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    Dienstag, 5. Januar 2010
    Idyllischer Schneespaziergang

    Frau N. und Mademoiselle sind zu Besuch bei Familie ACME. Mademoiselle (Bibi) und Freundin (Tina) spielen Bibi und Tina. Die Babyschwester der Freundin spielt irgendwas drumrum, Frau N und Frau ACME sitzen entspannt am Erwachsenentisch. Vollkommene Harmonie.

    Inmitten dieser Harmonie erinnert sich Frau N., dass man ja mit dem Schlitten raus wollte. Es liegt ja Schnee, ist knackig kalt und sonnig mit eisbonbonblauem Himmel. Richtig Schnee gibt es so selten in der Stadt. Schlittenfahren ist toll!

    Frau N (enthusiastisch): Los, Kinder, wir gehen jetzt Schlittenfahren! Es liegt ja Schnee, es ist knackig kalt und sonnig mit eisbonbonblauem Himmel!! Richtig Schnee gibt es so selten in der Stadt!! Schlittenfahren ist toll!!!!
    Kinder: (keine Reaktion)
    Frau ACME: Kinder! Habt ihr nicht gehört? SCHLITTEN fahren! JETZT!
    Kinderchor: Nööööööö keine Lust
    Frau N und Frau ACME wechselnd: Keine Lust ist nicht, hopp Schneesachen an, auf gehts, raus jetzt, wir sind hier der Boss.

    Die Kinder fügen sich zunächst widerstrebend, nach unendlicher Zeit sind aber alle in verschiedenen Lagen Unterkleidung und schneefester Oberkleidung, Stiefelchen, Schals, Mützen und Fäustingen gewandet. Der Schlitten wird vorgefahren. Die Kinder sortieren sich in Reihenfolge Baby - Tina - Bibi auf den Schlitten. Die Fahrt geht los.

    Nach 2 Metern will Bibi vorn sitzen. Nach 5 Metern will Tina in der Mitte sitzen. Nach 7 Metern schreit das Baby. Nach 10 Metern will Bibi in der Mitte sitzen. Nach 13 Metern will Tina den Schlitten ziehen. Nach 15 Metern will das Baby auf den Arm. Bis zum Rodelberg sind es etwa 50 Meter. Jeder Positionswechsel geht mit Diskussionen einher. Gefühlte 2 Stunden vergehen.

    Am Rodelberg rodeln alle drei Kinder gemeinsam genau ein Mal. Die beiden großen Kinder gemeinsam rodeln genau ein weiteres Mal - Tina vorn, Bibi hinten. Danach hat Tina keine Lust mehr und Bibi schmeißt sich heulend ins Gebüsch.

    Frau N: Kind, was ist?
    Bibi: Ich wollte auch mal vorn sitzen!!!
    Frau N: Du hast den Schlitten jetzt ganz für dich. Da bist du immer vorn!
    Bibi: Gar nicht, da bin ich immer hinten!
    Frau N: Ts. Wenn keiner vor dir ist, bist du vorn!
    Bibi: Nein. Wenn keiner hinter mir sitzt, bin ich hinten!
    Frau N: Kind!!! Wir diskutieren jetzt hier nicht mitten auf dem Acker ob das Glas immer halb voll oder halb leer ist!!
    Tina: Haben wir was zu trinken dabei? Ich hab Durst!
    Bibi: Ich muss mal Pipi!
    Baby: *rabäääääh*

    Frau ACME hat sich längst weinend unter einen Busch gelegt während Frau N. einen Tobsuchtsanfall erleidet, wie ihn der Acker noch nie gesehen hat. Der Heimweg wird angetreten. Frau N. zieht den Schlitten, Frau ACME trägt das Baby, die großen Kinder stapfen beleidigt abseits des Weges und fallen mehrfach die mannshohe Böschung hinunter zurück auf den Acker.

    2,5 Stunden nach Beginn der Exkursion sind alle zurück in der Wohnung. Mademoiselle (Bibi) und Freundin (Tina) spielen Bibi und Tina. Die Babyschwester der Freundin spielt irgendwas drumrum, Frau N und Frau ACME sitzen um Jahre gealtert am Erwachsenentisch.

    Beim Einschlafen fragt Mademoiselle: Mama, kaufst du mir auch mal einen Schlitten??

     
    *grins* Schlitten ist der naechste Einkauf...

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    Grandioser Text! Ich habe mich weggelacht! Oh, wie ich diese Geschichten liebe!

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    Das ist total witzig! Ihre Tochter ist echt clever, das mit dem vorne und hinten ist klug. Und die gealterten Erwachsenen später... da habe ich Tränen gelacht! :-)))

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    Will nur kurz anmerken, dass wir jetzt einen Schlitten besitzen...

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    Hehehe.
    Kinder sind doch wirklich eine Bereicherung des Lebens, oder nicht? Wie langweilig waere es doch ohne sie...
     
    Der zweite Schlittenausflug verlief übrigens ganz ähnlich. Mit anderer Freundin. Was nahelegt, dass das alles an meinem Kind liegt...
     
    Eliminieren
    Sie einfach nach dem Ausschlussverfahren alle Einflussgroessen nacheinander - sie werden merken, wenn Sie "Schlitten", "Schnee" oder "Winter" weg haben, loest sich das Problem von alleine. Ihr Kind kann dann nicht mehr Grund sein.

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