Das mit der Hand geschah im Bus. Da waren wir flott eingestiegen gleich zu Beginn der Tageshälfte, die ich als ökologisch korrekte Übermutter verbringe, haben uns die Klappsitze gleich neben der Kinderwagenabstellbucht gesichert und sprachen über weiß-nicht-mehr-was-aber-sicher-pädagogisch-höchst-wertvolles, als der Busfahrer mal gerade, wohlbegründet, so richtig in die Eisen ging. Das war ein bisschen wir Karneval denn im Bus purzelte alles herum wie Kamelle und Konfetti zugleich, nicht, dass ich das so richtig mitbekommen hätte aber es war sehr bunt und sehr laut und trotz Schwerkraft flog ich vom Klappsitz, rutschte auf Knien einmal quer durch den Bus gen Osten (wirklich!), nur der eine Finger musste sich unbedingt an so einer Haltestange verkanten. Schlechtes Timing, hätte der sich ein paar Sekunden vorher verkantet, wäre das alles nicht passiert!
Das Kind fand ich eine halbe Buslänge vorn unter einer Sitzbank wieder, es machte auch durch reichlich Geschrei auf sich aufmerksam, also alles kein Problem. Sogar sehr gut gelöst, mit unter dem Sitz, denn da wo das Kind vorher war, war nun ein Rollstuhl mit einem mißgelaunten Senioren drunter und zwischen Rollstuhl und Buswand der Kinderbuggy, allerdings nun schrottreif. Die gesamte Szenerie war erheiternderweise mit Rosenblüten übersät. Als das alles und die übrigen gepurzelten Passagiere aus dem Weg geräumt waren, saß ich schon längst wieder souverän neben Mademoiselle auf dem Klappsitz und rieb mir die Knie, die doch etwas heiß geworden waren, Nylon auf Bus-PVC, autsch. Aber - und das ist ja das Wesentliche: keine Laufmasche!

ist nicht so wild wie es aussieht, aber langsam tippen liegt mir nicht... man kann den verband auch abmachen aber dann tuts hinterher doppelt weh (getestet). ist sicher morgen wieder ok; allerspaetestens :-)
Meine Tasche riecht unerklärlicherweise nach Pizza. Naja, unerklärlicherweise - wer weiß schon, worin ich die heute morgen in der Bahn abgestellt habe. Ich könnte mir heute Abend Pizza bestellen. Natürlich mit Pilzen (frisch!), Zwiebeln, Ananas, Pepperoni und Knoblauch. Kochen wird bei dem Programm heute sowieso nicht drin sein, und als Strohwitwe allein auf der Couch einen Rohkost- (ich hab jetzt dreimal hintereinander statt "Rohkost" "Rotwein" geschrieben, das kann doch nicht wahr sein...) Abend, ach, naja. Frage mich nur, ob man als Frau-allein-zu-Haus qua Situation (moralisch?) verpflichtet wäre, mit dem Lieferanten zu flirten. Sich am Ende vorher noch zurechtzumachen statt den wohlverdienten Schluffilook mit wirrem Haar zu kultivieren. Vermutlich nicht. Aber wieso gibt es eigentlich so gut wie keine Lieferantinnen? Das wäre vielleicht noch eine Marktlücke. Lieferdienst für Frauen. Die könnten dann statt der Flasche Billigwein eine Gurkenmaske mit auf die Pizza legen. Da würden dann bestimmt lauter Herren mit verstellter Stimme anrufen. Nicht wegen der Gurkenmaske.
Heute Nacht geträumt, ich hätte Himbeeren gegessen. Frisch vom Baum (sic!). Die waren fürchterlich lecker. Im Sommer im Wald.
Und kein bisschen an Würmer dabei gedacht, wie ich das sonst, wenn ich Himbeeren esse, immer tue.
Sonderbares Zeug, Träume.
Es wäre so unglaublich viel einfacher, wenn bei Belangen, die es zu kären gibt, einfach mal jeder sagt, was er will. Dieser unglaubliche Eiertanz am Telefon und per Mail und in diesem Meeting und jenem ist nicht nur nervenzehrend sondern auch schlichtweg ineffizient.
Wenn der eine sagt "ich will dies" und der andere "ich will das" und der eine dann "ich bin aber der Boss", dann ist der andere erstmal muksch. Gut. Aber ist doch wirklich gut und geht ja auch vorbei. Und allemal gesünder, als "ich würde vorschlagen" und "ich denke jedoch" und "möglich wäre auch" und "eventuell könnte man", so lange bis sich das Thema totgelaufen hat und unter dem Geröll der Konjunktive und Scheinhöflichkeiten sich irgendwo noch so gut wie unbemerkt ein Handlungströpfelchen seinen Weg in die Zukunft bahnt. Ein ewiges Gezerre ohne Schlusspunkt, ohne klare Absage aber auch ohne klare Ansage, ausgekauter Kaugummi. Näääääää.
