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    Montag, 18. November 2019
    Popeye-Problematik

    Vor dem Wecker aufgewacht - nachts war ich auch schon ein paar Mal wach, aber nicht genervt wach sondern kurz wach und dann sehr froh darüber, dass draußen Herbst ist und ich im warmen Bett liege, mir die kalte Luft durchs Fenster um die Nase wehen lassen kann und nicht aufstehen muss und dass ich Herrn N und M leise schnorcheln höre und der Kater auf mir liegt und die Katze am Fußende. Ein wohliges nächtliches Aufwachen. Dementsprechend erholt aufgestanden.

    Keine große Erinnerung an den Morgen, irgendwann war ich wohl im Büro. Dort ist es weiterhin entspannt und ich entdecke nun die ganzen kleinen Unsauberheiten der enorm stressigen Phase, bisher nichts Größeres, ein Glück. Auch beim entspannten Arbeiten kann man aber die Zeit aus dem Auge verlieren und plötzlich war es 17 Uhr, das war eigentlich ganz anders geplant.

    Auf dem Heimweg packte mich ein großer Hunger auf Spinat und eine kurze Abklärung ergab, dass Herr N und M ihn teilten. Offenbar aber auch die ganze Stadt, denn in Supermarkt 1 und Supermarkt 2 war Spinat ausverkauft, erst im dritten Anlauf wurde ich fündig. Kurz überlegte ich, ob ich genervt sein sollte, entschied mich dann aber dagegen und statt dessen nutzte ich die vielen Supermarktbesuche, um Kleinigkeiten für Adventskalenderbefüllungen zusammenzusammeln. Das stand sowieso auf meiner Liste.

    Gegen 19 Uhr zu Hause und zum Abendessen dann endlich den Spinat (mit Kartoffelpürree und Fischstäbchen)! Danach noch ein paar Dinge sortiert: Hotelbuchung in York im Juni, um M dort ihrer Gastfamilie vorzustellen, Antrag an die Schule hier vor Ort auf "Befreiung" stellen, dem Kind das als Tutorin verdiente Geld, das auf mein Konto überwiesen wird, auszahlen, eins der drei Bankkonten, aus denen ich mich Dank neuer Sicherheitsbestimmungen ausgesperrt hatte wieder entsperren, den Schlittschuhen ihre neuen Schoner anprobieren, M die gelieferten Fotokalender samt Zeitplanung übergeben, mit Herrn M Umgang mit dem Busstreik klären, Adventskalendersortierarbeiten, Plätzchenbackplanung, sonstige Terminabsprachen, von schlimmen Ereignissen hören, die mich nicht betreffen, aber ich trotzdem treffen. Um 21 Uhr auf der Couch.

    Zugegeben, es geht etwas langweilig bei mir zu gerade. Aber glauben Sie mir, das ist mir höchst willkommen und kann gerne zunächst mal ein paar Jahre so bleiben!

    Sonntag, 17. November 2019

    Sehr viel geschlafen. Nach den 2 Stunden auf dem Sofa am frühen Abend nochmal von 22 Uhr bis 8 Uhr im Bett. Keine Ahnung, wann M zu Bett ging (wir teilten ein Zimmer) - als ich die Augen schloss, las sie noch und telefonierte dabei. Das war für mich ähnlich wie Hörbuch und ähnlich viel bekam ich auch davon mit, ich schätze, nach 30 Sekunden war ich weg.

    Bei meinen Eltern wird morgens immer sofort gefrühstückt und gesprochen, dazu war ich heute aber auch fit genug. M nicht, sie kam erst zum Mittagessen aus dem Bett.

    Nach dem Mittagessen Sachen zusammengepackt und zurückgefahren, unter anderem nahm ich von den Eltern einen Kofferraum voll Elektroschrott mit, um ihn zu entsorgen. Weil ich das alles nicht tragen konnte (jedenfalls nicht auf einmal, und mehrmals wollte ich nicht) fuhr ich mit dem Auto vors Haus, das wiederum brachte mir eine Begegnung mit dem Ordnungsamt ein, denn das Haus liegt in einer Fußgängerzone. Die Herrn waren aber nachsichtig.

    Am Nachmittag kamen wir zu Hause an, schon bald kam dann jemand, um die mittlerweile vier großen Tüten mit aussortierten Büchern abzuholen, hurra! Weil nun wieder Platz war, sortierte ich sofort Handtücher aus.

