Von Frau Schneckle beworfen worden. Das mit dem Herumjammern will ich nicht gelesen haben!
Letzte Zigarette?
Ich hab nie eine ganze geraucht. Das letzte Mal bei jemandem gezogen irgendwann vor ein paar Jahren.
Letzte Autofahrt?
Gestern Abend, Autobahn. War wie Achterbahn da gedanklich stark abgelenkt.
Letzter Kuss?
Eben.
Letzter Weinkrampf?
Keine Ahnung. Traurigkeit äußert sich bei mir durch Aggressivität.
Letztes Buch?
"Was gibt es auf dem Bauernhof", Autor vergessen.
Letzter Film?
Die Simpsons.
Letztes Schimpfwort?
War eine Serie und galt dem französischen Wohmobilfahrer, der mich nach überstandener Achterbahnfahrt an der Ampel aus dem Weg räumen wollte. Mein Französisch ist nicht schriftsprachentauglich.
Letztes Getränk?
Leitungswasser.
Letztes Essen?
Käsebrot (Appenzeller).
Letzter Anruf?
Mama.
Letzte Sendung im TV?
Bewusst gesehen? Kann mich nicht erinnern. Nebenher lief hier zuletzt eine Doku über Hannover.
Letzte Dusche?
Heute morgen.
Letzte CD?
Was Selbstgebranntes.
Letzter gekaufter Gegenstand?
Halterlose Strümpfe, schwarz. Ach nee, stimmt gar nicht. Schnuller, rosa.
Letzte Enttäuschung?
Meine Enttäuschungen bewegen sich diesseits des Belanglosen. Für ein paar Minuten hat es mich letztens getroffen, keine Lebkuchen im Pennymarkt vorgefunden zu haben.
Letzte sexuelle Phantasie?
Ausgelebt und nicht enttäuscht.
Letzte Worte?
Ich hab Hunger.
Letzte merkwürdige Begegnung?
Gestern Nacht der betrunkene alte Nachbar im Treppenhaus. "So schön war ich auch mal...".
Letztes Mal amüsiert?
Mit dem alten Nachbarn im Treppenhaus Heute nachmittag auf einem Kindergeburtstag.
Letztes Mal umarmt?
Eben.
Letztes Mal getanzt?
Andauernd, Kindertänzchen.
Letztes Konzert?
Das letzte war ein Streichquartett. So ein "richtiges" ewig nicht.
Letzte besuchte Webseite?
Gmail.
Ich werfe das weiter an Frau Diagonale, Frau Lunally, Frau Anje und, als Bonus, an Frau Blüte (kommense, an sowas können Sie doch schlecht vorbeigehen... :-) )
Mich heute morgen enorm für den reibungslosen Bewegungsablauf, einhändig, mit randvoller Kaffeetasse in der Hand, ohne aus dem Schrittrhythmus zu kommen und um drei Ecken, und zwar Türöffner - Tür - Kartenleser - Tür - Schlüssel - Tür bewundert.
Am Abend ein ganz neues Gefahrenrisiko aufgetan. Und versucht, die gedankenlos verzehrte köstliche Oliven-Chili-Knoblauchpaste durch viele Haribo-Erdbeeren und Bier zu neutralisieren.
Auf dem Heimweg zu spät und das Licht am Fahrrad geht nicht und im Halbdunkel mit Herbstblättern auf dem Boden wirkt das Ghetto beinah romantisch. Bierschaum bis zum Anschlag im Hals und über alle Bordsteinkanten und rote Ampeln, denn Mama wartet. Ach, ich Teenager...
Ich bin zu aktiv. Und zu schnell. Mache Vorschläge, Termine, Verabredungen, Pläne, ich organisiere, ich löse die Probleme und räume die Wiederstände aus dem Weg, bevor die anderen sie überhaupt wahrgenommen haben. Vorausschauendes Fahren.
Das kostet mich keine besondere Mühe, es war schon immer so, es geschieht einfach, und es hat ganz klar den Vorteil, dass ich zum einen nicht warten muss, bis sich irgendwer zu irgendwas aufrafft (was dann meistens ja nie geschieht) und zum anderen dass alles so abläuft, wie ich es will. Vorausgesetzt ich bin, bevor ich die herumfliegenden Puzzleteilchen im Sprung fange und im Wegsprinten daraus ein nettes Bildchen baue, überhaupt dazu gekommen, mir darüber Gedanken zu machen, was ich will - aber das ist ein Nebenaspekt.
