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Mittwoch, 28. Januar 2015
Blogging November - 1184

Am Witzigsten bin ich übrigens, wenn ich Türkisch spreche. Ich vermute sehr, es liegt weniger an den inhaltlichen Äußerungen als an der Aussprache, aber jedenfalls werde ich von Mutterprachlerinnen immer mal wieder aufgeordert, einfache Sätze zum Besten zu geben und dann wird enorm viel gekichert.

Ich habe in meinem Leben exakt 100 Stunden Türkisch gelernt. Ich meine nicht 100 Stunden Unterricht, sondern es waren insgesamt 6000 Minuten, in denen ich mich mit der Sprache auseinandergesetzt habe (weshalb ich schon gar nicht inhaltlich witzig sein kann, dazu fehlt mir ja das Vokabular.

Es handelte sich dabei a) um ein Experiment, nämlich wollte ich wissen, wie weit man mit 100 Stunden kommt und b) um Neugier, ich wollte nämlich auch gern wissen, worüber Personen in der S-Bahn auf Türkisch sprechen.

Zu a) habe ich herausgefunden: die Grammatik ist unproblematisch, man kann in 100 Stunden eine wirkliche Menge an Grammatik lernen, wenn man es strukturiert angeht. Gegenwart, Zukunft, Vergangenheit, Verneinung, Fragen, all das war möglich. Eng wird es mit dem Wortschatz, da kann man 100 Stunden nicht so richtig viel reißen. Passiv verstehe ich zwar erstaunlich viel, aktiv verwenden kann ich aber so gut wie nichts.

Zu b) habe ich festgestellt, dass türkisch sprechende ältere Herren in der Bahn sich erstaunlich oft über den Garten unterhalten und was dort alles wächst. Das ist wirklich auffällig! Deshalb bin ich im Gemüsevokabular auch recht firm, womit ich dann wiederum im Dönerladen den Verkäufer erheitern kann. Alle anderen reden über genau dieselben Sachen wie deutschsprachige S-Bahn-Fahrer(innen) auch. Über die Schule, die Arbeit, die Eltern, Frauen, Männer, Sport und so weiter. Ist ja eigentlich auch logisch, im Nachhinein kann ich mir jetzt auch nicht mehr erklären, warum ich meinte, das herausfinden zu wollen. Machmal hat man eben sowas.

Insgesamt also: 100 Stunden geben schon einen ziemlich guten Eindruck von einer Sprache, reichen für Konversationskompetenz aber nicht aus. Ich würde gerne irgendwann weitermachen, es gibt aber so viele Dinge, die ich irgendwann weitermachen möchte. Mal sehen. Jetzt lerne ich erstmal "Speedreading".

Dienstag, 27. Januar 2015
Blogging November - 1183

Einer hüpfte oft im Gang plötzlich im Pferdchengalopp und manchmal wieherte er kurz.

Einer schlich die Wand entlang, einen Arm nach vorn, einen nach hinten, geduckt wie eine Ratte.

Einer schreitet mit langen Schritten durch den Flur, den Blick immer in die Weite auf den Horizont gerichtet. Auch, wenn er mit mir spricht.

Einer läuft immer mit verschlossenem, missmutigem Gesicht durchs Büro und wenn man „Hey, X, wie geht es Dir?“ ruft, kommt er rein, setzt sich auf die Tischkante und erzählt mindestens 45 Minuten lang.

Einer wieselt lautlos heran, steht plötzlich hinter meinem Schreibtisch und schaut mir über die Schulter.

Einer rennt mit dem Funkheadset bis in die Teeküche, Schweißperlen auf der Stirn, rollt mit den Augen, wenn man das Wort an ihn richtet und ich halte gern Abstand, damit nicht ich die Mund-zu-Mund-Beatmung machen muss, wenn er umkippt.

Einer reisst meine Tür jedes Mal so schwungvoll auf, dass ich zusammenzucke.

Einer federt wie Happy Buddha auf den Fußballen und schiebt sein Wohlstandsbäuchlein vor sich her und wenn er gerade ein Anliegen hat, strahlt er mich an als sei ich der Mittelpunkt seiner Welt, und wenn nicht, lässt er mir auch gern mal die Tür vor der Nase zufallen.

