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    Montag, 11. September 2006

    Hier die nächsten vierzehn Tage nur Wind und Wellen

    Sonntag, 10. September 2006
    Merkwürdigkeiten

    Gestern:

    "Auf Gleis 2 fährt nun ein: der verspätetete Regionalzug nach Frankfurt-Bratislava. Abfahrt sechzehn Uhr neunundneunzig."

    Mein Fragezeichen im Blick lässt den älteren Mann neben mir bemerken: "Die sagen schon den ganzen Tag sowas".
    Das nimmt nur wenig der Verwirrung - seit wann sitzt der hier??


    Heute, beim Beseitigen des Kindergeburtstagsschlachtfeldes:

    Er: Was kann ich helfen?
    Ich: Spülen oder Abtrocknen.
    Er (mit echtem Entsetzen im Blick): Das ist jetzt nicht Dein Ernst, oder??


    So etwas passiert mir immer an Tagen, an denen ich sowieso geistig nicht ganz beieinander bin. Und dann frage ich mich, ob es nicht vielleicht ständig so abläuft, und ich nur sonst in der Lage bin, entsprechend zu filtern und das gewünschte/erwartete herauszuhören.

    Parallelwelten...

    Freitag, 8. September 2006
    Zahltag

    Bald ist Weihnachten. Referat erledigt, Hausarbeiten stehen noch nicht an, Job hat auch Pause.

    Nach dem Seminar noch zu ihr. Auf dem Deich halten wir an, um zu sehen, wie die Sonne blass hinter den kahlen Zweigen verschwindet. Es riecht nach Schnee.

    Einen Schluck Glühwein, gerne. Entspannung macht sich breit. Alle Romanistenzimmer, die ich kenne, haben generische Komponenten... Mal die Bücher im Regal anschauen.

    Oh, es hat richtig angefangen, zu schneien. Ganz dicke Flocken. Schön. Aber so hell.

    Leichte Unschärfe im Blick. Die Haarsträhne im Gesicht nervt. Der Schein der Schreibtischlampe wird greller. Ich spüre meine Haarwurzeln.

    Tut mir leid, ich muss gehen. Kopfschmerzen. In fünf Minuten fährt ein Bus, ich lasse das Rad hier stehen. Nein, ich will mich nicht hier hinlegen, nach Hause. Kein Kaffee, nein. Aspirin gern, für den Weg. Nichts wie raus.

    Ist ja nur um die Ecke und dann die Straße runter. Die kalte Luft wie ein Schlag ins Gesicht. Autoscheinwerfer blenden mich, ich sehe nichts mehr, verliere die Orientierung, um welche Ecke...? Das da vorn könnte die Hauptstraße sein, blinzelnd geht es weiter. Das war wohl der Bus. Der nächste kommt in 60 Minuten, bis dahin bin ich Gemüse. Also zurück.

    Zurück, wo ist das? Schnee, Schnee, Schnee. Und so hell. Alles so gleich. Telefonzelle. Auch gut. Geld rein, irgendwas. Nummer. Konzentrieren. Kann die Zahlen nicht lesen. Wie lang stehe ich schon hier? Ruhig atmen. Endlich.

    Kannst Du mich abholen?
    - Was ist los?
    Kopfschmerzen
    - Wo bist Du?
    Weiß nicht. Ich war bei... ich wollte zum Bus. Der ist weggefahren. Es schneit.
    - Bleib wo Du bist. Wir kommen.

    Die Anstrengung, sinnvolle Sätze zu formulieren dreht mir den Magen um. Raus aus der Telefonzelle. Bleib wo Du bist. Ich kann nicht mehr. Schnee kühlt den Kopf.

    Am nächsten morgen wache ich sehr früh mit einem Riesenhunger auf und mache einen Spaziergang durch den Neuschnee. Reboot. Ich fühle mich so gut wie seit langem nicht mehr.


    Lieber Kopf, ich weiß, dass wir eine Rechnung offen haben. Aber gibt mir noch 48 Stunden. Bitte.

