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Mittwoch, 17. Dezember 2014
Blogging November - 1142

Jeder ist bekanntlich in irgendetwas besonders gut und ich bin ganz außerordentlich gut im Schlafen. Ich kann so gut wie immer und überall schlafen, schlaflose Nächte habe ich maximal 1-2 im Jahr und das ist immer, bevor ich eine richtig heftige Erkältung bekomme, anscheinend fährt das Immunsystem dann en gesamten Körper hoch, alles ist in Alarmbereitschaft und deshalb kann ich nicht schlafen.

Schlafen kann ich also immer, so richtig gut schlafe ich allerdings nur, wenn ich eine Vielzahl an kleinen Kissen mit Baumwollbezug habe. Baumwollbezug, weil an allem anderen meine Haare elektrisch werden, Funken sprühen (das ist mir noch relativ egal) und in meine Nase fliegen (das stört mich sehr). Viele und klein müssen sie aus folgendem Grund sein: erstens, ich schlafe auf dem Bauch mit dem Kopf seitlich. Da kann man nicht so ein aufgeplustertes Riesenkissen haben, wie soll das gehen. Gar kein Kissen geht aber auch nicht, das ist unbequem am Ohr. Man braucht also für den Kopf schonmal ein kleines Kissen, nur so eben zur Polsterung.

Zusätzlich neige ich dazu, auf meinen Händen zu schlafen. Beim Schlafen stört mich das nicht, aber beim Aufwachen, konkreter: beim Aufstehen. Stellen Sie es sich etwa so vor: der Wecker klingelt, ich erwache und finde meine Hände an den Handgelenken abgeknickt unter meinem Torso wieder, falle beim Versuch, mich aus der Bauchlage hochzustützen platt aufs Gesicht, rolle mich auf die Seite, ziehe sie heraus, habe kein Gefühl darin, werfe beim Versuch, den Wecker auszuschalten, alles (und das ist viel!) vom Nachttisch zu Boden. Das ist ungünstig. Die Hände sollten also lieber über der Decke bleiben und genau das kann ich durch die anderen kleinen Kissen herbeiführen, diese stützen die Hände nämlich in optimaler Lage neben dem Kopf ab (dieser ruht dann in der Armbeuge und bieten ihnen eine sanfte Anregung, in dieser Position zu verbleiben. Was sie dann meistens auch tun und dann funktioniert beim Weckerklingeln auch alles besser.

Mitterweile bin ich ja auch in dem Alter, in dem man guten Schlaf zu schätzen weiß (früher fand ich meine Schlafneigung eher lästig). Insofern reise ich heutzutage sogar oft mit Kissen (Singular - nur das Kopfkissen kommt mit, das mit den Händen nehme ich vorübergehend in Kauf). Vermutlich ist das genetisch bedingt, meine Mutter nämlich reist immer mit Decke, da hat sie spezielle Anforderungen, die ich nicht kenne, aber dennoch viele Jahre eines Lebens verlacht habe. Und jetzt reise ich selbst mit Kissen, gut, das ist nur einen Bruchteil so groß, aber wer weiß, was noch kommt.

Dienstag, 16. Dezember 2014
Blogging November - 1141

Immer, wenn ich sage, dass ich mein Aggressionsproblem glücklicherweise im Griff habe, schmunzeln meine Gesprächspartner. Was für mich der Beweis ist, dass ich die Sache tatsächlich seit vielen Jahren fast ausschließlich im Griff habe, und so wirke ich meist heiter und gelassen und das ist ja eigentlich auch ganz wunderbar.