Einer schlurft und schnuffelt dabei am Ärmel des Pullis, den er sich um die Schultern gelegt hat.

Einer klopft an Glastüren, öffnet diese dann einen Spalt und windet den Oberkörper hinein. Die Händchen umklammern den Türrahmen, das Gesicht grinst wie das eines unheimlichen Clowns. Man wünscht und fürchtet gleichsam, dass er die Kontrolle über den Fuß, der die schwere Brandschutztür aufhält, verliert.

Einer steht jedes Mal in der offenen Tür und sagt „Guten Tag, Frau Vorname Nachname!“ und dann nichts mehr.


Die muss man doch alle gernhaben…

Montag, 26. Januar 2015
Blogging November - 1182 (Projekt .txt - Gratwanderung)

Manche Tage brennen sich ins Gedächtnis ein. Erstaunlicherweise sind das oft nicht die, die man sich eigentlich unbedingt merken wollte. Jedenfalls geht das mir so, ich erinnere mich dunkel, dass ich als Kind in verschiedenen Momenten dachte: "Das will ich mir jetzt unbedingt merken, bis zum Ende meines Lebens" (Augen zusammenkneifen und ganz fest daran denken). Worum es dabei ging, welche Erinnerung ich unbedingt behalten wollte, habe ich aber in allen Fällen vergessen. Ungefähr genauso, wie mir neulich bei einer Folge TBBT einfiel, dass ich mich ja auch damals, so mit ca. 15 Jahren mit einer Handvoll Freunden für einen zukünftigen Zeitpunkt an einem bestimmten Ort verabredet hatte, wo wir uns dann alle nochmal treffen wollten, "wenn wir alt sind", egal, was in der Zwischenzeit geschähe. Ich habe die dumpfe Vermutung, dass "wenn wir alt sind" irgendwann in meinen 30ern gewesen sein könnte, kann mich aber beim besten Willen auch noch nichtmals mehr an den vereinbarten Ort entsinnen.

Wie gesagt, andere Tage bleiben eingebrannt. An einem war ich wohl genauso alt, wie als ich diese ominöse Verabredung traf. Vielleicht waren es sogar dieselben Sommerferien und einen Teil davon verbrachte ich mit meiner Schwester in Schottland. Wir machten eine Rucksackreise, schliefen hauptsächlich in Jugendherbergen und Bothies, fuhren per Anhalter und kletterten auf Berge.

Letzteres war für mich ganz neu - meiner Schwester lebte damals schon in Schottland und hatte begonnen, Munros (das sind eigenständige Gipfel mit einer Höhe von mindestens 3.000 Fuß) zu sammeln ("Munro bagging"). Rund 280 gibt es davon, also reichlich zu tun und auch diese Ferien wollte sie nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Wir trafen uns also mit einer Gruppe anderer Bergsteiger im Glen Coe und beschlossen, die Aonach Eagach Ridge entlangzuklettern. Die Aonach Eagach Ridge ist ein Berggrat, etwa 10 km lang, und man kann auf dieser Strecke gleich zwei Munros einsammeln (Meall Dearg und Sgorr nam Fiannaidh), das war vielleicht ausschlaggebend.


(Qualität der Fotos ist der Tatsache geschuldet, dass sie aus einem 80er-Jahre-Fotoalbum abfotografiert wurden...)

Nun ist die Aonach Eagach Ridge ein Grat, den man definitv nicht ohne Bergwandererfahrung angehen sollte. Zum einen muss man tatsächlich auch etwas klettern, nicht nur gehen, und dann ist die Ridge auch stellenweise äußerst schmal. Und dazu ist sie mit 10 km eben recht lang - wir waren ca. 7 Stunden unterwegs. Und es gibt, wenn man einmal auf dem Bergrücken ist, kein Zurück. Wobei, es gibt natürlich schon ein /urück, aber eben auch nur das: es gibt definitiv kein seitliches Ausweichen, das sind alles Steilhänge. Einmal auf der Ridge, geht man vorwärts oder rückwärts, komme was wolle.



