So geht es bei uns ständig zu:
Böse Zungen behaupten, dass Ernie und ich denselben "Backstil" haben...
Angeregt durch ein Bild bei Herrn Mark793 geht mir nun die Regenballade von Ina Seidel nicht mehr aus dem Kopf. Diese wird bei den Novemberregens in allen auch nur annähernd passenden Situationen auszugsweise zitiert. Ha, das gibt eine feine Gutenachtgeschichte für das Kind heute!
Regenballade
Ich kam von meinem Wege ab, weil es so nebeldunstig war.
Der Wald war feuchtkalt wie ein Grab und Finger griffen in mein Haar.
Ein Vogel rief so hoch und hohl, wie wenn ein Kind im Schlummer klagt
und mir war kalt, ich wußte wohl, was man von diesem Walde sagt!
Dann setzt' ich wieder Bein vor Bein und komme so gemach vom Fleck
und quutsch' im letzen Abendschein schwer vorwärts durch Morast und Dreck.
Es nebelte, es nieselte, es roch nach Schlamm, verfault und naß,
es raschelte und rieselte und kroch und sprang im hohen Gras.
Auf einmal, eh ich's mich versehn, bin ich am Strom, im Wasser schier.
Am Rand bleib ich erschrocken stehn, fast netzt die Flut die Sohle mir.
Das Röhricht zieht sich bis zum Tann und wiegt und wogt soweit man blickt
und flüstert böse ab und an, wenn es im feuchten Windhauch nickt.
Das saß ein Kerl! Weiß Gott, mein Herz stand still, als ich ihn sitzen sah!
Ich sah ihn nur von hinterwärts, und er saß klein und ruhig da.
Saß in der Abenddämmerung, die Angelrute ausgestreckt,
als ob ein toter Weidenstrunk den dürren Ast gespenstisch reckt.
"He, Alter!" ruf ich, "beißt es gut?" Und sieh, der Baumstamm dreht sich um
und wackelt mit dem runden Hut und grinst mit spitzen Zähnen stumm.
Und spricht, doch nicht nach Landesart, wie Entenschnattern, schnell und breit,
kommt's aus dem algengrünen Bart: "Wenn's regnet, hab' ich gute Zeit"!
"So scheint es", sag ich und ich schau in seinen Bottich neben ihn.
Da wimmelts blank und silbergrau und müht sich mit zerfetzem Kiem´,
Aale, die Flossen zart wie Flaum, glotzäugig Karpfen. Mittendrin,
ich traue meinen Augen kaum, wälzt eine Natter sich darin!
"Ein selt'nes Fischlein, Alter, traun!" Da springt er froschbehend empor.
"Die Knorpel sind so gut zu kaun" schnattert listig er hervor.
"Gewiß seid ihr zur Nacht mein Gast! Wo wollt ihr heute auch noch hin?
Nur zu, den Bottich angefaßt! Genug ist für uns beide drin!"
Und richtig watschelt er voraus, patsch, patsch am Uferrand entlang.
Und wie im Traume heb ich auf und schleppe hinterdrein den Fang.
Und krieche durch den Weidenhag, der eng den Rasenhang umschmiegt,
wo, tief verborgen selbst am Tag, die schilfgebaute Hütte liegt.
Da drinnen ist nicht Stuhl, nicht Tisch, der Alte sitzt am Boden platt,
es riecht nach Aas und totem Fisch, mir wird vom bloßem Atmen satt.
Er aber greift frisch in den Topf und frißt die Fische kalt und roh,
packt sie beim Schwanz, beißt ab den Kopf und knirscht und schmatzt im Dunkeln froh.
"Ihr eßt ja nicht! Das ist nicht recht!" Die Schwimmhand klatscht mich fett aufs Knie.
"Ihr seid vom trockenen Geschlecht, ich weiß, die Kerle essen nie!
Ihr seid bekümmert? Sprecht doch aus, womit ich Euch erfreuen kann!"
"Ja", klappre ich: "Ich will nach Haus, aus dem verfluchten Schnatermann."
Da hebt der Kerl ein Lachen an, es klang nicht gut, mir wurde kalt.
"Was wißt denn Ihr vom Schnatermann?" "Ja", sag ich stur," so heißt der Wald."
"So heißt der Wald?" Nun geht es los, er grinst mich grün und phosphorn an:
"Du dürrer Narr, was weißt du bloß vom Schnater-Schnater-Schnatermann?!"
