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    Freitag, 3. Januar 2020

    Es begann damit, dass ich heute morgen Appetit auf Porridge hatte und beim Essen dachte, es wäre schon auch schön, wenn das aus diesem stinknormalen Oatmeal wäre, für das man in Schottland nur Centbeträge bezahlt. So schaute ich nach, wo das in Deutschland zu bekommen wäre, aber leider wohl einfach nirgendwo, jedenfalls nicht zu einem nicht völlig absurden Preis. Wie gesagt, in Schottland zahlt man für einen So-grob-1-kg-Beutel irgendwas grob um 1 GBP herum, ich sehe nicht so ganz ein, wieso ich dann hier in Deutschland fast 20 Euro dafür ausgeben sollte (für die Differenz krieg ich ja schon fast ein RyanAir Ticket!). Ich war sogar zu Fuß in einem Offline-Geschäft, auch da aber kein Glück, dort gibt es nur aromatisiertes Zeug mit Beeren oder Schokolade oder Vanille.

    Wieder zu Hause dachte ich, ich mag vielleicht auch aromatisiertes Zeug, vielleicht aber auch nicht, eine gute Idee, das herauszufinden, wäre ein im Januar sicherlich reduzierter Porridge-Adventskalender, da wurde es dann aber auch wieder kompliziert, beim einen zu viel Müll, beim nächsten enorme Versandkosten, dann fiel mein Blick auf Tee. Ich trinke ja auch gern Tee, normalerweise den simplen schottischen Schwarztee aus dem Lidl dort (also in Schottland), der ist aber fast aufgebraucht und außerdem hatte einen Tee-Adventskalender (bzw. sogar zwei, einen deutschen Bio-Tee-Kalender, in dem fast alles irgendwie nach Heu schmeckte und einen englischen Bio-Tee-Kalender, der ganz außerordentlich wohlschmeckende Sorten enthielt) - vielleicht gäbe es ja nun reduzierte Tee-Adventskalender? Gab es nicht, aber Boxen mit verschiedenen Sorten, rote und blaue, die blaue Box gefiel mir viel, viel besser als die rote, der Inhalt der roten Box war aber ansprechender, dann waren aber die Versandkosten nicht erreicht, ich könnte dazu noch eine Packung Chai Tea nehmen, der ist immer gut, es gab die Sorten "normal" und "intense", die Zutatenliste verriet, dass in "intense" gar kein schwarzer Tee war, dafür mehr als reichlich Zimt, den "normal" gab es aber nur in einer großen Packung und in der "blue Box" (bzw. "red Box", die Entscheidung war noch nicht gefallen) sind bereits 96 Beutel, dann nochmal 24 obendrauf, ich weiß nicht, vielleicht trinke ich aber der Rückkehr ins Büro am Montag sowieso wieder nur Kaffee, Sie erinnern sich, im Urlaub werde ich ein anderer Mensch, fand ja vor nur ein paar Tagen auch schon Plastikblumen und Keramiktiere okay und habe mir Glitzerkleidung gekauft.

    Ich habe jetzt schnell alle Tabs geschlossen. Porridge gibt es weiterhin aus schnöden deutschen Haferflocken und wenn der schottische Tee alle ist, werde ich mich der Teefrage erneut stellen. Aber erst dann.

    Donnerstag, 2. Januar 2020

    Den ganzen Tag Dinge erledigen hat nicht geklappt. Das lag zum Teil an Müdigkeit. Ich wollte letzte Nacht eine Schlaf-App ausprobieren, in der Erwartung, am nächsten Morgen für meinen unglaublich guten Schlaf gelobt zu werden.

    Tatsächlich stand aber gegen 2 Uhr nachts erst einmal M an meinem Bett und benötigte mich, um 4 Uhr dann die kleine Katze und die App behauptete am Morgen sogar, ich hätte gar nicht geschlafen. Was natürlich nicht stimmt, ich weiß, wie es sich anfühlt, gar nicht zu schlafen: ganz, ganz anders. Aber trotzdem.

    War mir aber gelungen ist: ich habe alle Termine für 2020 in den Kalender eingegeben. Bzw. ich bin noch dabei, eine kurze Internetabwesenheit im Haushalt erschwerte das Fortfahren, so dass es jetzt schon wieder spät ist. Dennoch: Kalendereinträge beruhigen mich ungemein. Denn sie besagen, dass ich schöne und interessante Dinge tun werde in diesem Jahr. Ganz egal, was ist, wie hoch der Papierstapel wird, wie nervig die Erledigungen: es werden auf jeden Fall auch schöne und interessante Dinge passieren.

    Ich glaube, mit dieser Sicherheit geht das Abtragen des Stapels morgen etwas flüssiger. Naja, außer die schönen und interessanten Dinge, die ich morgen vorhabe, lassen keine Zeit für den Stapel. Wir werden sehen. Ich bin optimistisch.

