Man kommt von irgendwo zurück und der Kopf ist vollgestopft mit den ganzen Bildern und Ereignissen. Sie kennen das:
Die Ankunft bei Regen, Sturm und recht viel Seegang, der teilweise oben durch die Luke des Flughafentransferschiffes schwappte.
Das Hotel ein Glückstreffer, nur wenige Schritte vom Anleger entfernt, zwischen Bahnhofsviertel und Touristenviertel belebt aber nicht überlaufen.
Das Zimmer zu Mademoiselles großer Freude wirklich komplett in blau (es hätte auch komplett in rot oder grün gegeben).
Der erste Spaziergang, bei dem der Regensturm in einen Schneesturm überging.
Hunderte von Maskenläden und die Kinder wollen in jeden einzelnen.
Hunderte von Glasdingensläden und die Kinder wollen in jeden einzelnen.
Blitzeis - Salz- und Schotterstreuer auf der Rialtobrücke.
Der Herr, der sich in unser Gespräche einbrachte und völlig überzeugt versicherte, die nächste Vaporetto-Station sei in nördlicher Richtung, während sie deutlich sichtbar und gut beleuchtet ca. 25 Meter nach Süden lag.
Der Supermarkt mit den riesigen Osterbroten und noch riesigeren, in Glitzerfolie verpackten Schoko-Ostereiern, von denen manche fast so groß wie das Kind waren (€ 89,99 - nicht gekauft).
Wie in dieser Stadt, die so touristenüberflutet ist, dennoch alle einfach nur Italienisch sprechen.
Wie die Kinder am zweiten Tag dem Portier schon gekonnt "buongiorno" und "da topo" zurufen und die Mütter routiniert die Pizza "da portar via" bestellen.
Strahlender Sonnenschein, Temperatur um den Gefrierpunkt.
Acqua Alta - und Stege, auf denen man dennoch durch die Stadt laufen kann.
Die alten Männer, die sich mit ihren Gehhilfen unmöglich in die kurze Schlange vor dem Markusdom (sie ist wirlich kurz, es gibt keine Wartezeit und eine Schlange bildet sich nur, da eben über Stege gelaufen werden muss) einreihen können und durch das Wasser ganz nach vor waten, um dort - inklusive Gehhilfe - die Stege zu erklimmen!
Zwei Stunden lang völlig versunkene Kinder im Markusdom: Mosaik, Gold und Pferde.
Dass fast keiner mehr einfach ein Foto machen kann; dass so viele Stative mit sich herumtragen und mindestens-50-cm-Objektive ausfahren und jedes Bild zig Mal mit minimal veränderten Einstellungen machen. Orrrrr.
Die vielen kleinen Gassen, die manchmal in Plätzen, manchmal in Innenhöfen, manchmal am Wasser enden und in denen die herumflitzenden Kinder wunderbar verloren gehen können.
Die andererseits sehr kleine und durch den Canale Grande gut strukturiert Stadt, in der man sich zwar verfransen, aber nie verirren kann und die auch für Fremde völlig ohne Stadtplan zu bewältigen ist.
Der Gondoliere, der uns - völlig ungefragt - eine Fahrt zu nur gut der Hälfte des üblichen Preises anbietet.
Das Polizeischiff, das im Slalom um die Touristengondeln jagt. Und das Ambulanzschiff. Und das Postschiff!!
Die Unaufgeregtheit sämtlicher Händler, die nie drängeln oder locken - ist das immer so oder nur außerhalb der Saison?
Die leeren Straßen, die sich nur an den Hauptsehenswürdigkeiten mit Menschen füllen und auch dort nur ungefähr so, wie die Frankfurter Innenstadt an einem durchschnittlichen Samstag.
Immer wieder "oh the sweet babies! Gemelli! Cioccolato? Leccalecca?"
Die zeitlich schlecht geplante Fahrt zum Lido - Ankunft um 20:30 Uhr bei völliger Dunkelheit, Wellengetöse, blindes Greifen nach Muscheln und dann bricht die Wolkendecke auf: Vollmond. Boah.
Wie wir uns am dritten Tag das keine Widerrede erlaubende "Permesso!" der italienischen Signoras beim Einstieg in überfüllte Vaporetti angeeignet haben.
Die dritte Wetterlage: bedeckt und frühlingshaft-warm.
Der Strand bei Tageslicht - immer noch menschenleer.