    Sachenverräumungsaktion, dann Gesangsstunde, Abendessen, Wäsche, was man so macht. Jetzt wieder müde.

    Donnerstag, 14. November 2019
    Müde

    Um 5 Uhr aufgewacht mit dem Gefühl, unter dem Druck von Gedanken zu zerbrechen. Das Gedankenkarrussell genervt in eine Kiste geworfen, den Deckel zugeknallt, dagegen getreten und nochmal bis 7 Uhr geschlafen.

    Als M zur Schule aufgebrochen war machte ich mich auf, um Herrn N. aus der Reha abzuholen und ich hoffe sehr, dass ich zum allerletzten Mal an diesem Ort war. Danach zu Hause gefroren, überlegt, dass es an mangelndem Essen liegen könnte, ein Toast gegessen. Nerviges Telefonat mit der Krankenkasse, Besuch bei der Hausärztin um Verordnungen abzuholen, dann ins Büro.

    Mittlerweile war es etwa 16 Uhr, im Büro alle irre, ich war auch eigentlich nur wegen der Abendverabredung da (Gänse-Essen mit den Kollegen). Sehr, sehr, sehr, sehr lecker! Extra aß ich nur den Hauptgang (es war eigentlich ein 5-gängiges Menü, aber man kann die Gänge einzeln wählen) um ausreichend Platz für den Nachtisch zu haben. Dieser Plan ging aber nicht auf, wieder nicht auch im letzten Jahr schon nicht, eigentlich noch nie. Sehr ärgerlich.

    Heimfahrt mit der S-Bahn, in der Bahn einer Kollegin das Konzept des Sportstudios vorgestellt, auch sie wäre dabei. Extra laut gesprochen, damit Bahnfahrer das Konzept belauschen und klauen und ein derartiges Sportstudio in meiner Nähe eröffnen, damit ich dann dahin gehen kann. In ein paar Jahren wird man sehen, ob dieser Plan Früchte trug. Den Anschlussbus verpasst, nächster in 30 Minuten, gelaufen und dabei kurz überlegt, wie es wäre, umzufallen und einfach mitten in der Fußgängerzone auf dem Boden zu schlafen. Kalt vermutlich und auch sehr unbequem, ich habe mittlerweile gelernt, dass solche Ansinnen in der Vorstellung attraktiver erscheinen, als sie es tatsächlich sind, also wäre es vermutlich nicht nur kalt und unangenehm (das hätte ich noch in Kauf genommen) sondern auch noch anderweitig schlimm. Ist jetzt auch egal, ich habe es ja nach Hause geschafft.

    Mittwoch, 13. November 2019
    aua

    Mit verlegener Schulter/Nacken/Kopf aufgewacht. Sehr unangenehm, aber ich hoffte, es würde beim Duschen oder beim Radfahren weggehen. Tatsächlich zog der Schmerz aber immer weiter in den Kopf und zur Linderung trug auch nicht bei, dass ich heute den ganzen Tag einen Ersthelferkurs hatte. Im Büro hätte ich ja nach Belieben herumlaufen und die Sitzposition ändern oder auch irgendwelche gymnastischen Übungen machen können, in einer Schulung ist das alles nicht so akzeptiert. Ich nahm Tabletten.

    Der Kurs war inhaltlich interessant (es war kein Basiskurs, der das Standardrepertoire abwickeln muss, sondern ein Kurs für fortgeschrittene TeilnehmerInnen, der in weiten Teilen auf individuelle Interessen eingehen kann). Allerdings entsprach die allgemeine Humorlage nicht der meinen, der Kursleiter machte immer wieder recht einfache Witze, die die vermeintlichen typischen Verhaltungsunterschiede von Frau und Mann betonten und die meisten TeilnehmerInnen waren höchst vergnügt darüber.

    Vielleicht ist es verlockend, bei einer inhomogenen Gruppe, die sich nur für einen Tag zusammenfindet, solche schlichten Scherze für die kleine Auflockerung zwischendurch einzuflechten. Oder vielleicht denkt man sich ach, darüber haben wir schon 100 Jahre gelacht, darüber lachen wir auch noch 100 weitere. Oder vielleicht denkt man gar nicht. Ich weiß es nicht. Ich war genervt und hinterließ das so im Feedback-Bogen.

