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    Montag, 7. Januar 2008
    Zufall

    Schon komisch, wenn in meinen beiden Bürokalendern, die völlig unterschiedliche Themen bedienen und von denen auch nur einer deutschsprachig ist, am selben Tag (der keinen irgendwie gearteten Meilenstein seiner Biographie darstellt) ein Mann in verschiedenen Zusammenhängen zitiert wird, der auch noch nichts wesentliches anderes getan hat, als ein Tagebuch zu schreiben - das auch lediglich von kulturhistorischem Interesse ist.

    January 1st 1662
    Waking this morning out of my sleep on a sudden, I did with my elbow hit my wife a great blow over her face and nose, which waked her with pain - at which I was sorry. And to sleep again.

    (Samuel Pepys, Diary)

    Sonntag, 6. Januar 2008
    Attention Attention

    Frau D is in da house. Wenns hier demnächst anders aussieht, ist sie "Schuld".

    Freitag, 4. Januar 2008
    Sekundenbruchteile

    Nach einem Tag, der morgens um Viertel nach 6 begann und für inhaltlich zwei bis drei Personen locker ausgereicht hätte, war ich um Mitternacht kurz davor, nach einer 10-minütigen Einbeinlandung irgendwann zwischendrin, endlich wieder nach Hause zu kommen.

    Geschätzt waren es noch 300 Meter Luftlinie, ich stand im Regionalexpress in Nähe der Tür und neben mir ein jüngerer Herr aus irgendwo Richtung Fernost. Gemeinsam rollten wir mit den Augen bei Betrachtung des Dritten im Bunde, eine langen, schlacksigen kaukasischen Gestalt mittleren Alters, die offenbar einen netten Abend gehabt hatte und durch ihr Schwanken den gesamten vorderen Türraum einnahm. Vorher hatte dieser Mann noch für sympathische Unterhaltung gesorgt, als nämlich der Zugbegleiter vorbeistürmte und uns "Gab es da gerade eine Ansage??" zurief und er, der Schwankende, mit "Neeee, ich mach heute lieber keine Ansage mehr" antwortete. Ein perfekter Nonsens-Dialog entspann sich (der noch schöner war als der, den ich am Morgen mit einer älteren Dame bei der Post, bzw. vor der Post, führte, die mir erst nach vielen Worten gestattete, ihr auf der Treppe mit dem Laufwagen behilflich zu sein, obwohl ich kein Mann bin) und der Zugbegleiter konkretisierte: "Ich meine doch eine Zugansage" und der Schwankende konkretisierte ebenfalls "Ach kommense, das interessiert doch hier im Zug keinen, ich halt lieber den Mund, und in meinem Zustand erst..." Recht so, obwohl ich bei all dieser Einsicht beinah schon gespannt gewesen wäre, mehr zu erfahren.

    Jedenfalls hielt der Zug am Bahnhof und Schwankende nahm den grünen Türöffnungsknopf ins Visier, stach immer wieder mit seinem dünnen krummen Zeigefinger vorbei. Der Fernöstliche und ich praktizierten noch eine Runde gemeinschaftliches Augenrollen bis ich schließlich den anderen grünen Knopf an der Seite betätigte und der Schwankende mit einem zufriedenen "Hab ich Dich!" Richtung seines Knopfes aus der Bahn taumelte. Wir ließen ihm einen Sicherheitsabstand und er steuerte auf die Treppe zu, verlor jedoch kurzzeitig das Gleichgewicht und stützte sich am Zug ab. Der Zug fuhr an und der Schwankende stürzte in den Mind-the-Gap!-Spalt.

