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    Donnerstag, 9. September 2021
    09092021

    Geburtstag gefeiert. Ich habe jetzt ein 17-jähriges Kind, das gerade den Führerschein macht. Irrsinn! Aber der Kuchen schmeckt gut.

    Viel herumgelaufen, also: Runden durch das Büro. Es fehlen rund 1,5 Jahre Zwischen-Tür-und-Angel-Gespräche und noch immer oder vielleicht auch dauerhaft sind viele Türen einfach zu. Das ist nicht übertragen gemeint. Ich wollte die Runden schon im Sommer wieder aufnehmen aber habe es wegen zu viel anderem nicht geschafft, umso dringender ist es jetzt geworden und gehört eben zum Job und weil so viele Türen zu sind, also niemand ständig "zwischen-Tür-und-Angel" sichtbar, habe ich die Rundenfrequenz erhöht und damit eben auch die Wahrscheinlichkeit von Zusammentreffen. Es war zunächst eine einsame Sache aber seit ein paar Tagen lohnt es sich wieder, es gibt wieder Fragen nebenher und Dinge, die gerade mal einfallen und Ideen und ich denke, ab morgen werde ich wieder Zettel und Stift bei mir führen.

    Ansonsten lauert eventuell eine Migräne, das mache ich daran fest, dass ich anstelle des Wortes "Nachricht" heute ständig "Nachtigall" lese und mein Kopf dann sofort ein "ick hör dir trapsen!" hinterherschiebt. Das ist ein bisschen lästig. Das Wort "Nachricht" kommt allgemein übermäßig oft vor, ist mir heute aufgefallen. Ich habe deshalb versucht, alle schriftliche Kommunikation am Nachmittag auf Englisch zu halten, es wurde nämlich langsam sehr, sehr nervig. Es ist ja auch ein Glück, diese Flexibilität überhaupt zu haben.

    Abends Gesangsstunde und der Gesangslehrer merkt an, dass ich viel besser artikuliere. Ich führe das auf die Italienischstunden zurück. Italienisch hat - meinem Laiinnenempfinden nach, ich habe keine wissenschaftlichen Theorien dazu gelesen - eine generell viel höhere Sprechspannung als das Deutsche oder Englische, auch z.B. bei unbetonten Vokalen und die Aussprache besonders der Langkonsonanten ist, mir fehlt auch hier ein Fachwort, intensiver. Wobei ich nicht so wirklich sagen kann, ob man mit dem Mund wirklich mehr machen muss oder nur anderes. Egal, wie es ist, ich glaube, der Mund wird durch diese unterschiedlichen Anforderungen einfach beweglicher, letztendlich geht es da ja auch nur um Muskulatur.

    Mittwoch, 8. September 2021
    08092021

    Heute wurden meine Füße gelobt, von einer Person, die sich auskennt, nämlich einer medizinischen Fußpflegerin.

    Ich suchte sie auf, weil ich gern gepflegte Füße habe, mich aber ungern darum kümmere - Sie werden das als wiederkehrendes Motiv in meinem Leben erkennen. Die Fußpflegerin konnte das erst nicht so wirklich glauben und fragte mich mehrere Minuten lang aus: welche Beschwerden ich habe (keine), ob ich Schmerzen habe (nein), ob ich sehr viel laufe oder stehe (nein, ganz normal), ob es irgendein Problem gäbe, das mich zu ihr führt - hier sagte ich, weil ich endlich auch etwas sinnvolles zum Gespräch beitragen wollte, dass ich es mühsam finde, mir mit der angemessenen Geduld die Füße zu pflegen, weil immer der Bauch ein bisschen im Weg ist. Hier antwortete die Fußpflegerin "Ich verstehe GENAU, was Sie meinen!" - dies sagte sie in einem Tonfall völliger persönlicher Betroffenheit und Empathie so dass ich mich uneingeschränkt verstanden und angenommen fühlte, so als ob ich nun endlich an dem Ort sei, der schon immer für mich vorgesehen war. Ich habe versucht, den Tonfall in meinem Kopf abzuspeichern, sage den Satz seither den Abend über immer wieder vor mich hin in verschiedenen Betonungen, Hebungen und Senkungen und mit mal mehr, mal weniger Hauch und denke, er wird mir noch gute Dienste leisten.