Ausspucken. Weiter machen. Danke.
When the words rustle no more,
And the last work is done,
When the bolt lies deep in the door,
And Fire, our Sun,
Falls on the dark-laned meadows of the Floor;
When from the clock’s last chime to the next chime
Silence beats his drum,
And Space with gaunt grey eyes and her brother Time
Wheeling and whispering come,
She with the mould of form and he with the loom of rhyme:
Then twittering out in the night my thought-birds flee,
I am emptied of all my dreams:
I only hear Earth turning, only see
Ether’s long bankless streams,
And only know I should drown if you laid not your hand on me.
Das Knistern und Knacken des Radios zieht meine Aufmerksamkeit langsam wieder ins Hier und Jetzt. Unwirklich. Dunkle Autobahn, gerade kein Hinweisschild, 87km seit dem Tanken, verrät der Kilometerzähler. Das müsste ungefähr Bundeslandgrenze sein, deshalb vielleicht auch die Störung im Sender. Wo ich die letzten 87km gedanklich war, ist mir allerdings völlig unklar.
Auf der Rückbank zwei schlafende Blondschöpfe, beide mit zurückgelegtem Kopf und leicht offenem Mund. Ich strecke den Arm nach hinten, aber schaffe es natürlich nicht, ihnen durch die Haare zu wuscheln. Das Radio knistert immer noch, in der nächsten Linkskurve signalisiere ich intuitiv mit dem Arm und stoße gegen das Seitenfenster. Ich finde einen Sender ohne Rauschen, trotzdem keinen gedanklichen Halt. Kurz vor Kilometer 200 bin ich wieder da. Bewegung auf der Rückbank. Ich stecke meine Hand aus, sie wird genommen und gedrückt.
Berührung - manchmal das einzige, das mich glauben lässt, dass es so etwas wie Realität gibt.
Mademoiselle N. heute morgen beim Kuscheln:
"Mama, Deine Haut ist so glatt wie eine Eisbahn!"
Hach... ;-)
Genau genommen müsste ich nichts mehr schreiben, steht nämlich schon alles irgendwo und überall, was nicht verwunderlich ist, denn die Sache mit dem Januar, meine Güte, was für ein alter Hut, vermutlich so uralt wie die Menschheit selbst und schon die alten Mayas saßen in ihren Stufenpyramiden (ich weiß natürlich, dass die nicht in den Pyramiden gewohnt haben, dachte das aber als Kind immer, so wie man ja auch spontan denkt, dass Kühe Milch trinken, also Sie vielleicht nicht aber ich jedenfalls, und das sind Bilder, die ich mir gern bewahre, ich kann alles wissen aber ich muss nicht, ich bin keinesfalls verpflichtet, mein Wissen anzuwenden, also wohnen die Mayas in Pyramiden und die Kühe trinken Milch und noch so einiges andere sowieso, ich möchte jetzt nicht mehr darüber reden, vielen Dank für Ihr Verständnis!); also die saßen jedenfalls in ihren Stufenpyramiden, im Wohnzimmer nämlich (sehen Sie! Ich kann denken, was ich will!), schauten in ihren Hieroglyphenkalender und jammerten: Januar, Januar...
Ganz genau so. Jetzt hab ich zwar den Faden verloren, aber gut, dass wir darüber gesprochen haben.
Also was ganz anderes.
Wenn es hart auf hart kommt (gut, "hart auf hart" klingt etwas dramatisch, aber fristlose Kündigungen sind auch nicht so ganz belanglos), dann lernt man doch noch einmal mehr über manche, die man schon sehr gut zu kennen glaubte. Und über sich selbst. Wie der Herumredner plötzlich klare Worte findet, wie der Überflieger sich rundumschlagend selbst mit dem Rücken an die Wand manövriert und wie das Mäuschen an der Situation wächst, wie man es nie für möglich gehalten hätte. Ein kleiner Blick auf Persönlichkeitskerne. Mein eigener heillos überfordert. Meine Lernkurve gestern und in den letzten zwei Wochen so rasant, dass mir die Luft wegbleibt.
Luft, da oben, irgendwo. Das mit dem Fliegen hatte wir schonmal, und mit dem Absturz. Ich habe einen Tiger, der war mal Segelflieger. Dann fiel er auf die Landbahn und brach sich einen Tigerzahn. Er blieb 'ne Weile liegen, jetzt hat er Angst vorm Fliegen.
