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    Dienstag, 12. September 2017
    safe as houses

    "Is it safe to get off at Hauptwache?" fragt mich die Frau in der S-Bahn, die ihre goldfarbenen Reisetaschen in den Gang gestellt hat und im Tunnel eine große Sonnenbrille trägt.

    Was soll ich der Frau sagen. Es ist halt eine Innenstadt. Eine deutsche Innenstadt, eine Bombe wird ihr also eher nicht auf den Kopf fallen und Hurricanes oder Überflutungen sind auch keine angesagt, Massenvergewaltigung höchst unwahrscheinlich. Unangenehmen Mitmenschen wird sie aber sicherlich begegnen. Würde ich mein Kind an der Hauptwache aussteigen lassen? Selbstverständlich! Würde ich es ohne Ermahnungen, auf seine Wertsachen zu achten, aussteigen lassen? Selbstverständlich nicht!

    Sicherer wäre es in dieser Hinsicht wohl, bis irgendwo im Taunus zu fahren und dort im Nichts auszusteigen. Aber dafür ist die englischsprachige Frau vermutlich nicht nach Frankfurt gereist. Was soll sie im Nichts mit ihren goldenen Reisetaschen. Wenn es dort regnet, im Nichts, und die Wege schlammig sind, ist das für die Reisetaschen auch nicht sicher. Da ist sie dann doch in einem Kaufhaus besser aufgehoben.

    Is it safe, ja was weiß denn ich. Was ist denn schon sicher. Sicher dachte ich, ich würde mit meinem Schwager zusammen Weihnachten feiern, der ist aber nun leider tot, "nach kurzer schwerer Krankheit", wie man so sagt. Sicher saß er noch vor 6 Wochen mit einem Bier bei meinem Eltern auf der Couch, sicher ging er dann vor drei Wochen wegen Sodbrennen zum Arzt und der sagte, nunja, viel machen kann man da nicht mehr, aber sicher noch ein halbes Jahr oder auch ein ganzes und dann waren es fünf Tage.

    Ich habe keine Ahnung, was sicher ist. Aber ich würde mich definitv nicht fürchten an der Hauptwache. Denn wenn ich da anfange, wo soll ich dann aufhören. Das geht doch nicht.

    "Yes, of course it is."

     
    Tja, was soll man da sagen. Sicher ist nur eins auf der Welt: dass nichts sicher ist. Im Prinzip kann der Dame auch in einer gut gesicherten gated community ein Asteroid auf den Kopf fallen.
     
    Ich hätte auch schlecht gelaunt sein können und auf sie zuspringen und ihr die Halsschlagader aufbeißen können, weil sie mich anspricht. Man weiß es nie! ;-)

    (Gute Besserung Ihnen oder, falls das nicht passt, Stabilisierung auf hohem Niveau!)

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    Mein Beileid. Das tut mir sehr leid für Ihre Schwester und den Rest der Familie.
     
    Danke.

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    Wir rasen auf einem Ball aus Lava und Wasser durch das Weltall und reden von Sicherheit.
    Von einer Sekunde auf die andere kann alles anders sein.
    Mir tut das sehr leid für Deine Familie und für Dich.
     
    Uff!
    Ich hatte ja schon so was befürchtet nach dem Eintrag neulich. Mein herzliches Beileid! Ich musste selbst dieses Jahr leider auch die extrem schmerzhafte Erfahrung machen, dass es 'sicher' gar nicht gibt und dass das Leben einfach mal von jetzt auf gleich komplett auf links gedreht werden kann. Nicht schön und verdammt schwer zu verdauen. Ich sortiere mich immer noch und werde noch eine Weile benötigen. Mein Mitgefühl Ihrer Schwester.
     
    ach, scheiße. rip.
     
    Danke.

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    Vor dem Tod ist man nie sicher, egal, ob drei, dreizehn oder 93 Jahre alt ist. Oder, wie mein Vater sagte, das Leben ist kurz und endet immer tödlich. Mein herzliches Beileid Ihnen und Ihrer Familie.

    Was die Dame betrifft: No, it's not safe. They will kill you and eat you.
     
    Danke, da hat Ihr Vater natürlich Recht aber wir wollen jetzt unser Bestes tun, das wieder zu verdrängen.