Der Trick ist, die Energie umzuleiten. Im Büro beispielsweise gehe ich Treppen steigen, wenn ich mich sehr aufrege. In so einem Hochhaus gehen einem die Treppen ja nicht so schnell aus, das ist eine praktische Angelegenheit. Manchmal ist es aber auch nicht ganz so einfach, heute z.B. war das Carsharing-Auto nicht da, als ich es abholen wollte, ich rief also beim Anbieter an und erfuhr, dass der Vorfahrer sich bedauerlicherweise um mindestens eine halbe Stunde verspäten würde. Nun ist mein Tag sehr durchgetaktet, eine halbe Stunde Puffer habe ich nicht, schon gar nicht von jetzt auf gleich. Die wirklich sehr hilfsbereite Frau am anderen Ende der Leitung bot mir einen Wagen knapp 1,5 km entfernt an, ich konnte in dem Moment aber nicht sofort sagen, ob mir das hilft oder nicht, denn ich musste erst einmal die noch zur Verfügung stehende Zeit mental mit den neuen Wegen abgleichen, und mich dabei immer gegen eine rote Wolke aus Wut hinter den Augäpfel stemmen, die mich dazu gebracht hätte, das Telefon auf den Boden zu werfen und dann mit dem Kopf so lange gegen den Bahnhof, vor dem das Auto stehen sollte, zu rennen bis er einstürzt. Schwierig, schwierig, die Frau wollte wissen, ob sie das andere Auto denn nun buchen solle, ich sagte ihr, sie müsse jetzt Geduld haben während ich mit ihr am Ohr ein paar Minuten herumlaufe und mental die nächsten 5 Stunden neu voraussehe. Wir konnten uns dann einigen.

Besonders stolz war ich heute noch auf meinem Einfall, die widrige Situation ganz besonders clever zu meinem Nutzen zu verwenden: neben dem Parkplatz dieses anderen Autos lag nämlich ein Augenbrauenzupfsalon - und zwar ein mir bislang unbekannter. Mit so viel Adrenalin im Blut tut Augenbrauenzupfen natürlich überhaupt nicht weh, das nutzte nach Rückgabe des Wagens noch schnell aus und hatte so doch etwas aus der Situation gewonnen - wenn auch keinen neuen Stammzupfsalon. Eine andere Kundin im angeschlossenen Nagelstudio war nämlich mit irgendwas unzufrieden und tat dies kund, indem sie das gesamte Sammelsurium an Lacken, Ölen, Feilen, Scheren, Clipsen und so weiter mit dem Arm von einem der Nagelmachtische wischte. Dass manche Leute sich immer so aufregen müssen!

Montag, 15. Dezember 2014
Blogging November - 1140

In letzer Zeit stelle ich meine Morgenroutine in Frage. Es ist so, dass ich um 6 Uhr aufstehe, um halb 7 steht Herr N. auf, da bin ich im Bad fertig, um 7 steht das Kind auf und um halb 8 verlassen wir das Haus. Das klingt eigentlich alles logisch und planvoll, ist jedoch in der Praxis so, dass ich jeden Morgen um 7:45 in der Bahn sitze und "Puh, die anstrengende Hälfte des Tages ist geschafft!" denke. Da stimmt also etwas nicht. Ich vermute, ich stehe eine übermäßig lang Zeit morgens einfach irgendwo herum und versuche, mich in Raum und Zeit zu orientieren.

Heute hatte ich diesen Gedanken etwas später, was daran lag, dass ich Urlaub hatte. Deshalb stand ich erst um halb 7 auf, damit das Kind rechtzeitig zur Schule kommt, war selber dann mit Herrn N um 9:05 zum Treppenhauskonzert in der Schule, danach noch kurz im Teeladen, um drei Weihnachtsgeschenke für eine Veranstaltung am Abend zu beschaffen und um 9:30 Uhr im Café zum Frühstück. Puh, die anstrengende Hälfte des Tages geschafft! (Da stimmt doch was nicht...)

Aus den diversen angebotenen Frühstücken wählte ich die Variante "Käse in Bern", das aus diversen Käses und Brot dazu sowie einem Ei bestehen sollte. Sie müssen wissen: ich mag generell keinen Aufschnitt. Bei den meisten Frühstücken in Cafés ist immer irgendas Wurstiges oder Schinken oder mindestens geräucherte Putebrust dabei. Das will ich alles nicht. Ich will nur Käse. Käse ist so ziemlich das Beste auf der Welt für mich, wenn es um Frühstück geht, man kann ihn auch durch nichts ersetzen. Marmelade, Honig, trallalla, auch sehr nett aber das kann man mit Zucker aufm Brot kompensieren, wenn es nicht im Haus ist. Aber Käse? Käse nicht. Käse muss sein.