    Mittwoch, 1. Januar 2020

    Neues Jahr, neues Glück - sollte jemand in diesem Jahr täglich bloggen wollen, bleibt (hier an diesem Ort) noch eine knappe Stunde, um damit anzufangen. Ich weiß nicht, ob ich das will, bin aber ausreichend unschlüssig, das Thema heute nicht gleich für die nächsten 365 Tage zu entscheiden. Ebenso: vielleicht möchte ich im Jahr 2020 jeden Abend einfach ins Bett gehen, wenn ich müde bin - also abends, statt mich wachzuhalten, weil ich den Tag noch nicht aufgeben möchte. Auch dazu bin ich noch unschlüssig, vorsorglich sitze ich schon einmal im Bett. Und wundere mich über meine Unschlüssigkeit, seit vielen Jahren spotte ich bereits über Neujahrsvorsätze, denn wenn man etwas tun will, sollte man es bekanntlich einfach tun, nicht an irgendein Datum binden, es gibt jeden Tag einen neuen Tag, jede Stunde eine neue Stunde, jede Minute eine neue Minute - und trotzdem nimmt man sich selbst immer mit, bei jeder Neuerfindung. Es ist also alles völlig egal. Aber egal ist langweilig. Langweilig ist allerdings gar nicht mal unbedingt schlecht.

    Über all das kann man mal nachdenken, in Ruhe. Vorhin beim Zähneputzen (habe ich auch vorsorglich schon getan, wegen dem Schlafengehen-wenn-müde etc.) dachte ich darüber nach, dass es gut wäre, ab und an mal anzuhalten und zu reflektieren. So wie Meditation! Ich hatte schon die Idee, dass ich das mal machen könnte, ich könnte mir den Handywecker auf zwei Zeiten am Tag stellen, zu denen ich mal innehalte. Es ist wirklich lustig, auf was für Ideen ich im Urlaub komme. Ich könnte sogar schwören, dass ich diese Idee schon einmal hatte und bereits beim ersten Weckerklingeln an der Umsetzung scheiterte. Wirklich, wenn ich längere Zeit durch äußere Termine ungehemmt (unstrukturiert) vor mich hinlebe, werde ich ein anderer Mensch in einer andere Realität, neulich im Baumarkt hätte ich beinah eine kleine Keramikstatue in Tierform zum Hinstellen gekauft, fand bei IKEA, dass Plastikblumen doch eigentlich gar keine so schlechte Idee sind und ob ich die zwei Kleidungsstücke, ich die gekauft habe, in den strukturierten Alltag hinüberretten kann oder dann komplett absurd finde, kann ich aktuell nicht sicher einschätzen. Das ist das Problem an großer Anpassungsfähigkeit an die Umstände: ständig ist man wer anders, ein Umständechamäleon. Wie das dazu passt, dass man sich ja immer mitnimmt, habe ich allerdings noch nicht fertig bedacht. Vielleicht beim nächsten Innehalten (morgen eher nicht).

    Was war sonst? Sonne, ungeplantes aber schönes Fahrradfahren zum Bäcker, Unzufriedenheit mit der Lebensmittelsituation im Haus (mir war sehr nach Torte, es war alles da außer Torte), großes Mitleid mit den Affen im Krefelder Zoo. Auch Mitleid mit den Menschen, die das zu verantworten haben. Wie es genau zu dem Brand kam, steht noch nicht fest, aber derzeit liegt der Verdacht nah, dass Personen chinesische Laternen steigen ließen, die das Feuer verursacht haben. Auch eine grauenhafte Vorstellung, diese chinesischen Laternen sind (eben wegen der Brandgefahr und Gefahr für den Flugverkehr) seit etwa 10 Jahren verboten, das muss man aber erst einmal wissen, auf den ersten Blick wirken sie doch eher sanft, tendenziell romantisch, man beschriftete sie (als sie noch erlaubt waren) mit guten Wünschen und so weiter. Wie gesagt, man weiß es nicht, aber in meiner Vorstellung wollte da jemand was Schönes machen, das eben nicht irrsinnig Krach macht und hat dabei dann versehentlich das Affenhaus abgefackelt und zig Tiere umgebracht. Ich hoffe wirklich sehr, dass meine Vorstellung nicht stimmt. Sonst muss ich ab morgen wieder unglaublich viel herumrennen und Sachen machen, um mich davon abzulenken. Ist aber ja sowieso wieder ein Werktag und ich habe beschlossen - das wirklich nicht als Neujahrsvorsatz, sondern als Erkenntnis während des Urlaubs - dass ich nun wirklich sehr zeitnah meinen ganzen Papierkram erledigen muss, der sich seit Monaten auftürmt und der mich so viel Kraft kostet, mittlerweile nämlich wohl mehr Kraft für die Nicht-Erledigung als für die Erledigung, ständig denke ich an diesen Papierkram und finde ihn schon gedanklich anstrengend, benötige dann gefühlt also auch schon wieder Zeit, um mich (vom reinen Denken) zu erholen, ohne dass ich überhaupt etwas (tatsächlich) getan hätte. Das ist wie Zins und Zinseszins, ich muss also, um im Bild zu bleiben, endlich dem Darlehen selbst an den Kragen gehen.