So ziehe ich die Leute an, die einen Taktgeber suchen der für Struktur sorgt, die Herde sortiert, die Regler schiebt.
Es geschieht einfach. Aber manchmal, so wie heute, finde ich das sterbenslangweilig, unendlich ermüdend, und ich möchte einfach einmal überrascht werden, das Gefühl haben, dass jemand anders am Steuer sitzt. Einfach hinterherrennen und "Mäh" blöken.
Beim Abschmecken festgestellt, dass das Essen ohne diese Fertiggewürzmischung sicherlich besser gelungen wäre.
Spontan die verbleibende Kokosmilch mit Cachaça und Apfelsaft gemischt. Was für ein grauenhafter Einfall!

[es geht] um eine alte Frau, die ich getroffen habe
in meiner alten Straße
da wohnte eine unter uns, die war damals schon fast 90 und wieselte aber immer noch die Treppen hoch und runter
jedes halbe Jahr haben wir ihr die Zeit umgestellt und ab und an den Fernseher "repariert" (war dann meistens am Hauptschalter ausgeschaltet)
die traf ich heute morgen in der Straße, das ist beim KiGa in der Nähe
und hab mich total gefreut, und sie sich auch
ich hab sie begrüßt und sie hat mich umarmt und wir haben eine Viertelstunde über alles gequatscht
war total schön
an der nächsten Ecke fiel mir dann allerdings ein, dass die kurz bevor wir auszogen gestorben ist...
meine Güte, das war irgeneine andere fremde alte Frau (kicher)
die der nur ähnlich sah und ich hab sie halt in der Straße... und so...
ich könnte mich totlachen darüber

Genau. Aber keine Sorge, ich kenn noch mehrere mit grundlosen Gebühren. Sie sind nicht allein!
Da fällt mir ein, dass ich letztens sogar diesen Dauerauftrag änderte, um das böse Wort noch in den Verwendungszweck zu packen. Hat Spaß gemacht, auch wenn es vermutlich niemanden interessiert. Hauptsache gezahlt.

Der Tag ging dann übrigens so weiter, dass ich gleich nach Ausschalten des Rechners nach einem Schal gegen meine Halsschmerzen suchte und dabei auf ein Mottenlager in den Winterwollklamotten stieß. So war ich für die nächste Stunde gut abgelenkt da gut beschäftigt, bis ich nach einer umfassenden Säuberungs- und Entsorgungsaktion mit einem Schal aus einem anderen Schränkchen umschlungen befriedigt die letzten Ecken mit Killergift ausspritzen konnte, denn - so öko ich ja bei meinen Nahrungsmittel bin, so sehr schwenkt das Pendel in die andere Richtung aus wenn es um unerwünschte Mitbewohner in meinem Haushalt geht. Ich verstehe da keinen Spaß.
Die Befriedigung war jedoch von kurzer Dauer, denn beim triumphierenden Zuknallen der Zimmertür bei geöffnetem Fenster (das Zeug ist wirklich nicht gesund) stieß ich mit dem Fuß ein großes Glaswindlicht um, in dem sich die Kastaniensammlung des Kindes befand, und es zersprang in Tausend Scherben. Nun wäre dies bis vor wenigen Stunden noch ein Quell weiterer Genugtuung gewesen, habe ich dieses Windlicht doch vor vielen Jahren von einer Frau geschenkt bekommen, die ich all die ganzen Jahre dann lieber vergessen wollte, was mir auch ausnehmend gut gelang, bis auf die wiederkehrenden Begegnungen mit dem Glaswindlicht, das nie zu irgendetwas nütze war (ich habe es nicht so mit "Accessoires"), jedoch dann just heute morgen eine Bestimmung fand, nämlich vom Kind zwecks Deponierung der Kastaniensammlung adoptiert und ins Herz geschlossen wurde, und kurz nach dieser Sinnfindung seine Existenz in meinem Haushalt, die immerhin drei Umzüge überdauert hatte, zu beenden. Man weiß gar nicht, ob man diese Daseinsberechtigung in den letzten Zügen des Daseins nun tröstlich oder tragisch finden soll. Naja, diese existenzphilosophischen Gedanken überfallen mich aber auch gerade erst jetzt, denn in dem Moment des Splitterns fand ich das einfach nur total bescheuert und brüllte eine explizite Verwünschung, woraufhin die Nachbarn gegen die Wand klopften.