Bei uns kam dann irgendwann Nebel. Das war nicht so schlimm, der Weg ist recht eindeutig, vielleicht war es sogar vorteilhaft, dass ich nicht mehr so gut nach unten sehen konnte, denn es gibt eine Stelle, die sich die "Crazy Pinnacles" nennt, dort klettert man mit dem Rücken zum Abgrund um Säulen herum und außer zwei fußbreit Gestein ist da drunter dann - nichts. Regen wäre mir an dieser Stelle wohl deutlich weniger Recht gewesen, an glibschigen Steinen kann man sich nicht gut festklammern.

Eigentlich habe ich über all das aber gar nicht nachgedacht, denn: ich fand das alles so absolut wunderbar und habe jede Sekunde genossen. Ich habe noch immer die tiefen Steilhänge vor Augen, einen kleinen See irgendwo unten, wie die Nebelfetzen vorüberzogen, manchmal Sonne dazwischen und die verschleierten bizarren Steinformationen.



Bergsteigen ist nie so meins geworden. Ich gehe nicht gerne bergauf und ich gehe nicht gerne bergab, damit hat sich das Thema natürlich schon ziemlich erschöpft. Ich klettere aber unheimlich gern und gucke von irgendwo oben nach irgendwo unten.

Insofern - ja, die Aonach Eagach würde ich nochmal klettern. Am liebsten bei Schnee, aber dann natürlich auch nur mit Profis und mit Seil. Bei Schnee und Eis, denke ich, ist das sonst eine Nummer zu groß.

[Das ist ein Beitrag zu Projekt .txt. Die übrigen Beiträge sind hier.]

Sonntag, 25. Januar 2015
Blogging November - 1181

Tofu esse ich übrigens auch gerne, allerdings nicht, wenn ich gerade Schnitzel essen möchte.

So gut wie immer esse ich Tofu außer Haus. Selbst zubereitet gelingt er mir nicht, bleibt geschmacklos, wenn auch von der Konsistenz her angenehm. Frau Herzbruch wollte mich einmal in der Kunst des Tofu-Bratens unterweisen, die sie vorgab, aus dem Handgelenk zu beherrschen. Das Ergebnis war allerdings etwas, an dem man sich die Zähne ausbeißen konnte. Frau Herzbruch sagte, es läge am Ausgangsmaterial oder am Öl, ich denke, es lag daran, dass wir uns verquatscht und den Tofu etwa eine Dreiviertelstunde lang vergessen hatten. Man weiß es nicht.

Außer Haus halte ich Tofu aber meist für eine gute Wahl, insbesondere bei Lieferdiensten zweifelhafter Qualität, denn schlecht zubereiteten Tofu finde ich immer noch okay, während ich schlecht zubereitetes Fleisch sofort ausspucken muss.

Den leckersten Tofu, den ich bisher gegessen habe, gibt es im Vipho in Frankfurt. Außen knuspring, innen zergeht er cremig auf der Zunge. Pefekt gewürzt. Leider habe ich keine Erinnerung, wie die Speise hieß, das ich dort beim letzten mal aß, aber wenn ich nächste Woche dort wieder bin, werde ich vielleicht einfach nach dem Gericht mit dem allermeisten Tofu fragen.

Samstag, 24. Januar 2015
Blogging November - 1180

Das Lokal, in dem es vor ein paar Jahren noch ganz ausgezeichnete Schnitzel gab, ist jetzt "modern", sprich: lauter Tofu auf der Karte. Das einzige verfügbare Schnitzel ist vom Geflügel. Auf den Pommes ist schwarzer Pfeffer.

Ich bin zu alt für sowas.

Freitag, 23. Januar 2015
Blogging November - 1179

Sämtliches Pulver für diese Woche verschossen, morgen muss die gesamte Familie aber nochmal im Morgenrauen eine weitere weiterführende Schule besichtigen. Sonntag dann nur schlafen, auf der Couch sitzen, auf der Couch liegen, schlafen. Die Hand ist natürlich auch kaputt, macht aber nichts, ich weiß ja, wovon und dementsprechend auch, wie es weg geht.