    Entspannung

    Es ist ein schönes Gefühl, wenn nach längerer Zeit der Anspannung langsam Ruhe einkehrt. Die Muskeln entspannen sich, auch wenn jede Bewegung, wie nach einem langen Lauf, spürbar ist. Der Atem wird langsamer und tiefer. Die Wachsamkeit lässt nach. Der Kopf verwendet vorübergehend einen Weichzeichner, leichte Gedanken sprudeln von dort, wohin sie verdrängt waren, wieder hervor und verwischen scharfe Konturen.

    Ungünstig allerdings, wenn dies zum falschen Zeitpunkt geschieht.

    Noch zwei Tage. Noch zwei Tage.

    Montag, 4. September 2006
    Schlüsselkinds Stöckchen

    So, wer die Überschrift nach mehreren Bier 10x hintereinander fehlerfrei ausspricht, dem geb ich noch eins aus.

    Frau Schlüsselkind fragt, wie dieses Blog zu seinem Namen kam.

    Da musste ich jetzt selbst erstmal überlegen, denn ich habe den Namen bei Eröffnung des Blogs von meiner Mailadresse übernommen, die schon recht lang als Alternative zu derjenigen besteht, die ich normalerweise für solche Späßchen im Internet verwende. Warum ich nicht die übliche verwendet habe, sei dahingestellt, denn danach hat hier schließlich niemand gefragt.

    Hat nichts mit dem Roman oder dem Song von Bosse zu tun, die kenne ich beide nur vom Namen (und hoffe, sie sind nicht allzu fürchterlich). Ebenfalls nicht angelehnt an November Rain von Guns'n Roses.

    November, weil mein Geburtstag im November ist.
    Und Regen, weil ich Regen mag.

    Ich werfe das Stöckchen weiter an Frau Lilly-Charlotte (aus reiner Neugier ob sie evtl. wirklich so heißt?), Frau Dezentral und Herrn Nyxon.

    Montag, 4. September 2006
    Prognose

    Die nächste Woche wird eine logistische Meisterleistung.

    Hoffentlich. Denn wenn nicht... oh, nicht drüber nachdenken. Augen zu und durch.

    Donnerstag, 31. August 2006
    Plan B

    Ich war noch keine 16 als ich mich spontan mit Zug - Zug - Schiff - Zug - Überlandbus über rund 1500 km schwang. Von den 36 Stunden non-stop-Reise erinnere ich mich nur an ein vages Gefühl von Adrenalin, Fremdheit und völliger Erschöpfung. Am Zielort erwartete mich (Pubertierende sind ein Stück weit vorhersehbar) ein gedeckter Frühstückstisch mit einem Strauß Osterglocken aus dem Park geklaut. Der Tisch stand vor einem Fenster mit pychedelisch gemusterten orangefarbenen Vorhängen und die Sonne schien.

    Dieses Bild ist in mein Gedächtnis gebrannt, und wenn ich an irgendeinem Ort dieser Welt grüne Äpfel, Lavendel und schwarzen Tee zugleich rieche sitze ich vor einem orangenen Vohang mit psychedelischem Muster, esse ein weichgekochtes Ei und meine Augen tränen weil ich müde bin und mir die Sonne ins Gesicht scheint oder wegen der Osterglocken, natürlich.

    Ich blieb für sechs Wochen und es war, als wäre ich immer dort gewesen, ich war zu Hause. In einem Leben voller Idealismus und Engagement und der Verwirklichung von Träumen. In einem Leben, das nicht mir gehörte, und dem ich immer 10 Jahre hinterherhinkte. Deshalb ging ich zurück. Und weil ich keine Kopie von einem Meisterwerk wollte, ging ich für mich einen komplett anderen Weg.

    An manchen Tagen, wenn die Sonne in einem bestimmten Winkel zwischen den Wolken scheint, wenn der Wind Kamingeruch in kalter Luft vorbeiträgt oder wenn der Regen ganz besonders weich ist, fühle ich den Sog. Ich weiß dann, dass es nur ein an die Oberfläche gelassener Gedanke wäre, eine kleine Drehung aus dem Gleichgewicht, einige wenige Schritte zum Bahnhof.

    Das ist mein doppelter Boden.

    Nach 1500 km würde ich Osterglocken im Park klauen und mir im Second Hand Shop orangene Vorhänge kaufen.

