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    Montag, 1. Februar 2021
    01022021

    Wie erwartet war der Tag ganz besonders hervorragend. Der neue Mensch, der ich jetzt bin, hatte gleich schon vor 9 Uhr morgens Streit mit Frau Herzbruch!

    Am Vormittag sah ich echte fremde Menschen, draußen in der echten Welt. Na gut, die wirklich fremden Menschen waren in einem Raum, der von meinem mit einer Glaswand abgetrennt war (nein, nicht im Gefängnis oder so, es handelte sich um eine coronakonforme Besprechung). Mit mir im Raum war mein Kollege, der zwar nicht fremd war aber ich hatte ihn immerhin auch seit knapp 3 Wochen nicht gesehen. Es wurde Cappuccino gereicht der ganz hervorragend aussah. Wie er schmeckte weiß ich nicht, weil ich dem Kollegen verbot, die Maske abzunehmen und sie deshalb selbst halt auch nicht abnehmen konnte.

    Am Mittag empfing ich viele Pakete. In Erwartung meines neuen Lebens qua Entschluss ging ich für zukünftig von stark erhöhter Professionalität und extrem verbessertem Nachtschlaf aus, hatte daher 10 Seidenblusen und 10 Pyjamas bestellt. Die Pyjamas sind alle perfekt, die Seidenblusen sind alle meh. Interessanterweise größtenteils zu kurz. Es geht ja nicht, dass ich im Büro - ich gehe ja davon aus, dass teure Seidenblusen länger halten als die Pandemie - die Arme hebe und dann bauchfrei da stehe. Und ich hebe oft die Arme im Büro. Jubelnd oder um was nach wem zu werfen oder um Akten von irgendwo oben herunterzuangeln, was man eben so tut. Kurz: ich habe nun 10 super Pyjamas und keine neue Bluse. Was das für die nächsten Monate bedeutet lasse ich auf mich zukommen.

    Am Abend traf ich mich mit spannenden Frauen, die immerhin auch noch ein bisschen fremd sind, im Video. Ich habe absoluten Mangel an Begegnungen mit fremden Menschen. Vielleicht (er)finde (ich habe mich noch nicht informiert) ich eine Plattform, bei der man jeden Abend mit einer bis dahin fremden Person ein Stündchen im Videochat verbringt. Übermorgen habe ich immerhin zwei Vorstellungsgespräche, auch fremde Menschen, wunderbar. Die Stelle gibt es aber wirklich, das möchte ich dazu sagen, sollte ich Vorstellungsgespräche zum Amüsement betreiben, dann in der Rolle der Bewerbenden - darauf war ich aber bis gerade noch gar nicht gekommen, ich behalte das mal so ganz lose im Hinterkopf, man weiß ja nie.

     
    Dieses mit Fremden chatten gibts doch schon ewig, wenn ich mich recht erinnere. Stichwort: Chatroulette. Ich hab jetzt auch nicht recherchiert, aber das Wort schoss mir spontan ins Gehirn.
     
    Oh Gott. Chatroulette.
    Das war da, wo selbst die Typen, die Klavier gespielt hatten, nach 30 Sekunden "can I see your tits?" gefragt hatten.
     
    Bitte was anderes vorschlagen.

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    Perfekte Pyjamas?
    Können Sie mehr verraten? Was macht die so super? Wo sind die her? Ich dümple immer noch mit Top und Schlafanzughose rum und möchte in würdiger Montur morgendlichem Klingeln die Türe öffnen ( nicht dass es hier je vor meiner Transformation in Tür-Öffnenbarer-Gestalt je klingeln würde). Aber ich hätte gern die Gewissheit, dass ich im Pyjama die Tür öffnen könnte, ohne mir im Nachgang darüber Gedanken zu machen.
     
