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    Mittwoch, 17. Februar 2021
    17022021

    Frau Fragmente begibt sich gerade in ihr Arbeitszimmer um zu bloggen, ich sitze in meiner TARDIS und blogge über Frau Fragmente. Frau Fragmente hat eine Augenproblematik, die hatte sie beim letzten Mal schon und ich riet einen Besuch in der augenärztlichen Praxis an. Diesem Rat wurde nachgekommen; ich bin sehr zufrieden.

    Ich sehe wieder Dinge in Fragmentes Arbeitszimmer, die mich sehr irritieren, werde dazu nun aber nichts schreiben. Vielleicht liegt das ja an der Pandemie. Also dass mich das irritiert natürlich. Die Pandemie wird bekanntlich als Ausrede für alles Mögliche genommen, warum nicht auf für mein instabiles Gemüt, das sich an Wäscheständern, mit Laken überzogenenen großen Gegenständen und Klopapier- oder Zewarollen im Arbeitszimmer aufreibt.

    Gerade habe ich auch noch mein Kind getadelt. Das kommt selten vor. Das Kind rief nach mir, ich eilte hin, sie wollte gern eine Flasche Cola vom Balkon haben. Nun sitze ich am Schreibtisch aber ja gerade neben dem Balkon. Warum sie mir das nicht per Nachricht mitgeteilt hätte, fragte ich, dann wäre ich nicht erst in ihr Zimmer gelaufen, um dann denselben Weg nochmal zu machen, was ja, sollte man meinen, tendenziell nicht unbedingt die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ich diese Aufgabe erledige. Sie sagte, sie habe gedacht, ich wäre im persönlichen Gespräch mit niedlichem Gesicht so viel zugänglicher als bei einer Textnachricht, dass der Nachteil des doppelten Weges aufgehoben würde. Nun kennt man mich aber doch als viel mehr effizienzgetrieben als niedlichkeitsgetrieben - außerdem hätte sie mir ja auch ein Bild mitschicken können. Manchmal kann man den Kindern doch noch was beibringen, zum Beispiel: kenne deine Zielgruppe! Naja egal, jedenfalls habe ich jetzt auch Cola. Frau Fragmente auch. Alles gut.

    Gerade habe ich beschlossen, morgen nachzuschauen, ob Mr. Wash auch Innenraumreinigung machen darf inderaktuellensituation. Das wirkt jetzt vielleicht wie ein abrupter Themensprung, ist es aber gar nicht, wenn man weiß, dass eine meiner allerliebsten Beschäftigungen mit Fragmente a) der Besuch bei Mr. Wash und b) gemeinsam Cola trinken (und dazu etwas leckeres Essen) ist. Fragmente schlug vor, ich könne morgens bei Mr. Wash anrufen, ob Innenraumreinigung stattfindet, sprich: ob die Anfahrt sich lohnt. Das mache ich aber nicht, denn wenn sie nicht stattfindet, ich aber schon dort bin, werde ich nicht ohne Außenreinigung wegfahren und die ist mir zwar sehr unwichtig, wäre aber schon mal wieder ganz gut. Habe ich erzählt, dass ich irgendwann mal im Büro in die Tiefgarage fuhr und der Parkwächter mir die Schranke nicht öffnete sondern extra aus seinem Häuschen kam, an meine Scheibe klopfte und sagte: "Sie haben ja das Auto mal gewaschen!"? Etwa in dieser Art notwendig ist es. Ich könne ja ansonsten nach der Außenreinigung den kostenfreien Staubsauger noch nutzen, sagt Fragmente. Manchmal frage ich mich, ob sie mich für einen ganz anderen Menschen hält als ich in Wirklichkeit bin, durch irgendein komisches Missverständnis. Es gibt ja diese ganzen Sprüche "man sieht nur was man sehen will" oder "man sieht nur mit dem Herzen gut" - was in diesem Zusammenhang lustig ist, weil Fragmente ja was an den Augen hat. Vielleicht sieht sie deshalb heute in mir eine Person, die das Auto saugen möchte. Ich denke nicht, dass sie mit dem Herzen geschaut hat, sie ist ja promovierte Naturwissenschaftlerin.

    Was noch? Ich war heute etwas darauf eingestellt, einen ein- bis zweistündigen Vortrag über SPACs zu halten, mir schien Fragmentes Interesse aber nach etwa 3 Minuten erschöpft. Vielleicht ein andermal.