    Mittwoch, 23. August 2006
    Erkenntnisse des Tages

    1. Einen Schuh muss man sich anziehen, bevor er drücken kann.

    2. Frag nicht, wenn du die Antwort nicht hören willst.

    [edit:

    3. Wenn du eine Antwort willst, ist es oft der einfachste Weg, die entsprechende Frage zu stellen...]

    Mittwoch, 23. August 2006
    Schläferung (Hans Magnus Enzensberger)

    lass mich heut nacht in der gitarre schlafen
    in der verwunderten gitarre der nacht
    lass mich ruhn
    im zerbrochenen holze
    lass meine hände ruhen
    auf ihren saiten
    meine verwunderten hände
    lass schlafen
    dass süße holz
    lass meine saiten
    lass die nacht
    auf den vergessenen griffen ruhn
    meine zerbrochenen hände
    lass schlafen
    auf den süßen saiten
    im verwunderten holz


    für diejenige person, die den text bei google gesucht hat und hier gelandet ist. hier ist er. schläferung heißt das ganze. wunderschön. ich vermisse meine musikinstrumente... kann kaum noch leben ohne. fast amputiert ohne musik. wieso gibt es überall Internetcafes aber nirgendwo kann man sich mal für eine paar stunden an einen flügel setzen oder eine geige nehmen oder was auch immer?? meine geige ist auf reisen, das klavier mangels transportmöglichkeit am alten wohnort, die querflöte bei meiner schwester, die gitarre bei der babysitterin. ich werde wahnsinnig. hat mal jemand ein drumset für mich?


    Seit einer Woche habe ich diesen Ohrwurm. Er muss jetzt weg!

    (*schnips* *schnips*
    1-2 1-2-3-4 1-2 )

    Es ist die kleine Ente hier
    ein schnatterhaftes Schnabeltier
    passt ihr was nicht das sag ich euch
    dann meldet sie sich gleich.

    Sie drängt sich vor, sie drängt sich auf
    und stört es wen sie pfeift darauf
    sie macht nicht Platz, sie ist nicht still
    sie macht nur was sie will.

    Refrain:
    (du-dumdidumdi-dudum
    du du dudidudidu
    du-du-du du-du-du)
    Doch die Ente gehört dazu.
    Und gibt's auch mal Theater
    Geflatter und Geschnatter
    so mögen Maus und Elefant
    die Ente doch das ist bekannt
    von hier bis Helgoland

    (dada dada dubi dubi
    dada dada dubi dubi)

    Sie springt gern mitten in den Matsch
    am liebsten macht sie Entenquatsch
    und ist es auch der größte Mist
    egal weil sie die Größte ist!

    Sie gibt nicht nach, sie gibt nicht Ruh'
    gibt immer ihren Senf dazu
    sie strengt sich an, sie legt sich quer
    so ist sie - bitte sehr!

    (Refrain)

    Und lustig ist sie auch, und wie!
    Die Freunde denken über sie
    sobald sie ankommt ganz vergnügt
    wie schön dass es sie gibt!

    (Refrain)

    Freitag, 18. August 2006
    Schaf im Kopf

    An manchen Tagen stimmt nichts.

    Habe das Gefühl, nicht richtig zu hören. Dünne Handschuhe zu tragen, die mich nicht richtig lassen. Vielleicht auch zu dicke Socken. Sicht ist komisch - sitzt die Brille schief? Die Haare fliegen. Das Gesicht fühlt sich an als hätte ich neben der aufgedrehten Heizung einen zu langen Mittagsschlaf gemacht. Jegliches Essen schlägt mir auf den Magen. Jetzt wäre mir nach einem schönen Wein, aber an solchen Tagen verläuft die Grenze zwischen "einem Gläschen" und "huch das Bett dreht sich" nicht an den mir bekannten Koordinaten.

    Ich verhaspele mich beim Sprechen. Beim Tippen sowieso. Stolpere. Hat jemand mein Gehirn 'runtergetaktet??

    Lass mich heut nacht in der Gitarre schlafen...

    Dienstag, 15. August 2006

    Normal ist Mittelmaß.

    November seit 7244 Tagen

    Letzter Regen: 06. Januar 2026, 22:39 Uhr