Und schnater-schnater, klitsch und klatsch, der Regen peitscht mir ins Gesicht.
Quatsch´ durch den Sumpf, hoch spritzt der Matsch, ein Stiefel fehlt - ich acht es nicht.
Und schnater-schnater um mich her, und Enten- ,Unken-, Froschgetöhn.
Möwengelächter irr und leer und tief ein hohles Windgestöhn...
Des andern Tags saß ich allein, nicht weit vom prasslenden Kamin
und ließ mein schwer gekränkt´ Gebein wohlig von heißem Grog durchziehn.
Wie golden war der Trank, wie klar, wie edel war sein starker Duft!
Ich blickte nach dem Wald - es war noch sehr viel Regen in der Luft...
Ina Seidel (1885-1974)
Am Nachmittag mit den anrückenden Gästen die Häppchen zusammengestellt und alles vorbereitet. Am Spätnachmittag Fieber beim Kind festgestellt. 11kg-Brocken ins Tragetuch gepackt und Feier begonnen. Bei Trivial Pursuit 3 Mal eklatant verloren - nicht ein Tortenstück *kreisch*!! Kind ins Bett verfrachtet und dabei selbst eingeschlafen.
Kurz vor Mitternacht von den ersten Böllern geweckt worden, mit Kind im Arm Feuerwerk angeschaut und mit allen Gästen angestoßen. Kind wieder ins Bett verfrachtet und dabei selbst eingeschlafen.
Im Morgengrauen aufgewacht, die Fragmente einer Küchenparty vorgefunden und noch vier Stunden gefeiert.
Am Neujahrsmorgen Frühstück hingestellt und dann wieder mit dem inzwischen richtig kranken Kind ins Bett. Bis in den Nachmittag geschlafen, mich wie der Gastgeber des Grauens gefühlt und die Augen nochmal zwei Stunden vor dem Nachpartychaos verschlossen. Am frühen Abend den ersten Schritt aus dem Schlafzimmer gewagt, und eine blitzsaubere und aufgeräumte Wohnung vorgefunden. Fast so, als hätte mir jemand das Schild von Frau Schlüsselkind an die Wohnungstür gehängt. Und nicht nur das - auch Zettelchen mit guten Wünschen und ein liebevoll zubereitetes Genesungsmahl fürs Kind inklusive aus Früchten geschnitzten Tierfigürchen waren auch da. Ein paar Tränchen der Rührung verdrückt und gleich wieder eingeschlafen.
Ich wünsche allen ein frohes neues Jahr!
Silvester an einem Sonntag ist doof. Wie soll man sich und die heute schon vorhandenen Gäste disziplinieren, die für morgen erworbenen Leckereien und Alkoholika nicht heute schon zu vernichten? Insbesondere, wenn die Gäste von heute nicht zwangsläufig die Gäste von morgen sind??
Ich halte ja nichts davon, sich über Geschenke zu beschweren, denn geschenkt ist halt geschenkt und wenn man es nicht braucht isses auch egal denn man hat ja schließlich nichts dafür bezahlt. Und ich halte auch nichts davon, über Leute zu lästern, denn es bringt nichts, man sollte ihnen sämtliche Belange lieber direkt mitteilen oder - wenn sich der Aufwand oder der Aufstand nicht lohnt - den Mund halten. Und insbesondere halte ich es für ungeschickt, über die eigenen Eltern oder die des Partners herzuziehen, denn die einen haben einen selbst geprägt und die anderen den, den man liebt, so dass man bei dieser Sache eigentlich nur verlieren kann.
Nun, Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ich bekam zu Weihnachten von einer Person, die ich nicht näher identifizieren möchte, die aber den Herrn Novemberregen, also ihren Sohn, bat, meine Wünsche herauszufinden, was dieser durch die unauffällige Frage "was soll sie dir schenken" tat, woraufhin ich eine kleine Liste an leicht erhältlichen Büchern und anderem überall verfügbaren Schnickschnack zur Auswahl zusammenstellte, - Wünsche zu produzieren fällt mir nicht schwer - einen "Hausanzug" geschenkt. Also es geht um einen Hausanzug.