    Etwas anderes nervte mich auch noch und zwar die schlechte Organisation in Bezug auf externe TeilnehmerInnen. Wir befanden uns in einem dieser großen Bürogebäude, in dem man sich nur per Zutrittskarte in die verschiedenen Stockwerke bewegen kann - externe Gäste bekamen aber keine Besucherkarte sondern standen schon bei Kursbeginn vor einer Tür zum Seminarbereich und hämmerten daran, damit man uns hineinließe, denn vom Empfang unten wurde man einfach hochgeschickt ohne irgendwelche weiteren Instruktionen, wie man dann ins Stockwerk käme.

    In der Mittagspause verschärfte sich dieses Problem, denn obwohl zugesagt war, dass wir auch mit unserer "heimischen" Zugangskarte in die Kantine kämen, war dies nicht der Fall. Die für solche Probleme zuständige Dame, die ich vom Kantineneingang anrief, erklärte, sie sei selbst gerade in der Pause und könnte sich nicht kümmern, also kletterte ich einfach über das Drehkreuz und murmelte der daneben stehenden Security etwas mit "Karte will nicht" zu. Ich fühlte mich dabei sogar einigermaßen befugt, schließlich durfte ich ja in die Kantine, wurde dort sogar erwartet, es ging halt nur nicht auf dem üblichen Weg, da ist es wohl okay, einen anderen zu wählen. In der Kantine stellte ich dann aber fest, dass es doch einen Haken gab: der Menüpreis wäre am Drehkreuz von der Karte abgebucht worden und ich konnte nun so viel Essen nehmen, wie ich wollte, aber keine Möglichkeit mehr hatte, es zu bezahlen. Ähem. Hätte ja mal jemand sagen können! (war aber lecker)

    Auf dem Weg von der Kantine zurück wurde es dann nochmal spannend, die ganze Gruppe der externen SeminarteilnehmerInnen endete nämlich wieder vor der verschlossenen Tür. Während wieder das muntere Klopfen begann, sah ich, wie Personen ein Stockwerk tiefer zur Tür hineingingen. Aus einem früheren Besuch zu einer Besprechung im selben Gebäude erinnerte ich mich, dass die Besprechungsetage mit der Seminaretage durch eine Innentreppe verbunden ist. Ich folgte den fremden Menschen also vorbei an einem Tresen mit Security ("Bitte Dienstausweis unaufgefordert vorzeigen" stand daran) und ging die Innentreppe hoch in den Seminarbereich, dort nochmal an einer Security vorbei (auch hier so ein Schild mit dem Dienstausweis), nickte überall freundlich "Mahlzeit" hin und ging dann zum Treppenhaus, um die Seminargruppe hineinzulassen. Irritierend, wie einfach so etwas geht.

    Um 16:30 Uhr war alles vorbei, ich hatte nun rasende Kopfschmerzen und den gesamten Schulterbereich verspannt und schüttelfröstelte (schmerzbedingt) auf dem Fahrrad vor mich hin. Zu Hause Couch und Wärmflasche, dann noch kurz Gesangsstunde und dann mit M indisches Essen bestellt, weil an Kochen nicht zu denken war.

    Jetzt wird es langsam besser, ein Glück.

    Dienstag, 12. November 2019
    Nur mittelmäßiges Amüsement

    Ausgeschlafen, denn M hatte die ersten x Schulstunden frei und für mich würde der Tag eh lang gehen, also konnte er ruhig spät anfangen. Nach dem Ausschlafen frühstückte ich sogar etwas zu Hause und las dabei ein Buch, um 8:30 Uhr war es Zeit, das Kind zu wecken und gegen 10 Uhr kam ich im Büro an.

    Die Auditorin war heute mit der Befragung meiner MitarbeiterInnen beschäftigt und ich hatte in dieser Hinsicht nichts weiter zu tun als immer wieder "Du kannst alles sagen, was Du willst, wir machen eh alles genau richtig" zu wiederholen. In der Hinsicht pflege ich eine gewisse Arroganz. Mit Recht natürlich.