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    Lösungsansätze
    Die Sicherheitslage in Mitteleuropa, weswegen die USA eine Reisewarnung für Europa herausgegeben haben, lässt sich nicht kurzfristig ändern.

    Aber ihr habt demnächst eine Wahl zum Bundestag, da könnt ihr die Weichen stellen.

    Die Bedingungen können nicht wie mit einem Schalter ein- und ausgeschaltet werden; allerdings ist es langfristig möglich, an den derzeitigen Zuständen etwas zu ändern.
     
    Falsche Wahrnehmung ...
    Ich bin zu einer Zeit groß geworden, da sind Schüsse an der innerdeutschen Grenze gefallen, da war tiefster Kalter Krieg und der WW III nicht ganz unwahrscheinlich, die RAF hat sich durch die Innenstädte gebombt usw.
    Klar, dann kam die Wende und die Goldenen 90er. Der Mauer war weg und die Twins standen noch. Der größte Skandal in den 90ern war ein Blowjob des amerikanischen Präsidenten. insgesamt aber ist die Sicherheitslage aber nicht kritischer als in den Zeit vor der Wende. Man nimmt auch selektiv nur die Horrormeldungen aus den Medien wahr und bekommt so den Eindruck, dass wir kurz vor dem Abgrund stehen. Ich kenne die Hauptwache und die Konstabler Wache noch ganz gut. Das Einzige,w as mir da passiert ist, dass mir jemand Dope oder Age verkaufen wollte. Selbst im sagenumwobenen hochgefährlichen Offebach habe ich mich nie wirklich unsicher gefühlt.
     
    dann ist ja alles klar
    Es besteht kein Änderungsbedarf - und alles bleibt so wie es ist.
     
    Ich glaube, Sie haben mich missverstanden. Ich finde die Sicherheitslage in Mitteleuropa nicht bedenklich.

    Änderungsbedarf sehe ich in anderen Bereichen, mein Lieblingsthema ist Bildung und auch ein nachhaltigeres Wirtschaften würde ich mir wünschen. Den passenden "Anbieter" dazu habe ich aber noch nicht gefunden.
     
    Natürlich besteht ...
    ... "Änderungsbedarf", aber sicherlich nicht so, dass man bei der anstehenden BTW irgendetwas Radikales a la AfD wählt. Das ändert nämlich überhaupt gar nichts. Wir Mitteleuropäer mussen von dem Gedanken Abschied nehmen, dass wir hier weiterhin isoliert auf der Insel der Glückseligen leben können und vollkommen ignorieren, dass vor den Toren der EU das Chaos herrscht. Eine Politik der Abschottung, wie AfD, Orban, le Pen und sonstige Populisten es wünschen, bringt überhaupt gar nichts ...
    Da lobe ich mir doch die Politik der großen Volkparteien, deren Ziele für den kurzsichtigen Kleingeist vielleicht nicht erkennbar sind, aber die mittel- und langfristig sicherlich nachhaltiger sind.
     
    Liebe Frau Novemberregen,
    das mit Ihrem Schwager ist schlimm und ich hoffe, Ihre Schwester bekommt den Trost und die Unterstützung, die sie braucht. Ich verstehe, dass Sie das Ereignis im Alltag verdrängen, man muss ja funktionieren. Aber an Ihnen geht das ja auch nicht spurlos vorbei und ich wünsche Ihnen, dass Sie ausrechende Gelegenheit haben, ihrer Trauer und ihrem Schrecken Raum zu geben, damit es Sie nicht immer aufs Neue quält.
    Was den Beitrag mit der Sicherheitsbedürftigen betrifft: Wir sollten die "German Angst" ablegen und statt um unsere vermeintlich tatsächlich nicht existente Sicherheit zu bangen, uns darauf konzentrieren, dankbar zu sein. Ich empfehle da das Gedicht "Empfänger unbekannt" von Hans Magnus Enzensberger.
    Im übrigen denke ich auch, dass sich Änderungen ohnehin vollziehen, dass Nachhaltigkeit und Bildung zu den wichtigsten Themen gehören und dass unser größter Feind die Gier ist.
    Aber ich verstehe die ängstlichen Menschen auch. Als junge Frau bin ich angstfrei allein durch Süditalien getourt, aber wenn meine gerade erwachsene Tochter nachts mit dem Fahrrad unterwegs ist, hab' ich Horror-Kopfkino :-)
     
    Ich staune auch immer darüber, wie unsicher Deutschland angeblich ist. Ich kann dazu nur eines sagen: Es gibt keinen einzigen Ort in der Großstadt Berlin, an den ich mich als Frau im Rock nachts um eins nicht hintrauen würde. Auf den Alex, nach Neukölln, nach Marzahn, egal.

