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    Dienstag, 13. Mai 2008
    Bahnimpressionen

    Ganz viele junge Menschen mit normalen Haaren und irgendwo drin zwei bunt gefärbten Strähnen, so dass man sich fragt: warum?

    Die Frau mit dem Kalenderzwang (gibt es dafür einen Fachbegriff?). Nacheinander zückt sie Organizer, Taschenkalender, Kladdenkalender und zu guter letzt ein Hausaufgabenheft, in dem sie eine To-Do-Liste führt. Die Zeit für das Aktualisieren ganzen Listen wäre vielleicht besser in das "to do" investiert gewesen. Aber jeder wie er meint.

    Die niedlichen kleinen Kinder, die fast jeden Tag mitfahren und in die KiTa gegenüber vom Rapunzelturm gehen. Mit den lustigen speckigen Beinchen, die in einem 90-Grad-Winkel zum Oberkörper auf den Sitzen liegen.

    Geruch nach Sommer - Sonne auf Haut. (Tatäsächlich wohl eher Sonnencreme und Schweiß, aber das Gehirn mit seinen Verknüpfungen... man weiß ja...)

    Und, sehr irritierend, immer dieser Arm vor meiner Nase.

    Samstag, 10. Mai 2008
    ohne Worte

    "Aber da trinkt ihr nicht wirklich Bier, oder?", fragt die Kindergartenmutter mich mit großen Augen, als ich ihr von meiner geplanten Muttertagstour erzähle.
    "Ähm. Ja. Doch. Das ist doch der Sinn dabei...", sage ich verwundert und erhalte als Antwort ein noch erstaunteres: "Du siehst gar nicht so aus!".

    ...

    Freitag, 9. Mai 2008
    Glücksgefühl

    Es relativiert sich dann auch vieles, wenn man beschwingt vom Balkon in die Wohnung steigt und, halb draußen, halb drinnen, mit der einen Fußsohle auf dem frisch gefegten und sonnig-warmen Parkett ins Rutschen gerät. Ein Viertel Salto rückwärts, die Hände versuchen vergeblich, Halt an der Glasscheibe zu finden, in einem Sekundenbruchteil werden instinktiv alle Muskeln angespannt, dann nur noch Adrenalinrauschen.

    Der Rücken über der Stufe nach draußen, der Hinterkopf knapp neben der Stuhlkante glatt auf die Fliesen geschlagen. Zehenwackeln und "äh..." denken. Nichts passiert. Über Konjunktive mag man nicht nachdenken.

    Donnerstag, 8. Mai 2008

    "Kleine Belustigung" nennt er das, aber tatsächlich handelt es sich selbstverständlich um den Ernst des Lebens.

    Also mal Klartext: Am 6. Juni beginnt die WM. Wer macht mit bei der Tipprunde??

    Mittwoch, 7. Mai 2008
    Planlos

    Kollegin: "Soll ich uns für Montag einen Termin machen?"
    Frau N: "Naja, ich könnte, aber Du hast doch nächste Woche Urlaub."

    Rufe aus dem Hintergrund: "Hallo... Montag ist Feiertag..."

    In den Sand gesetzt

    Von der Straße abgekommen, wie auch immer, warum auch immer, wo auch immer - im Nachhinein lässt sich das nicht so genau sagen, das geht dann ja auch immer viel zu schnell und den Moment, in dem die Kontrolle entgleitet, verwischt schon mit den folgenden Ereignissen.

    Dann steckt der Karren im Dreck, richtig tief bis über die Achsen, und das Zischen und Knistern beginnt, das Radio zu übertönen, das einfach noch weiterplärrt.

    Und ich am Steuer, den Gurt zu lösen hab ich gerade noch geschafft, aber die Anstrengung, auszusteigen ist übermenschlich. Das Ding steckt im Sand, was soll ich denn da noch machen. Früher einmal hätte ich mit den Händen den Dreck weggekratzt, auf Teufel komm raus, an dem Ding gerüttelt und gezerrt und gezogen, vergeblich vermutlich, aber kampflos wird hier nichts aufgegeben.

    Jetzt lege ich nur den Kopf aufs Lenkrad. Ich bin so müde. Soll das Ding doch mit mir in die Luft fliegen.