    Am Nachmittag kam ein Besucher, ein Personalvermittler, mit dem ich ein sehr angeregtes und interessantes Gespräch führte und am Ende offerierte er mir komplett bizarre Konditionen fernab jeglicher Realität, so dass ich laut lachen musste. Ich habe ihm im Gegenzug die Konditionen genannt, zu denen wir zusammenarbeiten können. Er will sie mit seinem Chef besprechen, ich habe ihm angeraten, das zu tun. Wenn jemand "mit seinem Chef sprechen" will ist das immer schon die halbe Miete, denn dann möchte er etwas Zeit gewinnen um nochmal etwas nachzuverhandeln, aber allzu viel tut sich nicht. Denn wenn es komplett absurd wäre, würde man ja laut lachen, qed. Etwas souveräner kann man übrigens sagen "Ich möchte über Ihren Vorschlag in Ruhe nachdenken, das ist nicht, was ich mir vorgestellt hatte, aber ich hoffe doch, dass wir uns einigen können." Sagt das Gleiche aus, aber man verschanzt sich nicht hinter einer dritten Person. Lusche.

    Zwei lange geschobene private Anrufe erledigt, einen mit sofortigem guten Ergebnis, der andere mit Bitte, Mail zu schicken, die aber wiederum nicht sofort, sehr unbefriedigend, Gesamtergebnis der Erledigungen also 50/50.

    Danach Videokonferenz mit allen Büros weltweit um den Notfallplan zu testen, es sollte eine Simulation geben und ich war sehr freudig aufgeregt, dachte an 20-seitige Würfel und Rollenspiele und möglicherweise auch ein bisschen live action. Ich wurde sehr enttäuscht. Es gab eine mittelmäßige Präsentation, eine Diskussion nur im Mutterhauskonferenzraum, bei denen außer dem "Spielleiter" niemand auch nur ansatzweise zu verstehen war und das Szenario war sowieso auch nicht wirklich relevant für Länder, in denen nicht jeder Hinz und Kunz mit Schusswaffen herumrennt. Die Auditorin saß auch dabei und wir vertrieben uns die Zeit, indem wir versuchten, die Hinterköpfe (ungünstige Kameraposition) der Teilnehmenden im Mutterhaus zu identifizieren und im Abgleich mit der internen Mitarbeiterwebsite auch die TeilnehmerInnen aus den Asien/Pazifik-Büros, die wir alle nicht persönlich kennen.

    Um 20:30 Uhr war der Spuk vorbei, dann Heimfahrt und der letzte Tagesordnungspunkt war, mit M Unterlagen für eine Auslandshalbjahr auszufüllen.

    Um 22:30 Uhr Grießbrei als Abendessen gekocht. gekocht, Milch übergekocht natürlich weil tausend Sachen nebenher gemacht aber egal. Jetzt Grießbrei und Sofa.

    Montag, 11. November 2019
    Keine Ruhe, einfach nie

    Etwas angedetscht aufgewacht aber der Tag sollte ganz und gar entspannt werden: keine großartigen Aufgaben im Büro, Kind muss später nicht zum Sport gefahren werden, Einkäufe schon gemacht. Ich hatte den Vorsatz, mich einfach den ganzen Tag über wo ich gehe und stehe auszuruhen.

    Im Büro wurde dann auch noch das einzige Meeting des Tages (und selbst das unspektakulär) wegen Krankheit des Gasts abgesagt, ich saß an meinem Schreibtisch und überlegte, welche kleine nicht dringliche und unaufwändige Aufgabe ich zuerst ausüben würde, als die Rezeptionistin anrief, ob ich eine Frau L kennen würde, sie käme aus New York stünde unten und wolle zu mir.

    Seufz, seufz, ich kenne Frau L, die Dame ist bei uns für die internen Audits zuständig und kommt immer unangekündigt, so etwa alle 2-3 Jahre. Ich hatte mir schon gedacht, dass sie dieses Jahr kommt, hatte sie eigentlich im Sommer erwartet und deshalb im Frühjahr diverse Angelegenheiten, die für mich im Grunde zu nix gut sind, aber eben für die Compliance relevant, geradegezogen und geordnet. So barg der Besuch keine große Aufregung (ich bin ja eh compliant, wieso sollte ich auch nicht, ich werde ja dafür bezahlt), aber halt doch Arbeit. Erfreulicherweise nicht allzu viel: die erste Anforderungsliste umfasste rund 20 Punkte, die Unterlagen dazu hatte ich bis Mittag zusammen, der Nachmittag verging mit Erklärungen zu diesen Unterlagen (sprechen, sprechen, sprechen) und morgen und übermorgen sitzt sie mit KollegInnen zusammen, die sich mit bestimmten Teilbereichen befassen, da habe ich also wieder die Füße frei.