    Würde ich ein neues iphone in der S-Bahn locker in der Jackentasche tragen? Eher nicht. Obwohl -- mir ist in Jahrzehnten in Berlin auch noch nie etwas geklaut worden (im Urlaub in Spanien oder als ich in Paris wohnte, schon). Ich habe sogar schon einmal einen Ausweis samt mehreren Geldscheinen in der U-Bahn verloren und nach ein paar Tagen eine Postkarte vom BVG-Fundbüro erhalten, ich solle doch bitteschön mein Eigentum abholen kommen.

    Am Sonnabend war ich abends mit einer amerikanischen Kollegin unterwegs. Als ich sie gegen Mitternacht an der U-Bahn verabschieden wollte und ihr sagte, sie könne von der Station (Schlesisches Tor) bis zu ihrem Hotel (Wittenbergplatz) ohne umzusteigen durchfahren, war ihr das zu unsicher und sie wollte lieber ein Taxi nehmen. Also habe ich sie gebracht. Als wir dann in der U-Bahn zwischen Teenagern auf Klassenfahrt und Rentnerehepaaren auf ich-weiß-nicht-was keinen Sitzplatz bekamen, musste sie selber lachen.

    Krönender Abschluss: Am U-Bahnhof Wittenberg mehrere Männer in Lederuniformen. "Oh, there is even police." "Uhm, no, it's more like ... the Village People."

    Fazit: Ein "allgemeines Lebensrisiko" gibt es immer. Aber das besteht viel eher in Verkehrsunfällen und heimtückischen Krankheiten als in "der Sicherheitslage". Mein aufrichtiges Beileid an Frau N.'s Schwester, ich darf mir so etwas gar nicht vorstellen ...
     
    Nachtrag zu den amerikanischen Reisewarnungen: Mein Mann ist Amerikaner und bekam die auch immer gemailt, bis er sie entnervt abbestellte, weil er wegen einer Demonstration vor Reisen nach München gewarnt wurde.

    (Es handelte sich um eine von Verdi organisierte Anti-TTIP-Demo. Sicher sehr gefährlich.)
     
    Naja, in den USA ...
    ... kann man ja jeden auf irrwitzige Millionenbeträge verklagen.

    Wenn Ihr Mann nicht "gewarnt" worden wäre vor der VERDI-Demo in MUC und ein Demonstrant wäre Ihrem Mann versehentlich auf den Fuß getreten, dann hätte Ihr Mann die US-amerikanische Regierung wahrscheinlich in Grund und Boden klagen können, weil sie ihn nicht gewarnt haben ...

    Verrückte Amis halt. Und seit Trump gewählt worden ist, zusätzlich noch unsympathisch.
     
    Es gibt Millionen Amerikaner, die Trump bzw. seine Wahlleute gar nicht gewählt haben. Eine ganze Nation zu verachten finde ich ungefähr genauso absurd, wie sich in Deutschland unsicher zu fühlen.
     
    Man darf sich aber schon fragen ...
    ... was absurder ist: Die Nicht-Wähler, die Trumps Präsidentschaft passiv ermöglicht haben oder die Wähler, die dies aktiv getan haben.
    Nur eine geringe Anzahl hat also aktiv etwas gegen Trump unternommen. Insofern ist es schon legitim, die Amis unsympathisch zu finden ...
     
    Verstehen Sie mich nicht falsch, Sie können natürlich nett oder blöd finden, wen auch immer sie mögen. Aber wie Sie auf die Idee kommen, Ihrem Gefühl eine logisch Basis geben zu können, indem Sie die Nationalität heranziehen, erschließt sich mir nicht.
     
