei Obigem. Das "was" beim Essen ist sonst keinerlei Diskussionsgegenstand, so dass ich erstmal wirklich nicht auf den Trichter kam, dass ich einmal durch die Manege geführt werde.

    Und/Aber: Der Abgleich zwischen temporärem Geplärre und 24/7 Dienstbotentum ergibt natürlich ein eindeutiges Ergebnis. Plärren finde ich auch ganz ok, Frust muss ja raus, und Frust muss auch mal sein. Nur, so ganz in der Praxis läuft es eben manchmal anders. Das ist wie mit zahlreichen anderen Dingen: man weiß, was gut und was richtig ist, aber es ist so verdammt anstrengend, und deshalb findet (bei mir) auch kein 24/7-gut-und-richtig statt.

    Insofern auch @phileas - ja, manchmal habe ich Angst, dass sie mir irgendwann komplett auf der Nase herumtanzt aber meistens glaube ich, auf einem guten Weg zu sein, das zu vermeiden. Über die Aussetzer zwischendrin dürfen Sie sich mit mir erheitern :-)
     
    Solange man sich noch
    drüber im Klaren ist, dass es temporäre Aussetzer sind, dann ist das ja alles noch im grünen Bereich. Wir haben Bekannte in Berlin, ultratypische Prenzelberg-Klientel mit linksdrehendem selbstverwalteten Montessori-Rudolf-Steiner-Dalai-Lama-Gedächtniskindergarten, da hat deren Kleine, die so alt ist wie unsere, neulich so einen Film mit will-dies-doch-nicht-will-lieber-jenes-
    oh-dann-doch-nicht-sondern-sonstwas von mittags bis zum dramatischen Abends-ins-Bettgehen durchgezogen. Da steht man dann fassungslos, wartet darauf, dass sich das als Gag mit versteckter Kamera entpuppt oder endlich mal das überfällige Donnerwetter niederprasselt - und es passiert

    nichts. Nada, niente, nihil, nothing, nitschewo.

    So gut befreundet ist man dann halt doch nicht, dass man fragen würde, aber sonst gehts noch? Und irgendwie bewundert man die Leute ja auch für ihre Engelsgeduld. Aber bevor es so läuft, höre ich mir lieber an: "Wäääääh, Papi, Du bist doof, und darfst nicht zu meinem Hello-Kitty-Geburtstag kommen"...

    ;-)
     
    Frau Novemberregen, eigentlich könnte ich mir das auch gar nicht anders vorstellen bei Ihnen.
    Mich fasziniert bei uns immer wieder, wie wir uns mit unserer Geduld und auch deren klarem Ende abwechseln, die Gattin und ich ;-) Das ist wie das Spiel "Guter Bulle - böser Bulle". Wir müssen nur immer aufpassen, daß wir uns nicht gegenseitig in die Parade fahren und dann voneinander das Gefühl kriegen, uns in den Rücken zu fallen.
    Was die lieben Kleinen natürlich ganz schnell ganz genau raus haben und sehr gezielt nutzen.
    Die Balance zwischen straighter Durchsetzung und heiterer Inkonsequenz ist die Würze des Alltags im Familienleben, nicht wahr? ;-)

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