Danach Klamotten kaufen, auch Schuhe, denn das Kind ist nass. Nicht ein bisschen nass. Sehr nass.
Das Personal im Ca' Rezzonico, das die Kinder auffordert, sich ruhig auf den Boden zu legen, um die Deckengemälde besser betrachten zu können.
Wie die Kinder in Folge die Ausführungen zu Symbolik, Allegorien, Lichtspielen, Techniken regelrecht aufsaugen und sich von dem Fresko mit der Putte, die eine Fledermaus an der Leine fliegen führt, gar nicht mehr trennen mögen (fotografieren leider verboten).
Der unglaublich dicke rote Kater im Garten des Museums.
Spaziergang durch Santa Croce, Pause auf einem kleinen Platz und die Kinder finden gleich Anschluss und spielen Fangen und Verstecken zwischen den Häusern.
Traghetto - sozusagen "Gondelfähre" von einer Seite des Canale Grande zur anderen. Im Stehen. Erwachsene 2 Euro, Kinder wurden durchgewunken.
Und noch so viel mehr.
Insofern: Reisen Sie nach Venedig. Über den Sommer dort kann ich nichts sagen: ich war einmal, als Teenager, für einen sehr heißen Tag im August da und erinnere mich nur noch an gleißendes Licht, unglaubliche Menschenmassen, Geschrei und heftige Kopfschmerzen. Der März erscheint mir aber - wenn man von der Stimmung her nicht wetterabhängig ist - als ideale Reisezeit. Und für und mit Kindern ist es super, zumindest sobald sie in einem Alter sind, in dem man sie nicht mehr ständig vor Stürzen von Schiffen und in Gewässer bewahren muss.
Heute vor zig Jahren:
Um 18 Uhr fahren wir in die Stadt und treffen uns um 18:30 Uhr vor der Kneipe mit Jan, der sich bei uns für die Rettung vor dem Schrank bedankt und sagt, der gesamte Abend geht auf ihn. Er gibt uns so ein Zeug aus, das "Ohrfeige" heißt weil er meint, das passt zum Thema. Wir gehen dann an ein paar Museen vorbei und beschließen, demnächst da mal rein zu gehen. Vor MacD treffen wir Turek und Jaro, außerdem kommt Mig noch. Mig hat sich sein Flat ganz kurz geschnitten.
Später treffen wir noch ein paar aus unserer Schule, die eine hat neue Schuhe, die andere eine neue Ratte. Danach gehen wir wieder in eine Kneipe, Jan gibt wieder was aus und wir lernen ein paar Leute kennen, mit denen wir dann zur Tanke gehen. Wir überlegen vorher, ob das eine gute Idee ist und kommen zu dem Schluss, dass es das ist weil wir alle etwas Panik haben, ins Parkhaus zu gehen. Deshalb gehen wir direkt hin, dann haben wir das erledigt, sozusagen Vergangenheitsbewältigung. Wir reden noch ein bisschen mit dem Tankwart und gehen dann nach Hause.
Heute vor zig Jahren:
Nach Klavier gehen wir zu MacD um da einen aus einer Stufe höher zu treffen, der uns was zum Rauchen besorgen will. Wir treffen erst Turek und seinen Freund von neulich, Jaro, mit denen wir dann rumrennen, weil der Typ nicht kommt. Um 20:30 Uhr finden wir ihn dann bei MacD. Wir geben ihm das Geld und fahren um 21 Uhr nach Hause.
Heute vor zig Jahren:
Nichts besonders. Ausruhen.
Heute vor zig Jahren:
Die Schule fällt aus, weil ein ehemaliger Lehrer beerdigt wird. Ich bade und um 10 Uhr kommt Anja, um ihren Badmintonschläger abzuholen, den sie vergesen hatte und ich habe ihn für sie mitgenommen. Nachmittags lerne ich für Englisch, Geigen fällt aus und bei Sport mache ich nicht mit, weil es mir irgendwie komisch geht. Abends wieder Englisch lernen.
Heute vor zig Jahren:
Ich gehe um 11 nach Hause, bade und esse. Mittags ruft Ah an und fragt, ob Pe ihm die Haare rasiert. Ich sage, er sol sie mal anrufen. Dann ruft Pe an. Ah hat sich für 16 Uhr bei mir eingeladen.
Um 16 Uhr kommt er auch, Pe kurz danach. Pe rasiert ihm das Flat weg - er sieht scheiße aus mit der Glatze.
