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    Samstag, 15. Februar 2020
    Wochenrückblick: stürmisch

    Himmel, war das eine Woche, ich habe körperliche Schmerzen von mentaler Anstrengung!

    Erst einmal war ja Sturm. Kommt mir schon wieder so vor, als wäre das hundert Jahre her, aber es war tatsächlich erst am Montag, also vor 5 Tagen. Wahnsinn. Bei uns war der Sturm nicht so heftig wie befürchtet, er hat nur den Sichtschutz vom Balkon ein wenig abgerissen und den Tisch umgeworfen (alles andere hatte ich reingeholt, auf den Tisch hatte ich halt keine Lust) und legte den ÖPNV lahm, was den Weg zur Arbeit erschwerte. Aber sonst war nix.

    Ob es daran lag, dass ich das letzte Wochenende eigentlich keine ruhige Minute hatte, oder ob mir der Sturm die Energie abzog weiß ich nicht, aber Fakt ist, dass ich seit Montag irgendwie schluffig bin. Normal habe ich ja eher etwas viel Energie, so dass ich denke, ich muss die ganze Zeit hüpfen oder zumindest zappeln oder halt hilfsweise wilde Dinge in meinem Kopf denken. Seit Montag dachte ich aber hauptsächlich: Achja, wäre schön, wenn ich jetzt mal einfach nur herumliegen könnte.

    Herumliegen war aber nicht. Im Büro Gespräche, Gespräche, Gespräche, alles sehr anstrengend, alles sehr mühsam, sich viel in andere hineindenken und vorsichtig formulieren und versuchen, andere Realitäten zu verstehen.

    Zu Ms Schulsituation fand ein Gespräch mit dem Schulleiter statt, das insgesamt aber etwas befremdlich verlief und ich hatte das Gefühl, dass die Antworten, die ich auf meine Fragen bekam, vielleicht nicht ganz verlässlich neutral-informierend waren sondern einer interessengetriebenen Sichtweise folgten. Ich werde mich beim Schulamt informieren müssen. Glücklicherweise ist noch genug Zeit, das alles in Ruhe zu tun und zu bedenken.

    Wegen Anstrengung unternahm ich ansonsten nicht so viel. Ein Mittagessen mit Frau Fragmente, ein Abend bei Freundin C, die leider das Schülerkonzert verpasst hatte und deshalb ein Privatkonzert bekam, einmal Gesangsstunde mit neuer Songauswahl (gar nicht so einfach zu singen), einmal Chor. Einen weiteren Abend verbrachte ich damit, eine Lampe, die eigentlich nur aus drei Teilen besteht, zusammenzubauen. Für jedes Teil brauchte ich etwa eine Stunde, diese Lampe kann von Glück sagen, dass ich zu kraftlos war, um sie höchstpersönlich mit den Zähnen zu kleinen Metallteilen zu zerfetzen.

    Eine weitere Abendveranstaltung - die Teilnahme an einem Vortrag, beruflich - sagte ich ab, weil ich unbedingt zumindest zwei Abende auf dem Sofa sitzen musste, anders erschien mir ein Überleben nicht möglich.

    Ein Vorteil der Schlappheit war aber, dass ich endlich wieder dazu kam, ein wenig Privatkrempel zu erledigen. Rechnungen, Briefe dergleichen. Finger bewegen geht ja immer. Ich habe bei den privaten Erledigungen einen gewissen Mechanismus an mir kennengelernt: Zuerst denke ich, wenn ein Brief eintrifft, ach, dem muss ich mich jetzt ja nicht umgehend widmen. Kommt dann ein zweiter und dritter denke ich, ja, man müsste das mal machen, aber nicht gleich heute sondern an einem Abend, an dem ich nur ein kleines bisschen mehr Zeit habe. Bis ein solcher Abend eintrifft, sind aber noch diverse weitere Briefe eingetroffen, mittlerweile denke ich bei jedem einzelnen nur noch "boah, lasst mich doch alle einfach in Ruhe!!" und angesichts der Gesamtheit der mittlerweile auf meinem Küchentisch versammelten Briefe: naja, das schaffe ich ja nicht abends mal kurz zwischendurch, man wird wohl einen Wochenendtag dem Privatsekretariat vorbehalten müssen. Dann kommt aber auch zeitnah kein freier Wochenendtag oder nur solche, an denen ich unbedingt sehr viel auf dem Sofa sitzen muss und so gelange ich an den Punkt, an dem ich denke: "Um Himmels Willen, wenn ich diese Rechnungen jetzt alle bezahle verarme ich ja sofort und mein Kind verhungert, wenn kein Geld mehr aus dem Automaten kommt!" Woher diese Sorge kommt, weiß ich nicht, eine solche Situation (dass kein Geld aus dem Automaten kommt) ist überhaupt noch nie eingetreten, seit das Kind auf der Welt ist (genau gesagt: seit Studienzeiten nicht). Ich hörte aber, dass andere Menschen diesen Mechanismus teilen. Vielleicht ist das einfach völlig normal.

    Ich las wenig in der Woche, meistens, also außer in der S-Bahn, lese ich im Liegen und diese Woche zog ich, wenn ich schon lag, den Schlaf vor. So stecke ich immer noch irgendwo im ersten Drittel von "The Winter Road".

    Allerdings scheint die Erschöpfung mich seit heute Morgen langsam wieder aus ihren Klauen zu lassen und deshalb backe ich jetzt noch einen Kuchen. Bzw. es ist ein Kuchen, der gar nicht gebacken wird sondern in den Kühlschrank muss und der Kühlschrank ist voll vom Zweiwocheneinkauf und der Balkon nicht kalt genug, ich weiß noch nicht, wie ich dieses Problem löse, deshalb habe ich das Backen, bzw. eher das Zusammenrühren, in Hoffnung auf einen Geistesblitz bis jetzt aufgeschoben. Leider hatte ich keinen Geistesblitz, kein Kuchen ist aber keine Option, also bereite ich ihn nun zu und sehe dann weiter.

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