    Nun kann man ja sagen, was man will, aber meine mir durch konsequentes Giga-Tasking anhaftende zeitweise Ungeschicklichkeit hat im Laufe der Jahre hervorragende Reflexe hervorgebracht. Ich bin die Frau, die mal auf einer Silvesterparty ein randvolles LIIT-Glas mit dem Rucksack vom Tisch fegte und dieses vor Aufprall auf dem Fußboden wieder auffing, ohne einen einzigen Tropfen zu verschütten. Und es war deutlich nach Mitternacht und nicht das erste LIIT-Glas und keine Happy-Hour-Variante. So gelang es mir auch, den Mann noch am Arm zu erwischen und der (vermutlich irgendwie extrem kampfsportgeschulte) Fernöstliche half tapfer mit. Der Zug hielt wieder an, den Mann hatten wir äußerlich unversehrt auf den Bahnsteig gezerrt, nur leider war er nicht mehr bei Bewusstsein und schien auch auf den ersten Blick nicht zu atmen.

    Während ich mich noch gedanklich in mein ja gar nicht so lang zurückliegendes Ersthelfertraining vertiefte, begann der Fernöstliche bereits mit "Maßnahmen" und der Zugbeleiter telefonierte. Fast unmittelbar waren Polizei und Rettungsdienst da und mir war kalt und komisch im Bauch und ich musste unbedingt nach Hause. Ein Polizist wollte noch so einiges wissen, aber da mir nichts, was ich sagen konnte, als unmittelbar dringlich für den Gesundheitszustand des Mannes erschien, gab ich ihm meine Kontaktdaten für Fragen ein andermal.

    Keine Antworten am Ende eines solchen Tages kurz nach Mitternacht nach Sekundenbruchteilen, die dem Gehirn sämtliches Wasser für den bald folgenden Gedankentsunami abziehen.

    Mittwoch, 2. Januar 2008

    Search request: ich schlafe immer mit einer Strumpfhose an

    Also ich nicht. Und ich finde das auch nicht schön. Weder tatsächlich noch stilistisch.

    Sport

    Es ist noch immer so, dass mir jedes Mal beim Sport ein lustiges Ereignis über den Weg läuft. Vielleicht gehe ich deshalb so - für mich - ausdauernd dort hin. Vorletztes Mal, vor Silvester, geschah rein gar nichts, aber als ich dann unter der Dusche stand, fiel mir etwas auf die Nase. Es war grün und als ich es brillen- und kontaktlinsenlos mit zusammengekniffenen Augen untersuchte, sah es sehr nach einem frischen Basilikumblatt aus. Der Geschmackstest bestätigte diese Vermutung und während ich es mit zufriedenen Gedanken an Caprese zerkaute, überlegte ich, wie es wohl dorthin gekommen sei. Ergebnislos.

    Beim letzten Mal, an Neujahr, kam ich dann gleich mit etwas auf dem Kopf dort an. "Sie haben noch Konfetti in den Haaren", teilte man mir beim einchecken grinsend mit. Ich musste auch grinsen. In der Umkleidekabine traf ich dann - zum Glück aber erst auf dem Rückweg - die "Stöhnerin". Ihr bin ich schon ein paar mal begegnet, immer in der Umkleide, immer kam sie, wenn ich ging. Und stöhnte beim Umziehen, als sei dies Schwerstarbeit. Besonders beim Herunterbeugen für die Schuhe und Socken. Aber auch beim Hose hochziehen und beim Sportshirt runterziehen. Es ist nicht so, dass die Stöhnerin wahnsinnig viel Körpergewicht zu stemmen hätte, jedenfalls nicht annähernd so viel, dass es dieses Gestöhne bei Alltagsverrichtungen rechtfertigen würde. Sie ist eher zierlich. Vielleicht sind ja mangelnde Muskeln das Problem. Oder die antizipative Anstrengung bei der sportlichen Tätigkeit. Ich weiß nicht, wie es sich dann beim tatsächlichen Training mit dem Stöhnen verhält und möchte es einerseits auch gar nicht so genau wissen (es ist beim Umziehen schon lästig genug. Andererseits bin ich natürlich furchbar neugierig und kann es kaum erwarten, sie einmal zu einem anderen Zeitpunkt zu erwischen.

    Dienstag, 1. Januar 2008

    Huh. 2008.