Ab nächster Woche folgt dann ein neuer Versuch, immer abgrundtief entspannt zu sein, sich nicht provozieren zu lassen und auf alles mit heiterer Gelassenheit zu reagieren.

Donnerstag, 22. Januar 2015
Blogging November - 1178

Kurz nach 8, der Mann schleppt einen neuen Katzenkratzbaum in die Wohnung. Den bau ich natürlich rasch noch auf. Ich habe schonmal einen Katzenkratzbaum aufgebaut, das Geheimnis - das in der Aufbauanleitung jedoch nicht preisgegeben wurde - war: man muss beim Kratzbaum oben anfangen. Nicht unten. Ich glaube, man muss bei Katzenkratzbäumen nie unten anfangen.

Ich bau den mal schnell auf.

In der Anleitung steht, man muss bei diesem Baum in der Mitte beginnen. Oha. Ich beginne in der Mitte. Der Mann ist auf dem Klo. Ich bin sehr zügig im Katzekratzbaumaufbau. Als ich fast fertig bin denke ich mir, dass ich gleich twittern werde, dass ich so lange zum Aufbau eines Kratzbaums brauche, wie der Mann auf dem Klo.

Als ich fast ganz fertig bin bemerke ich: es geht so nicht weiter. Man kann nicht drei Säulen, die in "Schritt 1: Befestigen Sie zunächst die zwei LARGE-Säulen an der mittleren Platte, bevor Sie weitere Aufbauschritte unternehmen!" an einer Platte befestigt wurden, auf eine andere Platte drehen. Es ist rein geometrisch nicht möglich. Ich baue wieder auseinander.

Der Mann ist auf dem Klo fertig, ich bin aber immer noch sehr schnell. Man muss ja nicht alles twittern. Ich mache weiter, in unter einer halben Stunde schaffe ich den Aufbau noch locker, das ist durchaus eine Zeit, mit der man prahlen kann. Bald darauf bin ich auch fertig. Ich rufe den Mann, damit wir den Baum - der ja auf dem Kopf steht - umdrehen. Wir packen den Baum und ich sehe, dass ein Sitz falschherum befestigt ist. Nämlich mit der flauschigen Seite außen und der glatten innen. Ist den Katzen vermutlich egal, aber dieser Katzenkratzbaum wurde extra erworben, um sichtbaren Flausch im Wohnzimmer zu reduzieren.

Ich versuche, nur die eine Seite nochmal abzubauen und den Sitz mit ein bisschen Tricksen umzudrehen. Der Versuch schlägt fehl. Ich baue wieder ganz ab. Mittlerweile habe ich die 8 Säulen 2x fest- und wieder losegeschraubt. Die größe Schwachstelle an meinem Körper sind ja meine Handgelenke - es ist also gut möglich, dass ich morgen nicht in der Lage sein werde, zu tippen, ich sage das nur mal so in den Raum (die Fußgelenke sind die zweite Schwachstelle, aber mit den Füßen kann ich nicht schreiben, deshalb ist das irrelvant).

Beim letzten Zusammenbau bin ich überhaupt nicht mehr schnell und entsprechend genervt. Es ist über eine Stunde vergangen. Wozu baue ich hier abends Katzenkratzbäume zusammen, wenn es hinterher nichts gibt, womit ich mich brüsten könnte? Das Spiel ist längst verloren, wo ist da die Motivation, missmutig lasse ich Herrn N. die letzten Schrauben festziehen.

Immerhin: die kleine Katze, die sonst nie zufrieden ist, ist zufrieden.

Lernen Sie hier und heute: Katzenkratzbäume baut man doch immer von oben nach unten auf.

Mittwoch, 21. Januar 2015
Blogging November - 1177

Wie bereits bekannt benötige ich manchmal Spezialanfertigungen, wie z.B. meinen "Fuchs", der meinen Nacken wärmt, aber sonst kein Körperteil.

