[langen, uninteressanten Text gelöscht]
Ja, den gab es doch noch, auch wenn ich ihn heute im Morgengrauen beinahe schon gestrichen hätte. Hätte ich ihn missen wollen? Nein.
Ein rundum angenehmer Tag, genau die richtige Mischung aus was gemacht und nichts gemacht, und alles so irgendwie easy-chilling und im Fluss.
An so einem Tag erscheint alles einfach. So ein Tag ist prädestiniert dazu, Dich am Abend auf die Nase fallen zu lassen. Achja, stimmt. Ich hatte nur kurz das warten vergessen. Ja aber und war doch und weißt doch. Ja, ich weiß. Shake hands und alles.
Weiter nichts. Außer, mich verwundert in mir umzuschauen. Wie empfindlich ich geworden bin.
...fanden wohl auch statt. Verliefen aber - ja, ein Adverb muss da gar nicht her, sie verliefen einfach. Wie unter einem ständigen Novemberregenguss, verlaufene Tinte, verlaufene Kreide, fortgespült, weg. Manches ist dann doch einfach nicht so wichtig.
Überhaupt, wichtig. Ein bisschen komsich ist es ja auch, sich ca. eine Woche lang völlig in eine Sache reinzuhängen, inklusive Überzeugungsarbeit und das Zuschwallen einer Vielzahl von Partygästen - dieselbe Sache dann ein paar Tage später mit einem nonchalanten Schulterzucken eher Richtung "ein andermal, aber auch nur vielleicht" auf den Aktenstapel zu packen. Es ist halt so, beim Schreiben, finde ich: sobald ich weiß, was ich mache, wird es mir langweilig. Texte die ich schon kenne, muss ich nicht mehr aufschreiben. Wo ist da der Spaß.
Eine andere Sache, die immer mal wieder die Richtung wechselt, ist doppelgesichtig wie Janus. Auf der einen Seite wunderschön und auf der anderen eine hässliche Fratze. Wenn sich der Wechsel beider Gesichter dann als gewisse Regelmäßigkeit einrichtet - und Wahrnehmung lässt sich leider doch nicht immer wie gewünscht steuern - dann steht unter der Bilanz eine Null. Bleibt die Frage, wie das zu bewerten ist.
Ob es eigentlich in Ordnung ist, kurz vor Mitte November (also, ich meine morgen) die Weihnachtsdekoration auszupacken? Immerhin ist ja fast Advent, und dieses ist das letzte freie Wochenende, das ich vor Weihnachten habe.
Ja, was noch. Das dumme an Texten, die man nicht vor dem Schreiben schon im Kopf hat ist, dass sie dann manchmal recht unvermittelt enden. So:
Der Gemüsemann brachte mir einen Herbstgouda mit Rosmarin, und der heißt Tom. Mir ist nun unwohl, Tom zu verspeisen. Das ist mir irgendwie zu vertraut, mit dem Namen und so.
Ich mag es auch nicht, wenn sich mir im Restaurant der Kellner vorstellt. "Hiiiiiiii, my name's Rick and I am your waiter tonight." Ja prima. Das ist mir viel zu persönlich. Wenn ich dann finde, der Rick macht einen Scheißjob, muss ich ihm das dann konstruktiv erkären? Weil ich ihn ja halt kenne? Oder wenn der Rick in der Küche umfällt, was dann? Ist dann niemand anders für mich zuständig? Oder hat in einem solchen Moment dann noch jemand die Muße, sich mir ebenfalls namentlich als Ersatzkellner vorzustellen? Ich denke nicht. Wobei das vielleicht darauf ankommt, wie beliebt der Rick war.
Bei manchen Dingen ist persönliches Kennen natürlich alles. Aber da wähle ich dann doch lieber selbst aus. Beim Kontrolltraining im Fitness-Studio z.B. hatte ich mir speziell einen Termin bei der Frau A. erbeten. Ich bin da ja nun schon einige Zeit und was soll man beim Training anderes tun, als die Umgebung zu beobachten. So kam ich darauf, dass die Frau A. die einzige ist, die meinen Kontrollansprüchen genügt. Den anderen drei Herren und der anderen Dame, die sich bemühen wollten, hätte ich natürlich genau sagen können, warum ich auf Ihre Kontrolle gerne verzichte und lieber bis Frau A. genesen ist unkontrolliert weitertrainiere. Da ich sie aber ja nicht namentlich kannte, sah ich mich nicht dazu genötigt.