Jetzt ist es ja auch so: wenn man Frühstück im Café bestellt, ist es ja immer viel zu viel. Auch daher sah ich mich mit "Bern" auf der sicheren Seite: Käse, und zwar viel zu viel, wie kann es besser werden? Umso überraschter war ich, als Bern kam und Wurst daneben lag. Es fehlte keiner der angekündigten Käses (Mozarella, Frischkäse, Appenzeller und noch irgendeiner), aber Wurst war auch da. Ich entfernte sie umgehend auf den Teller von Herrn N. Dann aß ich etwas Käse und dann ein Brot mit Käse und dann war Bern alle. Ähmja. Der Mozzarella war ein halber Minimozzarella (mit äußerst leckerem Balsamico), der Appenzeller zwei rechtwinklige Dreiecke mit einer Hypothenuse von 3,5 cm (rechnen Sie selbst!) und der andere Käse so wenig, dass ich ihn schon komplett vergessen habe. Das um 9:30 Uhr, nach der anstrengenden Hälfte des Tages? Zu wenig viel zu wenig. Schlimm. Ein bisschen wie gestern, da wurden wir hinterrücks in eine bosnische Familienfeier integriert und es gab riesige Fleischplatten, daneben ein paar Käsespieße, aber dieser Käse war nicht gut, und einen Salat aus geschreddertem Schafskäse, der war ausgezeichnet, aber viel, viel zu wenig. Schlimm.

Immerhin konnte ich heute morgen einfach noch Rührei dazu bestellen. Schlechter dran ist ein Kollege von mir, der vor einiger Zeit verunglückt ist, sehr schlimm, jetzt ist er in er mit viel, viel Glück in der Reha, letzte Woche konnten wir zum ersten Mal seit dem Unfall telefonieren und worüber sprachen wir: über das Essen. Ohne Sie zu fortgeschrittener Stunde mit Details zu quälen sei nur gesagt: dem schicken wir diese Woche ein Carepaket. Speziell gewünscht sind Nüsschen.

Sonntag, 14. Dezember 2014
Blogging November - 1138

Gestern bis 1 Uhr nachts, heute wird es ähnlich und ich denke, danach bleiben noch etwa 3 Stunden für die Feinarbeit.

Ich hoffe, die Verwandtschaft weiß das zu schätzen.

(leise jammernd ab)

Samstag, 13. Dezember 2014
Blogging November - 1138

Ich bin leider außerordentlich beschäftigt, wie jedes Jahr fiel mir nämlich schon länger ein, dass es an der Zeit wäre, das Enkelkind-Jahres-Fotobuch für die Großeltern in Auftrag zu geben, aber erst heute kam ich dann dazu, nachzuschauen, wann der letzte Bestelltermin mit garantierter Lieferung bis Weihnachten ist. Und wie jedes Jahr ist er in 2 Tagen. Nunja.

Um sich die Zeit zu vertreiben, könnten Sie einfach meine letztjährigen Lieblingsweihnachtsplätzchen backen. Es handelt sich dabei um


Schoko-Ingwer-Happen

Sie brauchen:
150g Fett (Butter, Margarine...)
3-4 (eher 4) Eier
100g Zucker

300g Bitterschokolade, kann auch andere sein, das empfehle ich aber nachdrücklich nicht, grob geraspelt
75g Rosinen, klein gehackt - auch wenn Sie keine Rosinen mögen, würde ich Sie ermutigen, sie in diesem Rezept mitzuverwenden. Sie können sie mit einem Mixer ganz klein schreddern, es geht nur um den Geschmack. Alternativ könnten Sie auch getrocknete Pflaumen nehmen. Weglassen geht natürlich immer, schmeckt aber dann deutlich weniger saftigt und rund.
125g kandierter Ingwer (gibt es im gut sortierten Supermarkt beim Trockenobst). Notfalls gehen die Ingwer-Schoko-Stäbchen von Alnatura auch, dann wird es aber ein teurer Spaß.

