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    Donnerstag, 2. Mai 2019

    Ich bin überzeugt davon, dass Vom-Wecker-geweckt-werden wirklich fundamental ungesund ist. Dieses "Biep-biep-biep-biep" löst bei mir die Ausschüttung riesiger Mengen an Stresshormonen aus, die mich sofort aus dem Bett und bis in die Küche springen lassen, wo ich mich dann atemlos wiederfinde und die nächsten zwanzig Minuten versuche, mich im Tag zu orientieren. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

    Der frühe Morgen zu Hause und der Weg ins Büro waren ereignislos. Glaube ich. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auf dem Weg ein Frühstückshörnchen kaufte, aber ich habe keine Erinnerung, was danach damit geschah. Bestenfalls habe ich es gegessen, beschwören kann ich das jedoch nicht. Bitte keine Obduktion, so wichtig ist es auch nicht.

    Im Büro selbst: zu viel. Menschen haben Anliegen, diese Anliegen möchten sie nicht einfach in einer Mail mit 3-5 Punkten knapp zusammenfassen und dann eine ebenso knappe Antwort darauf erhalten, sondern sie möchten darüber sprechen, dabei gehört werden und gesehen und angenommen werden. Und ausgerechnet ich, die sich insgeheim oft erträumt, man könnte sowas einfach alles per Maschine machen, ist für solche Gespräche zuständig. Gut - vielleicht ist der Zusammenhang ein anderer. Vielleicht erträume ich mir oft, man könnte sowas einfach alles per Maschine machen, weil ich für solche Gespräche zuständig bin. Bis vor ein paar Monaten hat noch der Oberchef ca. 70% dieser Gespräche abgewickelt, die Punkte verhandelt, die Aspekte gegeneinander aufgewogen, die Entscheidungen getroffen und mir mitgeteilt und ich habe das dann weiterverteilt und umgesetzt. Der Nachfolger vom Oberchef hat Zeit für maximal 5%, Tendenz fallend. Vielleicht muss ich mich klonen. Heute waren es vier größere Gespräche, dazwischen war ich mit einer neuen Mitarbeiterin Mittagessen, insgesamt kam ich heute noch nicht einmal dazu, alle Mails zu lesen, die über Nacht ankamen oder die Post zu öffnen.

    Das Mittagessen war mittel, was aber an meiner Auswahl lag. Ich habe langweilig gewählt, irgendein fancy Fisch mit irgendeinem fancy Reis, die Schwäche meiner Auswahl wurde mir aber erst bewusst, als serviert wurde. Beim Dessert wollte ich schlauer sein. Zwei Desserts waren auf der Tageskarte, ich befragte den Kellner, welches er empfehlen würde und er sagte: "Das eine - oder halt das andere!". Vielleicht mache ich mich doch eines Tages mit einem Entscheidungs-SMS-Service selbstständig, bei dem man eine Auswahlfrage an eine bestimmte Telefonnummer (in dem Fall: meine) sendet und innerhalb weniger Sekunden eine Antwort erhält. EUR 1,99 werden dann vom Konto abgebucht. Soll die Entscheidung begründet werden (280 Zeichen maximal, das bin ich von Twitter geübt), werden EUR 3,99 fällig. Ich denke, die Welt hat Bedarf, wenn noch nichtmals der Kellner in einem gehobenen Restaurant ein Dessert empfehlen kann.

    Ich verließ das Büro früh, um mit M einen Arzttermin wahrzunehmen. Beim Arzt warteten wir geduldig eine gute Stunde, hatten dann unsere Akkus leergespielt und warteten daher nochmal ungeduldig 20 Minuten. Dann teilte ich der Empfangsarzthelferin mit, dass wir jetzt nicht länger warten werden und auch keinen neuen Termin ausmachen möchten, vielen Dank.

    M machte sich auf den Weg zu einer Freundin und ich fuhr mit dem Rad nach Hause. Auf halber Strecke hielt ich an, weil auf dem Gehweg vor der Apotheke ein Mann eine Frau mit Sohn im Grundschulalter schubste und schlug und Geschrei herrschte. Ich wollte die Polizei rufen, zog das Handy aus der Tasche, aber der Akku war ja leer. Ein bisschen deppig sprach ich den wildem Mann daher mit den Worten "Tschuldigung, wissen Sie, wie spät es ist, mein Akku ist leer?" an. Der Mann war ein bisschen verblüfft aber schaute auf sein eigenes Handy, vielleicht ist das ein über Generationen antrainierter Reflex, dass man die Uhrzeit immer versucht mitzuteilen. Es war kurz nach 17 Uhr. Als das geklärt war, hatte die Apothekerin bereits Frau und Kind in die Apotheke gezogen und die Tür von innen verschlossen. Während der Mann gegen die Glasschaufenster boxte, fuhr ich davon. Ich nehme mal an, die Apothekerin hat die Polizei verständigt und werde morgen nochmal dort vorbeifahren um zu erfragen, ob irgendeine Auskunft benötigt wird.