    Am Ende zählt die Summe ...
    Natürlich kann man nicht alle US-Amerikaner pauschalisieren. Natürlich verurteilen auch viele US-Amerikaner die Wahl des Präsidenten. Nutzt aber nichts. Am Ende zählt die Summe der Entscheidungen eines Volkes. Ganz egal, ob Trump durch aktives Wählen, aktives Nicht-Wählen oder durch Nicht-Wählen ins Weiße Haus gekommen ist.
     
    Wenn die Summe zählt ...
    Die Mehrheit der US-Wähler gab ihre Stimme Hillary Clinton, die mit insgesamt 65,4 Millionen Stimmen um 2,6 Millionen vor Trump lag, den 62,8 Millionen US-Bürger wählten.
     
    https://twitter.com/EthanLDN/status/796392497626882048

    Das liegt an der Komplexität des amerikanischen Wahlsystems.
    Ganz grob überschlagen:

    25% haben Trump gewählt
    25% haben Clinton gewählt
    50% haben nicht gewählt.

    Sprich: 3/4 der US-Amerikaner haben zur Wahl Trumps beigetragen. Aktiv oder passiv.
     
    Das ändert aber nichts daran, dass Sie rund 65 Millionen Individuen in Sippenhaft nehmen. Diejenigen, die nicht wählen dürfen, sind da noch nicht mit eingerechnet.
     
    Das relativiert sich, wenn man ...
    ... auf der anderen Seite sagt, dass eben 260 Mio. US-Amerikaner Trump aktiv oder passiv zur Macht verholfen haben.
    Wie gesagt, am Ende zählt das, was unterm Strich rauskommt.
    Die Wahl des amerikanischen Präsidenten ist halt global ganz anderes gewichtet als die Wahl des Präsidenten von Luxembourg.
    Das hätten sich zumindest die 130 Mio Nicht-Wähler mal überlegen können. Den 65 Mio Trump-Wählern ist eh nicht zu helfen ....
    Fakt ist, dass eine große Mehrheit Trump direkt/indirekt auf den Thron gesetzt hat. Das macht die US-amerikanische Bevölkerung zunächst mal unsympathisch, wenn auch eine Minderheit gegen Trump gestimmt hat.
    Wie hieß es noch gleich? Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient hat.
     
    Wie kommen Sie darauf, dass sich das relativiert?

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    Ach Mensch wegen Sodbrennen zum Arzt gehen und dann sowas. Viel Kraft ihrer Schwester und allen anderen.
     
    Danke

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    Es tut mir sehr leid. Habe es gerade erst gelesen, war etwas abgelenkt in den letzten Tagen. Bleiben Sie stark und seien Sie schwach in den richtigen Momenten. Herr N., ich leih' mir mal kurz Ihre Frau zum Umarmen. 😢 Wenn Sie mögen, schließe ich Sie aber natürlich mit ein in die Umarmung. 😉

    Papa sagte früher immer, das Leben sei wie ein Hühnerleiter: kurz und beschissen. Kann dem immer weniger entgegenbringen.
     
    Danke - was macht das Bein?
     
    Hoffentlich ordentlich heilen. Drei Wochen der Zeit mit lediglich 20kg Belastung und 30 Grad Beugung sind um, danach geht es weiter. Arbeitgeber zum Glück sehr entspannt, bei mir ja auch sehr wichtig. Wird schon. Sie erleben es ja, es gibt immer Menschen, denen es schlechter geht als einem selbst. Also, Pobacken zusammenkneifen und weiter...
     
    Klar, schlechter geht immer, aber darauf kann man sich ja nicht ausruhen. Schön, dass es zumindest mit dem Job entspannt ist!

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    Leider vollkommen verspätet auch von mir noch mein Beileid und Mitgefühl für Ihre Schwester, für Sie und die Familie. Wie tragisch.
     
    Danke Ihnen.

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    hoffe alles ist gut - logge mich täglich hier ein in der Hoffnung auf einen neuen Text, der mir den Tag verschönt.... aber nachdem ich die traurige Geschichte mit ihrem Schwager nach-gelesen habe, weiß ich, dass Sie im Augenblick anderes zu tun haben... viel Kraft Ihnen allen!
     
    Dankeschön - ja, ist alles gut. Nur viel um die Ohren, auch Schönes, also nicht sorgen bitte. Es kommen auch wieder schreibfreudigere Zeiten. Momentan lese ich lieber. Das darf jede/r mit Blog gerne als Aufforderung verstehen ;-)

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