200g gemahlene Mandeln (evt. ein Teil davon nur gehackt, für mehr Biss)
200g Mehl
2 TL Backpulver

Zitronensaft (oder Rum oder Rotwein oder so) und Puderzucker für Guss.


Erst die Sachen aus dem ersten Block verquirlen.
Dann die Sachen aus dem zweiten Block untermischen.
Dann die Sachen aus dem dritten Block untermischen.

Der Teig ist ziemlich matschig-fest und klebrig. Für eni normales Blech ist es zu wenig, ideal wäre ein 3/4-Blech. Ich nehme immer eine Auflaufform und backe ihn darin. Legen Sie unbedingt Backpapier auf den Boden der Form, der Teig sitzt sonst gerne mal fest. Versuchen Sie also, den Teig irgendwie auf das Backutensil Ihrer Wahl zu verschaffen und glatt zu streichen (es wird nicht sehr glatt, ist aber egal).

Bei 175 Grad 30-35 Minuten backen - es ist dann noch weich, wie Brownies ungefähr, also Vorsicht. Erst etwas abkühlen lassen, dann aus der Form (wenn er nicht gut rauskommt, ist es nicht ganz so schlimm, wird eh hinterher in Stücke geschnitten).

Zuckerguss anrühren (ich finde es mit Zitrone und einem Schuss Rum am Besten) - der Guss sollte nicht zu dickflüssig sein, sondern eher nur einen Glanz ergeben, keine weiße Schicht. Drüber machen. Trocknen lassen und dann in Happen schneiden.

Sehr, sehr lecker, wenn man Ingwer mag und eher herbe Süße.

Freitag, 12. Dezember 2014
Blogging November - 1137

Ich gehe die Treppe zur Zwischenebene der S-Bahn-Station hinunter. Dort steht ein junge Mann, Punk, und hält einen Becher, in dem er Geld sammelt. Der Mann steht jeden Tag da. Jeden einzelnen Tag, wenn ich die Treppe nachmittags hinuntergehe, steht er da. Manchmal mit Hund, manchmal ohne. Ganz selten ist er mal in seinen Schlafsack gewickelt und schläf, dann sorge ich mich kurz, ob er noch lebt (aber man sieht ihn atmen und es ist auch nicht kalt dort).

Ich würde mir allerdings wünschen, dass er nicht da steht. Jedoch dreht sich die Welt bedauerlicherweise nicht nach meinen Wünschen, nach seinen vermutlich auch nicht, und deshalb steht er da. Und das strengt mich an. Weil er nämlich nicht einfach da steht sondern immer, immer, immer guckt. Von wenn ich die Treppe runterkomme bis wenn ich die nächste Treppe, die Rolltreppe, hinunter verschwinde, guckt er und hält den Becher hin und manchmal macht er Grimassen. Es strengt mich an, weil ich selten so sehr in Gedanken bin, dass ich ihn nicht sehe, meist fällt er mir auf und es gelingt mir dann nicht, ihn auszublenden, so dass ich ihm folglich jeden Tag bewusst begegne und das würde mich bei den allermeisten Leuten stören. Ich würde auch nicht gern meine Nachbarn jeden einzelnen Tag an der S-Bahn-Station treffen, ich treffe auch nicht gerne Kollegen dort, eigentlich will ich einfach nur nach Hause fahren, ohne Sozialkontakt.