Um 17 Uhr fahren wir in die Stadt. Heute ist ein Eishockey-Endspiel, die DEG hat gewonnen und die ganze Stadt ist rot-gelb. Wir wollen gerade iedr nach Hause fahren, weil außer DEG nichts los ist, da treffen iwr an der U-Bahn Turek mit zwei Freunden. Wir gehen mit ihnen zur Tanke und treffen unterwegs Marco, der sagt, dass Jan ihn angerufen hat und erzählt hat was los war und ob es eine gute Idee ist, dass wir da rumlaufen, er würde jedenfalls nicht mit uns zur Tanke gehen. Er kommt aber noch mit zur Tanke, einen Kasten holen für sich und Ah - wir trinken ja unter der Woche nichts mehr. Ah lässt sich dann die ganze Geschichte erzählen und will danach schnell nach Hause. Wir gehen noch in eine Kneipe ujnd fahren dann auch nach Hause und holen noch eine Pizza.
Eltern noch sehr kleiner Kinder mit Reiseplänen, atmet auf: bald wird alles total einfach und entspannt. Sie sind noch in der Phase, in der man ein größeres Auto anschafft um sämtliches Kinderzubehör überhaupt transportieren zu können? Ruhig Blut, das ist bald vorbei.
Mademoiselle und ich reisen morgen für eine knappe Woche nach Venedig, und zu meiner großen Begeisterung stelle ich fest, dass dazu gar nicht mehr viel Gepäck vonnöten ist. Genau gesagt kommen wir mit einem größeren Rucksack und zwei Handtaschen aus. Das Kind braucht nur genauso viel wie ich - vom Volumen her sogar viel weniger, es ist ja deutlich kleiner. Ersatzkrempel braucht man bei 8jährigen nicht mehr in größerer Zahl als bei sich selbst und Ersatzsocken (für den eventuellen Nasse-Füße-Notfall) reichen sogar einmal - für beide (Größe 36-39)! So ein paar Socken macht das Gepäck nicht schwer, denken Sie. Aber es läppert sich: 8jährige benutzen Erwachsenenzahnpasta und auch jegliche sonstige Erwachsenenprodukte (Shampoo, Duschgel, Sonnencreme, Haarbürste) wie auch Nasenspray, ja sogar Paracetamoltabletten kann man ihnen geben. Und sie brauchen kein Spielzeug, ein Stift reicht, dann kritzeln sie kryptische Nachrichten überall drauf und das ist dann nicht nur ein Spiel, sondern sogar das beste Spiel der Welt, denn die Welt ist ganz anders, wenn man plötzlich lesen und schreiben kann, das spüren 8jährige ganz intensiv und das genießen sie sehr. In Wartebereichen gibt man ihnen folglich irgendeine Broschüre in die Hand, fertig.
Zusätzlich kann das Kind schon ganz viel selbst. Es muss nicht mehr getragen werden, nein, es kann sein Zubehör sogar selbst tragen! Rucksack und Trolley, kein Problem. Es muss auch nicht mehr ununterbrochen vor tödlichen Unfällen bewahrt werden. Man schreibt ihm einfach mit Kuli die Handynummer auf den Arm und kann bei einem Kaffee entspannen.
Ein besonderer Trick ist, ein weiteres gleichaltriges Kind mitzunehmen. Die Kinder wollen im Zug/Flugzeug allein sitzen, ja, eigentlich wollen sie sogar allein reisen, was nicht geht, aber man kann so tun, als wäre es so. Man bucht den Kindern Plätze nebeneinander, etwas von den Erwachsenen entfernt, da können sie mal alles allein ausprobieren. Abhandenkommen können sie im Flugzeug ja sowieso nicht.
Sie sehen: alles wird gut. Nur noch ein kleines bisschen Geduld!
Heute vor zig Jahren:
Schule ist Kacke. Um 18:30 Uhr fahren wir in die Stadt und treffen Turek, Jaro, Jana und einen Psycho, den wir noch nicht kennen und der Jan heißt.