Heute fiel mir auf, dass ich wieder etwas benötige und zwar ein Dings, das ich mit mir im Büro herumtrage, wenn ich dort superwomangleich durch die Gänge düse. Das Gesamtbild der Überkompetenz wird nämlich empfindlich dadurch gestört, dass ich quasi wo ich gehe und stehe irgendwas fallen lasse. Man muss sich das ja so vorstellen: ich habe immer mindestens eine Kaffeetasse und ein Mobiltelefon und eine Zugangskarte und einen Schlüssel dabei. Wenn man da jemandem die Hand schütteln oder auch nur eine Tür öffnen möchte, wird es schon komplex.

Ein Dings, um Abhilfe zu schaffen, habe ich bereits einmal erworben, und zwar eine kleine schwarze Handtasche, die zu allem passt. Leider ist darin aber dann alles halt so irgendwie drin und schlecht organisiert, außerdem trage ich nicht gerne Dinge einseitig. Mit einem Rucksack durchs Büro zu ziehen finde ich optisch unansprechend, außerdem auch unpraktisch, weil man ihn ja immer komplett absetzen müsste, wenn man etwas daraus entnehmen will.

Was mir seit heute als gute Lösung erscheint, ist ein Werkzeuggürtel. Es könnte aber mit Erstaunen aufgenommen werden, wenn ich demnächst einen solchen im Büro trage. Vielleicht gibt es noch etwas Besseres? Haben Sie eine Idee?

Was unbedingt darin untergebracht werden muss, ist Folgendes:

1. Handy
2. Noch ein Handy
3. Zugangskarte
4. Mehrere Schlüssel
5. Kaffee-Karte
6. Zettelchen für die Kantine/Cafeteria
7. Kuli
8. Klebezettel
9. Edding
10. Stempel
11. Nasenspray Taschentücher
12. Platz für ein paar zusammengefaltete Papierstücke
13. vielleicht ein kleiner Notizblock

Ganz luxoriös wäre es noch, wenn man irgendwie einen Kaffeebecher unterbringen könnte, aber das ist wohl Wunschdenken. Und auch nicht so ganz notwendig, ich hätte ja dann die Hände für Kaffee und zum Schütteln wieder frei.

Also, wenn es so etwas gäbe...

Dienstag, 20. Januar 2015
Blogging November - 1176

Seit den Sommerferien beklagte ich mich ja - außer, dass ich mich ja nie beklage, also: seit den Sommerferien schilderte ich, dass ich freitags nun immer zwei Stunden im Auto vor einer Sporthalle sitze und lese. Das Lesen ist nicht schlimm, nur war es im Sommer natürlich erst viel zu heiß, dann im Spätsommer wurden die Mücken aufdringlich und im Herbst wurde es zu dunkel zum Lesen und ich musste diverse Male umparken, bis ich unter der Straßenlaterne mit dem optimalen Lichteinfall auf den Beifahrersitz stand - und beim nächsten Mal war genau dieser Parkplatz dann besetzt!

Dann geschah etwas, und zwar: ich hatte Geburtsag. Und jemand (ich bin mir nie sicher, ob sie genannt werden möchte, falls ja möge sie sich im Kommentar melden um mit Lob überschüttet zu werden!) hatte so richtig krass doll überlegt, wie man mir wohl eine Freude machen kann, und - ich hab mich so gefreut! - mir eine Hülle für das Lesegereät mit integrierter Lampe geschenkt. Besser geht es ja nicht.

Allerdings, und damit hat nun wirklich niemand gerechnet: dieses Geschenk scheint zusätzlich noch ein Gimmick zu haben, eine vielleicht sogar magische Eigenschaft, denn: seit ich es täglich bei mir führe, musste ich kein einziges Mal mehr freitags vor der Turnhalle warten. Mal fiel das Training aus, dann gab es als Teambuildingaktivität das Bouldern, dann war Weihnachtsfeier, dann fuhr wer anders die Kinder, dann waren Ferien, dann wurde die Halle anderweitig benötigt, diese Woche haben wir einen kollidierenden Termin, nächste Woche ist auch irgendwas und so weiter. Ehrlich gesagt - das gefällt mir so noch besser (dem Kind aber nicht).

