Es gibt Blicke, die vergisst man nicht.
Mit einer meiner WG-Mitbewohnerinnen und Freundin saß ich morgens am Frühstückstisch. Seit einiger Zeit nahmen wir beide diese komischen Hefetabletten, die es in jeder Drogerie gab, denn angeblich sorgen die für makellose Haut, tolle Haare und schöne Fingernägel. Das hatten wir nun aber für eine Woche vergessen, weil so viel los war, und dachten uns daher, im Sinne der Schönheit gleich die Ration für einen ganzen Tag zu schlucken.
Also frisch aus der Pappschachtel jeder etwa 15 von den Dingern in die Hand geschüttet und geschluckt, mit dem letzten Rest kaltem Morgenkaffee.
Sachen gepackt, wie immer schon spät dran, und noch den Fahrradschlüssel vom Tisch gelangt. Dabei stieß sie die Pappschachtel um. Die Hefetabletten rollten auf de Tisch, und dazwischen rollte es und wuselte dann und krabbelte und wand sich. Mehlwürmer, Maden, keine Ahnung was. Viele. Tausende. Überall.
Ich stand auf der einen Seite vom Tisch, sie auf der anderen. Der Fahrradschlüssel fiel unbeachtet in das Gewürm.
Wir sahen uns an. "Sag an" las ich in ihrem Blick. "Wenn Du schreist, schreie ich auch, und ich höre so schnell nicht mehr auf". Meiner sagte vermutlich so etwas wie "Schrei bitte, dann kann ich mich fallen lassen und wir brüllen hysterisch bis der Arzt kommt". Der Blickkontakt war unendlich lang. Kein Wort wurde gesprochen.
Ich hob den Fahrradschlüssel aus dem Madenhaufen. Sie nahm die Tequilaflasche vom Regal. Sie trank einen Schluck. Ich gab ihr den Schlüssel, sie gab mir die Flasche. Ich trank einen Schluck.
Wir fegten die Maden in den Müll und taten, als wäre nichts gewesen. Wir haben nie wieder darüber gesprochen. Nur Hefetabletten haben wir keine mehr genommen.
Aber als ich heute herzhaft in einen Apfel biss, in dessen Inneren sich ein Fruchtfliegennest (oder wie auch immer man Bauten nennt, in denen diese Viecher in den verschiedensten Entwicklungsstadien vorkommen) befand, stand ich zwar allein in der Küche, aber mir war, als würde ich von der anderen Seite des Tisches genau in ihre Augen sehen.
You tell me I'm drunk
then you sit back and smug a while
convinced that you're right
that your're still in command
of your senses. I laugh at
your superior attitude
your insincere platitudes
make me throw up.
(Fish - The Company)
Die liebe Frau Bluetenstaub möchte mit mir Staffellauf spielen, und das, wie ich ja kürzlich erfahren konnte, auch noch ohne festes Schuhwerk. Wie sie nun darauf kommt, dass ich mich dem kollektiven Offenbarungszwang anschließe, sei dahin gestellt, aber Recht hat sie natürlich.
Ein Buch soll ich ihr nennen, das pi mal Daumen mit mir geboren wurde. Jahrgangslektüre also. Oh, und das war ein guter Jahrgang, so dass ich die Qual der Wahl habe. Letzendlich habe ich mich dann für Folgendes entschieden:

Dies ist ein Buch, das ich gern immer mal wieder lese.
Es spielt in den "Tagen zwischen den Jahren" und handelt von einem eher unauffälligen jungen Mann, der gerade eine richtig beschissene Phase hat. Bester Freund gestorben, Job weg, Frau weg, Wohnung zweimal von Einbrechern leer geräumt und infolge dessen auch erstes selbstgeschriebenes Buch weg (keine Kopie vorhanden) und dann stirbt auch noch sein Kater. Sagte ich schon, dass es ein lustiges Buch ist? Meistens jedenfalls.