Nun steht dieser Mann aber da und ich komme die Treppe runter und weiß schon nicht, welchen Gesichtsausdruck ich aufsetzen soll. Soll ich einfach starr geradeaus gucken und vorbeigehen? Das ist unfreundlich und außerdem auch irgendwie falsch, ich gucke normalerweise nie starr geradeaus sondern schaue mich um, schaue mir Leute an, und dann sehe ich ihn eben und erkenne ihn, weil ich ihn ja von zig anderen Tagen vorher kenne, ich erkenne ihn als wieder und und ich gucke an Leuten, die ich wiedererkenne, nicht vorbei wie an Wandkacheln. Es würde mich stören, wenn ich mich zu einem starren Blick drängen ließe, der mir gar nicht passt. Also kein starrer Blick.

Soll ich lächeln? Das weckt vielleicht falsche Hoffnungen, nämlich, dass ich Geld gebe, und das habe ich nicht vor, das Geld ist nämlich in meiner Tasche und die ist verschlossen und ich habe keine Lust, in der Zwischenebene alles halb auszupacken und darin herumzuwühlen und dann noch irgendwas zu verlieren oder auch nur verloren zu glauben, bis ich es irgendwoanders wiedergefunden habe. Natürlich könnte ich auch schon vorher, also bevor ich losgehe, noch im Büro, daran denken, Geld in die Jackentasche zu stecken, ich weiß ja schließlich, dass der da steht. Dazu habe ich aber auch wieder keine Lust, ich will doch meinen Alltag nicht danach richten, wo andere Leute an der S-Bahn stehen und Geld wollen, das geht zu weit. Und schiebt das Problem auch nur auf, am nächsten würde ich wieder nicht wissen, wie ich gucken soll. Außer, ich gebe ihm jeden Tag etwas. Ich arbeite etwa 220 Tage im Kalenderjahr, das wäre machbar. Aber absurd.

Ich könnte auch einfach an der anderen Station einsteigen, die ist auch nicht weiter entfernt, mein Arbeitsplatz liegt zwischen zwei Stationen. Aber ich will ja gar nicht an der anderen Station einsteigen, ich will an dieser Station einsteigen, ohne mir einen Gesichtsausdruck überlegen zu müssen, wenn ich die Treppe heruntergehe. Ich wechsele wegen niemandem die Station. Vermeidung ist ja nicht so meins. Es ist kompliziert. Jedenfalls gucke ich mittlerweile ich vermutlich relativ unfreundlich.

All das geht mir auf den 50 Metern von der Treppe bis zur Rolltreppe durch den Kopf. Ich wundere mich nicht, dass ich öfters Kopfschmerzen habe.

An der Rolltreppe sage ich "Hi", der Mann sagt auch "Hi" (man kennt sich schließlich vom Sehen) und rappelt mit dem Becher, ich sage "Nee" und gehe weiter. Wie jeden Tag.

Donnerstag, 11. Dezember 2014
Blogging November - 1136

Ich referierte heute einem (sehr jungen) Kollegen über verschiedene Lebensphasen, die mit völlig veränderten Interessen, Haltungen und Vorlieben einhergehen können. Zu dem Zeitpunkt fiel mir leider kein richtig gutes Beispiel ein, aber nun hätte ich eins, denn Karin regte gerade an, dass ich doch heute über Schuppen schreiben könnte.

Mein Patenonkel (der nicht mein Patenonkel war, sondern der Mann meiner Patentante, aber er war mein Lieblingsonkel) hatte einen Forellenteich und als ich im Grundschulalter war, war es das Highlight der in einem Dorf im tiefen Westfalen verbrachten Sommerferienwoche, mit dem Onkel zum Forellenteich zu gehen und den gefangenen Fischen mit einem Holzkeil auf den Kopf zu hauen. Ich kann mich noch hundertprozentig an das damit verbundene Geräusch erinnern: ein feuchtes "Flop" (mit einem sehr wenig aspirierten p). Für mich als Kind war diese Tätigkeit der Inbegriff von Effizienz und Effektivität. Die Forelle zappelt auf den Holzbohlen, man haut ihr auf den Kopf, dann kann man sie nach Hause tragen und aufessen. Besonders Spaß machte es mir noch, an dem Waschbecken, das sich vor dem Haus, also im Hof, befand, die Forellen zu schuppen.