Ich bin sehr gespannt, ob dieser spezielle Zauber noch bis zum Frühjahr anhält.

Montag, 19. Januar 2015
Blogging November - 1175

In der sehr langen Supermarktschlange (mal wieder).


Frau N: (spielt Scrabble)

Mittelalter Mann: (drängelt sich vor)

Frau N: Ähm.

Mittelalter Mann: (keine Reaktion)

Frau N: Hallo?

Mittelalter Mann: (keine Reaktion)

Frau N: Hallo? (tippt ihn an)

Mittelalter Mann: (keine Reaktion)

Frau N: Hallo? (tippt) Hallo? (tippt) Hallo? (tippt) Hallo? (tippt) Hallo? (tippt) Hallo? (tippt) Hallo? (tippt) Ha-

Mittelalter Mann: WAS IST??!

Frau N: Sie haben sich vorgedrängelt.

Mittelalter Mann: Du glotzt ja sowieso die ganze Zeit auf dein Handy.

Frau N: Und?

Mittelalter Mann: Merkst du doch gar nicht.

Frau N: Ich habe es gerade bemerkt!

Mittelalter Mann: Pech.

Frau N: Lieber gehen Sie jetzt nach hinten und stellen sich an.

Mittelalter Mann: (reagiert nicht)

Frau N: Kennen Sie das Spiel "Mogelmotte"?

Mittelalter Mann: (reagiert nicht)

Frau N: Meine Tochter spiel das gerne. Da darf man pfuschen. Aber wenn man erwischt wird, muss man Karten ziehen. So ist das jetzt hier auch. Sie dachten, ich merke das nicht, aber ich habe es gemerkt. Deshalb müssen Sie jetzt wieder weg gehen.

Mittelalter Mann: (reagiert nicht)

Frau N: Also bei Mogelmotte ist das nur so, wenn man von der Wächtermotte erwischt wird, aber nehmen wir mal an, ich wäre die Wächtermotte (wedelt mit imaginären Flügeln).

Mittelalter Mann: (reagiert nicht)

Frau N: Offenbar sind Sie mit den Konventionen des Einkaufs im Supermarkt nicht vertraut. Sie haben ja nur ein Teil, da erscheint es Ihnen vermutlich sinnvoll, dass wir mit unseren vollgepackten Wagen Sie vorlassen. Das ist es sicherlich auch, aber Sie müssten fragen. Eigentlich reicht es noch nicht einmal, wenn Sie nur mich fragen, denn wenn ich Sie vorlasse, verzögere ich den Einkauf aller weiteren Beteiligten, während Sie hier ihr Pfund Kaffee zahlen. Sie müssten strenggenommen jede einzelne Person in der Schlange fragen. Wenn dann alle zustimmen -

Mittelalter Mann: Jetzt halt die Fresse!

Frau N: Ich bin noch nicht fertig...

Mittelalter Mann: Was willst du machen, ich bin jetzt gleich dran!

Frau N: Ah. (nimmt Trenndings weg)

Kassiererin: (zieht in geübter Aldi-Geschwindigkeit alles über den Scanner)

Mittelalter Mann: Was soll das, der Kaffee ist von mir!

Kassiererin: Oh - (zu Frau N): ist der nicht von Ihnen?

Frau N: Doch, doch, das ist meiner. Der Herr kauft nichts, der steht nur zum Gespräch hier.

Mittelalter Mann: Ey - ich werd bekloppt, spinnst du, das ist mein Kaffee!

Frau N: Ich denke nicht. Ich bezahle ihn ja gerade.

Mittelalter Mann: Gib mir den Kaffee jetzt! Ich will den Kaffee!

Frau N: Kaufen Sie sich einen - ich habe ja eben erklärt, wie das geht.

Mittelalter Mann: (krakeelt)

Sicherheitsmensch kommt, all das.



Ich hab jetzt ein Pfund billigen Aldikaffee zu Hause. Aber ich denke, das war es wert.

November seit 3232 Tagen

Letzter Regen: 29. Januar 2015, 10:46 Uhr