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    Freitag, 28. August 2020
    Urlaub Tag 7

    Heute ließ es sich nicht länger aufschieben: ich musste den Offlinehandel frequentieren, also den nochmal abseits des großen Supermarktes, in den ich einmal pro Woche oder einmal alle zwei Wochen fahre. Es galt, Spezialinteressen zu bedienen, nämlich: etwas von der Apotheke, OP-Masken, die kleiner sind also normal, eine Geburtstagskarte, die schöner ist als normal und eine spezielle Glühbirne (oder wie auch immer das jetzt heißt, halt so ein Ding das man in die Lampe dreht damit es Licht gibt).

    Weil ich den Offlinehandel so hasse, versuche ich, das Ganze effizient zu gestalten: sobald ich eine Verkaufsperson sehe, erfrage ich, wo sich das gewünschte Produkt befindet, steuere es auf direktem Weg an, nehme es an mich (gern in größeren Mengen, damit ich nicht so bald wieder kommen muss), gehe zur Kasse und werde da nach 10 Sekunden Wartezeit ungeduldig, ziehe das Handy heraus und spiele Wordfeud.


    Ich hatte die Hoffnung, für die vier Produkte nur zwei Läden aufsuchen zu müssen (dass ich in der Drogerie kein Rezept einlösen kann und andererseits aber auch in der Apotheke kein Product-formerly-known-as-Glühbirne bekommen würde war mir bekannt. Sorge hatte ich wegen der "Masken kleiner als normal", deshalb ging ich gleich in den ersten Drogeriemarkt auf der Stecke, um die Trefferquote zu erhöhen. Nun hätte ich gedacht, die Gänge in den Drogerien quellen über vor Masken, die Regale wären voll davon, Masken hätten quasi alle anderen Produkte von ihren angestammten Plätzen verdrängt. So war es aber nicht. Einen halben Gang irrte ich umher, dann sah ich eine Verkaufsperson und fragte nach. Mund-Nasenschutz sei beim Heftpflaster, sagte man mir. Kurz war ich erstaunt, als ich das Heftplaster gefunden hatte dann aber nicht mehr, denn es gab zwei oder drei Sorten Heftpflaster an einer großen Säule, an der ansonsten die verschiedenen Marken Kondome waren. Gleich erschien mir das alles schlüssig, Schutz bei Schutz, das hätte man mir so sagen können, dann hätte ich mich nicht drei oder vier Meter lang gewundert.

    Jedenfalls gab es aber nur Minipackungen mit ganz normalen Masken zu absurden Preisen.

    Die nächste Drogerie auf dem Weg war groß, zweigestockig, ich wusste, dass es dort TpfkaG gibt und auch die Geburtstagskarte. Auch da aber keine Regalwände voll mit Masken. Im Obergeschoss war ein kleines Körbchen mit angedellten Pappkartons mit Masken darin, über die Größe gaben sie aber keine Auskunft. Ein Pappkarton war mit einem Cartoonbild von einem Mädchen verziert. Sah aber ansonsten ganz normal groß aus, ich blieb also skeptisch, auf den Kartons waren asiatische Schriftzeichen und im asiatischen Kulturraum hat man, das habe ich schon gelernt, häufiger mal niedliche Bilder auf einer Packung, in der gar nichts niedliches drin ist.

    Im Untergeschoss ist eine spezielle Abteilung für Kinder, dort gab es aber gar keine Masken. Während ich die Glühbirne einsammelte, begegnete meine Begleitung einer Verkaufsperson und fragte nach Kindermasken - die wusste aber nicht Bescheid. Das ist das besonders Lästige beim Offline-Handel: häufig findet man niemanden und wenn man wen findet, weiß er nichts.

    Um es kurz zu machen - die Geschichte ist nämlich gar nicht so interessant, wie ich dachte, mir wird schon ziemlich langweilig - die Kindermasken gab es in der Apotheke. Genau seit heute, wie mir begeistert berichtet wurde. Alles sehr merkwürdig. Ich kaufte sie jedenfalls, anprobiert wurden sie noch nicht.