    Über das ganze Reden war der Tag schnell um, weil es schon 19 Uhr war, konnte ich meine geplanten Erledigungen (Optiker, Goldschmied, einige andere Einkäufe, die Zeit erfordern) nicht mehr machen sondern war nur noch in der Apotheke, Schleimtabletten für den kratzigen Hals kaufen.

    Zu Hause noch ein Katzenklo grundgreinigt, den Backofen für Aufbackpizza vorgeheizt, dann festgestellt, dass ich gar keinen Hunger habe und alles wieder ausgeschaltet, Herrn N. angerufen, Eltern angerufen, drei Körbe Wäsche in Schränke verräumt, jetzt noch auf dem Sofa aufs Kind warten (ist im Theater), auf keinen Fall mehr sprechen und dann schlafen.

    Sonntag, 10. November 2019
    Wo ist der Rest von meinem Tag?!

    Plötzlich ist der Tag schon zu Ende, dabei bin ich noch gar nicht ansatzweise fertig mit ihm!

    Wie konnte das kommen? Ein großer Teil des Tages ging für Ausschlafen und Kaffee auf der Couch drauf, dann kaum ein Kapitel gelesen und schon war es Zeit, sich richtig anzuziehen und Herrn N mit seinem Reha-Gepäck zu einem Freund zu fahren. Zurück um 14 Uhr, schnell dem Kind Essen gemacht und umgezogen für das Konzert.

    Konzertkleidung war heute ganz schwarz. Interessanterweise habe ich in den letzten Jahren nichts Schwarzes nachgekauft, meine Garderobe ist eher in Richtung dunkelblau, rosa/nude, beige/olivgrün gewandert. Um es mir einfach zu machen, wollte ich ein Kleid tragen, hatte aber die Rechnung ohne die Strumpfhose gemacht: drei Strumpfhosen in Folge zerriss ich beim Anziehen und sah dann ein, dass in Bezug auf Geduld und Geschick heute wohl ein Strumpfhosentag war. Und damit auch kein Kleidtag.

    Nun wurde alles etwas knapp, denn um 15:11 wollte ich den Bus erwischen, das klappte nicht, aber es lag nicht an mir sondern an dem Bus, der um 15:08 von der Haltestelle abfuhr während ich ihm "es ist erst 15:08 du ***" hinterherbrüllte. Naja, dann also halt zu spät zum Einsingen.

    Dann Anspielprobe. Ich habe festgestellt, dass ich Generalproben und Anspielproben viel lieber mag als Konzerte. Das Ausfuchsen der letzten Kleinigkeiten interessiert mich, die Übergänge nochmal probieren, nochmal schauen, wo der richtige Ton herkommen kann, nach aktuellem Krankenstand nochmal die Anordnung der Singenden geraderücken und besonders: welche Improvisationsmöglichkeiten werden gefunden für die Sachen, die auch kurz vor knapp noch nicht richtig sitzen wollen? Konzert ist ja im Gegensatz dazu langweilig, da singt man halt.

    Nach dem Konzert trafen sich die, die wollten, noch bei einem Griechen. Plötzlich hatte ich unglaublichen Hunger! Die letzten Wochen war ich eher appetitlos, aber dann, in diesem Moment, reichte fast gar nichts - ich aß einen Teller mit drei verschiedenen Fleisch-Fileltstücken, Kartoffeln, Salat, Tzaziki und Reis, danach noch ein Dessert, trank 2 Bier dazu und klaubte am Ende noch das Restbrot aus den Körben am Tisch.

    Kurze Ortsverwirrung, als wir das Lokal verließen - ich dachte, ich sei ganz wo anders. Da muss ich aufpassen. Ortsverwirrung ist bei mir immer ein Zeichen, dass es gerade etwas viel ist, dann ziehe ich mich nämlich ganz in den Moment zurück und bin in diesem auch ganz präsent und hoch funktional, verliere aber den Überblick, wo/wann dieser Moment genau stattfindet. Dann etwa halbstündiger Spaziergang nach Hause.