Ich glaube, es gibt verschiedene Arten von Leuten, nämlich solche, die Kleidungsstücke wie Hausanzüge und Bademäntel benötigen, und solche, die dies nicht tun. Ich gehöre zu letzteren. Wenn ich noch in Schlafkleidung bin und es an der Tür klingelt, werfe ich mir keinen Bademantel über, um zu öffnen, denn ich denke, dass ein Bademantel nicht wirklich kleidsamer ist als ein Pyjama; gleiches gilt übrigens für einen Hausanzug. Ich kann nicht im Hausanzug die Tür öffnen und Störenfriede anblaffen und ich kann nicht im Hausanzug die Tür öffnen und die Müllpolizei Hausmeisterin abfertigen.
Kleidung ist wichtig. Über die Jahre habe ich dabei für mich einige Grundsätze gefunden, die unter anderem beinhalten dass Schlafklamotten sich nicht zu produktiver Tätigkeit eignen und dass man gut aussehen sollte, wenn man Mist baut. Ersteres ist vermutlich subjektiv, zweiteres habe ich ausführlich validiert.
Möglicherweise trifft dieser Hausanzug bei mir auch einen wunden Punkt, das will ich nicht ausschließen. Es ist ja so, dass Kleidung auch eine Einstellung ausdrückt. Bei uns laufen alle, die am Wochenende ins Büro müssen, beispielsweise in möglichst verrotteten Freizeitklamotten herum, mich eingeschlossen. Die Aussage ist klar: Ich gehöre hier nicht hin. Möchte man dies auch eigentlich jedem gleich entgegen schreien, zieht man doch oft die nonverbale Variante vor.
Nun kann man einen Vergleich ziehen und sich fragen, ob ich unter Umständen bereit wäre, an einem Freitagabend zu Hause einen Hausanzug zu tragen. Hm?
Ich will keinen Hausanzug. Ich will mir meine Kleidung selbst aussuchen. Ich will keine Kleidung geschenkt bekommen. Ich sage das bei jeder Gelegenheit. Wieso habe ich kein Buch bekommen?
Naja, möglicherweise könnte ich ihn tragen, um Tai Chi für junge Mütter zu podcasten, so wenn man nach dem Einschläferzeremoniell des Kindes über die auf dem Boden verteilten Spielzeugfragmente steigt und bei dem kleinsten Geräusch in den unglaublichsten Posen regungslos verharrt...
Hat noch jemand ein doofes Geschenk bekommen??
Disclaimer: Dieser Beitrag ist natürlich frei erfunden.
Viele Menschen behaupten, ich wäre stur. Diese Menschen kennen meinen Vater nicht. Papa ist Westfale, durch und durch. Wenn Papa etwas will oder sagt, ist das so. In den letzten Jahren kommt noch eine Portion Altersstarrsinn hinzu.
Gegenüber meines Heimathauses war vor vielen Jahren einmal eine Bushaltestelle. Der Bus fährt dort schon lange nicht mehr, die Haltebucht ist noch vorhanden und ruft am Fußgängerzonen-Randgebiet wie eine Oase die nach einem Parkplatz Dürstenden herbei. Kurz vor dem Einparken entpuppt sich das ganze als eine Fatamorgana - Halteverbot, absolut, dokumentiert mittels Verkehrsschild.
Wenn ich meine Eltern besuche, stoße ich zunächst direkt auf das Haus zu, um mich sodann in Spiralbewegungen immer weiter zu entfernen, bis es mir gelingt einen Parkplatz zu ergattern. Papa erwartet mich am Fenster. Sieht er mich unter dem Gepäck schwankend auf das Haus zusteuern, kommt er mir entgegen um einen Teil der Taschen zu nehmen und zu sagen: "Warum hast Du nicht da drüben geparkt?"
"Da ist Halteverbot, Papa", antworte ich.
"Schon längst nicht mehr, der Bus fährt noch nicht mehr", sagt Papa. "Da kontrolliert keiner, da kannste doch parken. Die haben nur vergessen, das Schild weg zu machen. Ich hab da schon angerufen, aber die tun nix. Seit Jahren schon! Saubande. Kümmert sich keiner. Dafür zahl ich Steuern!".
"Ich hab da aber schon zweimal ein Knöllchen bekommen", wage ich einzuwenden.
Papa kaut auf seinem Gebiss. "Frechheit ist das. Hast du die etwa bezahlt?? Verbrecher!".