    Einen ganzen Nachmittag herumgerannt für vier Sachen, unglaublich. Immerhin wurde ich noch "inspiriert" von der Produktvielfalt und kam auf den Gedanken, später Marmorkuchen zu backen. Dazu kaufte ich dann noch Kuvertüre und Zucker. Dann musste alles nach Hause geschleppt werden und, wie gesagt, der Nachmittag war schon um, so dass ich dann sowieso keine Lust mehr zum Backen hatte.

    Bei genauerer Betrachtung fällt mir ein, dass ich seit Mitte März nicht mehr auf diese Art eingekauft habe sondern ausschließlich Großeinkauf im Vollsortimenter gemacht habe oder aber online bestellt habe. Und ich habe wirklich rein gar nichts vermisst.

    Donnerstag, 27. August 2020
    Urlaub Tag 6

    Schon an Tag 6 beginnt das Lotterleben und ich bin gerade erst nach Hause gekommen.

    Heute war ich beim Friseur. Mein Friseur, musste ich dabei feststellen, ist ein Corona-Opfer - nicht gesundheitlich sondern wirtschaftlich. Und deshalb war das mein letzter Besuch dort heute. Beinahe hätte ich noch ein Sideboard mitgenommen, wunderschön, aber auch riesengroß, das ist der Hauptgrund, warum ich es nicht wirklich mitgenommen habe (ich war mit der Bahn da) und außerdem wäre es mir vorgekommen wie Leichenfledderei.

    Den Rest des Tages verbrachte ich im Wesentlichen damit, auf Frau Merkel und Herrn Söder zu warten und mich nebenbei irgendwie zu beschäftigen, damit ich mich nicht langweile. Sehr unhöflich, so eine Verspätung ohne irgendeine Zwischenmeldung. Ich kam durch die Verspätung schon fast in Verzug mit dem Abendprogramm, nämlich Besuch bei Freundin @schanuf zum Zwecke des ausführlichen Sitzens auf ihren neuen Sofas. Dazu gab es Essen und Getränke. Die Sofas sitzen sich sehr gut, ich bin auch eine ausgezeichnete Sofasitzerin, falls es also bei Ihnen mal Polstermöbel einzusitzen gibt und Sie dazu Essen und Getränke servieren möchten, geben Sie gern Bescheid. Es ist auch egal, wenn sie nicht so unterhaltsam sind wie Schanuf, ich habe ja immer das Handy dabei und kann notfalls im Internet lesen.

    Auf dem Heimweg sah ich mich genötigt, Frau Herzbruch das Internet zu erklären. Das besteht, so scheint mir, Nachholbedarf. Erst ließ sie sich auf Twitter auf Pseudodiskussionen über das Bloglayout ein, nun verwickelt sie sich in Fragen der Orthographie. Ich habe dieses Thema ja mal an eine Person, die dafür besondere Begabung zeigte, delegiert, indem ich dieser Person einfach einen Admin-Zugang gab. Ich schreibe so verklausuliert von "der Person", weil ich mich ums Verrecken nicht mehr erinnern kann, wer das war. Es ist ziemlich lange her. Ich habe jetzt mal nachgeschaut und tatsächlich haben hier 6 Personen Administrator-Rechte. Und keine davon ist Frau Herzbruch. Meine Loyalitäten erscheinen mir selbst gerade recht volatil.

    So. Jetzt muss ich mich ausruhen. Ich habe morgen wieder ganz extrem viele Dinge vor!