    Da ich, wie gesagt, eigentlich mit noch mehr Resttag gerechnet hatte, stehen noch die folgenden Pläne für heute an: Wohnung saugen, Bad wischen und Handtücher tauschen, eine Ladung Wäsche aufhängen, noch eine Ladung Wäsche waschen, ein Katzenklo grundreinigen, Spülmaschine aus- und wieder einräumen, restliche Einkäufe aus dem Kofferraum wegräumen, drei Körbe Wäsche in den Schrank einsortieren, Kühlschrank sortieren, Fingernägel lackieren, To-Do-Liste für morgen machen, Arbeitsplatte wischen, Eltern anrufen, Papierstapel auf dem Küchentisch sortieren, mit M Formulare für den Auslandsaufenthalt ausfüllen. In Anbetracht der Ortsverwirrung glaube ich aber, ich sollte einfach schlafen gehen, bzw. nur noch das machen was für's Wohlfühlen wirklich wichtig ist (Spülmaschine aus und wieder einräumen wegen Geruch, nasse Wäsche aufhängen wegen Knittern, Arbeitsplatten wischen wegen igitt, Handtücher tauschen). Der Rest kann bis morgen warten.

    Samstag, 9. November 2019
    Chor, Pfau und Kännchen

    Sehr, sehr gut geschlafen, nichts hat mich aufgeweckt, von etwa Mitternacht bis 9 Uhr. Ich denke, es lag an mir: dass die Katzen nicht versucht haben, mich vor dieser Uhrzeit zu wecken, ist so gut wie ausgeschlossen. Aber ich ließ mich nicht wecken. Meine ganz eigene hervorragende Schlafleistung!

    Der Vormittag verging damit, Herrn N in der Klinik abzuholen und danach mit ihm den Wochenendeinkauf zu machen. Während der Autofahrt hatte ich im wesentlichen zwei Gedanken, die ich für mich nicht zufriedenstellend klären konnte. Erstens: wenn ich ein Elektroauto hätte, wo würde ich das eigentlich aufladen, ich habe ja keinen Stromanschluss in der Garage und - von diesem Gedanken ausgehend - wenn es jetzt diese tollen E-Auto-Subventionen gibt, wo sollen die ganzen Leute ihr Auto aufladen, die ja meistens nicht nur keinen Strom in der Garage sondern gleich gar keine Garage haben? Und auch keinen festen Stellplatz sondern ihr Auto halt einfach am Straßenrand abstellen? Was mir ja sowieso ein Dorn im Auge ist, dass diese Autos überall einfach so herumstehen, aber das ist nun einmal die aktuelle Tatsachenlage und ich sehe nicht, wie das mit dem Aufladen funktionieren soll. An speziellen Ladesäulen dauert das Laden, so weit ich weiß, ca. 20-30 Minuten. Ich sehe irgendwie nicht, dass man - so wie "mal kurz noch tanken" - regelmäßig zu einer Ladesäule führt und dort 20-30 Minuten verbringt? Übersehe ich da was?

    Mein zweiter unbefriedigender Gedanke kam mir, als im Radio von der Männerfußballbundesliga berichtet wurde und ich dann fragte, ob es auch eine Frauenfußballbundesliga gibt - dass es sie gibt erinnerte ich dann recht zeitnah aber neben der Existenz warf mein Gehirn nichts weiter dazu aus, Frauenfußballbundesligaergebnisse werden im Radio nicht durchgesagt, oder? Warum?

    Zu Hause dann Zeug verräumen und ein spätes Frühstück, danach schlief ich nochmal kurz ein und dadurch wurde es etwas hektisch, um 15:30 Uhr musste ich nämlich bei der Chorprobe sein und wollte der Familie Essen hinterlassen. So ungefähr ging es sich dann auch doch noch aus, ganz und gar pünktlich wäre ich gewesen, wenn ich nicht noch ein Milchkännchen von oben auf einem Glascontainer gerettet hätte. Erst ging ich vorbei aber dann drehte ich um, es ist ein wirklich schönes Milchkännchen, außer, dass ein blödes Herz daran baumelt aber das kann man sicher entfernen, dann ist es ganz schlicht und weiß und schön geformt. Es stand neben einer weißen Spardose aus demselben Material, die Spardose hatte die Form eines Schweins und darauf stand "Zur Hochzeit". Ich nehme sehr an, jemand hat auch das Milchkännchen zur Hochzeit bekommen und wollte es nicht. Jetzt ist es bei mir.

