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    Mittwoch, 31. Juli 2013
    Blogging November - 617

    Was macht man an so einem Urlaubstag?

    Der Wecker klingelte um 7:15 Uhr, denn trotz Urlaub kam die Putzfrau um halb 8. Ein kleines bisschen Fehlplanung vielleicht, allerdings kann sie zu keinem anderen Termin und so hatte ich die Wahl zwischen einmal im Urlaub früh aufstehen oder selbst putzen. Ich stehe dann lieber früh auf.

    Eigentlich hatte ich gedacht, nach etwa zwei Stunden wäre das Putzen beendet. Frau Herzbruch hatte mir das so erzählt, weil sie einmal wissen wollte, ob ich es in Ordnung finde, dass ich für vier Stunden bezahle, aber nur zwei Stunden geputzt wird. Ich fand das in Ordnung, weil ich für das Reinigen der Wohnung bezahle, was jedes Mal absolut perfekt geleistet wird. Ich halte vier Stunden für eine angemessene Zeit; wenn die Putzfrau das in zwei Stunden schafft, hat sie meine volle Bewunderung und das Geld definitiv verdient. Heute kam allerdings die Vertretungsputzfrau und brauchte - obwohl sie auch sehr zügig zugange war - 4,5 Stunden. Das war blöd, weil ich mich sowieso immer unwohl fühle, wenn um mich herumgeputzt wird, das ist ein Pubertätstrauma aus der Zeit, als Mama N. morgens wiederholt den Staubsauger vor die Tür meines Zimmers gefahren hat, während ich noch im Bett lag.

    Mademoiselle hatte sich gewünscht, das Haus nicht verlassen zu müssen und den ganzen Tag spielen zu können. Das tat sie auch. Ich umsorgte unterdessen die Wohnungen zwei verreister Nachbarn und telefonierte etwa eine halbe Stunde mit einem Geigenverleih, deren Mailbestellformular nicht funktioniert, weshalb wir verschiedene Tests machten bis ich dann eben telefonisch die Geige bestellte. Danach telefonierte ich 1,5 Stunden mit Frau Herzbruch über Bekleidung. Und dann noch etwa fünfmal für jeweils zehn Minuten mit Malermaurerparkettmeister Bart, wobei es um die Rechnung für die geleistete Arbeit ging, aber nicht etwa um Unstimmigkeiten sondern darüber, wie diese zu mir käme. Ganz einfach per Post, sollte man meinen. Meister Bart sah das aber ganz anders, am Ende trafen wir uns aus für mich nicht ganz nachvollziehbaren Gründen im Einkaufszentrum, wo ich sowieso gerade war, und er bestand darauf, mir noch einen Briefumschlag zur Rechnung zu schenken, damit ich es etwas einfacher habe, diese an die Versicherung weiterzuleiten. Ich habe es mir schon vor längerer Zeit zur Gewohnheit gemacht, die Bälle, die mir das Leben zukickt, einfach weiterzuspielen, auch wenn ich nicht genau weiß, wie oder warum sie nun gerade vor meinen Füßen gelandet sind. Da nehme ich meine Handwerkerrechnungen eben im Untergeschoss eines Drogeriemarktes entgegen, plus unbeschrifteten, zerknitterten Fensterbriefumschlag. Warum auch nicht.

    Dann dachte ich noch geraume Zeit über ein Geburtagsgeschenk nach. Frau Herzbruch hatte ja kürzlich Geburtstag und ich war zunächst in einer Geschenkbredouille. Also tat ich das Naheliegende: ich googelte "Geschenk Professor". Die Ergebnisse waren aber unbefriedigend. Also tat ich das danach am nächsten liegende, nämlich nichts. Zwei Tage vor Aufbruch in den Urlaub, an den sich sofort der Geburtstag anschloss, geriet ich unter Druck, auch das war vorhersehbar und gewollt, denn unter Druck kann ich besser denken. Das Problem: mein Gehirn spuckte unter Druck nicht eine Geschenkidee aus, sondern acht. Zwei davon fand ich aber langweilig, sechs weitere ließen sich in der Kürze der Zeit nicht mehr umsetzen, ich hatte also zwei Ideen übrig, die beide Erlebnisse betrafen, also Gutscheinform hatten. Dann konnte ich mich nicht entscheiden, hatte aber dafür auch schon eine Lösung, nämlich bereitete ich beide Ideen vor in der Annahme, nach meinem Urlaub mit klarerem Kopf binnen Sekunden die richtige Entscheidung treffen zu können.

    So war es auch. Jedoch: ich hatte die Gutscheine schon verpackt. Natürlich markiert, ich bin ja nicht dumm - im selben Papier (weil es so gut zu Frau Herzbruch passte, farblich), aber einmal längs- und einmal quergestreift. Nun müssen Sie aber wissen, dass ich geometrisch herausgefordert bin. Oder konkret: ich konnte mich partout nicht erinnern, welcher Gutschein nun längs- und welcher quergestreift war. Also schenkte ich Frau Herzbruch beides mit dem Hinweis, sie könne sich eins aussuchen und ich hätte mich auch darauf hinaushandeln lassen, dass sie beides nimmt, aber Frau Herzbruch, immer für eine Überraschung gut, nahm etwas Drittes, was ich gar nicht offeriert hatte. Wir pflegen keinen zimperlichen Umgang miteinander.

    Der wirkliche Fehler geschah aber danach: ich nahm die verschmähten Gutscheine nicht mit nach Hause. Und den einen davon könnte ich nun so außerordentlich gut am Wochenende anderweitig gebrauchen. Sehr, sehr ärgerlich. Jetzt aber schon nicht mehr, wohl dem, der ein gutes Backoffice hat: der Gutschein, der in digitaler Form noch irgendwo auf den Büroservern weilt, wird mir von einer Kollegin (IT natürlich, was sonst) morgen zum Abendessen mitgebracht.

    Über all das dachte ich also nach, während ich regungslos auf der Couch lag und man auf die Ferne hätte denken können, ich hielte einen sehr ausgiebigen Mittagsschlaf.

    Sonst war gar nichts heute. Urlaub halt.

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