    Meine Anforderungen sind anders. Ich trage im Pyjama Katzen auf meiner Schulter umher, daher sind sie immer zerlöchert. Die perfekten Pyjamas sind also neu (im Sinne von lochfrei) und billig (weil sie ja sowieso nach wenigen Monaten ersetzt werden müssen).

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    Yay für die Pyjamas. Von Dingen aus Seide rate ich ohnehin ab. Die armen Seidenraupen werden für ihre fleißige Arbeit belohnt, indem sie lebendigen Leibes gekocht werden! Sowas zu tragen kann einfach nur mies fürs Karma sein.
     
    Ich dachte immer, die spinnen Seide so wie Spinnen ein Netz und das erntet man dann irgendwie.
     
    Wie genau wollen Sie das wissen? Wollen Sie das überhaupt wissen? Egal.

    Seide wird aus den Raupen bestimmter Falter (Insekt, nicht Spinne. Zwei Beine weniger.) gewonnen.
    Die Raupe verpuppt sich, dann wirft man den Bollen in kochendes Wasser, killt dabei die Raupe und dann wickelt man den Seidenfaden ab. Spinnen, Weben, Seide. Nennt sich oft "Maulbeerseide" oder "Zuchtseide".

    Man kann auch die Schmetterlinge schlüpfen lassen und die kaputte Puppe für Seidenherstellung nehmen. Das ist dann aber nicht ein langer Faden, der sich glatt verspinnen und weben lässt. Vor dem Spinnen wird gekämmt (kardiert). Das Ergebnis findet sich dann als "Wildseide" oder "Tussahseide" und ist mehr oder weniger böbbelig von der Haptik.
     
    Vielen Dank für die sachkundige Erläuterung (mit Terminologie, klasse!). Ich hätte tatsächlich nur mein "die armen Viecher werden lebendig gekocht" wiederholen können, meine Reflexantwort auf das Wort "Seide".
     
    Das heißt, wenn überhaupt Seide, dann nur Wildseide.

    Eben las ich, dass die getöteten Seidenraupen in einigen Ländern gegessen werden, es gibt sie in Konserven zu kaufen. Außerdem ist die Seidenraupe sehr krankheitsanfällig, unter anderem für Schlafsucht, die Ursache ist unklar.

    Und der Atlasspinner, der ebenfalls für die Seidengewinnung gezüchtet wird, ist riesig, der hat eine Flügelspannweite von 25 bis 30 Zentimetern. Er lebt aber nur zwei Wochen, er kann keine Nahrung zu sich nehmen. Die Mundwerkzeuge sind auch verkümmert.
     
    Wenn die Tiere nicht gekocht werden sollen, dann eher Wildseide etc.

    (Ich persönlich tue mich schwer, hier nen Unterschied zu Muscheln im Kochtopf, Motten auf der Klebefalle oder gemeuchelten Insekten/Schnecken zu machen. Deshalb verarbeite ich auch Seide von gekochten Raupen.)
     
    Danke, ich will ja immer alles wissen. Die Pyjamas sind glaube ich aus Baumwolle. Sollte ich dazu noch etwas erfahren?
     
    Wir haben ja bisher nur den Teil mit den toten Raupen erörtert. Seide ist eigentlich wunderschön und total spannend. Leider mache ich keine Dokus auf Arte.
    Baumwolle - hat auch Geschichte, aber mehr Elend und weniger Glamour. Ich würde eher zu Wolle raten.
     
    Einen Pyjama aus Wolle stelle ich mir ziemlich unangenehm vor.
     
    Aaahhhh - Merinowolle! Perfekt für ungefähr alles. Irgendwer macht da auch Schlafanzüge draus. Aber nicht katzenkompatibel. Und anfällig für Motten. Aber das ist Seide auch.
     
    Wer wie ich auch Merinowolle nicht verträgt, dem hilft garantiert Alpaka. Ich dachte ja, das liegt am fehlenden Lanolin, hier ist man allerdings mit dieser Erklärung nicht einverstanden.

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