Wir gehen mit denen erstmal zur Tanke, wo aber nichts los ist, dann in die Kneipe, wo aber auch nichts los ist und dann wieder zur Tanke, wo wir Phil, Oh, den Schrank und Stefan-dass-das-klar-ist treffen. Wir holen uns was zu trinken und fahren ins Parkhaus hoch, wo wir eine Session machen. Stefan-dass-das-klar-ist und der Schrank sind sehr eigenartig drauf und sind auf Ärger aus, sie machen die ganze Zeit Provokation und Jan ist das Opfer. Sie stellen ihm irgendwelche Fragen, z.B. wie er den Aufnäher auf der Jacke von Stefan findet, wobei es dan drei Möglichkeiten gibt: Gut, Schlecht, Weiß nicht. Bei "gut" geht es weiter mit "Jan ist ein Idiot, der sich kein Urteil über den Aufnäher von Stefan zu bilden, Folge: Jan muss dringend was auf die Fresse kriegen. Bei "schlecht" geht es weiter mit "Jan hat den Aufnäher von Stefan schlecht gemacht, Folge: Jan muss dringend was auf die Fresse kriegen." Bei "Weiß nicht" geht es wieiter mit "Jan ist ein Idiot ohne Meinung, Folge: Jan muss dringend was auf die Fresse kriegen." Sehr vorhersehbar.
Oh und Phil sind auch komisch drauf und wollen mit "Großwesier" und "Kaiser" angeredet werden. Immer, wenn Jana sich eine Kippe schnorren will, muss sie sagen: "Ehrwürdiger Großwesir und Kaiser der Welt, hiermit bitte ich dich ehrwürdigst, ich, Wurm, geistig niedergestelltes Wesen, um eine deiner heiligen Zigaretten und danke dir hiermit, dass ich für dich, Kaiser und Großwesier, Zigaretten an der Tankstelle holen durfte." Oh hat ihr diesen Satz diktiert.
Wir schlendern immer so hin- und her, die Aussicht vom Parkhausdach angucken, zwischen den Autos aufwärmen, Dosenwerfen auf dem Mäuerchen und runter zur Tanke neues Bier holen, aber Stefan und der Schrank schießen sich immer mehr auf Jan ein und fragen, mit welchem Recht er die Jacke anhat, die er eben anhat, solche Jacken dürften nur coole Leute tragen und sie würden alle coolen Leute kennen aber ihn würden sie nicht kennen, also könnte er nicht cool sein und wie kommt es dann, dass er dieses Jacke trägt. Wir gehe mit Jana aufs Klo und Jana sagt, dass sie lieber abhaut und wir mitkommen sollen, der Abend würde sicher nicht gut enden. Pe und ich holen uns aber erstmal noch jeder ein Faxe und fahren wieder hoch. Als wir gerade ankommen, machen der Schrank und Stefan immer noch Großinquisition mit Jan. Als Stefan hört, dass Jana gegangen ist, rennt er aber weg um sie zu suchen und sagt, dass hier keiner ohne seine Erlaubnis weggeht.
Der Schrank und Turek gehen mit Jan raus auf das obere Parkdeck. Wir quatschen mit Oh und Phil und Turek kommt dann auch wieder rein und Pe und ich beginnen, uns langsam Sorgen um Jan zu machen. Als Phil und Oh runtergehen wollen, um sich noch Bier zu beschaffen, starten wir deshalb eine Rettungsaktion: ich belabere Phil und Oh, dass ich ihnen das Bier hole wenn sie versprechen, mal mit dem Schrank irgendein Männergespräch zu führen, damit er ein bisschen von Jan abgelenkt ist. Der Plan ist, dass Pe in der Zeit Jan schnappt und ihm klar macht, dass er sofort verschwinden muss, notfalls geht sie mit und nimmt mich dann von unten aus der Tankstelle mit, wenn er allein runterkommt gehe ich wieder hoch zu ihr.
Phil und Oh machen mit, ich gehe also das Bier holen. Es kommt aber erstmal gar keiner runter, weder Jan noch Pe ujnd Jan und ich stehe blöd ziemlich lange mit dem Bier vor dem Auzug und fahre schließlich wieder hoch.
Als ich oben ankomme, will Pe gerade in den Aufzug stürmen um mich zu holen. Oh und Phil prügeln sich miteinander und der Schrank tritt Jan, der am Boden liegt.