    Wieder zu Hause einmal erfreuliche Post und einmal unerfreuliche Post. Die erfreuliche Post: Krankenkasse A hat den am Dienstag online eingereichten Erstattungsantrag für eine Zahnbehandlung schon abschließend bearbeitet und überwiesen. Die unerfreuliche Post: Krankenkasse B hat vor mehreren Wochen eingereichte Rechnungen nun ebenfalls bearbeitet, dabei aber einen Teil der Rechnungen oder der dazugehörigen Anlagen verloren/übersehen und deshalb dafür nichts gezahlt und außerdem Beträge für Rechnungen erstattet, die ich nicht kenne. Der Gesamtbetrag ist annähernd in Ordnung aber man wird es wohl klären müssen, denn möglicherweise möchte der Kunde, dem die Rechnungen eigentlich gehören, sein Geld ja auch früher oder später bekommen. Das bedeutet, ich muss wiederum in Unterlagen kramen und Dinge auseinandersortieren, obwohl das doch eigentlich wirklich nicht meine Aufgabe ist. Kinder, wenn ihr es euch aussuchen könnt, schließt keine private Krankenversicherung ab, es ist die Pest - außer, ihr habt einen Privatsekretär, der sich um sowas kümmert.

    Der kleinen Katze machte ich noch eine Freude und stellte ihr das Katzengras wieder bereit - ich muss es ihr rationieren, weil sie sonst ununterbrochen davon frisst und davon kotzt, das kann in dieser Frequenz nicht gesund sein. Deshalb gibt es das Katzengras nur noch alle paar Tage. Der Kater interessiert sich für das Katzengras nicht.

    Und für die Menschen machte ich noch Grüne Soße. Der Inhalt des Kräuterpäckchens war aber nicht so frisch, wie ich es mir erhofft hatte. Ungefähr die Hälfte des Grünzeugs war glubschig und musste aussortiert werden, so dass ich mir nicht sicher bin, ob in der Soße wirklich noch die vorgeschriebenen sieben Kräuter enthielt. Lecker war sie aber.

     
    Kinder, wenn ihr es euch aussuchen könnt, schließt keine private Krankenversicherung ab, es ist die Pest - außer, ihr habt einen Privatsekretär, der sich um sowas kümmert.
    Stimmt, kann ich bestätigen, wobei ich die Gelegenheit nutzen möchte, hier mit noch mehr Gejammer einzuhaken, denn noch schlimmer ist es bei Beamten. Die haben nicht nur eine Privatversicherung, sondern gleich zwei parallele, weil ihr Arbeitgeber, also der Staat, die Krankheitskosten nur zu einem Teil übernimmt, weshalb sich ein Beamter für den nicht übernommenen Teil noch zusätzlich privat versichern muss.
    Beamte sind also zwangsweise privat versichert und müssen ihre Krankheitskosten immer mit zwei Stellen abrechnen, das ist sozusagen Pest².
    und damit wir uns nicht falsch verstehen, ich selber bin bequem und praktisch kassenversichert, aber mein Vater war(ist) Beamter und da er sich in einem geistigen Zustand befindet, wo er sowieso für alles einen Privatsekretär braucht, habe ich hier grade das große Los gezogen.
    Aber weil das so ätzend ist mit dem Belege einreichen etc. war ich besonders glücklich, als ich feststellte, dass das heutzutage alles über eine App geht.
    Kann ich wirklich nur empfehlen, mit der App ist die ganze Pest deutlich einfacher abzuwickeln.
     
    "Stimmt, kann ich bestätigen"

    Ich nun wieder nicht -- meine Versicherung rechnet alles sehr ordentlich ab und schickt als Abrechnung eine übersichtliche Tabelle mit "Rechnung sowieso, Rechnungsbetrag, davon erstattet, Begründung" (falls nicht 100 %). Da sehe ich auf einen Blick, wie sich der Überweisungsbetrag zusammensetzt.