    Ich wollte noch erzählen, dass ich neulich zum ersten Mal online Chorstunde hatte. Das funktionierte für mich erstaunlich schlecht. Nicht technisch, technisch war alles bestens, aber es hat mir weder Spaß gemacht noch hatte ich das Gefühl, es wäre irgendwie zuträglich für meinen Gesang. Ich habe mich gefragt warum, schließlich hatte ich schon präpandemisch Gesangsstunden online und fand das zu 99% unproblematisch. Ich glaube, es liegt daran, dass die gängigen Videokonferenzprogramme es nicht goutieren, wenn 20+ Personen gleichzeitig Geräusche machen. Die filtern dann wie verrückt und es gibt nicht den erwartbaren Klang. Das war natürlich von vornherein bekannt, daher hatten sich alle bis auf die Chorleiterin stummgeschaltet. Man konnte also für sich selbst Übungen machen, das hörte aber niemand, was dann eben auch dazu führt, dass jegliches Feedback ausbleibt. Und da ist dann eben bei mir der Punkt, wo das Interesse weg ist. Man könnte auch sagen: Meckern ist okay aber Schweigen langweilt mich.

    Frau Fragmente tippt heute eher zögerlich, scheint mir. Vielleicht ist sie aber auch schon fast fertig und korrigiert nur noch Tippfehler, ich habe anfangs nicht aufgepasst, was sie da so genau macht. Oder es ist was mit dem Ton? Ich höre jedenfalls keine Tippgeräusche, nur genervtes Stöhnen, irgendwas scheint nicht wie gewünscht zu verlaufen. Wir werden es sicher bald lesen können. Naja. Nicht ganz so bald, gerade sagt sie, dass sie sich mal eben was zu trinken holt aber noch nicht (!) fertig ist.

    Ich aber.

    Dienstag, 16. Februar 2021
    16022021

    Habe eben mit Frau Herzbruch telefoniert und dachte mir, ich lege mich dabei lieber mal hin. Nicht ins Bett natürlich, es ist ja noch früh, daher nur auf das Bett, auf das Gästebett nämlich. Dort lag auf seinem Kissen der Kater, sehr gemütlich, ich legte mich daneben und ließ die Hand, die nicht das Telefon hielt, auf das Fell des Katers sinken. Der Kater hielt sehr still, dann leckte er mir einmal über den Daumen, stand auf, ging von seinem Kissen hinunter und legte sich dann genau so neben sein Kissen, dass meine Hand ihn nicht mehr berührte. Dort saß er dann wie eine Statue, blickte von mir weg und reagierte auch nicht auf Ansprache.

    Nach etwa einer halben Stunde Telefonat stand ich wieder auf und ging Richtung Küche. Der Kater folgte mir auf dem Bett, vom Fußende lugte er um die Ecke durch die Tür in die Küche, blickte mich noch einmal an, drehte sich dann um, lief zurück und legte sich dann wieder auf sein Kissen.

    Montag, 15. Februar 2021
    15022021

    Heute ergab sich plötzlich gegen 17:30 die Aufgabe, Frau Herzbruch bis 18 Uhr durch einen Schneesturm quer durch Hamburg zu lotsen, damit sie ein Ladekabel für ihr Macbook bekam und - als das nicht gelang - eine schnelle alternative Lösung zu finden und gleichzeitig die Stimmung von Frau Herzbruch im Gleichgewicht zu halten.

    Die ganze Geschichte will ich nicht erzählen, sie ist lang und ich würde mich beim Aufschreiben langweilen, weil ich sie ja schon kenne. Vielleicht hat eine der anderen Beteiligten (also Herzbruch oder Cucinacasalinga) Lust dazu.

    Ich möchte nur schnell mein technisches Set-up schildern, weil mich das besonders begeistert hat: Auf dem Laptop in WhatsApp-Web verfolgte ich live den Standort von Frau Herzbruch selbst. Nebenher auf einem anderen Computer mit zwei Bildschirmen hatte ich auf einem Bildschirm GoogleMaps geöffnet, um ihr die richtige Route bzw. Ausweichmöglichkeiten ansagen zu können. Der zweite Bildschirm war viergeteilt: in Fenster 1 nochmal GoogleMaps mit der Streetview-Ansicht, um Parkmöglichkeiten, Straßenbreiten und umgebende Geschäfte nachzuschauen, in Fenster 2 Google, um Öffnungszeiten und Telefonnummern und anderes herauszufinden, in Fenster 3 die Twitter-Timeline um nach Tipps zu fragen und die Antworten zu lesen und in Fenster 4 später noch Ebay-Kleinanzeigen zur Überwachung des Nachrichteneingangs.

    Dazu lief auf dem einen Telefon eine Telefonkonferenz mit Frau Herzbruch und Frau Cucinacasalinga und auf dem Handy rief ich verschiedene Läden und später Ebay-Kleinanzeigen-Verkäufer an.

    Das war sehr, sehr lustig und, glaube ich, das Unterhaltsamste, das ich bisher dieses Jahr gemacht habe. Leider ging es nur etwa eine Stunde, dann war schon alles geregelt.

