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    Dienstag, 5. Januar 2016
    WmdedgT 1/2016

    Was das ist und die übrigen Wmdedgts finden Sie hier.

    Ein großes Glück ist es, ausgeruht 1 Minute vor dem Wecker aufzuwachen. Das war bei mir um 6:59 Uhr der Fall und weil außer mir noch alle schliefen kam ich schon eine halbe Stunde später aus dem Haus. Im Torweg begegnete ich der Müllabfuhr. Von draußen wurde gerade eine Tonne hineingerollt, um den ehemaligen Standort der Tonne herum lagen lauter Tannennadeln auf dem Asphalt, aber irgendwie kurze, helle Tannennadeln. Und wieso Tannennadeln, Tannen werden hier separat abgeholt und zwar erst nächste Woche. Bis zum Supermarkt verhandelte ich mich meiner Phantasie, ob es sich wohl um die Biotonne und lauter Maden gehandelt haben könnte.

    Im Supermarkt lenkte mich dann die Rentergang ab. Morgens um 7:45, nur ich und alte Frauen mit Wägelchen und eine überforderte Kassiererin, die noch nebenher Regale einräumen musste. Sie brauchen nicht denken, dass die Rentnergang dafür Verständnis gehabt hätte, neinnein, die Zeit rennt. Ich hab sie alle vorgelassen, trotzdem gab es Stockgefuchel und böse Worte.

    Im Büro war es erst angenehm und ruhig nur wollte es sich die Vertretungsputzfrau keinesfalls nehmen lassen, überall nach meiner Kaffeetasse zu suchen, von der ich gar nicht mehr weiß, ob ich sie nicht eventuell weggeworfen habe. Ständig passieren mir unauflösbare Missverständnisse mit den Büroputzfrauen. Die von früher, eine sehr alte Dame, die zum Glück nur noch in der Lobby wischt und nur morgens vor 9, so dass ich mich zu diesen Zeiten immer durch den Hintereingang hineinschleiche, glaubt seit ungefähr 8 Jahren, ich hätte einen kleinen Sohn, zusätzlich zu Mademoiselle, und den hätte ich irgendwie abgegeben oder vielleicht sogar Schlimmeres. Und die neue Putzfrau sucht stundenlang nach meiner Tasse, von der ich nicht weiß, ob es sie noch gibt, nur weil sie mich letzten Sommer immer mit dieser Tasse gesehen hat, jetzt habe ich halt eine andere, das nimmt sie deutlich schwerer als ich. Und das alles, weil wir uns nicht verständigen können, keine Sprache teilen und doch die ganzen Zeit wechselseitig wie Hühner aufeinander einreden und und tätscheln und lachen. Schweigsamen Menschen passiert so etwas nicht.

    Jahreswechsel ist in meinem Job etwas anstrengend, weil man sich zu dieser Zeit viel mit Planungen, Budgets und grundsätzlichen Fragen beschäftigt. Dazu muss das alte Jahr irgendwie aufgeräumt werden und das neue vorbereitet. Gestern wirkte der Berg an Aufgaben sehr bedrohlich, nachdem ich ihn heute morgen aber sortieren konnte stellte ich erfreut fest: es ist zwar unglaublich viel, aber so gut wie nichts davon ist außerordentlich dringlich. Sofort ging ich erstmal Kaffeetrinken. Zwischendurch lustige Nachrichten mit der Karaoke-Gang, dass wir offenbar für morgen eine wahnsinnige Gruppe von 12 Personen sind. Wir sagen ja immer, dass wir keinesfalls und niemals vor Fremden in Kneipen Karaoke machen würden, aber der Zeitpunkt liegt vermutlich nicht fern, an dem wir die gesamte Kneipe eh locker selbst füllen.

    Die Arbeit an sich war ereignislos, das Anstrengende sind ja immer die Menschen. Zwei gerieten sich unglaublich in die Haare wegen einer Angelegenheit, die für mich keinerlei Emotionspotenzial birgt. Man darf in solchen Momenten natürlich nicht einfach laut loslachen. Sprechen war in dem Gekeife aber auch nicht möglich. Ich bat die Beteiligten also, das, worum es ihnen da genau geht, für mich in ein paar Stichpunkten aufzuschreiben, damit ich das besser verstehen und mich dann morgen damit befassen kann. Ich glaube fast, es ist unmöglich, dazu irgendetwas aufzuschreiben ohne sich ziemlich albern vorzukommen, aber wir werden sehen.

    Ein anderer kam vorbei und sagte "Dir ist gerade folgendes aufgefallen: (...)". Das kenne ich noch aus Würfelrollenspielen früher, da hat der Meister auch immer so etwas gesagt. "Ich ziehe vorsorglich mein Schwert, wo ist der 20-seitige Würfel?!" antwortete ich also wie aus der Pistole geschossen. Manchmal finden meine Kollegen mich echt doof.

    Und dann gab es noch einen Anruf vom Oberchef, der sich derzeit mit der Familie im Urlaub befindet aber sich unbedingt die Zeit nehmen wollte, mit mir über meine Mailsignatur zu sprechen. Der Oberchef hat mir ja Ende des Jahres ungefragt einen neuen Titel verpasst, ich habe es noch nicht geschafft, mir dazu eine abschließende Meinung zu bilden und gehe diese Veränderung daher passiv an. Viermal hatte der Oberchef bereits über die Weihnachtszeit gefragt, ob ich nicht mal meine Mailsignatur entsprechend anpassen wollte, jedes Mal murmelte ich etwas von "bei Gelegenheit" und fragte nur beim letzten Mal "haben Sie eigentlich keinen Schnee?!" Der heutige Anruf kam daher in Form einer unmissverständlichen Arbeitsanweisung aus dem Skilift.

    Gegen 17 Uhr war das ganze Arbeitszeug an einem Punkt, an dem man es gut unterbrechen und für eine Nacht sich selbst überlassen konnte, also verließ ich das Büro um zu Hause Curry zu kochen mit Restegemüse, morgen kommt ja die neue Gemüsekiste. Herr N. war unterwegs, das Huhn fürs Curry zu erwerben, leider gibt es aber in der ganzen Stadt kein nettes Huhn, nur Innereien und dergleichen. Das Restegemüse ist aber auch zu luschig für ein vegetarisches Curry, also gibt es gleich Kartottensalat (die waren schon geschält) und bestellte Pizza und das Restzeug in einem Curry irgendwann anders. Komisch mit dem Huhn. Vielleicht ist morgen irgendein anderskulturelles Huhnfest, von dem ich nicht ahne.

    Jetzt Couch.

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