    Freitag, 28. Dezember 2007
    Alles eine Phase

    Nichts mehr zu sagen gegen Jahresende.

    Sonntag, 23. Dezember 2007
    Zum Fürchten

    Auf der dunklen Autobahn drang er ganz nach innen durch, dieser Gedanke, dass das Leben eines der absurdesten Dinge an sich ist. Angefangen von diesem Zusammentreffen von ein bisschen Gubber, aus dem Leben entsteht, über das Wunderding Organismus (wie viele lasen jetzt hier Orgasmus, bitte?) mitsamt diesem undurchschauberen und unerklärlichen Gehirn.

    Diese Anmaßung, das menschliche Leben, diesen skurrilen Zufall, in irgendeiner Weise für bedeutsam zu halten. Kalte sternklare Nacht in einer Welt, für die die Menschheit an sich doch ein Witz ist, und die Erkenntnis ging so tief, dass ich hätte weinen können, wenn ich mich nicht so nichtig und irrelevant gewusst hätte, dass dies ganz irrsinnige und unangebrachte Dramatik wäre.

    Was ist das denn schon, mein Leben. Die Absurdität von Bemühungen wie Arbeit, Schuhe putzen oder moralischen Überlegungen. Geradezu himmelschreiend. Ein Gefühl bis ins Mark von wahnsinniger Angst und wahnsinniger Freiheit zugleich.

    Alles schnell verdrängt.

    Samstag, 22. Dezember 2007

    Übrigens habe ich heute Kafkas Tagebücher wieder gefunden. Ich meine keine große literarische Entdeckung, sondern meine eigene alte dtv-Ausgabe, die mir vor ca. 8 Jahren nach einer Geburtstagsfeier bei mir zu Hause, auf der zu späterer Stunde daraus gelesen wurde, abhanden kam und über deren Verschwinden ich immer wieder rätselte, denn - wer klaut schon Kafkas Tagebücher??

    Ich fand sie bei meiner seriösesten Freundin im Bücherregal und habe gleich am Buchrücken erkannt, dass es meine Ausgabe ist, sein muss, jedenfalls nicht ihre, denn sie behandelt ihre Bücher - im Gegensatz zu mir - sehr pfleglich. Dieses Buch stach hervor, ich nahm es aus dem Regal und öffnete es, darin stand mit schwarzter Tinte in meiner Handschrift oben links 9/91 und mit Bleistift ein paar Seitenzahlen.

    Auf den genannten Seiten entdeckte ich nichts, was ich heute noch für bemerkenswert halte. Also stellte ich das Buch kommentarlos zurück ins Regal und lieh mir statt dessen die Autobiographie von Stephen Fry aus.

    Das Dorf

    Heute morgen klingelte meine Schwester mich sozusagen aus der Dusche, weil ihr Auto nicht ansprang und sie einen dringenden Termin hatte. Die Klamotten, die ich hektisch vom Stapel griff, erschienen im ersten Moment nicht allzu anschiebtauglich, erwiesen sich aber als äußerst hilfreich in dem Bemühen, kräftige junge Männer zum mitreisen mitschieben zu bewegen.