Plötzlich geht alles sehr schnell: Pe und ich rennen zum Schrank, der jetzt einen völlig irren Blick hat und aussieht wie ein wilder Stier, aber der fegt uns mit einem Schlag gegen die Wand und geht wieder auf Jan los. Ich schlage dem Schrank meine Faxe-Dose ins Gesicht und wir ziehen Jan hoch, er ist nicht bewusstlos, dann sind wir am Aufzug und Pe hat schon die Knöpfe gedrückt, wir schubsen Jan rein und er wird nach unten transportiert und kann abhauen. Als der Fahrstuhl weg ist, wird mir klar, dass wir besser auch eingestiegen wären, wir hatten die ganze Zeit nur daran gedacht, Jan wegzubekommen und über den Rest hatten wir nicht nachgedacht. Jetzt ist es aber überhaupt kein Spaß mehr und wir den Schrank jetzt echt nicht mehr kontrollieren können. Er blutet total aus der Nase und am Mund steht noch immer da und glotzt irre und geht dann auf uns los, Pe sprüht ihm ihr CS-Gas ins Gesicht und dann rennen wir die Treppe runter und rennen ewig und an der Haltestelle steht gerade irgendeine Bahn und wir springen rein und ducken uns zwischen die Sitze. Die Bahn fährt los, wir gucken raus aber sehen keinen. Wir fahren irgendwohin und steigen dann aus weil ich Kotzen muss, dann finden wir heraus, wo wir überhaupt sind und machen uns auf den Weg nach Hause.
Um 23 Uhr sind wir zu Hause.
Der Frühling kommt bald. Das kann ich mit großer Wahrscheinlichkeit sagen, weil ich neulich eine Hausarbeit über Prognoseverfahren geschrieben habe. Und, ganz klar: die Anzeichen verdichten sich. Das sieht man zum Beispiel an meinen Referrern.
Seit ungefähr Herbst wurde immer wieder "Rundwebrahmen bespannen" gesucht. Es hatte schon fast den Anschein, eine Guerilla-Rundwebbewegung würde sich formieren, ja, ich würde sagen: es war kurz davor. Eine Hochphase gab es zu Weihnachten, klar, wenn man keine Geschenkideen hat kann man ja schnell noch etwas für Onkel Hans rundweben.
Nach Weihnachten bis über Neujahr eine kleine Flaute, dann wieder reges Rundwebinteresse. Aber - und jetzt kommt die Pointe: Seit Mitte Februar wird immer häufiger nach "Entenlieder"n gesucht. Entenlieder stehen selbstverständlich für Frühling, das ist ganz klar. Mittlerweile boomen Entenlieder regelrecht, Entenlieder singen ist das neue rundweben!
Entenlieder (= Frühling) lösen Rundweben (= Winter) ab. Ergo: der Frühling kommt.
q.e.d.
Heute vor zig Jahren:
Elternsprechtag. Ich gehe um 12 Uhr nach Hause, räume mein Zimmer um und lese. Um 17 Uhr klingelt es und ich bin sicher, dass es wieder Ah und Marco sind und mache deshalb nicht auf. Um 22 Uhr gehe ich schlafen.
Heute ist glaube ich "Ich-bringe-wem-überraschend-Kaffee-mit"-Tag. Jedenfalls war es bei mir so, ich habe heute drei Kaffees mitgebracht bekommen. Zusätzlich zu dem Tee, den ich mir selbst gekauft hatte. Und alle in der größen verfügbaren Größe, was glaube ich daran liegt, dass ich in den letzten Tagen immer mit einem solchen Riesenkaffee im Büro saß, Personen sich darüber amüsierten und ich den Eimer als dringend notwendig vehement verteidigte.
Das scheint hängengeblieben zu sein. Bei mehreren. Und so wurden mir heute zwischen 9 und 11 Uhr als Überraschung drei Riesenkaffees mitgebracht, was total nett ist, und es trat auch kein Gewöhungseffekt ein: ich war beim ersten Kaffee angenehm überrascht, beim zweiten tatsächlich noch überraschter und beim dritten regelrecht perplex.
Geholfen hat aber keiner davon. Gute Nacht.
Heute vor zig Jahren:
Morgens kann ich überhaupt nicht mehr gehen und meine Schwester fährt mich zum Arzt. Der macht eine andere Art Verband und ich soll den 3 Wochen dranlassen, möglichst wenig gehen und keinen Sport machen. Sehr bedauerlich. Nachmittags gehe ich zu Spanisch und Abends Fernsehen.
Immer, wenn ich durch die Glasdrehtür im Rapunzelturm gehe, muss ich mich neuerdings schlapplachen und wanke deshalb leicht gebeugt und hustend bis keuchend auf die Straße hinaus. Ich bin mir ziemlich sicher, die Leute dort denken, ich habe eine Frischluftallergie oder so etwas Ähnliches.