Der Typ tickt ein bisschen aus und beschließt, dem Einbrecher beim nächsten Versuch auzulauern. Dieser kommt tatsächlich auch nochmal, der Protagonist schägt ihn zusammen (the phrase "Head of Household" suddenly hit my mind - have I killed Head of Household?) und bindet ihn auf seinem freistehenden Küchenblock fest. Ich habe auch einen freistehenden Küchenblock, vielleicht finde ich das Buch deshalb so lustig?
Naja, und so geht es dann halt weiter. Lest es einfach selbst. Ob es das auf Deutsch gibt, weiß ich allerdings nicht - in jedem Fall ist die Übersetzung dann vermutlich grottenschlecht.
[Edit: Oh, ich muss das auch noch weiterwerfen, fällt mir ein. An wen bloß? Wer hat denn hier zuletzt was gesagt?? Die Frau Cosmomente, also dahin. Und an die Frau Schlüsselkind, bei der hab ich mal was Interessantes zu Büchern gelesen. Damit begnüge ich mich erstmal.]
Findet es außer mir noch jemand ein ganz komisches Gefühl, jetzt wieder Socken und Schuhe anzuhaben? Ich komme mir so vermummt vor...
Ich streiche öfters mal Leute aus meinem Adressbuch. Nicht, weil ich verärgert über sie wäre. Sondern weil ich nichts von Karteileichen halte. Ich trenne mich gern trenne von Dingen, die ich nicht brauche. Und Personen mit denen mich nichts verbindet und für die ich über längere Zeit keine Zeit gefunden habe, brauche ich offensichtlich nicht.
Nun sind mir allerdings zwei Personen aus meinem Leben abhanden gekommen, dich ich gar nicht gestrichen habe. Und eigentlich auch gar nicht streichen will. Weil uns in meinen Augen noch sehr viel verbindet.
Mit dem einen bin ich zur Schule gegangen und wir waren damals nie miteinander befreundet, hatten aber dieselben Freunde, so dass wir uns trotzdem oft begegnet sind. Nach dem Grundstudium hatten wir mit vielen Leuten eine zweimonatige Rucksacktour durch die USA geplant: Wie es so ist kam bei dem einen dies und bei dem anderen jenes dazwischen, so dass letztendlich nur noch er, ich und ein quasi-verhandschelltes Neupärchen übrig blieben. So teilten wir also die Hotelzimmer und hingen zusammen ab, wenn die anderen mit Pärchenaktivitäten beschäftigt waren. Von Ausrauben bis Zollfahndung haben wir dabei so ziemlich alles erlebt und letztendlich entstand daraus eine Freundschaft. Durch den einen oder anderen Umzug in den folgenden Jahren wurde der Kontakt zwar unregelmäßig wurde, aber er brach nie ab und wir konnten bei jeder Begegnung wieder so reden, als hätten wir uns gerade am Vortag noch gesehen.
Vor drei Jahren dann aber plötzlich absolute Funkstille. Keine Antwort auf gar nichts mehr. Nach einem Jahr dann ein Anruf kurz vor einem Geburtstag: er wollte sich mal melden, lange nix gehört, ob es eine Feier gibt - ja, er kommt auf jeden Fall, freut sich schon, wird ja höchste Zeit, dass wir uns sehen.
Das war das letzte Mal, dass ich von ihm gehört habe.
Ein möglicher Erklärungsversuch - vielleicht ist er ja tatsächlich gekommen und hat in dem Lokal dann statt der üblichen Verdächtigen nun drei Pärchen da sitzen gesehen, die jeweiligen Frauen mit 7-9 Monatsbäuchen. Das mag abschreckend wirken. Aber ob das derart traumatisiert, dass man nach zwei Jahren noch sprachlos ist? Unwahrscheinlich.
Mit der verschollenen Nr. 2 ist es fast noch seltsamer. Wir lernten uns mit 16 in Frankreich kennen und es hat immer zwischen uns geknistert. Geklappt hat es nie, denn immer war gerade er oder ich schon vergeben oder auch mal gerade beide. Oder auch mal gerade beide nicht, aber dann waren wir mit Wunden lecken beschäftigt. Durch Schule und Studium haben wir uns nicht aus den Augen verloren und uns geographisch immer mehr angenähert. Vor zwei Jahren dann der Anruf: "Du, ich wohne jetzt nur noch drei Straßen von Dir". Am nächsten Wochenende gleich zusammen in den Biergarten gegangen, jeder hat noch ein paar Freunde mitgebracht, irre Spaß gehabt und beschlossen, das jetzt ganz oft zu tun.