    Sowieso war heute Tag der aufgesammelten Dinge, später im Gemeindesaal der Kirche entdeckte ich unter den gebrauchten Büchern, die man dort gegen Spende nach Gutdünken in ein Sparschwein (rot, steht nicht "Zur Hochzeit" drauf) mitnehmen kann, Isabel Bogdans "Der Pfau". Ich habe den Pfau aus den unterschiedlichsten Gründen noch nicht gelesen, kaufe auch sowieso (auch aus den unterschiedlichsten und sehr, sehr guten Gründen) generell keine Papierbücher mehr, aber ich konnte den Pfau da nicht liegen sehen, also ist er jetzt auch hier.

    Michkännchen und Pfau also, für jemanden, der seit Anfang 2019 Gegenstände nur noch im absoluten Notfall einkauft, ist das schon fast ein Halbjahreskontingent.

    Chorprobe mit Orchester also von 15:30 bis 19:00 Uhr, daran schloss sich gleich die Generalprobe an, Ende war um 21:30 Uhr. Sehr kalt geworden, nach Hause gefahren, die restlichen Einkäufe aus dem Auto geräumt, das kranken Kind ein bisschen versorgt, mit letzter Kraft auf die Couch.

    Freitag, 8. November 2019
    Arm, zahlungsunfähig und unorganisiert

    Ich wachte vor dem Wecker auf und zwar mit Schmerzen, weil ich so merkwürdig auf meinem linken Arm lag, dass ich ihn - nachdem ich mich irgendwie aus dieser Position befreit hatte - weder bewegen konnte noch Berührungen an ihm spürte, Schmerzen aber halt schon. Total bekloppt, wer legt sich denn so hin beim Schlafen? Der Arm behinderte mich noch längere Zeit, weil er nicht richtig belastbar war und auch nicht richtig reagierte. Als ich im Büro ankam - das dauerte, weil ich auf halbem Weg wegen vergessenem Schlüssel und vergessener Zugangskarte nochmal umgedreht hatte - war der Schmerz zu einem dumpfen ziehen abgeklungen. Seufzend installierte ich den Mausapparat (aus Gründen sage ich zu dem gemeinten Gerät nur noch "Mausapparat") nach rechts um.

    Im Büro war es entspannt. Ich plauderte bei Kaffee, räumte Schränke auf, kontrollierte ein paar Dinge, die ich schon länger kontrollieren wollte, adressierte ein paar generelle Zustände, die ich schon länger adressieren wollte und räumte meinen Kalender auf. Später wollte ich einem Kollegen helfen, der einen Artikel brauchte, der etwa 30 Euro kostet und seine Amex-Kreditkarte wurde als Zahlungsmittel nicht akzeptiert. Also wollte ich ihm meine Visa-Kreditkarte geben, aber die war abgelaufen und die neue hatte ich weder freigeschaltet noch dabei. Also gab ich ihm meine andere Visa-Karte, für diese wurde aber irgendeine Sicherheitsnummer verlangt, die mir im Online-Banking zugestellt werden sollte. Nun habe ich aber seit kurzem ein neues Handy und darauf noch nicht das mobile TAN-Verfahren wieder eingerichtet, ich dachte, ich könnte es jetzt einfach schnell wieder einrichten, aber so einfach ging das natürlich nicht denn zur Einrichtung müsste ich ins Online-Banking gehen, wofür ich wiederum eine mobile TAN brauche, und die habe ich ja gerade nicht. Ich muss jetzt auf einen Brief der Bank warten. Wir zogen einen dritten Kollegen hinzu, dessen Kreditkarte war aber so abgegriffen, dass man hinten drauf die CVC-Nummer nicht mehr lesen konnte (und er wusste sie auch nicht). So standen drei Personen mit ausreichend Geld auf dem Konto herum und konnten einfach nichts kaufen. Völlig absurd. Eine vierte Kollegin hatte gerade wenige Minuten vorher ihre Kreditkarte durch eine private Urlaubsreisenbuchung ausgemaxt (während der Arbeitszeit! War aber nicht der richtige Moment, das zu adressieren, offensichtlich). Erst Kollege 5 war zahlungsfähig.