    Mittwoch, 26. August 2020
    Urlaub Tag 5



    Frau Fragmente sitzt an meinem Küchentisch und bloggt, ich sitze ebenfalls an meinem Küchentisch - ja, mit Spitzendeckchen - und blogge über Frau Fragmente. Es ist schon wieder Corona, bzw. immer noch, ich meine: es gibt schon wieder eine coronabedingte Veränderung. Während wir ja die letzten Woche zusammen Essen gingen, mal in der einen Stadt und mal in der anderen, sagte Fragmente gestern zu mir am Telefon "Ich hatte eigentlich gedacht, wir gehen Steak essen, aber angesichts der Infektionszahlen nehmen wir davon Abstand und ich schlage vor, ich komme zu Dir nach Hause und wir bestellen die Vorspeisenplatte von diesem syrischen Lieferdienst". Ich sagte "ja".

    Wir haben dieses kurze Telefonat vorhin noch einmal analysiert. Kurzfassung: beide waren wir der Ansicht, es war ein sehr gutes Gespräch mit sehr gutem Ergebnis. Langfassung: Fragmente war der Ansicht, sie habe mich gefragt, ob ich Steak essen gehen möchte. Ich hingegen hatte den Steak-Part eher als Smalltalk-Einleitung des Gesprächs verstanden, wie einen kleinen Einblick in Fragmentes Gedankenwelt, der aber von mir keinerlei Kommentar oder Entscheidung verlangte, ähnlich wie "ich habe mir gedacht ich ziehe heute Socken an" oder "heute hab ich mal Müsli gefrühstückt statt Brot". Wie wir überhaupt auf dieses Thema, wie Teile des Gesprächs zu deuten wären, kamen, schreibt glaube ich Fragmente heute. Vielleicht aber auch nicht, dann ist es auch egal.

    Ich wollte jedenfalls über meinen Arm schreiben. Ich habe seit ein paar Wochen Schmerzen im linken Arm, Oberseite Unterarm, ich glaube Muskelschmerzen. So etwas in der Art hatte ich vor Jahren auch schon einmal am rechten Arm, damals habe ich dann die Computermaus umgestellt auf linkshändige Benutzung und bin seither Linksmäuserin. Meine erste Idee war daher, die Maus wieder nach rechts zu versetzen. Es trat jedoch keine Besserung ein.

    Nun bin ich schon seit 5 Tagen gar nicht im Büro und der Arm wird schlimmer statt besser. Lösung 1: sofort Urlaub abbrechen und zurück ins Büro. Lösung 2: weitere Ursachenforschung. Ich entschied mich für Lösung zwei, irgendwann ist ja auch Rente und dann will man nicht immer Armschmerzen haben. Ich dachte scharf nach und kam zu dem nur logischen Schluss, dass es sich bei der belastenden Tätigkeit um eine handeln muss, die ich häufiger zu Hause als im Büro ausübe. Schmerzen verspürte ich heute z.B. beim Halten der Bratpfanne. So oft habe ich in den letzten 5 Tagen aber gar nicht gekocht, dass das ausschlaggebend sein könnte, ich vermute eher eine Belastung durch sich ständig wiederholende Mikrobewegungen statt durch Gusseisen. Ich beobachtete weiter und Verdacht liegt nun auf a) Handy und b) Kindle. Handy benutze ich im Urlaub viel häufiger als sonst (denn sonst ja schonmal rund 8 Stunden außerhalb der Schlafenszeit rein gar nicht). Kindle benutze ich aber noch viel häufiger im Urlaub nämlich sicherlich plus satte 6 Stunden. Dass "Kindle halten" anstrengend ist, habe ich sofort anfangs festgestellt und einen Pop Socket draufgeklebt, aber vielleicht hilft das nicht. Wir gehen aber jetzt weiter nach dem Ausschlussverfahren vor: erst einmal werde ich das Handy die nächsten Tage ausschließlich mit rechts festhalten. Wenn das keine Besserung bringt, muss ich mir etwas Neues zum Lesen überlegen.