    Wir hatten das Auto kaum aus der Parklücke bugsiert, als Papa herbeilief. Er hatte beim Einkaufen im nahegelegenen Supermarkt gehört, dass seine Töchter "ein Problemchen" haben. Wenig später brachte eine ältere Dame meinen (kaum deutsch sprechenden) Schwager herbei, der auch irgendwo spazierend unterwegs war und von dem die Bevölkerung offensichtlich meinte, er würde gebraucht. Der arme Mann wusste wohl kaum wie ihm geschah, konnte man ihm dies doch auch sprachlich nicht oder nur unzureichend vermitteln. Die gleichzeitig vorbeischlendernde Polizeistreife erwies sich als mein Grundschulklassenkamerad, mit dem ich damals so gut wie verheiratet war, dann kam noch der Lastwagenfahrer vom Wochenmarkt vorbei und letztendlich gab es nicht mehr genügend Stellen am Auto damit alle mithelfen konnten. Es fuhr dann aber auch, Papa rief "ich fahr nur mal eben um den Block und komme dann wieder" und wir übrigen blieben in der Kälte zurück. Vor lauter Schwatzen bemerkten wir nicht, wie die Zeit verging, aber dann wurde es doch kühl, so dass wir uns zu fragen begannen, wie weit "um den Block" wohl sei. Bevor wir suchend ausschwärmen konnten klingelte aber auch schon mein Handy, es war meine Mutter, der unsere Nachbarin mitgeteilt habe, sie hätte in der Post gehört dass mein Vater mit dem Auto in der magischen Straße mit K (Frau Diagonale kennt die) liegen geblieben sei, weil jemand einfach so ausgeparkt habe, und er würde sich nicht vom Fleck bewegen, weil es eine Auseinandersetzung gab und der Ausparker nun den Wagen fremdstarten müsse, es sei aber kein Überbrückungskabel vorhanden, wir sollten also alle, möglichst mit einem Kabel, in die K-Straße kommen. Wir zogen los, dachten noch über das Kabel nach als ein kleiner Junge um die Ecke bog und uns das Kabel "vom G. aus dem Blumenladen" in die Hand drückte. Prima. Papa und der Ausparker-Beifahrer hatten sich mittlerweile einen Frühshoppen aus der nahegelegenen Kneipe organisiert, die Auseinandersetzung war damit beendet.

    Kurz darauf fuhr der Wagen also, alle gingen weg und ich machte mich auf den Weg zu meiner Freundin, reichlich verspätet. Ich musste aber gar nichts erklären, sie wusste schon Bescheid, war doch ihr Mann kurz vorher in der Bäckerei gewesen um Kuchen fürs zweite Frühstück zu besorgen und hatte dort gehört, aus welchen guten Gründen meine Ankunft sich verzögern würde.

    Eine Großstadt kann sehr wohl auch ein Dorf sein. Man muss nur lang genug dort wohnen. Ich bin in solchen Situationen ganz hin- und hergerissen. Einerseits ist es ein wunderbares Gefühl von Gemeinschaft und Heimat. Andererseits werden mir die Gründe, warum ich einfach mal wo ganz anders hingezogen bin, in solchen Momenten überdeutlich.

    Freitag, 21. Dezember 2007
    Tagwerk

    Morgen kommt der Weihnachtsmann oder so

    Montag, 17. Dezember 2007
    Das hier ist jetzt mal Twitter.

    Festgestellt, dass Blackberrynutzung extrem daumenlastig ist, daher momentan quasi ausgeschlossen.

    Schon 3x wem geschrieben, dass ich erstmal Kaffee brauche, dann bemerkt: Kaffee steht schon hier.

    Was beweist, dass es einen Zeitpunkt für alles gibt, der der für Kaffee holen ist nach PC anmachen, sonst hilfts nicht.

    @violinista es lag am Telefon und nicht an mir, ist aber jetzt wieder ok, was aber nichts nützt, weil ich nicht da bin.

    Mail vom Chef bekommen. Keine Ahnung, wovon er spricht. Noch nichtmals ansatzweise. Glaube fast, die sollte nicht an mich gehen.

    Immer noch eiskalte Hände und eigentlich alles.

    Dazu die neuen Daumenverletzungen, schlimmer Handgelenkmuskelkater und Abschürfungen von den Eishockeystiefeln.

    Bin ein Wrack.

    Ist nach über einem Jahr langsam an der Zeit, dass ich mir meine Handynummer merke.

    Esse ein Bonbon mit Mikrogranulaten und einzigartiger Oberflächenstruktur.

    Hier im Büro hört jemand "Last Christmas" und es schallt bis zu mir.

    November seit 7223 Tagen

    Letzter Regen: 09. November 2025, 08:08 Uhr