    Ich werde mich dann wohl nochmal mit diesen Bankangelegenheiten befassen müssen, aber meine Güte, ich muss mich mit so vielem befassen, eigentlich brauche ich eine Privatsekretärin. Seit Monaten nehme ich mir vor, einfach jeden Tag eine Sache zu machen aber so einfach ist das nunmal gar nicht, denn wenn ich nach Hause komme, habe ich sämtliches organisatorisches Pulver immer schon verschossen und bin nur noch für manuelle Tätigkeiten zu gebrauchen. Vielleicht müsste ich die "eine Sache" immer gleich morgens machen und dafür später ins Büro? Ach, ach. Ich weiß auch nicht, vielleicht verlottere ich auch einfach, mache die Post nicht mehr auf, antworte auf Schreiben einfach nicht, das scheint mir in diesem Moment der gangbarste Weg.

    Gegen 17 Uhr hatte ich alle Kollegen durch meine nun wieder für sie frei gewordene Aufmerksamkeit genug genervt und ging nach Hause, bzw. erst noch zum Asiaten, ein Abendessen kaufen und dann selbiges dem kränkelnden Kind ans Bett bringen und dann sofort zum Chor, Probe von 19 bis 22 Uhr, während der Chorprobe erholte sich auch der Arm endlich.

    Danach Wäsche aufgehängt und Spülmaschine eingeräumt - ich sage ja, nur noch manuelle Tätigkeiten! Jetzt mit Buch ins Bett.

    Donnerstag, 7. November 2019
    Gold vor die Füße

    Wecker erst um 7:15 Uhr, weil M Kieferorthopädentermin hatte und ich das Vergnügen, von Frau Fragmente um 8:45 Uhr zu einer Veranstaltung abgeholt zu werden. Ganz unerwartet wurde es doch plötzlich hektisch. Ich hatte M nämlich Anfang der Woche gefragt, ob ich sie zum Termin begleiten solle, darauf dann keine Antwort erhalten. Wenn ich auf eine Frage keine Antwort erhalte, nehme ich grundsätzlich an, sie in meinem Sinne selbst beantworten zu dürfen, also hatte ich heute nicht geplant, um 8 Uhr beim Kieferorthopäden zu sein. War ich dann auch nicht. Davor lag aber eine steinige Viertelstunde.

    Als ich dann pünktlich vor die Haustür kam, um in Frau Fragmentes Wagen einzusteigen, traf ich in meinem eigenen Hinterhof auf einen Fensterputzer. Manchmal kippt einem das Leben einfach einen Eimer Gold vor die Füße! Der Fensterputzer fragte, ob er im Hof parken könne, am liebsten hätte ich gesagt, er kann überall parken, in meiner Garage, auf meinem Balkon, völlig egal - um bei der Wahrheit zu bleiben ließ ich ihn aber nur wissen, dass die Parkplätze im Hof zur Firma im Hinterhaus gehören und sie es nicht gern sehen, wenn man da steht, allerdings aber auch nichts weiter unternehmen, als einen klagenden Zettel an der Windschutzscheibe zu hinterlassen. Dann ließ ich mir die Telefonnummer vom Fensterputzer geben, zur Anbahnung einer Geschäftsbeziehung.

    Der Vortrag war amüsant wie erwartet, nur zwischendrin gab es ein kurzes Intermezzo mit zu vielen dummen Fragen (dumm, weil die Antworten in der Präsentation standen) das ich aber durch Twitter und Scrabble überbrücken konnte und nur ein paar Mal so laut "steht doch da, meine Güte!!" zischte, dass Frau Fragmente mir "ruhig, ruhig!" zusprach. Danach wurde ich um 12 Uhr komfortabel am Büro abgesetzt.
    Dort erstaunlich viel geschafft, obwohl es doch nur ein halber Tag dort war.

    Kurze Verwirrung auf dem Heimweg - wie war ich hergekommen? Fahrrad irgendwo, wenn nein, warum nicht?! Dann die Erinnerung und Heimfahrt mit Bahn und anschließend Bus (wegen zu hohen Schuhen für 20 Minuten Spaziergang durch die Stadt).

    Zu Hause meldete der Gesangslehrer eine Verspätung an, so dass ich schnell ein Bananenbrot buk und eine Dosenlinsensuppe mit Gemüse und Gewürzen aufpeppte - trotzdem nur so halbwegs empfehlenswert, immerhin besser, als der Salat gestern.

    Um 20 Uhr Gesangsstunde, dann herumräumen und zwischendurch auf der Couch ins Internet schauen, jetzt gleich mit Buch ins Bett.

    November seit 5451 Tagen

    Letzter Regen: 24. Februar 2021, 23:04 Uhr