Beim Scherben auffegen zog ich mir diverse Splitter zu (ich habe mich noch nie an Scherben geschnitten, immer nur an absurden Dingen, weshalb ich es nicht einsehe, für Scherben irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen), aber das sei nur am Rande bemerkt denn zu der wirklichen Absurdität kommen wir nun: ich musste dann ein neues Glaswindlicht kaufen, für das Kind, wegen der Kastanien halt. Ich habe jetzt also wieder eins. Ich habe jetzt auch quietschebunte Muffinformen und neue Unterwäsche, drei Packungen Brot in Scheiben (das ist für mich als Bäckerstochter ein untrügliches Anzeichen von Rebellion) sowie vier Sorten Käse von der Käsetheke.
Soweit also die momentane Sachlage. Der weitere Plan für heute ist: Kuchen backen, Abendessen, Kind ins Bett stecken, Geburtstagstisch mit Girlanden, Luftballons, Konfetti, Luftschlangen und anderem unerträglich buntem Krimskrams sowie einem Geschenkeberg (die Eisenbahn!) herrichten. Danach mit dem Gefühl, etwas geleistet zu haben, mit dem Laptop auf dem Teppich vor dem Fernseher versacken, dabei Bier trinken und alles andere ignorieren.
Heute bin ich mal ein interolantes Arschloch, ansonsten bekomme ich nämlich ein Magengeschwür, außer, dass ich sowas natürlich nie bekomme, mein Magen ist unverwüstlich, ich krieg immer Migräne und das klingt so weicheiig, darauf hab ich keine Lust. Und deshalb werfe ich alle Vorsätze über Bord und meckere nun 5,5 Minuten lang nach Lust und Laune, darüber, was mich heute alles stört, bis 14:30 werde ich nämlich ganz genau meckern und danach für lange Zeit (was das Meckern angeht) verstummen.
Mich stört, wenn der Besuch seinen Besuch erst für Freitagabend ankündigt, dann auf Samstag zum Frühstück (wir bringen die Brötchen mit!!) verschiebt um Samstag mittag dann in Erwartung einer warmen Mahlzeit in der Tür zu stehen. Mich stört das, obwohl dieser Besuch eigentlich, erfahrungesgemäß, durch Kürze gewinnt. Aber egal, es stört mich halt, weil ich Absprachen mag, und es mich stört, wenn sich jemand nicht daran hält.
Außerdem stört es mich, wenn der Besuch dann sofort auf dem Balkon zum rauchen verschwindet und die Tür auflässt, so dass es erstens recht frisch wird und zweitens der Qualm in meine Bügelwäsche (ich bügele nie, aber ich nenen die Stapel trotzdem so weil es vorgibt, es würde noch etwas wirklich gutbürgerlich-produktives damit geschehen) zieht. Dass der Besuch danach eine halbe Stunde auf der Couch sitzt und mit dem neuen Handy spielt, stört mich auch, weil mich Handys tendenziell sowieso nerven, wenn damit herumgespielt wird, ich fühle mich dann nicht genug beachtet und langweile mich, weil mich die Dinger nicht interessieren, bin aber zu höflich, dem Besuch gegenüber zu sitzen und ein Buch aus der Tasche zu ziehen um mich darin zu vertiefen, gut, das ist mein Problem mit der Höflichkeit, zwingt mich ja niemand dazu, aber ist auch egal, man kann immer alles zu seinem eigenen Problem machen, aber dazu habe ich jetzt keine Lust, ich möchte mich einfach nur beschweren und intolerant sein und meckern und nörgeln, herzlichen Dank. Dann stört es mich auch, wenn ich die erwartete warme Mahlzeit beibringe (ich Irre!!) und beim Essen dann mit dem neuen Handy fotografiert wird. Würde meine Anrichtung der Speisen abgelichtet, so ginge das vielleicht gerade noch an, wenn aber alle Anwesenden beim Essen einfach mal abfotografiert werden, finde ich das einfach nur doof. Es stört mich.
Mich stört auch ein Geschenkeregen, der über die ganze Familie hier hereinbricht, jeder bekommt mindestens fünf nutzlose Kleinteile, hauptsache etwas mitgebracht, ich würde die Kleinteile jetzt wirklich gerne aufzählen, aber dann geht mir die Zeit aus, ich will ja noch weitermeckern.
Es stört mich nämlich zu diesem allen noch, dass dann die Heizung aufgedreht werden soll weil es kalt ist (ich verweise auf die Balkontür), dass dann alle verschwinden (gut, das stört mich nicht an sich, aber die Art und Weise störte mich), und dass niemand einen Schlüssel mitnahm (fällt unter Art und Weise aber Art und Weise ist doppelt, also kann ich mich darüber auch doppelt aufregen!) und daher jemand gleich das Kind wachklingeln wird, oder aber - stört mich genauso - die alle noch nicht zurück sind, wenn das Kind aufwacht, und arg vermisst werden.