    "Bist du schon fertig und surfst auf Twitter?" fragt Fragmente mich gerade, weil ich unsinnige Kommentare ausstieß, also nicht unsinnig an sich aber mit dem Verfassen eines Blogtextes nicht auf Anhieb vereinbar. Tatsächlich hatte ich gerade eine kleine Pause gemacht. Schreiben ist tendenziell immer ein bisschen langweilig, finde ich, weil man das, was man schreibt, ja schon weiß, außer man tippt ganz unglaublich schnell, dann ergeben sich manchmal Dinge, mit denen man nicht gerechnet hätte. Also bei mir jedenfalls.

    Fragmente hat heute einen guten Haarschnitt bzw. eine gute Frisur, ich glaube, es ist nicht neu geschnitten worden, das hätte sie erwähnt. Ansonsten alles wie immer, schwarze Kleidung, wo ich das erwähne, fällt mir ein, dass ich vergessen habe, mich umzuziehen bevor sie kam und eine Sporthose trage. Ich habe vorgestern den Kleiderschrank aufgeräumt und sehr viel aussortiert (2 Umzugskartons zur Kleiderspende und 3 Säcke in den Müll), unter anderem habe ich beim Aufräumen festgestellt, dass ich 10 Sporthosen besitze. Das ist eine stattliche Zahl für eine Person, die derzeit ja gar keinen Sport betreibt und auch so gut wie nie Sportkleidung zu Hause trägt sondern einfach immer die normale Alltagskleidung oder halt gleich Schlafanzug. Ich habe daher die Sporthosen auf 5 reduziert, das ist immer noch viel aber sie haben verschiedene Längen, wenn auch keine 5 verschiedenen Längen (aber drei!) und weil mir für die 5 Sporthosen aus dem aufräumbegleitenden Videochat schon deutlich Hohn und Spott entgegenschlug habe ich beschlossen, jetzt WAS ZU BEWEISEN und diese Sporthosen nämlich zu tragen. Das tat ich heute. Ich war damit sogar im Hof, kurz mit dem Gemüsemann plaudern und dann die Gemüsekiste hochtragen. Ich fühlte mich sehr dynamisch, so dynamisch dass ich, wenn ich die Armschmerzen nicht schon länger hätte, glatt denken würde, sie kommen von der Sporthose, weil ich mich darin irgenwie anders bewege, sportlicher halt, vielleicht mit besonders ausholenden Armbewegungen und im Vorbeigehen ab und an mal den Küchentisch hochstemmen oder so.

    Was noch. Fragmente denkt nach. Dabei habe ich ihr noch gar nicht die 1-Million-Euro-Frage gestellt. Ich knabbere noch an der Antwort von Frau Herzbruch, die mir irgendwie ausweichend erschien. Vielleicht bin ich heute jemand anders als gestern und möchte das alles doch gar nicht so genau wissen.

    Auch dieses Thema - heute wer anders sein als gestern, vulgo: sich umentscheiden - kommt heute vielleicht bei Frau Fragmente vor. Ich bin echt sehr gespannt, wir gingen diese Themen vorhin alle am Tisch durch und ich glaube, ich konnte an der einen oder anderen Stelle noch etwas Salz in die Suppe werfen.

    So, jetzt finde ich kein Ende, was immer das Problem ist, wenn man gar kein Thema hat, dann weiß man ja auch nicht, wann es vorbei ist. Egal, lesen Sie jetzt halt einfach bei Fragmente weiter.

    Dienstag, 25. August 2020
    Urlaub Tag 4

    Ausnehmend guter Tag!