Wenige Jahre später, mit etwa 16, war ich Vegetarier. Wegen der Tiere natürlich. Und wenn ich ins Dorf fuhr, fand ich den Forellenteich so ziemlich das Perverseste überhaupt und war dem Patenonkel nachhaltig böse, dass er mich als Kind so widerliche Dinge tun ließ.

Heute bin ich leidenschaftslos. Es fiele mir sicher nicht ein, als Zeitvertreib einen Ausflug an einen Tümpel zu machen und dort Fischen den Schädel einzuschlagen. Wenn jedoch Fisch auf dem Speiseplan stünde und ich in diesem Dorf wäre, fände ich es naheliegend, selbigen dort zu beschaffen und das erlernte Verfahren anzuwenden.

Was ich allerdings wirklich sehr eklig finde, sind vereinzelte Schuppen an küchenfertig gekauftem Fisch. Genauso, wie ich - ganz genrell - einzelne Haare absolut widerlich finde, eine Haarmenge am Kopf aber natürlich nicht. Andersherum finde ich zum Beispiel einzelne Würmer uninteressant, in größerer Anhäufung machen sich mich aber sehr nervös. Dasselbe gilt für Fliegen. Womit ich aber vom Thema abschweife, denn das ist keine temporal veränderte Haltung sondern ein quantiative.

Um noch etwas weiter abzuschweifen: gerade in diesem Moment fällt mir ein, dass möglicherweise gar nicht Schuppen beim Fisch gemeint waren, sondern Schuppen beim Menschen. Oder vielleicht auch der Schuppen als Gebäude - Schuppen ist ja eines der Dreierteekesselchen auf Mademoiselles Liste. Nunja. Vielleicht ein andermal.

Mittwoch, 10. Dezember 2014
Blogging November - 1135

Manchmal fällt mir absolut kein Thema ein, dann frage ich auf Twitter und dann sagt mir wer, was ich mal schreiben könnte. Das ist außerordentlich praktisch, herzlichen Dank!

Also: Wien (ich dachte erst, es wäre vielleicht Wein gemeint, aber nein: Wien).

Ich war schon einmal in Wien, kann mich aber kaum daran erinnern. Es muss ungefähr 1998 gewesen sein und dorthin reiste ich in einem Bus voller Leute aus dem Internet, die ich größtenteils nicht kannte, aber teilweise heute noch kenne. Es war Silvester, genau gesagt fuhren wir irgendwie morgens am 31. hin und abends am 1. zurück. Glaube ich. Wir hatten wohl auch ein Hotel, an das ich mich aber auch kaum erinnere, außer daran, dass furchtbar viele Menschen in einem Zimmer Party machten und ich furchtbar müde war und mich hinter ein Reihe von Personen legte, die auf einem Bett saßen, und dann schlief ich. In Tumult schlafen zu können, ist eine meiner besten Eigenschaften - das fanden meine Eltern früher bestimmt auch.

Das war aber nach Mitternacht. Vor Mitternacht waren wir draußen, Wien hat einen Silvestermarkt (tatsächlich hat Offenbach das auch, es handelt sich hier um Buden, die man einfach vom Weihnachtsmarkt stehenlässt, vermutlich ist es in Wien genauso). Als wir dort waren, hatten die Buden allerdings geschlossen und zwischen ihnen war Krieg: Personen hatten Dinge angezündet (Holzpaletten und sowas) und sprangen darüber und hindurch und es hagelte Chinaböller. Ich mochte Chinaböller damals nicht (heute schon), es waren auch außerordentlich viele und überall, eine sehr unübersichtliche Situation, ein Chinaböller explodierte in meiner Kapuze. Wien an Silvester schien mir nicht so doll.

Am nächsten Tag waren wir noch etwas besichtigen, möglicherweise war es der Prater, es war aber alles geschlossen, zugig und kalt.