Tatsächlich ist es aber so: Neulich besuchte mich einmal Frau Herzbruch auf einen Kaffee im Rapunzelturm. Danach gingen wir gemeinsam nach Hause. Wir fuhren also ins Erdgeschoss und steuerten auf diese Drehtür zu, die nicht besonders groß ist.
(kicherkicher)
Wir sind keine unhöflichen Menschen. Wir sind freundlich, halten anderen die Tür auf und so. Ich, weil ich Leute mag, Frau Herzbruch, weil sie gut erzogen ist. Das vorweg.
Aber wenn wir abgelenkt sind, übernimmt - wie bei jedem - das Unterbewusstsein. Und Frau Herzbruch und ich teilen diese Art von Unterbewusstsein die annimmt, dass einem natürlich sowieso in jeder Situation der Vortritt gelassen wird.
(kicherkicher)
Und deshalb gingen wir nebeneinander ins Gespräch vertieft auf die kleine Drehtür mit den winzigen, durch Glasscheiben abgetrennten Abteilen zu und natürlich nahm jeder an er selbst würde logischerweise zuerst in die Drehtür gehen, wer denn bitte auch sonst?! Und so fanden wir uns dann zu zweit in dem kleinen Abteil wieder, das nun wirklich nicht auf zwei Personen ausgelegt ist. Weil keiner auch nur eine Millisekunde angenommen hat, die Sache könne für ihn anders ausgehen als an erster Position in der Drehtür, und deshalb auch nicht einen Blick darauf verwendet hat, die Situation im Moment des Erreichens der Tür noch einmal zu überprüfen.
(kicherkicher)
Immerhin - wir sind nicht stecken geblieben.
Heute vor zig Jahren:
Wir stehen um 10 Uhr auf und ich gehe um 12 Uhr zum Mittagessen nach Hause. Nachmittags lerne ich Schulkrempel und abends Fernsehen.
Früh aufgestanden, lange Auto gefahren, Geburtstag gefeiert, mit Frau Herzbruch lange ausgegangen, wenig geschlafen, früh aufgestanden, zwei Stunden Flugzeuge angeschaut, Ostermarkt angeschaut, Geburtstag gefeiert, kurz mit Knoblauchkoma auf der Couch zusammengebrochen und heute Abend wieder lange Auto fahren ins Schneegestöber hinein.
Drücken Sie mir die Daumen. Aber immerhin ist ja dann Wochenende. Oder?
Heute vor zig Jahren
Ich gehe um 12 nach Hause und wir feiern Geburtstag. Um 17 Uhr kommen, wie ich es schon befürchtet hatte, Ah und Marco. Wir gehen Pe abholen und dann zum Karl, wo wir fernsehen. Außerdem gehen wir zur Tankstelle und dann wieder zum Karl.
Um 20:30 Uhr wird Pe und mir langweilig und wir fahren in die Altstadt. Da sehen wir ein paar Leute, aber weil wir nicht erkennen können, wer es genau ist und nicht schon wieder auf Stefan-dass-das-klar-ist treffen wollen, gehen wir erstmal zur Tanke. Da kommen plötzlich der Boxer, Turek und ein anderer, den wir nicht kennen, und wollen was mit uns gemeinsam machen. Sie sagen, wir sollten mit zur Kirche kommen, da wären viele coole Leute. Wir gehen also mit und hätten uns eigentlich denken können, dass die "coolen Leute" sich als eine Massenansammlung Glatzen herausstellt. Die, die wir kennen sind: der Boxer, Bernhard und sein Kumpel, der J. von Stör*kraft, Stefan-dass-das-klar-ist und sein Mitbewohner, Mig und sein Freund, Turek, Öttes, die Reenie-Freundinnen vom Schrank (Nicky, Nico und Nina oder so), Jana, Illy und ihre Kumpelinen, Rob und Zett. Wir verdrücken uns, bevor Zett oder Stefan-dass-das-klar-ist auf uns aufmerksam werden.
Mig und Turek kommen mit und wir schleppen sie zu der Kneipe, in die wir vorher schon wollten, bevor sie uns an diesen Treffpunkt geschleppt hatten. Irgendwann hauen Mig und Turek nacheinander ab - Turek ohne zu bezahlen und um 24 Uhr fahren wir nach Hause. Dann rufen wir noch Anja aus unserer Schule an, die ja nun Geburtstag hat.