Kennenlernen ist für mich kein Problem. Schließlch kann man Leute ja einfach ansprechen. Unlängst sprach ich in demselben Fitness-Studio eine Frau an, ob sie Lust hätte, mit mir Kaffee zu trinken. Weil sie nämlich so aussah, als hätte ich Lust, mit ihr Kaffee zu trinken. Da kann man ja mal fragen. Die Frau antwortete: "Sorry, ich bin nicht lesbisch." Gut, das war nun schonmal eine Information mehr als ich in diesem Erstgespräch erwartet hatte, aber was soll's. "Homosexualität ist keine zwingende Voraussetzung für Kaffeegenuss", lag mir auf der Zunge, aber ich schluckte das erst einmal herunter und sagte einfach nur "na ich auch nicht" (auch wenn das schonmal eine Information mehr war, als ich erwartet hätte in diesem Erstgespräch zu offenbaren, aber was soll's). Die Frau ließ dann länger Erklärungen und Erläuterungen mit viel Lachen auf mich regnen und entschied sich, dass sie nun doch mit mir Kaffee trinken gehen möchte. Ähm. Jetzt wollte ich aber nicht mehr, das war mir nämlich alles zu kompliziert, weil, wissen Sie, wenn es schon so anfängt, dass man einem Kaffee derart in Beziehungsgefilde vorauseilt, wer soll da noch mit Milch und Zucker hinterherkommen wenn es mal erst um richtig interessante Themen geht. Ich sagte desgleichen und die Frau hatte dann auch keine Lust mehr, mit mir Kaffee zu trinken. Soweit, so gut. Immerhin konnte ich "heute mit einer fremden Person sprechen" auf meiner To-Do-Liste abhaken. Nicht, dass das da gestanden hätte.
Ja. Ich mag es also ganz gerne mal anonym. Außer, ich suche es mir selbst anders aus. Statt Tom aß ich also ein Bananenbrot, aber die Banane war noch nicht reif. Also flog sie wieder runter, ich seufzte tief und beschloss, doch eine Namensbekanntschaft zu verspeisen. Nahm Tom zur Hand und sah, dass ich mich verlesen hatte. "Tom." stand da. Genau gesagt "Tom.-Rosmarin". Achje...
Erst ein Tag seit gestern rum? Sehr merkwürdig. Das kam mir jetzt deutlich mehr vor.
Heute hat mich der Novemberregen erwischt. Er strömte herunter, als ich das wegdämmernde Kind vom Kindergarten nach Hause schob. Ich war, gelinde gesagt, unvorbereitet. Sehr, sehr selten werde ich nassgeregnet, aber das Gefühl war trotzdem vertraut. Wie erst einzelne Tropfen auf das Gesicht fallen, dann prasseln, dann keine Tropfen sondern ein Nässefilm spürbar ist. Wie die Jeans erst an den Oberschenkeln zu haften beginnt, dann der Saum das Wasser von der Straße aufsaugt, schwer wird, bei jedem Schritt auf die Schuhe klatscht und die Hose straff nach unten zieht. Wie das Wasser zuerst an den Zehen durch die Turnschuhe dringt, dann an den Außenseiten. Als der Regen dann durch die Haare die Kopfhaut erreichte und in kleinen Rinnsalen über meine Schläfen lief, leckte ich mir ein paar Tropfen aus dem Mundwinkel und dachte, dass er früher irgendwie süßlicher schmeckte.
Morgenappell
Schichtführer: Na los, na los - wo seid ihr denn alle, ich sehe hier höchstens 30% Lebensgeister, bitte mal alle Abteilungsleiter zu mir, wir müssen den Menschen in Gang setzen!
Abt. Auge: Also bei mir sind noch ein paar dran, die Lider hochzustemmen. Die halten noch nicht von allein.
Abt. Fuß: Ich hab da unten auch noch einige, an der rechten Seite, die stützen müssen.
Schichtführer: Aber der Unfall war doch schon vor Wochen, was gibt es denn da noch zu machen??
Abt. Fuß: Na das ist halt noch instabil.
Schichtführer: Achso, der Mensch trägt den Verband nicht wegen der schicken Schuhe, verstehe...
Abt. Fuß: Ja - muss er aber auch nicht, der Arzt sagte, er kann den tragen, nicht dass er muss...
Schichtführer: Erpar' mir die Spitzfindigkeiten - da kannste Dich auch gleich zum Kopf versetzen lassen.
Abt. Magen: Also meine müssten gleich kommen, bei uns ist alles im Lot, die sind nur noch müde von den Sonderschichten gestern.
Abt. Rücken: Wir wärmen nur noch ein wenig an, wegen der langen Zeit im Bett heute nacht, der Mensch ist das nicht so gewohnt und krampft ein bisschen. Sind gleich alle da.
Abt. Gyn: Bei uns... (bricht ab als völlig außer Atem der Abteilungsleiter HNO hereinstolpert)
Abt. HNO: Bei uns - (keuchen) bei uns (keuchen) - Desaster. Weg durch die Nase völlig zu. Die kommen nicht durch. Da ist nix zu machen. Ohren ebenso.
Schichtführer: Ja können die nicht durch den Hals??
Abt. HNO: Hals ist gesperrt, da geht gar nix durch außer Luft und Wasser. Das wird heute nix mehr. Alles dicht. Ich sag Ihnen was: das kommt nicht aus heiterem Himmel! Der Mensch muss mal grundsaniert werden. Da bricht sonst immer wieder hier und da was durch. Das ganze System muss mal ruhig gestellt werden. Und damit meine ich nicht nur für einen Nachmittag. Ein paar Tage am Stück!
Schichtführer: Träum weiter. Das machen die da oben nicht mit. Für die ist sowas Zeitverschwendung. Und wir machen hier, was die da oben sagen.