Sachertorte bekam ich nicht.

Seitdem war ich nicht mehr in Wien (letztes Jahr Ostern beinahe, aber dann fiel die Entscheidung auf Stockholm), möchte aber schon nochmal hin, allerdings nicht unbedingt an Silvester. Vielleicht, wenn es wärmer ist. Sachertorte habe ich seidem überraschend häufig gegessen und meist zu unerwarteten Anlässen - einmal bekam ich sie im Tausch für Punkte einer amerikanischen Hotelkette geschickt, meine Gelegenheiten, (beruflich) in dieser Kette abzusteigen, endeten und die Punkte reichten für nichts anderes aus. Weiter brachten österreichische Mitarbeiter im Büro häufig zum Geburtstag Sachertorte mit. Und nicht zuletzt hat mich Frau Kelef vor nicht allzu langer Zeit mit einem Exemplar beschenkt, das so frisch und köstlich war, dass ich davon so viel aß, dass ein Besuch in Wien in nächser Zeit zumindest in Bezug auf Tortenverzehr nicht lohnend sein würde.

Dienstag, 9. Dezember 2014
Blogging November - 1134

Mittagspause, im vollbesetzten Aufzug:

Kollege: Sitzt meine Krawatte wieder richtig? Kannst Du mal schauen?

Frau N: Nimm mal die Hände weg – ja, alles ok. Der Kragen ist hier etwas umgeklappt, soll ich mal gerade…?

Kollege: Bitte.

Frau N: (zupft Kragen gerade)

Kollege: Du hast da auf der Schulter noch ein paar Fussel, soll ich die abklopfen?

Frau N: Gerne.

Kollege, klopfend: Das ist auch immer so ein Stress. Rein in den Raum, Tür zu, ausziehen, schnell-schnell, anziehen, Tür auf, wieder an den Schreibtisch. Voll der Stress!


(Aufzug hält an, Ausstieg).


Die Mitfahrer hätten vielleicht nicht so komisch geguckt, wenn sie gewusst hätten, dass der Kollege zum Impfen beim Betriebsarzt war und ich beim Friseur…

Montag, 8. Dezember 2014
Blogging November - 1133

Die Mutter einer Schulfreundin von mir war eine große Anhängerin des Konzepts "Krankheit als Weg". Egal, mit welchem Zipperlein man sich herumschlug, es wurde immer gleich ein küchenpsychologischer Zusammenhang zur aktuellen Lebenssituation hergestellt. Als ich mir in der Nacht vor der letzten Abiturprüfung einen Bänderriss zuzog (kurz nach Mitternacht in einem Park, dann bis 4 Uhr in der Notaufnahme und morgens um 8 zur mündlichen Prüfung, man macht was mit...) diagnostizierte sie völlig unzutreffend, dies wäre geschehen, weil ich den "Fortschritt", den die Prüfung am nächsten Tag bedeute, innerlich noch nicht annehmen könnte. In Wirklichkeit war ich einfach betrunken bei einer Heuschlacht in einem Maulwurfsloch oder so etwas hängengeblieben, konnte das Ende der Schulzeit kaum erwarten und humpelte folglich am nächsten Morgen auch pünktlich zur Prüfung.

Trotzdem muss ich immer wieder an diese Mutter denken, wenn mir, seit nunmehr rund 8 Jahren, regelmäßig im Dezember die Stimme wegbleibt, und zwar immer genau dann, wenn ich Jahresendgespräche geplant habe. Auch hier würde ich aber eher einen jahreszeitlichen als einen psychologischen Zusammenhang vermuten. Ich kann mir zwar viele attraktivere Dinge vorstellen, als diese Gespräche zu führen, aber auch wenn ich ganz tief in mich gehe: eine Mandelentzündung oder Seitenstrangangina sind eindeutig nicht darunter.

Krankheit als Weg also bei mir nicht. Weder damals noch heute.

November seit 3190 Tagen

Letzter Regen: 17. Dezember 2014, 22:41 Uhr