    Sonntag, 14. Februar 2021
    14022021

    Ich habe festgestellt, dass zwei Dinge, die jeweils einzeln für mich nicht gut funktionieren, durch ihre Kombination aufgewertet werden.

    Es handelt sich hier bei um das Autofahren und das Zuhören bei Hörbüchern. Autofahren finde ich an sich komplett doof, ich langweile mich dabei. Ich fahre unglaublich gerne Zug, weil ich da völlig ungestört vor mich hinlesen oder -denken kann, ohne mich um irgendwas kümmern zu müssen. Und wenn ich Lust habe, kann ich aufstehen und herumgehen, ohne dass sich meine Reise verzögert. Das funktioniert so beim Autofahren nicht, da muss man festgeschnallt auf seinem Sitz bleiben und relativ starr geradeaus schauen und natürlich entfernt man sich gedanklich irgendwie aus dieser unerträglichen Situation aber das ist schlecht, eigentlich müsste man ununterbrochen aufpassen. Ich halte das Autofahren für eine Zumutung. Also als Fahrerin. Beifahrerin bin ich gerne, das ist dann fast wie im Zug, man kann war nicht herumgehen, hat sich dafür aber die Gesellschaft selbst ausgesucht, das wiegt einiges auf. Ich bin die perfekte Beifahrerin, ich kümmere mich um gar nichts, nichts liegt meinen Interessen ferner, als in den Fahrablauf einzugreifen, ich bin glücklich, wenn ich davon unbehelligt bleibe.

    Mit Hörbüchern ist das anders. Ich interessiere mich sehr für Hörbücher, weil ich mich ja auch sehr für Bücher interessiere und es mir dabei wirklich auf den Inhalt und nicht auf den Vorgang des Lesens (oder das Medium Papierbuch) ankommt. Es geht mir um die Geschichte, die kann mir sehr gern jemand erzählen, besonders, wenn ich die Geschwindigkeit selbst bestimmen kann (das fehlt im persönlichen Gespräch mit Menschen manchmal, dass man sie auf 1,5fach stellen kann). Mein Problem mit Hörbüchern ist: was mache ich, während ich sie höre? Wenn ich irgendeiner anderen Tätigkeit nachgehe, ist mein inneres Ohr immer bereits anderweitig beschäftigt, ich meine damit nicht nur beim Lesen und Schreiben sondern auch bei zum Beispiel Haushaltstätigkeiten; meistens singe ich dabei oder zähle (Sachen halt, fragen Sie nicht) oder denke (und höre dabei die Gedanken eben in meinem inneren Ohr). Da ist kein Platz für eine weitere Person, die spricht. Ich kann also Hörbücher nur hören, wenn ich mich einem Ruhezustand befinde. Nur: wenn ich meinen Körper in einen Ruhezustand bringe, schlafe ich sofort ein. Ich dachte lange, das läge daran, dass ich einfach immer müde bin - vielleicht ja auch, weil in meinem inneren Ohr immer so viel geredet wird. Mittlerweile glaube ich aber, das ist gar nicht der Fall. Ich habe z.B. letzte Nacht 10 Stunden geschlafen und dabei 85 Schlafpunkte erzielt, das ist ordentlich, die Nächte davor waren kürzer, aber nie unter 7,5 Stunden und qualitativ auch hervorragend. Trotzdem: als ich heute endlich mal eins der Hörbücher, die ich im Auto begonnen hatte, zu Ende hören wollte, legte ich nochmal 1,5 Stunden Schlaf nach. Am frühen Nachmittag. Ich glaube, ich habe mir das einfach antrainiert, zu schlafen, sobald ich nichts anderes tue. Vermutlich, als M klein war und es nicht so viele Gelegenheiten zum Schlafen gab. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass das vorher schon so war (aber das ist ja auch über 16 Jahre her, ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern, nur so viel: Probleme mit dem Einschlafen hatte ich noch nie).

    Immerhin, ein Hörbuch, das ich im Januar im Auto begonnen hatte, konnte ich später, also nach den 1,5 Stunden Nachmittagsschlaf, mit Ach und Krach doch noch beenden. Es sind aber noch zwei weitere angefangen, eins davon seit Ms Grundschulzeit. Naja, so lange noch Pandemie ist, fahre ich auch noch Auto. Mal sehen, wie viele Hörbücher das noch werden.

    Samstag, 13. Februar 2021
    13022021

    Es sind wirklich die Tomatenkonservendosen auf dem Balkon gefroren! Das ist natürlich total egal, macht ja nichts, aber ich hatte das nicht geglaubt und hatte ja auch nur die Getränkeflaschen unter spöttischem Gelächter meines anderen Ichs hereingeholt.

    Die Milch und Hafermilch frieren draußen aber bisher nicht. Und wenn, wäre ja auch das egal.

    November seit 5456 Tagen

    Letzter Regen: 01. März 2021, 22:51 Uhr