Abt. HNO: Ja aber das ist doch superkurzsichtig gedacht!
Schichtführer: Bass uff, ich sag's Dir im guten - plärr Deine Meinung mal nicht so raus, das kommt oben nicht gut an. Sonst geht's Dir wie der Abt. Gewissen - die haben sie komplett dicht gemacht, outgescourct an diese Verdrängungsfritzen. Und die anderen geistigen Abteilungen haben es auch gerade nicht leicht.
(geschocktes Gemurmel im Raum) - waaas, Gewissen? die sind gar nicht mehr da?? ja isses denn... wer ist wohl als nächstes...
Schichtführer: Ja, so ist das, und ihr habt es noch nichtmals gemerkt, also machen die Verdrängungsfritzen wohl einen guten Job! Und so wird es euch auch gehen, wenn ihr nicht aufpasst. Wir sollen hier den Menschen in Gang halten, nicht mehr und nicht weniger.
Abt. HNO: Aber trotzdem, langfristig...
Schichtführer: Jetzt geh Du erstmal duschen. Du bist ja voller Rotz. Und der Rest der Mannschaft - wie viele sind wir jetzt? 70%? Das reicht. Los, setzt den Menschen in Gang. Auf drei. 1- 2-
(...)
Und da verstummten die Stimmen in meinem Kopf und ich war im Tagesgeschehen angekommen.
Schlafen, sonst nichts.
Bisher alles nichtmals halb so schlimm wie befürchtet. Merkwürdig, aber ich will nicht klagen. Warte noch auf den Haken an der Sache. Viel Zeit hat er nicht mehr, sich zu offenbaren. Gehe gleich viel Bier trinken und werde bis morgen früh um 11 nicht in der geistigen Verfassung sein, Haken wahrzunehmen. Abreise gegen 2. Ich werde nicht fahren.
Der Erkältungszustand bewegt sich für einen Menschen wie mich, der nie krank wird, am Rande des Absurden. Die Apothekerin sagte, ich sollte nicht so einen tiefen Ausschnitt tragen. Selber trug sie einen sehr hochgeschlossenen weißen Kittel, kein Grund zum Neid, es gibt bestimmt viele Leute, die weiße Kittel in ihre Phantasien einbauen. Werde jedenfalls ab gleich auch nicht mehr in der geistigen Verfassung sein, Erkältungszustände wahrnzunehmen, so what.
Current wordcount 3902 - noch 1098 im Minus aber ich hab gut aufgeholt. Heute eine erstmalige Sinnerfahrung bei dem ganzen (nicht übel am 2. Tag, oder?). Man hat da manchmal so Szenen, bei denen man sich denkt, uiiiii, die ist aber wichtig und bedeutsam, da sollte ich mir Mühe mit der Formulierung geben. Das ist ein klassischer Punkt, ab dem ein Text für immer ungeschrieben bleibt. Das passiert hier nicht, weil man sich denkt, uiiii, die ist jetzt zwar wichtig und bedeutsam, aber die Uhr tickt und ich hab jetzt leider keine Zeit, mich damit aufzuhalten, also weiter im Text (sic) und keine Rücksicht auf Verluste. Sinnvoller wäre das ganze noch, wenn man der Welt tatsächlich etwas mitzuteilen hätte. Aber man kann nicht alles haben. Man kann auch einfach mal komische Sachen ausprobieren und dabei kleine nur halb-sinnvolle Erkenntnisse haben.
Jetzt aber los zum Bier.
Tag: grau wie ich es mag.
Kollegen: alle zum Abschuss freigegeben.
Erkältung: in die Schleimphase gegangen.
Wordcount: 1726.
Stunden bis zum Eintreffen bei den Schwiegereltern: ca. 7
Wenn Sie mich vor dem Irrsinn retten wollen: Mailen Sie mir.
Eine bahnbrechende Erkenntnis gehabt und die richtigen Worte gefunden, in mehreren Zusammenhängen, wenn auch in manchen nicht geäußert. Es reicht manchmal, sie zu kennen, man muss sie dann nicht aussprechen. Es reicht, sie zu kennen, um ein entspanntes Gefühl bei der Sache zu haben.
In anderer Richtung heute gnadenlos versagt, hier macht sich der Schlafmangel bemerkbar, das war schon immer so, das wird auch immer so bleiben. In einer dritten Richtung ist die Frage nach ge- oder misslungen noch offen.
Gute Nachrichten, einige, die wichtigste ist, dass ein Besuch aus einem anderen Leben eintreffen wird, in ein paar Wochen. Erhofft aber nicht erwartet und deshalb umso schöner.
Eine sehr merkwürdige Person in der S-Bahn kennen gelernt.
1600 Worte zu wenig geschrieben. Das wird man morgen beheben müssen.
Weniger gelesen als gewünscht - wird in nächster Zeit schwierig, das zu beheben.
Weiterer Plan:
Akut aufpassen, dass die Augen sich vor Müdigkeit nicht immer überkreuzen.
Über Nacht die Erkältungsansätze in Nase, Ohren, Hals und Bronchien wegschlafen.
Morgen nach den Plänen schauen und ab abends die Nerven nicht verlieren.
November.