Das mit dem Texten muss sich noch einruckeln. Vermutlich ist es im Kopf noch zu "wichtig". Die Scheißegalhaltung fehlt, was zum einen an den Vorgaben liegt, die so eine Auftragsarbeit mit sich bringt, zum anderen an einer gewissen Hemmschwelle, sich der Worte für sehr persönliche Erfahrungen, die nicht die eigenen sind, anzumaßen. Und dem Risiko, daneben zu liegen im Ausdruck, das Gemeinte nicht zu treffen und statt dessen - zu projizieren. Auch das Gefühl, dass mit dem corazón ganz einfach nicht so zu können, wegen mir ganz tief innewohnender Flapsigkeit. Davor erschrecke ich mich manchmal. Da, wo es ganz unangebracht ist, wo andere Leute schon längst corazón haben, tief eingesuhlt in einer tränensalzig-weichen Schicht Schmusidu bei mir plötzlich auf diesen krokantigen Bodensatz zu stoßen und laut loszuprusten, scheiß doch drauf. Auf dass diese krokantige Schicht Flaps nie angebohrt werde. Prost.
Bei den Texten bin ich derzeit das kleine Eichhörnchen, das von Baum zu Baum hopst und sammelt. Für die Auftragsarbeiten und für die Randideen, die mir durch den Kopf schießen, wie quer durch Deutschland reisende kleine knisternde Plastiktüten. Ich muss mir auch unbedingt diese bissigen Gedanken wieder abgewöhnen, fällt mir dabei erneut ein.
Den ganzen Rest, zu dem, was mich wirklich anpisst, lasse ich mal weg. Vorerst. Das ist nämlich eine ganz andere Sache und absolut berechtigt. Bevor die angegangen wird, müssen aber noch ein paar Dreckschichten runter. Zickigkeiten, verletztes Ego, Larmoyanz Jammeritis, allgemeine Genervtheit und Müdigkeit und so weiter. Mal sehen, was dann überhaupt noch übrig bleibt.
"Für die praktischen Notwendigkeiten des Alltags bleibt keine Zeit!", sagte sie zu mir, sehr eindringlich.
Die Frau war mir in der Damenumkleide schon vorher aufgefallen, weil ich fand, dass sie mir auf eine kuriose Weise ähnlich sah. Dieselbe Haarfarbe, ähnliche Größe und Figur, sie hätte ich in ca. 20 Jahre älter sein können. Beim Föhnen vor dem Spiegel war mir die Bürste heruntergefallen, und als ich mich wieder aufrichtete stand sie viel zu nah vor mir, wie ein zeitverzerrtes Spiegelbild.
"Für die praktischen Notwendigkeiten des Alltags bleibt keine Zeit!".
Sie fixierte mich mit einem Blick, in dem ich getönte Kontaktlinsen zu erkennen glaubte. Und an der Nasenwurzel hatte sie sogar eine kleine waagerechte Narbe - so wie ich.
"Was?", fragte ich irritiert. "Sie leben doch, also scheint es ja gerade noch zu gehen."
"Früher hatte ich die beste Zeit überhaupt", starrte sie mich weiter - beinahe anklagend - an. "Wo ist das hin? Es bleibt Zeit für nichts." Dann drehte sie sich auf dem Absatz um und ging.
Für einen Moment hatte ich den skurrilen Gedanken, einem meiner Ichs aus der Zukunft begegnet zu sein. Dieses Fitness-Studio wird mich noch in den Wahnsinn treiben...
- "...and grieved
To have a soulless image on the eye
That had usurped upon a living thought
That never more could be."
Hallo Herr Wordsworth. Sie sind selber schuld. Vergessen Sie nicht - Sie sind absichtlich auf diesen Berg da hochgeklettert. Und ein bisschen sehr theatralisch ist das Ganze schon. Verdrängen Sie das, was Sie gesehen haben, doch einfach.
- Der Player legte sich sehr ins Zeug heute morgen und schmiss mich in der russisches-Roulette-Variante zwischen den verschiedensten Stimmungen hin und her. Der Abschluss war versöhnlich und passte auch sehr genau, wie ich aber eigentlich schon lange weiß.
- Ich hab nie gern zugeschaut, wenn der Kater mit den Vögeln, die er hereinbrachte, gespielt hat.
- Einmal Waschen, Schneiden, Föhnen bitte.
Unfreiwilliger Stream weil keine Zeit aber Worte im Kopf.
Das Komische, wenn man morgens aufwacht, vor der Aufstehzeit, aufwacht ohne alles mögliche im Kopf, das Dunkel sieht und das grau, das durch einen Spalt in den Vorhängen hereindrängt, liegt und sich bewusst wird, dass - das klingt jetzt blöd - alles gut ist. Dass immer noch dies und das und jenes zu regeln und zu erledigen und zu bedenken und zu erfragen ist, und auch A, B, C und etc.pp. noch geschehen könnte und sowieso auch das eine und das andere nicht so restlos geklärt sind, aber - hey, was soll's. Draußen zwitschern die Vögel.
Auch das Komische, herumzubuddeln und Gold zu erhoffen, Dreck zu befürchten und auf Diamant zu stoßen, klar und hart. Staunen mit offenem Mund. Einstecken, Hände waschen und ein Liedchen pfeifen.
Auf Wiedersehen, Januar. Ich erkläre die Welt für November.
Ist ja unerträglich mit dem Gejammere. Pah!