    Zu tun war an den Füßen dann wirklich nicht viel, das überraschte die Fußpflegerin, offenbar geben viele Personen beim Vorgespräch falsche Auskunft. Sie sagte, so dass man es ihr in jedem Moment glauben würde, in dem die eigene Aufmerksamkeit sich auch nur ein My von der Realität entfernte, sie habe keinerlei andere Kundschaft, an deren Füßen so wenig zu unternehmen sei und lobte insbesondere meine Zehennägel als wunderbar durchblutet und nahezu (sprich: nach ein paar regelmäßigen Folgebehandlungen) perfekt. Einzig etwas Creme könnte ich möglicherweise ab und an auf die Füße auftragen - das sagte sie aber nicht direkt sondern fragte, welche Creme ich denn verwende und auf meine Antwort hin ("Keine - sollte ich?") sagte sie, ich könne ja einmal darüber nachdenken, sei würde mir jedenfalls eine Empfehlung aussprechen für ein Produkt, das es gleich im Laden unter ihrem Salon gäbe. Der Laden habe allerdings nur bis 19 Uhr geöffnet, das würde ich vermutlich nicht mehr schaffen. Natürlich schaffte ich es und kaufte gleich zwei große Tuben.

    Die Dame war wirklich enorm kompetent. In mehrfacher Hinsicht.

    Dienstag, 7. September 2021
    07092021

    Das Leiden beginnt von Neuem: meine Friseurin ist nicht mehr da. Immerhin nur vorübergehend, hoffentlich, wie ich erfuhr - ein komplizierter Armbruch. Das tut mir für sie sehr leid, es ist für mich aber noch ein Glücksfall, dass es nur eine Verletzung ist, denn meine bisherigen Friseur*innen legten entweder ihren Beruf komplett nieder oder gingen ins Saarland.

    Ich fragte also den verbliebenen Kollegen im Salon, also den Inhaber, ob er dann übernehmen könne. "Diese Woche geht gar nix mehr!" antwortete er sofort, ich habe aber bei Friseuren diesen Trick, dass ich dann sage "sag einfach den nächsten freien Termin und ich mache es möglich". Dieser Termin ist nächste Woche Donnerstag.

    Es gab aber noch weitere Bedenken zu besprechen. Der Kollege macht nur Sorte "heißt irgendwie komisch"-Strähnen, die bisherige Frisörin macht nur Sorte "heißt irgendwie anders komisch"-Strähnen. Es ist mir herzlich egal, sagte ich, mir ist der Unterschied sowieso nicht geläufig. Beinah wäre mir der Unterschied noch erklärt worden, dabei wollte ich ihn wirklich nicht wissen, sonst hätte ich am Ende noch eine Meinung dazu gefunden und es wäre alles noch viel komplizierter geworden. Meine Sorge momentan ist ja eigentlich nur, aber dafür immer, ob auch genug abgeschnitten wird. "Ahja das steht hier", sagte der Friseur. "Wo steht das?" fragte ich. "In der Akte". "In der Akte? Was steht da genau und was steht da noch?" "Ist ja jetzt egal, bis Donnerstag dann!"

    Im Frisiersalon werden also Akten geführt. Das passt natürlich dazu, dass der Besuch dort sich für die meisten Personen irgendwo im Spannungsfeld zwischen Zahnbehandlung und Psychotherapie befindet. Ob man die Herausgabe der Daten nach DGSVO verlangen kann?

    Ich werde nächsten Donnerstag berichten.

    Montag, 6. September 2021
    06092021

    Heute früh im Minutentakt Wichtige Anrufe erledigt, extra groß geschrieben, weil sie im Kopf auch mit einem kreischend großen W daher kommen. Man macht die am besten gleich.

    Danach war ich kurz erschöpft, erst nervte mich das, dann freute ich mich darüber, dass ich jetzt, wenn ich erschöpft bin, wieder bemerke, dass ich erschöpft bin, denn das ist ja etwas Gutes.

