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    Donnerstag, 27. Oktober 2022
    27.10.22

    Dann geschieht das Unerwartete. Ich hatte antizipiert, dass heute der anstrengendste Tag einer anstrengenden Woche wäre, weil er unter anderem vorsah, dass ich um kurz nach 6 Uhr in einem ICE sitze. So war es dann auch, ich saß in diesem ICE, es wurde langsam hell aber es war neblig, ich las ein Buch, schaute ab und an aus dem Fenster und dachte, für mich selbst höchst unerwartete: "Das ist alles sehr okay, so wie es ist." Das war ein schöner und friedlicher Gedanke. Er hielt sich den Tag über, also nicht permanent, aber er kam immer mal wieder zum Vorschein.

    12 Stunden später auf dem Rückweg war mir sehr langweilig. So langweilig, dass ich plötzlich laut sagte "Mir ist unendlich langweilig!". Mir gegenüber saß ein Mann, etwa in meinem Alter (also vermutlich ca. 10 Jahre jünger, ich halte immer ca. 10 Jahre jüngere Personen für Personen in meinem Alter), mit Anzug, Krawatte, Krawattennadel und Laptop. Er klappte seinen Laptop zu und sagte "Dann wollen wir uns jetzt angeregt unterhalten!" Das taten wir dann, das war sehr schön.

    Ansonsten noch zwei Dinge: Seit Tagen, nein wirklich seit Wochen will ich allen, mit denen ich spreche, von einer bestimmten Sache erzählen, aber ständig entfällt es mir wieder. Nur ein einziges Mal habe ich davon bisher erzählt, denke aber, die ganze Welt sollte es wissen. Neulich traf ich nämlich im Aufzug eine Frau, sie war ca. 1 Kopf kleiner als ich und hatte dickes schwarzes Haar, sie trug ein elegantes Business-Kostüm und High Heels und sie hatte, so wie das bei Personen mit dickem schwarzen Haar öfters ist, genau dort ein paar vereinzelte ergraute Haare, wo man das selbst so gut wie nicht sehen kann - oben mittig Richtung Hinterkopf. Nur sehr wenige, sie hatte einen Haarwirbel dort, so dass sie in alle Richtungen gingen, weißgrau im schwarz. Diese Frau hatte die grauen Haare aber entdeckt, sie hatte nämlich in ihrer Mitte mit irgendwas (Haarnadel?) einen weißen Spinnenkörper MIT WACKELAUGEN!!! befestigt, so dass die vereinzelten weißgrauen Haare wie eine Spinne wirkten. Das zum wirklich sehr eleganten Outfit. Das hat mir die beste Laune der Welt gemacht.

    Die zweite Sache: ich verfolge aktuell einen Plan, nämlich versuche ich, immer, bevor ich etwas mache, ein paar Sekunden abzuwarten. Also bis 10 zu zählen oder dreimal tief zu atmen oder sowas. Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich alles, was gemacht werden sollte, immer sofort mache: irgendwem völlig Fremdes fällt was runter, ich hebe es auf. Irgendwo knallt ein Fenster, ich mache es zu. Irgendwer weiß nicht wie etwas geht, ich erkläre es oder mache es gleich selbst. Irgendwer möchte die Umlaufbahn der Welt verändert habe, ich schubse mal eben. Sie wissen, was ich meine, es ist ganz offensichtlich. Und einerseits auch völlig okay, ich habe nicht das Gefühl, dass ich zu viel mache, aber andererseits langweilen mich latent alle anderen Menschen, weil die ja gar nichts machen. Das ist ungerecht, denn wie sollen sie, wenn ich es immer sofort schon getan habe, man möchte ja kein Gerangel. Es gelingt mir schon zwei bis dreimal am Tag, wenn ich sehr darauf achte auch vier Mal und dabei gibt es dann für mich Neues zu beobachten. Ob es insgesamt gut oder schlecht (für mich) ist, kann ich noch nicht sagen, aber es ist auf jeden Fall interessant. Ich werde dieses Projekt daher weiter verfolgen.

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    Letzter Regen: 25. November 2022, 23:56 Uhr