    Aber eben nicht mehr heute, wie gesagt, wegen schlafen.

    Montag, 16. Dezember 2019

    Aufgewacht mit dem Gefühl, dass irgendwas blöd ist. Spoiler: das Blöde hat sich bisher (22:17 Uhr) nicht offenbart.

    Im Büro schon gleich hinter dem Aufzug sehr genervt gewesen, denn ein paar Leute, die die Mails nicht in der richtigen Reihenfolge gelesen haben (immer neu nach alt, immer!) verbreiteten ganz unnötige Aufregung und Chaos. Chaos wieder beseitigt und gleich wieder genervt gewesen, weil alle immer so kompliziert sind, nicht begreifen, für wen eine Information relevant ist und für wen nicht und generell wichtig nicht von unwichtig entscheiden können, sich Dinge, die für viele relevant sind, handschriftlich notieren statt sie gleich ins (allen zugängliche) System zu tippen und dann keine Zeit mehr finden, den Systemeintrag zu machen, so dass die Information eben nur auf einem Zettel auf einem Schreibtisch liegt, wo sie keinem hilft (noch nichtmals mehr dem Verfasser, der sie ja nur zufällig beim Sichten irgendeines Stapels wiederfindet).

    Mittags extra alleine in die Kantine gegangen um schlecht gelaunt Pommes zu essen. Und dann waren die nicht lecker. Zu wenig Salz und leichter Tiefkühlgeschmack.

    Jahresgespräche geführt und davon auch genervt gewesen, weil es zu Beschwerden über Sachverhalte keine Beispiele gab, mehr so "ich habe immer das Gefühl" und "es war schon öfter so, das..." und "manche machen gewisse Sachen". Kann ich nix mit anfangen. Namen, Zahlen, Daten, Fakten brauche ich.

    Dann war es auch schon wieder dunkel und dann kam keine Bahn und im Supermarkt war es zu heiß und dann traf ich noch eine Bekannte und wurde sie nicht los - es war 19:30 Uhr, als ich zu Hause ankam. Ich beschloss einfach erstmal ganz in Ruhe Kartoffelgratin zuzubereiten. Und das ist super geworden.

    Sonntag, 15. Dezember 2019

    Nicht, dass Sie denken, hier wäre gestern nichts gemacht worden. Hier wurde extrem viel gemacht und genau deshalb nichts geschrieben.

    Erst einmal saß ich gestern Morgen recht gemütlich auf dem Sofa, mit M. um die nächsten Wochen zu besprechen. Bei dem Gespräch kam heraus, dass es noch exakt eine Gelegenheit geben wird, vor Weihnachten (und das ist natürlich das Ziel) gemeinsam einen Weihnachtsbaum zu kaufen, und das wäre in der nächsten Dreiviertelstunde. Also hoppi galoppi Ungeduscht ins Auto und zum Baumhändler, wir sahen den allerersten Baum, befanden ihn für würdig und kauften ihn ein. Mit M geht sowas sehr schnell, sie hat meine Entscheidungsfreud geerbt. Mit Papa Novemberregen war Baumkauf damals immer ein mehrstündiger Akt, ich vermute aber sehr, sein Fehler war es, mit 3-6 Kindern loszuziehen. Eins heulte immer.

    Weil ich eh mit dem Auto unterwegs war, hatte ich zugesagt, M und ihre Freundin beim Training abzusetzen. Erst vor dem Haus der Freundin fiel uns ein, dass ja der Baum im Auto war und eigentlich gar kein Platz für ein weiteres Kind. Irgendwie ging es dann aber doch, man kann so einen Baum ja auch halb auf den Schoß nehmen.

    Gerade hatte ich die Kinder abgeliefert, da rief Frau Herzbruch an und erfragte, wann ich an einem geeigneten Treffpunkt wäre. Dieser war 20 Minuten später am Supermarkt, Frau Herzbruch hat ein gutes Händchen für Timing, ich hatte noch nicht den Motor aus da öffnete sie den Kofferraum, um ihren Gepäck hineinzuwuchten. Dann kauften wir ein, und zwar Zutaten für Kürbislasagne und rosa Sekt.

    An den Rest des Tages erinnere ich mich nicht in allen Einzelheiten, irgendwann holte ein fremder Mensch eine Zu-Verschenken-Mikrowelle ab, irgendwann stellten wir den Baum auf, irgendwann bestellte ich alle Weihnachtsgeschenke, dazwischen tranken wir Sekt. Kürbislasagne gab es natürlich auch und dann schlief ich gut und lang.

    Und heute war dann auch alles sehr entspannt: Brötchenholen und langes Frühstück, Gesangsstunde, Buch lesen, Lesezirkel, Fotobuch machen. Mein Teil vom Fotobuch ist fertig, ich warte noch auf M, aber im Grunde hat sie noch 24 Stunden. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, passt das alles.

    November seit 5302 Tagen

    Letzter Regen: 07. September 2020, 22:30 Uhr