    Der kleinen Katze derzeit u U. öfter das Katzengras und reichlich Malzpaste geben -- der Fellwechsel ist immer eine harte Zeit. Und viel, viel, viel bürsten. Dafür kann ich diese Tangle-Teezer- / Entwirrbürsten-Teile wärmstens empfehlen.
     
    Selbst eine ordentliche Abrechnung setzt aber ja voraus, dass die Rechnungen eingereicht wurden und überweisen muss man auch und das alles prüfen hinterher auch noch. Ich finde es viel praktischer, ein Kärtchen hinzuhalten und sich mit dem Rest nicht zu befassen.

    Zur Katze, das Problem ist ja, dass sie vom Katzengras nicht lassen kann. Wenn es zugänglich ist geht das fressen-kotzen-fressen-kotzen ununterbrochen. Es kann einfach nicht gesund sein, sich so oft zu übergeben, daher bekommt sie das Gras jetzt nur noch alle paar Tage. Malzpaste mag sie nicht, aber die Tangle-Teezer-Behandlung schätzt sie sehr!
     
    Bei Katzen, die Malzpaste nicht mögen, kann ich einen Versuch mit Miamor Malt Cream empfehlen. Das ist zwar eher Junkfood als Malzpaste, hat aber den gewünschten Effekt hintenraus. :)

    Meine Katze hasst Malzpaste (lässt ihr Futter unangerührt stehen, wenn sich auch nur irgendwo in der Nähe Malzpaste befindet), aber nach dem Zeug ist sie verrückt. Bei dem malzpastenverweigernden Kater einer Freundin war es ähnlich.
     
    Aber ich habe noch nicht ganz verstanden, wozu die Katze überhaupt Malzpaste brauchen sollte, es ist doch gar nix?
     
    Na ja, es ist Frühling und daher Fellwechselzeit. D. h. überdurchschnittlich viele Haare, die durch Magen und Darm transportiert werden müssen und dadurch erhöhtes Risiko von Darmverschluss.

    Katzen fressen Gras ja hauptsächlich, um mit den Haaren klarzukommen (entweder um besser kacken oder um kotzen zu können). Wenn sie also nicht dauernd Gras haben kann, würde ich da schon wenigstens mit Malz ein bisschen helfen, zumindest im Frühling und Herbst.
     
    Damit hat die Katze normalerweise kein Problem - sie hat auch recht kurzes Fell. Sie steht einfach total auf das Gras, die dreht durch, wenn sie das sieht, schnurrt auch ganz laut, wälzt sich darin, zerrt den Blumentopf herum. So wie Katzen manchmal auf diese Baldriankissen abfahren. Es ist aber ganz normales Gras. Ich stelle es momentan nur morgens oder abends in Reichweite, nicht den ganzen Tag. Das klappt ganz gut.
     
    Jedem Tierchen sein Pläsierchen! :)
     
    @ anje: So schwierig war das nun auch nicht, das Beihilfeformular oder das für die Krankenversicherung auszufüllen (ich kenne die).
    Seien Sie mal froh, dass Sie beihilfeberechtigt sind, da kommt schließlich der Löwenanteil der Erstattung her. Dank Beihilfe und den Erstattungen von der privaten Krankenversicherung bleibt der Eigenanteil, den Sie dann noch selbst zahlen müssen, recht klein, da zahlen Kassenpatienten oft viel mehr selbst. Und falls Sie mal Physiotherapie etc. brauchen, müssen Sie auch nie bangen, ob Sie ein Rezept bekommen, bei Kassenpatienten ist das rationiert.
     
    Nun, dass das Ausfüllen der Formulare schwierig ist, kann man wirklich nicht behaupten, es ist einfach nur lästig und zeitaufwändig und umständlich und überhaupt ist der gesamte Abrechnungsvorgang eben mit so viel Kümmern verbunden, dass ich sehr gerne bereit bin, einen höheren Eigenanteil zu bezahlen, wenn dafür diese Abrechnungsform entfällt und ich einfach nur ein Kärtchen hinhalte und alles ist erledigt.
    Aber hilft ja nix, es ist nun mal wie es ist und für den Beamtenvater auch nicht mehr zu ändern, dass ich aber nun die App benutzen kann, finde ich wenigstens eine kleine Erleichterung, weil es ja nicht nur das Ausfüllen des Formulars erspart, sondern auch das Eintüten in Umschläge, das Beschaffen und Verwenden von Briefmarken und das Einwerfen in einen Briefkasten.

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