Da unsere Familie gern Rituale pflegt, verläuft das Gespräch bei jedem Besuch in etwa gleich. Nur beim letzten Mal war ich etwas angestrengt und mißgestimmt und verließ die gewohnten Pfade.
"Halteverbot ist da, wo das Schild steht, Papa", sagte ich, um das Gespräch abzuwürgen.
Wie wir wissen, bestraft der liebe Gott kleine Sünden sofort. Papa blieb wie angewurzelt stehen. "Dann muss das Schild weg!" Er lief zur Haltestelle zurück um zu schauen, wie das Schild befestigt ist. "Das mach ich ab. Das muss weg". Nur mit Mühe konnte ich ihn bewegen, das Schild vorerst Schild sein zu lassen.
An der Kaffeetafel saß Papa gedankenverloren da und kaute auf seinem Gebiss. Wenn er sprach, dann von dem Schild, und wie es zu entfernen sei. Doch gab es nach dem Kaffee Fußball und Bier, so dass die Angelegenheit vorerst in Vergessenheit geriet.
Vorerst, denn Papa vergisst nichts, und so etwas schon gar nicht. Das Schild war Thema beim Frühstück, beim Mittagessen und beim Abendessen (der Tagesablauf richtet sich bei uns daheim im Wesentlichen nach den Mahlzeiten - zwischendrin war das Schild jedoch auch Thema).
Am Abend saß ich mit meiner Schwester zusammen.
"Wie konntest Du das nur tun, ihn auf diese Idee bringen!", warf sie mir vor. "Du kennst ihn doch, der geht demnächst hin und macht das Schild weg und gibt es richtig Ärger!".
Ich versuchte zu beschwichtigen, dass es so viel Ärger nicht gibt, wenn man sich an einem Verkehrsschild vergreift. Doch meine Schwester hatte schon weitergedacht: Papa würde das Schild niemals heimlich entfernen, da er sich ja völlig im Recht fühlt. Am hellichten Tag würde er mit Leiterchen und Akkuschrauber zu Werke gehen. Eventuell herbeigerufene Ordnungshüter würde er beleidigen (Saubande! Verbrecher!), eventuell zu zahlende Ordnungsgelder würde er verweigern, bis aufs Äußerste. Die Zukunft sieht düster aus. Und ich bin Schuld.
"Und jetzt??", fragte ich meine ältere Schwester, die immer Rat weiß. Sie schwieg. "Wir müssen ihm zuvorkommen", sagte sie dann.
In einer Nacht- und Nebelaktion stelle ich fest, dass es über die Jahre nicht einfacher geworden ist, Verkehrsschilder von ihrem Bestimmungsort zu entfernen. Der Vorteil des besseren Werkzeugs wird aufgehoben durch ein geringeres Maß an Kletterübung und Scheiß-Egal-Haltung. Aber Sturheit ist erblich und so ist es das Schild, das letztendlich aufgibt.
Papa bekommt in diesem Jahr ein "Halteverbot"-Schild zu Weihnachten. Ich bekomme einen Parkplatz vor der Haustür.
Las horas cuelgan del techo, pero no puedo cogerlas.
Mando mis ojos abiertos,
y vuelven mudos mis ojos a sus órbitas de miedo.
Pasa un grito por la calle;
pasa después un silencio,
y un silencio más, y otro,
y pasan muchos silencios...
Noch eine weiße Nacht, von zwei Stündchen im Morgengrauen mal abgesehen.
Verkehrte Welt. Vielleicht werde ich ja müde, wenn ich heute abend Kaffee trinke...
Ich kann nicht mehr [edit: richtig] schlafen, schon seit drei Nächten. Allerdings bin ich auch nicht müde. So gar nicht.
Eigentlich sehr praktisch!
Statt "Starbucksröstung" wiederholt "Sprachstörung" lesen. Gleich ein Gespräch darüber anfangen. Bei "wie kommst Du denn jetzt darauf??" auf Kaffeebohnen deuten und "steht doch da" sagen.
[edit - weitere Ausfallerscheinungen. Gehaltsabrechnungen 5x an falschen Drucker geschickt, bis der Gedanke aufkam, dass das was schief läuft. Lang nicht mehr so gespurtet.
Urlaubsreif??]
Gerade in einer Nachmittagstalkshow gesehen. Wieso überhaupt Nachmittagstalkshow sag ich jetzt nicht, würde eh alles wie eine Ausrede klingen, sagen wir einfach, ich hab sie eingeschaltet...