    Das Wichtigste zuerst: seit Beginn der Pandemie und der Zuhausebleiben-Ansage fantasiere ich ja davon, die Fugen des Badezimmer-Fußbodens mit der Zahnbürste zu reinigen. Bisher kam ich noch nicht dazu, zu meinem Bedauern natürlich, die Pandemie ist aber ja noch nicht durch, es besteht durchaus Hoffnung. Zumal ich heute im Supermarkt einen Moment der Erleuchtung hatte, als ich am Tchibo-Regal vorbeiging und ein grün-oranges Objekt sah mit dem Namen "Fugenbürste". Die Fugenbürste ist, so mein erster und zweiter Eindruck, vollkommen durchdacht. Sie ist ähnlich schmal wie eine Zahnbürste aber länger, die Fugenreinigung wäre also ähnlich effektiv aber noch effizienter. Dann hat die Fugenbürste an der Spitze schräge Borsten, die in Ecken reichen - im Gegensatz zur herkömmlichen Handzahnbürste, wie Sie sicher wissen. Und nicht zuletzt - das beeinflusste meine Kaufentscheidung nicht, weil ich es erst zu Hause, beim genauen Studium der Produktbeschreibung sah - hat die Fugenbürste am Griff noch einen Kratzer. Mit diesem Kratzer habe ich gerade den Aufhänger eines blauen Plastikelefanten mit Sanduhr, der seit mindestens einem Jahrzehnt nicht mehr in Gebrauch war - tatsächlich die Sanduhr auch seit ca. 8 Jahren nicht mehr vorhanden und der Elefant auch seit 2 Jahren nicht mehr, der Aufhänger aber eben noch - von den Fliesen neben dem Waschbecken entfernt (die Klebereste dann mit dem Ceranfeldschaber, der übrigens auch sehr versatil ist!). Es liegt mir völlig fern, an dieser Stelle andere Produkte, die ich generell sehr schätze, zu diffamieren aber ich möchte doch andeuten, dass Tesa Power Strips nach einer gewissen Zeit nicht mehr die häufig beworbene Möglichkeit bieten, durch Zug an dem überstehenden Schnöpsel das Gesamtwerk zu lösen. Eher ist es so, dass nach vielen Jahren Licht- und Lufteinflüssen der Schnöpsel einfach abreißt und man steht da mit einem Aufhänger an den Fliesen, ohne Elefant und ohne Sanduhr aber bombenfest. Das war Thema 1.

    Thema 2 für heute, es treibt mich seit ein paar Tagen um aber niemand fragte nach, denn es ist ein Thema, über das man eigentlich nicht spricht: Geld. Mir hat neulich ein Amt 40.000 Euro überwiesen, für mich unerwartet, also nicht die Überweisung an sich aber ich hatte mit eher 4.000 Euro gerechnet (und das nicht im Sinne von vermutet sondern im Sinne von errechnet). Erst ging ich von einer Null zu viel aus, auch wenn die Summe gar keine Null enthielt, wir alle wissen ja, dass man eher selten eine Null zu viel macht sondern eher in eine Summe nochmal eine 3 oder 9 hineinkloppt, versehentlich, oder manchmal eine 5 oder 7, wenn man sich nicht ganz sauber nach der 56, also der 6, sehen Sie, hier ist es mir auch passiert, das war jetzt nicht absichtlich, ausgestreckt hat. Dann kam dazu Post, die den Vorgang erklären sollte, es aber auf den ersten Blick auch nicht tat sondern eher ein Missverständnis nahelegte. Nun sind meine Kontenstände entspannt, aber 40.000 Euro erwecken durchaus meine Aufmerksamkeit, ich musste das Thema also irgenwie handhaben, was ich auch tat. Und um keinen Cliffhanger zu produzieren: es ist sehr unspektakulär, man kann von einer Auslegungssache sprechen, das Geld bleibt daher bei mir, aber nur vorübergehend, denn ich werde dadurch wiederum einer anderen Stelle etwas schuldig. Keine wilden Essenseinladungen an alle daher, es tut mir leid, ich bin nur in einen Verwaltungsprozess eingebunden, den man von mir aus auch gerne hinter den Kulissen und ohne mein Zutun hätte abwickeln können, aber das kann man sich ja nicht immer aussuchen, man kann sich nur glücklich schätzen, dass es Post und Online-Banking gibt und man nicht mit einem Pferd und Wachen und Schmuck und Münzen jetzt in irgendeine Hauptstadt reiten muss um diese Angelegenheiten zu regeln weil einem sonst irgendwann schlicht wer den Kopf abschlägt. Also: alles gut.