    Im Büro wurde Blümia wieder durch Kleenex ersetzt. Gab vermutlich zu viele Beschwerden. In bestimmten Situationen passt "Gib mir mal eben ein Blümia" tatsächlich nicht.

    Geheult werden kann dann auch wieder mit Stil.

    Dienstag, 6. Mai 2008

    Dieser eine nervige Kollege, der sich ständig im Ton vergreift und fortwährend im Rumpelstilzchenmodus unüberlegte Befehle kläfft, scheint jeden Tag ein Stück kleiner und schmächtiger, dafür umso behaarter auf Kopf und Armen zu werden. Bald wird nur noch der übrgroße lederne Schreibtischstuhl übrig sein, auf dessen Sitzfläche man bei näherer Betrachtung einen daumennagelgroßen, felligen Wicht zeternd auf und ab hüpften sieht.

    Sonntag, 4. Mai 2008
    Erdnussbutter

    Ich habe gern Erdnussbutter im Kühlschrank. Allerdings esse ich gar keine Erdnussbutter - nur wirklich außerordentlich selten, alle paar Jahre mal, und dann auf ungetoastetem Toast mit Erdnussflips oder Chips und Zucker. So wie Allison.

    Dementsprechend kaufe ich so gut wie nie Erdnussbutter ein. Vorgestern aber. Und jetzt freue ich mich darüber, dass sie da ist. Und dass sie heute morgen aufmerksamerweise auf den Frühstückstisch gestellt wurde. Auch, wenn ich sie nicht gegessen habe.

    Freitag, 2. Mai 2008
    Hier teste ich was

    Tri tra trullalla
    Test Test
    1-2-3
    Lalalala

    Hm hmhm hm hmmmm

    Freitag, 2. Mai 2008
    Reste

    So wie Strippenziehen. Mit anderen wie mit Fäden verbunden, jeder mit einer Rolle über dem Arm, und manchmal wird ganz viel abgespult und man wandert nach da und dort, und manchmal ist der Faden ganz kurz. Das merkwürdige Gefühl, wenn man eigentlich gerade nah dran sein wollte, und dabei merkt, wie das Gegenüber sich entfernt. Wie man manchmal versucht, ganz unauffällig stückweise näherzurutschen. Wie man manchmal die Fäden einfach laufen lässt und sich, nach einem kurzen Blinzeln, plötzlich nebeneinander wiederfindet.

    Die Verwunderung, dass mir so viele Vertraulichkeiten begegnen dort, wo ich mich noch gar nicht so nah fühle. Die Unsicherheit im Umgang damit.

    Wenn ich einsam und nur etwas älter wäre, würde ich vermutlich jetzt beim Dönermann um die Ecke an der Theke sitzen und ihn über das Leben vollschwallern.

    Konzept kreiert: "Selbstbewusstseinserhaltende Maßnahmen".

    Diese kleinen Kinderjoghurts schmecken gefroren tatsächlich gut (Resteverwertung da Kind keinen 6er-Pack innerhalb der vorgesehenen Verzehrfrist schafft).

    Vorwurf: Über etwas lästern, auf das man sich nie wirklich eingelassen hat, ist ein bisschen zu einfach.


    Und dann sehe ich dann aus dem großen Küchenfenster die Wolken die am Abend über den Hausdächern aufziehen, dunkel und bauschig und an den Rändern ausgefranst, wie manchmal im Sommer, wenn sie sich abends über die gleißende Hitze schieben und weichen, kühlen, Nachtregen tragen, Linderung bringen, das Brennen nehmen, abmildern, einen Schleier legen und die scharfen Konturen glätten.


    Gestern endlich das lang ersehnte Knacken im Hals - und nach fast drei Wochen schmerzfrei.


    Letztens nachts ein Stück des Weges spazierend nach Hause gegangen. Statt Horizont oder Nachthimmel da oben Bürotürme. Gleichzeitig Faszination angesichts dieser Menge an kaltem Glas und Stahl und Licht und Abscheu vor der Atmosphäre, die sie umgibt, die sich am besten mit der Klimaanlagenluft vergleichen lässt: künstlich, aufgewirbelt, vertrocknet.

    Dienstag, 29. April 2008

    In der Schreibwerkstatt darf wieder abgestimmt werden.

    November seit 7222 Tagen

    Letzter Regen: 09. November 2025, 08:08 Uhr