Es stört mich, dass ich heute Abend keine Platz auf der Couch haben werde, bei dem nicht die mir notwendige Sperrzone von einem halben Meter bis hin zun nächsten Körperkontakt verletzt wird, so dass ich mich gern mit dem Laptop aus Bett zurückziehen werde, dann aber wieder unhöflich bin (mein Problem, ich weiß, halten Sie den Mund!) oder auf dem Teppich kauere, was akzeptabel wäre, auch für mich, da ich beabsichtige, beim computerbegleiteten Fußball gucken reichlich Bier zu mir zu nehmen, und so ist ein Sturz von der Couch schonmal vermieden. Dabei stört mich, dass ich schon für das erste Bier missbilligende Blicke ernten werde (bei Sekt wäre das was anderes, da gäbe es die missbilligenden Blicke erst nach dem dritten oder so, ich mag aber nicht sonderlich gerne Sekt) und dass der durch das Kauern auf dem Fußboden eingehaltene Schutzradius mich nicht vor fußballfremder (und computerfremder) Dauerbeschallung retten wird, währen die anwesenden Herren unbehelligt ihr Bier trinken und unbeschallt dem sicherlich dappigen Fußballkommentator lauschen dürfen - ich fühle mich hier ernsthaft diskriminiert.
Ich könnte hier noch endlos weiter machen, was mich morgen alles stören wird, aber leider ist die Zeit jetzt um, man muss sich ja Grenzen setzen für sowas, finde ich, sonst räumt man dem störenden Zeugs viel zu viel Raum ein. Insofern war es das jetzt, weshalb ich dieses Thema beende und mir einen schönen Tag mache.
"Von so jungen BWL-Küken wie Dir muss ich mir das nicht sagen lassen."
Hihi. Ich bin 7 Jahre älter, Quereinsteiger, und sagen lassen muss er es sich auch noch. Hihi.
Zurück zur Sachebene. ;-)
Pralinenschachtel geschafft. Das Leben kann weitergehen.
Am abend in der Bahn in der grau-trägen Mitfahrermasse, erstickend, als würde ich in einen Aschenbecher eintauchen, nicht greifbar, kein Blickkontakt, müde Augen hinter verschmierten Brillengläsern, hängende Mundwinkel, Schweigen, verharrend, zäh - dazwischen er, gar nicht wirklich gut aussehend, klein und breites Gesicht, aber was für eine Ausstrahlung, er scheint zu leuchten, erzählt, gestikuliert, bewegte Mimik und ein schnelles Lächeln, ist auf eine gelassene Art präsent, so präsent, dass ich die Musik ausschalte um seine Stimme zu hören, die erstaunlich leise ist aber melodisch, klar, unglaublich angenehm, wie an einem Rettungsring hängen meine Augen und Ohren an ihm, besser als jede Musik und jedes Buch, so - lebendig.
Was ist denn mal ein guter Rum, so für das Schränkchen von unten? Ganz platt der weiße aus der Werbung? Nee, oder? Havana Club?
- Heute nach langer Zeit mal wieder den Satz "das ist unter meinem Niveau" gehört und richtig lachen müssen, wie albern! Nicht, dass mein Niveau jetzt ganz unterirdisch tief angesetzt wäre... aber es ist schon, sag ich mal, äh, recht spektral?...
- Wie sich das Verhältnis zu Personen über die Zeit verändert stelle ich immer wieder daran fest, welche Songs ich gerade mit ihnen verbinde (und welche nicht - mehr).
- Bin ich eigentlich wirklich so furchteinflößend? Mir geschieht seit ein paar Tagen ständig, dass jemand beginnt, etwas zu mir zu sagen, und, sobald ich dann meine Aufmerksamkeit der entsprechenden Person (es tritt bei mehreren auf, auch bei völlig Fremden!) zuwende, verstummt sie mit den Worten "ach schon gut" (oder so ähnlich). Hm?
- Heute auf der Speisekarte: sinnfreie Bemerkungen (Spezialität des Hauses) und blöde Fragen (blöd nicht im Sinne von dumm, sondern eher "das muss jetzt nicht sein").