    Um den Bogen zu meinem zweiten Thema aber en detail noch zu schlagen möchte ich hier offenbaren, dass ich einen Moment darüber nachdachte, die Zahlung zur Kenntnis zu nehmen und mich dann tot zu stellen. Auch eine Option. Natürlich schon mittelfristig keine schlaue, weshalb ich sie mir auch sofort verbaute, indem ich allen, mit denen ich an diesem Tag zu tun hatte, sofort davon erzählte, denn ich halte große Stücke auf Sozialkontrolle und die Kritikfreude derer, mit denen ich mich gerne umgebe. Wir müssen uns aber nichts vormachen, 40.000 Euro reichen zwar nicht, um mich zu kriminalisieren, aber irgendeine Summe gibt es ja schon, die ausreichen würde. Ich beschäftigte mich mit der Frage, wo diese Summe wohl liegt, es macht ja vieles einfacher, wenn man diese Frage aus dem Stehgreif beantworten kann. Also begann ich, grob zu überschlagen - um nie mehr arbeiten zu müssen braucht man wohl etwa 25 Mal seine jährlichen Ausgaben, bei den gegenwärtig schlechten bis Negativzinsen könnte das durchaus mehr sein, dann muss man hinzurechnen, dass man - wenn das Geld auf kriminellem Weg zusammen kommt - auch ein nicht gerade niedriges Startkapital für Identitäts- und Wohnortwechsel und so weiter braucht aber alles ist glaube ich noch insgesamt die kleinere Summe. Die weitaus größere ist das Schmerzensgeld, das den Abschied vom aktuellen Leben aufwiegen muss - nun mag es Personen geben, die ihr Leben rundum scheiße finden, aber dazu gehöre ich ja nicht, klassische Push-Faktoren nicht vorhanden, die Ablöse wäre also eher hoch, besonders, wenn man noch einrechnet, dass ich ja nicht ohne Herrn N und M gehen wollte und deren "Normal" auch mit einem gewissen Preis behaftet wäre, weiter dann die Freunde, die man zurücklassen und nie mehr kontaktieren würde.

    An dieser Stelle kam auch die folgende Frage in mir auf: wenn es jetzt gar nicht um den großen Betrug ginge sondern um ein Spiel um Geld, würde ich gegen Zahlung einer gewissen Summe, sagen wir mal 1 Million Euro, eine gewisse Person, sagen wir mal Frau Herzbruch oder Frau Fragmente, aus meinem Leben streichen? Solche Fragen kann man sich in einer Freundschaft ja mal stellen, was schadet es, zu wissen, woran man ist, ich werde das morgen machen, würde schätzen beide sagen "Nimm das Geld, ich würde es auch tun!" aber ich habe das noch nicht komplett durchdacht, ich hänge ja noch bei dem anderen Thema.

    Konkludierend einen Schritt zurück: in Bezug auf meine aktuelle Situation scheint mir bei einem geplanten größeren Betrug, dass der Pull erst da maßgeblich wird, wo er schon mit dem Grenznutzen von Geld kollidiert und ich dafür momentan nicht zur Verfügung stehe.

