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    Dienstag, 21. Juli 2015
    Blogging November - 1358

    Als ich hierher ins Rhein-Main-Gebiet zog, sah ich auf einer der ersten Fahrten hier her, wie sie, eins hinter dem anderen in einer sehr, sehr langen Kette im Abendlicht über die A3 einflogen. Wie eine Alien-Invasion sah das aus. Seitdem liebe ich die Flugzeuge. Wenn ich nachts oder morgens aufwache, lausche ich. Fliegen sie schon, dann muss ich bald aufstehen. Fliegen sie noch nicht, dann kann ich mich ganz entspannt nochmal umdrehen.

    Aus meiner Wohnküche sehe ich sie meist - spezielle Wetterlagen ausgenommen - in einer großen Rechtskurve schräg an meinem Balkon vorbei starten oder ziemlich gerade links am Haus vorbei im Landeanflug. Gerade fliegt eins links vorbei, über den Hinterhof, es ist blinkend im Sinkflug unter dem Sichelmond, über dem Hinterhaus huschen Fledermäuse durch die Luft und ich finde das wunderschön.

    Fluglärm höre ich nicht. Klar, ich höre manchmal Flugzeuge. Ich höre ja auch manchmal - eigentlich meist - Straßenverkehr, häufig auch Vögel, Menschen sowieso, im Winter (also bei sehr klarer Luft) Züge und Sonntags ab und an Kirchenglocken, je nach Windrichtung.

    Wann immer ich sage, dass diese Wohnung hier gekauft, nicht gemietet ist, ist eine der ersten Rückfragen: und der Fluglärm? Ja, hier ist Fluglärm. Aber ich höre ihn halt nicht, außer, ich konzentriere mich darauf. Genauso, wie ich einen Tinnitus habe, den ich aber auch seit ein paar Jahren nicht mehr höre, außer, ich suche nach ihm, was ich manchmal tue, weil ich mir erhoffe, ein Instrument danach stimmen zu können, was mir aber noch nie gelungen ist.

    Fluglärm soll ja sehr schlecht sein. Ich frage mich manchmal, ob Fluglärm schlecht für mich sein kann, wenn ich ihn nicht wahrnehme. Ähnlich, wie mit dem Tinnitus, Tinnitus soll ja auch schlecht sein, ist ein Zeichen von Stress, aber wenn ich ihn nicht höre? Wenn ich mich nicht gestresst fühle? Kann ich gestresst sein, ohne es zu empfinden? Kann ich gekränkt werden, wenn ich es nicht bemerke? Etwas verloren haben, wenn ich noch nicht weiß, das es weg ist?

    Realität ist vielleicht doch etwas viel individuelleres, als wir meist annehmen.

     
    Also das mit dem gestresst sein ohne das sich das so anfühlt geht durchaus. Musste ich lernen.

    Aber bei Lärm von aussen geht es mir ähnlich, das meiste höre ich nach ein paar Tagen nicht mehr. Da bin ich ein Gewohnheitstier.

    Aber das sagt sich jetzt von meiner Postion aus leicht. Ich wohne neben einem Friedhof und da ist bekanntlich das Geplapper der Bewohnter nicht so laut.

    Claudia

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    "Kann ich gekränkt werden, wenn ich es nicht bemerke?"

    Das kann schon sein, wäre aber dann vermutlich egal.

    "Etwas verloren haben, wenn ich noch nicht weiß, das es weg ist?"

    Ja, das kann man natürlich. Und je nachdem, was man verloren hat, kann das sehr traurig sein, wenn man erst viel später merkt, dass es weg ist und man es vielleicht gar nicht mehr wiederfinden kann...

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    Kommt mir sehr bekannt vor, was Du so hier so schreibst ;) Mir fällt es auch eher auf, wenn keine Flugzeuge fliegen, als wenn sie es tun. Dann halt ich manchmal inne und wunder mich, was anders ist, bis mir die Stille auffällt. Wohne auch seit jeher in der Nähe von Flughäfen oder Einflugschneisen.
     
    Danke für die Erinnerungen
    Nachts Richtung Mainz auf der A60 sahen die Lichter der ankommenden Flugzeuge beeindruckend schön aus, wie eine Perlenkette. Nur an den Fluglärm habe ich mich nie gewöhnt. In Mainz kamen sie mir schon zu dicht über der Dachterrasse runter. Zum Glück hatten wir nicht immer Ostwind. Jetzt wohne zwar wieder nahe der Einflugschneise von Stuttgart, aber hier fliegen sie noch so hoch, daß es mich nicht stört.

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    Oh ja, über diese Perlenkette von Frankfurt bis weit in den Spessart hinein staune ich auch immer wieder. Wie genau muss man diesen Schwarm von Flugzeugen aus allen Himmelsrichtungen dirigieren können, damit sie sich am Ende tatsächlich in diesem exakten Minutenabstand aufreihen? Toll.

    Wir wohnen inzwischen direkt neben der Einflugschneise Nürnberg, vielleicht so 700 Meter vom Flugweg entfernt (und nur wenige km vom Flughafen, d.h. beim Landen sind die Flugzeuge schon gefühlt auf Strommast-Höhe). Aber wir nehmen sie auch nicht (mehr) wahr. Klar, wenn man im Sommer mit offenem Fenster zur Flugseite hin schläft, kann man schon mal um halb fünf von den ersten Starts geweckt werden. Aber man kann z. B. noch völlig ohne Einschränkungen auf der Terrasse telefonieren (im Gegensatz zu unserer letzten Wohnung gegenüber der Kirche wenn sie anfing zu läuten).

    Ich liebe es auch nach drei Jahren im Haus immer noch, den Flugzeugen zuzuschauen. Und suche mir umgekehrt bei meinen eigenen Flügen immer die Sitzplätze so aus, dass ich – richtige Start-/Lande-Himmelsrichtung vorausgesetzt – auch unser Haus sehe. :-)

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