Zu den Fragen - drängend, Vergewisserungsfragen, und so unnötig. Wie kann man die bitte abstellen? Diese Fragen ohne Berechtigung, die zu nichts führen, bei denen es sowieso keine richtigen oder falschen Antworten gibt, die lediglich der Positionierung dienen, wobei Positionierung nicht notwendig ist (ist die überhaupt jemals notwendig? Ich finde ja nicht). Gnah! Wozu das alles? Wie "Wann gibt es Essen?" - "Wenn es fertig ist". Danke, gut, dass wir darüber gesprochen haben.
Zum zweiten die sinnfreien Bemerkungen, nur als Feststellung an sich, das Bedürfnis, etwas durch Aussprechen sozusagen in der Welt zu verankern. Was zu nichts führt. Bzw. vermutlich zu Erklärungen, oder noch schlimmer: Entschuldigungen, unnötige, weil die Tatsachen bekannt sind und das Verhalten konform ist.
Dass nur das "darüber gesprochen haben" meist so einen schalen Nachgeschmack hinterlässt, wenn es doch zu nichts führt, zu nichts führen kann, und deshalb das Aussprechen, das "Verankern" nur eine Manifestation des Scheiterns ist.
Der Vorsatz, einfach weiter zu senden, und sei es ins Leere. Vielleicht sind es auch einprasselnde Puzzelteile, nur noch nicht resonanzreif, das Bild muss sich noch setzen. Und lieber ist mir ein gewachsenes Bild aus vielen Einzelteilen mitsamt jedem Interpretationsspielraum allemal, als ein herbeigeredetes, präsentiertes, als fertig ausgegebenes, inklusive beigelegter Deutung. Der Nachgedanke aber, dass das Senden ohne Fragen, ohne (Selbst-)zensur bei allem Mut, den es zu erfordern scheint, sich so bedingungslos offen zu legen, letztendlich die einfache und feige Variante ist, weil entscheidungsfrei.
- Beim Aufzug-Abwärtsfahren ging die Frage durch den Kopf, ob mir dann irgendwann beim Blick in den Spiegel einfach nur noch schlecht wird, möglicherweise?
Heute vormittag ereilte mich hinterrücks eine Extremglucken-
Anwandlung! Glücklicherweise dauerte diese nur etwa 3 Minuten (nämlich genau so lang, bis ich mich von hinten quer durch den Schlamm der Baustelle und das regentriefende Gebüsch an den Kindergarten herangepirscht hatte und durch das Fenster erspähte, dass das Kind sich mitnichten heulend-brüllend vor Sehnsucht nach Mama auf dem Boden wand, sondern ein Steckspiel spielte und dabei unablässig auf die anderen, deutlich älteren, Kinder einredete). So sammelte ich meine Reste von Würde aus Schlamm und Gebüsch und trabte in die Innenstadt, zum kinderfreien Shopping und Coffee-to-go mit Musik laut auf den Ohren.
Dem penetranten (privat sicherlich) netten jungen Mann mit den gelben Zetteln für eine sofortige fast-sogar-umsonstene Mitgliedschaft in einem CD/DVD-Club versicherte ich unter Matchbox 20 Beschallung durch meinen vom Ohr gezogenen Kopfhörer mit fester Stimme, dass ich nicht nur selten, sondern überhaupt nie, niemals, Musik höre. Sah mich dann vom 10-Gebote-Prediger an der Ecke gegenüber beobachtet, der zwar gerade die Sache mit den Ladenöffnungszeiten, also Sonntagsarbeit, beharkte (Nr. 3 wenn ich mich nicht irre - ich komme dort öfter vorbei und bin mittlerweile recht firm), aber so aussah, als ob er angesichts meiner Konversation mit dem Musikmann jeden Moment mit dem Zeigefinger auf mich deuten und auf Nummer 9 umschwenken könnte. Also floh ich zu Saturn.
Nach knapp zwei Stunden Umschleichen der Musikabteilung (mit ständigen Blicken über die Schulter in der Erwartung des Musikmanns oder Predigers mit vorwurfsvoller Mine) machte ich mich auf den Rückweg zum Kindergarten, um meine These bestätigt zu finden, dass man eigentlich nur sehr, sehr selten unfreiwillig wirklich nassgeregnet wird. Heute war einer dieser sehr, sehr seltenen Tage, ich glaube, der zweite in diesem Jahr, also wirklich selten, ich freue mich immer, wenn meine Thesen sich als stimmig erweisen.
Das Kind war wohlbehalten, wenn auch verpflastert (nicht der Mund, immerhin). Morgen vormittag gehe ich irgendwo nett frühstücken :-)