    Weitere Erkenntnis: Wenn man also wen kaufen will oder sich selbst verkaufen an einen großen Plan, dann gibt es wohl ein paar entscheidungserleichternde Faktoren. Zum Beispiel Notlage: würde mir die finanziellen Mittel für eine lebensnotwendige Behandlung fehlen oder bräuchte ich aufgrund meiner Vergangenheit eine gewisse Summe für einen Auftragsmörder sähe ja alles schon ganz anders aus. Oder eben wenn ich mein Leben doof finde, wenn ich, vielleicht zusätzlich, keine Familie oder Freunde habe auf die ich (noch) Wert lege, mir wird an dieser Stelle klar, warum es im Geschäftsleben vertrauensfördernd ist, wenn jemand Familie und langjährige soziale Verbindungen hat. Was ist eigentlich mit der Familie von Marsalek, gibt es da (noch) Eltern, Geschwister, PartnerIn, weiß man da was? Hinzu kommt auch noch eine Haltung zum Leben an sich. Macht jemand lieber die ganze Zeit vor mich hin oder macht jemand lieber jetzt 10 Jahre Knaller und dann 20 Jahre Knast oder auch 10 Jahre Knaller und wenn Knast droht Suizid? Das alles sollte man bedenken, wenn man eine Person zum Kaufen finden möchte.

    Bzw. noch ein Nachgedanke: ebenfalls bietet es sich natürlich an, eine Person, die man kaufen möchte, zu identifizieren und dann eben erst eine Notsituation bei ihr herbeizuführen um den Preis zu drücken. Das kennt man natürlich aus Filmen und Romanen und Sie haben das bestimmt alles selbst schon ausführlich durchdacht, aber in meinem Kopf schließen sich gerade sehr viele Kreise, wer weiß, wozu das noch gut ist.

    Das war Thema 2.

    Kurzer Einschub, ich kam gerade an der Fugenbürste vorbei und sie ist orange-gelb. Und Holz ist auch im Spiel. Borsten glaube ich orange und Griff gelb, aber beschwören kann ich es schon wieder nicht, ich hab es ja nicht so mit Farben.

    Auf das dritte angekündigte Thema, die Kompetitivität, habe ich jetzt tatsächlich keine Lust mehr, denn obwohl ich schon zwischendrin gekocht und telefoniert habe wird mir das Schreiben gerade langweilig und ich möchte jetzt lieber lesen, alkoholfreies Weizenbier trinken und möglicherweise Quizduell spielen. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Allerdings natürlich ein komplett anderer.

    Montag, 24. August 2020
    Urlaub Tag 3

    Ich habe jetzt einen Trick, und zwar tu ich erst gar nicht mehr so, als würde ich im Urlaub entspannen. Ich kann nicht entspannen, das trage ich nicht in mir, bzw. ich entspanne durch Tätigkeit, deshalb ist mein Puls immer am niedrigsten, wenn ich im Büro am Schreibtisch sitze. Entspannung hingegen macht mich unglaublich nervös.

    Ich stellte mir heute also morgens den Wecker um pünktlich meinen Anruf bei der Schule zu machen, aber heute kickte ich den Ball ins andere Feld und da liegt er bisher. Das ist mir recht. Morgen schauen wir, wie es weiter geht, da stelle ich mir jedenfalls keinen Wecker.

    Weiter widmete ich mich heute dem 40.000-Euro-Problem, auch da liegt der Ball jetzt im anderen Feld, so dass ich dann noch den Kleiderschrank und ein paar Kisten fertigsortierte - zwei Umzugskartons und drei Müllsäcke "Material" verlassen die Wohnung, eine weiter kleine Kiste wird in den herzbruchschen Haushalt gehen und dann vakuumierte ich noch munter vor mich hin, das Ergebnis des Vakuumierens erinnert mich immer an die Ausstellung "Körperwelten" von Gunther von Hagen.

    Alles in allem also ein sehr angenehmer Tag voller entspannender Tätigkeiten. Morgen möchte ich aber etwas machen, das kleinteiliger ist. Schubladen sortieren oder so. Achja und der Elektriker war da und die Türklingel geht wieder vollumfänglich, ich kann mich also auch wieder in das Thema Ebay-Kleinanzeigen vertiefen!

    November seit 5302 Tagen

    Letzter Regen: 07. September 2020, 22:30 Uhr