Das war's. Nie wieder etwas gehört, keine Antwort auf Kontaktversuche, ein paar Mal geklingelt und nie einer da, Zettelchen in den Briefkasten aber auch darauf keine Reaktion und deshalb klingel ich jetzt auch nicht mehr.
Und wundere mich. Und frage mich, ob ich ein Kollateralschaden des Laufs der Zeit in Form einer Adressbuchüberarbeitung geworden bin.
Bei Google in der Bildersuche "kalte Bilder" gucken.
Vorgestern: Schnee
Gestern: Sibirien (war erstaunlich grün...)
Heute: Gletscher
"Das Ding braucht Saft" werde ich nie mehr in Anwesenheit meiner kleinen Tochter über unser schnurloses Telefon sagen. Denn mit eben diesen Worten versenkte sie es gestern Abend in ihrem Trinkbecher.
Erinnerung an mich selbst: Klartext reden.
Nachtrag: Das Telefon hat überlebt. Nach einer Nacht trocknen war es wieder wie neu (weil: sauber). Sehr kleinkindtauglich. Marke auf Anfrage.
Schön ist es, wenn man eine Entscheidung getroffen hat, die sehr unbequem war und bei der es reichlich Gegenwind gab - und dann im Nachhinein offensichtlich wird, dass man Recht hatte, absolut und in jeder Hinsicht.
:-)
Ich werde beobachtet.
Neben dem Laptop steht heute eine Transportbox mit Mäusen drin. Zwei Albinos, zwei Argentemäuse, zwei Silberagouti und eine die wohl Schokobraun ist - die habe ich aber noch nicht zu Gesicht bekommen.
Der Plan war, diese zu beobachten um so in etwa die Gruppenzusammenhänge kennen zu lernen, bevor ich entscheide, auf welche Art ich sie morgen mit der bestehenden Gruppe vergesellschafte. Deshalb müssen sie den Abend heute leider noch in dieser kleinen Box verbringen, in der ich sie heute aus dem Tierheim geholt habe. Naja. Wer war nicht schonmal in einem kleinen, schlecht eingerichteten Hotelzimmer..
Tatsächlich werde aber eher ich beobachtet. Die eine Agouti steht an der Scheibe, seit mindestens einer halben Stunde schon. Als ich die Box umgedreht habe, ist sie an die andere Scheibe gelaufen. Ob die lesen kann?? Ich kann es ja gar nicht leiden, wenn mir jemand auf den Bildschirm guckt...
Bestimmt träume ich heute Nacht irgendwas Albernes von mich verfolgenden Riesenmäusen, die sich über eine zu kleine Transportbox beschweren.
und dann is genug für diesen Sommer.
Empty spaces - what are we living for
Abandoned places - I guess we know the score
On and on, does anybody know what we are looking for...
Another hero, another mindless crime
Behind the curtain, in the pantomime
Hold the line, does anybody want to take it anymore
The show must go on,
The show must go on
Inside my heart is breaking
My make-up may be flaking
But my smile still stays on.
Whatever happens, Ill leave it all to chance
Another heartache, another failed romance
On and on, does anybody know what we are living for?
I guess Im learning, I must be warmer now
Ill soon be turning, round the corner now
Outside the dawn is breaking
But inside in the dark Im aching to be free
The show must go on
The show must go on
Inside my heart is breaking
My make-up may be flaking
But my smile still stays on
My soul is painted like the wings of butterflies
Fairytales of yesterday will grow but never die
I can fly - my friends
The show must go on
The show must go on
Ill face it with a grin
Im never giving in
On - with the show -
Ill top the bill, Ill overkill
I have to find the will to carry on
On with the -
On with the show -
The show must go on...
So, genug jetzt!
Chipstüte leer.
Nochn Schluck Wein inner Flasche...
Fertig.
