Um die Spannung vorwegzunehmen: ich habe es dieses Mal geschafft! Keine Urlaubsabsage in letzter Minute, keine Dramen, keine außergewöhnlichen Vorfälle. Ich habe jetzt Urlaub. Und das ist gut, denn die letzten Tage waren schon sehr auf dem Zahnfleisch abgerockt.
Fast hätte ich es morgens gar nicht ins Büro geschafft. Im ersten Anlauf hatte ich den Fahrradschlüssel vergessen, im zweiten Anlauf das Handy, dann war ich schon ordentlich genervt. Am Vormittag erwarteten mich zwei Personalgespräche, eine zwei Übergabegespräche, eine Videokonferenz (Deutschland-Belgien-Frankfreich) zum aktuellen Umsetzungsstand des Projekts „e-Rechnung“, eine Videokonferenz mit dem Steuerberater zu einer Scheinselbstständigkeitsthematik, ein Telefonat mit dem Versicherungsmakler zum Thema „Stichtagesregelung“ und eine IT-Videokonferenz zur der Idee, eine Etage technisch von allen anderen abzukoppeln.
Dann war es auch schon 13 Uhr und ich lief los zum Frisiersalon. Ich gehe jetzt seit ca. 8 Jahren in diesen Salon und heute war eine Premiere: bisher hatte ich nämlich immer gesagt, dass mir egal ist, was sie machen. Das ging letztes Mal schief, da dachte der Friseur nämlich, wir könnten auch mal weniger kurz ausprobieren und unter dieser Idee hatte ich die letzten Wochen gelitten. Teilweise befürchtete ich, auf dem Weg zu einem Mullet zu sein, teilweise sah ich schon einen sehr braven Bob entstehen. Beides mögliche ich nicht. Deshalb hatte ich Bilder mitgebracht, die die gewünschte Friseur zeigten und alle im Salon amüsierten sich, dass auf den Bildern ich selbst war. Halt mit vorherigen Schnitten, die ich in diesem Salon bekommen hatte und ich gut fand. Das schien mir total sinnvoll, weil das ja realistische Projekte sind – die Kompetenz ist im Salon vorhanden und mein Haar/Gesicht passen auch zum Schnitt. Andere Leute scheinen Bilder von Prominenten mitzubringen als Vorlage. Das finde ich viel amüsanter. Aber gut.
Zusätzlich ließ ich mir einen Leave-in Conditioner empfehlen. Meine Haare leiden nämlich trotz ihrer Kürze unter dem neuen Hobby Schwimmen, also konkret unter dem Chlorwasser, und sind ständig elektrisch aufgeladen. Eine Zeit lang hatte ich ein richtig gutes Spray gegen sowas, Bamboo irgenwdas, das wurde leider vom Markt genommen. Dann hatte ich eine Zeit lang ein recht gutes Spray, eine Rossmann-Hausmarke, das wurde auch vom Markt genommem. Drei weitere Spraysorten, die ich ausprobierte, waren enorm schlecht, sie verbappen die Haare und riechen penetrant. Also ließ ich mir etwas empfehlen, das den haptischen und olfaktorischen Test bestant und bestellte es noch aus dem Salon heraus.
Zurück im Büro gab es noch ein Team-Meeting und dann kam ich dazu, meine Inbox leerzubeantworten, letzte Abwesenheitsinfos zu verschicken, die Pflanze zu gießen und Sachen aus dem Kühlschrank einzupacken. Ich verließ das Büro zwar etwas später als geplant, aber zur Abendverabredung kam ich nicht zu spät. So beginnt sie also nun, meine neue, wieder pünktliche Phase!
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Gleich vorweg: das Schwimmen abends habe ich nicht geschafft. Ich wäre erst gegen 20:30 Uhr am Schwimmbad gewesen. Das Schwimmbad schließt um 21:30 Uhr und ich möchte mich wirklich nicht beim Schwimmen beeilen.
Ich ärgere mich nicht darüber, denn der Tag war so verrückt wie schon lange keiner mehr. Am Vormittag dachte ich noch, eine arbeitsrechtliche Sache wäre außergewöhnlich irre. Doch der Tag steigerte sich.
Ein weiterer kleiner Höhepunkt war der Besuch des Architekten, den ich wirklich sehr schätze. Wir saßen am Konferenztisch, er mit Plänen, ich mit Plänen, so dass ich aufstand und sagte „ich setze mich mal neben Sie, das ist glaube ich sinnvoller“. Der Architekt antworte – ganz offensichtlich in einem Moment geistiger Umnachtung – „ja, ich beiße nicht!“
Ich habe vor ungefähr einem halben Jahr eine sehr schöne Situation erlebt. Am Frankfurter Hauptbahnhof bat eine fremde Person einen Freund von mir um Geld. Die fremde Person war mehrere Köpfe kleiner, deutlich schmächtiger und auch allgemein in einem eklatant weniger vitalen Zustand als der Freund, leitete ihre Ansprache dennoch mit den Worten „keine Angst, ich tu nichts!“ ein. Der Freund antwortete nach einem Moment Stille in einem Tonfall, der 99% Gelassenheit und 1 % Amüsement enthielt: „Davon ging ich aus“.
Das habe ich mir gemerkt und antwortete dem Architekten genau so, nach exakt dem selben Zeitmaß Stille und im selben Mischverhältnis. Dann schwiegen wir eine Weile, bis der Architekt „Entschuldigung“ sagte.
Das war aber noch immer nicht das Highlight an Crazyness. Denn mein Arbeitstag endete mit einem Drohanruf – nicht gegen eine Person an sich sondern gegen den Arbeitgeber als Unternehmen gerichtet. Auch, wenn der Anruf in Inhalt und Vortrag nicht überzeugte, müssen natürlich Maßnahmen eingeleitet werden und das kostete Zeit, die dann für das Schwimmen nicht mehr zur Verfügung stand.
Also. Ein Arbeitstag noch!
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