Jedenfalls - da sind Leute, denen man auf den ersten Blick ansieht (Ton war aus), dass sie bei der Verteilung der Gaben recht kurz gekommen sind. In Haltung und Mimik, aber auch in den Gesichtszügen. Wie kommt sowas? Selbst bei den Jugendlichen konnte man das schon sehen, bei den Erwachsenen erst recht. Schlimm, man sieht sie und sie sind gleich abgehakt, müssen den Mund gar nicht erst aufmachen. Gar nicht an Einzelheiten festzumachen, aber ein Gesamtbild. Traurig. Ton einschalten hat meine Voreinschätzung übrigens bestätigt.
Hat mich an Alkoholikerbabys erinnert, mit denen ich mal gearbeitet habe...
Chancengleichheit, ich lach mich tot :-(
Was für eine merkwürdige Idee es doch ist, an einem 11. Dezember wieder mit dem Laufen anzufangen!
Die letzten zweieinhalb Jahre hat mich nichts, aber auch gar nichts zum Laufen getrieben. Es erschien mir absurd, jemals Spaß daran gefunden zu haben. Und dann wache ich mit diesem fixen Gedanken im Kopf auf, es juckt in den Füßen.
So trabe ich Richtung Park. Schiefergrau ist der Himmel und es ist doch tatsächlich noch richtig schön kalt geworden. Der Weg im Park ist trotzdem vermatscht, was mich nicht stört, denn ich hätte nicht gedacht, dass ich überhaupt - laufend - so weit komme. Fand meine letzte Laufrunde doch vor einer längeren Babypause statt. Der Matsch wäre schon fast ein Grund, doch lieber ins Schritttempo zu wechseln, hätte ich nicht genau dort, auf dem schlammigen Weg, meinen Rhythmus wieder gefunden. Tsapp tsapp tsapp tsapp tsapp tsapp. Hypnotisch.
Tsapp tsapp tsapp tsapp tsapp. Die Gedanken fließen. Erinnerung an die Schulzeit, an endlose Strafrunden auf dem Sportplatz, immer mit der besten Freundin und immer mit Jeans und Docs. Dabei nie einen Rhythmus gefunden, schon gar nicht meinen.
Tsapp tsapp tsapp tsapp tsapp. Erinnerung an eine Wette, einige Jahre später. Eine Runde um den Maschsee in Hannover. Das tat weh am nächsten Tag. Wette gewonnen - worum es überhaupt ging, verrät die Erinnerung nicht mehr.
Tsapp tsapp tsapp tsapp tsapp. Erinnerung an den ersten wirklich freiwilligen Lauf, wieder einige Jahre später. Wie komisch ich mir in den Sportklamotten vorkam. Die Laufschuhe erschienen so riesenhaft. Bei jedem Entgegenkommenden hätte ich mich am liebsten in den Büschen versteckt, so blöd kam ich mir darin vor.
Tsapp tsapp tsapp tsapp tsapp. Erinnerung an Silvesterläufe um die Obernau-Talsperre, 10 Kilometer restlos vereist, schäbige kalte Pensionszimmer, Würstchen und Tombola und mit dem Auto in die Dämmerung, nochmal quer durch Deutschland zu irgendeiner Silvesterparty, mit müden Beinen aber einem guten Gefühl.
Tsapp tsapp tsapp tsapp tsapp. Erinnerung an Bern, selten einen Streckenabschnitt so sehr verflucht wie den Aargauer Stalden. Zelten und endlose, immer wiederkehrende Diskussionen, welcher Kilometer auf welcher Strecke der schwierigste ist Der 34. beim Marathon? Der 7. bei 10 Kilometern? Immer der dritte, wenn die Euphorie verfliegt aber die Muskeln noch nicht richtig warm sind? Immer der letzte? Bis einer die Diskussion für immer beendet mit den Worten: "Am schwierigsten sind die ersten 20 Zentimeter. Das sind die, wo man den Hintern von der Couch hebt."
Tsapp tsapp tsapp tsapp tsapp. Die Kondition fehlt, um weiter im Rhythmus zu bleiben. Die Gedanken brechen ab. Der Rückweg ist eher zäh.
Trotzdem, die ersten 20 Zentimeter waren die schwierigsten.