    Zur Entspannung begann ich etwas, das eigentlich gar nicht meine Aufgabe ist, aber ich wollte immer schonmal genau wissen, wie es funktioniert, was die Haken, die Ösen, die Fallstricke sind, denn ich hörte schon oft, dass diese Aufgabe sehr unhandlich sei. Ich ließ mir von einer Mitarbeiterin grob das Verfahren erklären, stocherte dann ein wenig im Trüben und fand aber immer mehr Puzzleteile, im zweiten Durchgang hatte ich bereits Erfahrungswerte und am Ende war es, wie wenn Papa N. am Computer Freecell spielt und alles aufgeht, die Karten dann mit Feuerwerk über den Bildschirm tanzen. Genau so war das. Es waren allerdings auch ein paar Stunden vergangen, ich hatte mich schon gewundert, warum zwischendrin immer mein Uhrarmband brummt (das nämlich brummt, wenn ich über eine Stunde nicht herumlaufe, was so gut wie nie vorkommt, daher ist mir das Brummen nicht vertraut). Jedenfalls war die Aufgabe dann für den aktuellen Monat zu meiner Zufriedenheit erledigt. Ein bisschen perfektionieren kann man sicher noch, sicher geht es noch etwas schneller mit mehr Routine, aber es handelte sich ganz offensichtlich um einen weiteren Scheinriesen.

    Am Nachmittag kam es zu Verwirrung, da Personen von mir Entscheidungen erbaten, von denen mir nicht bewusst war, dass sie in meinem Verantwortungsbereich liegen, sie tun das dann aber jetzt wohl, also auch gut, so traf ich sie halt. Und dann war es sehr plötzlich 17:30 Uhr und ich wollte unbedingt Feierabend machen, schaltete einfach den Computer aus und warf die Sachen in einen Schrank, alles ohne Aufräumen, das mache ich normal nie. Normal räume ich geordnet weg, sortiere am Computer den nächsten Tag schon einmal durch und überprüfe den Kalender. Alles nicht gemacht und auch vergessen, mich abzumelden.

    Und dann fuhr ich noch einkaufen und hatte wieder die Erkenntnis, dass ein Vollsortimenter nicht gleich ein Vollsortimenter ist, es kommt immer auch drauf an, wo er sich befindet. Es gibt hier in der Gegend einen Rewe mit über 3 Regalen Sauerkonserven, das muss natürlich zu Lasten anderer Produkte gehen, in der Nähe der Autowerkstatt ist dafür ein Rewe, der keinerlei vegetarischen oder veganen Aufschnitt oder "Fleischersatz" führt. In dem Rewe, den ich heute außer der Reihe besuchte, waren die Backwaren nur ganz solide, aber keinesfalls inspiriert vertreten.

    Sonntag, 5. September 2021
    05092021 - WmdedgT

    (Alles zu WmdedgT wie immer bei Frau Brüllen)

    Irgendwann sehr früh aufgewacht, Eisentablette genommen, wieder schlafen gelegt. Irgendwann "normal" (also, für Wochenende, heißt irgendwas zwischen 8:30 und 10 Uhr) wieder aufgewacht und nicht den Drang verspürt, sofort aus dem Bett zu springen und wie wahnsinnig geworden herumzulaufen und Dinge zu tun! Das war gut. Unerwartet nach den letzten zwei Wochen, aber gut.

    Ich lag ein wenig im Bett herum, kraulte eine Katze und erfreute mich an der Möglichkeit, einfach noch liegen zu bleiben. Dann stand ich auf und trank auf dem Balkon einen Tee. Und dann saß ich einfach da und überlegte, was ich möglicherweise essen möchte. Ein Brot mit Erdnussbutter und Banane und dazu Rührei, stellte sich heraus.

    Der Tag erschien mir sehr langsam, wie in Zeitlupe, irgendwie auch ziemlich langweilig aber insgesamt kann ich doch sagen, dass ich von dem übermäßigen Energielevel der letzten Wochen recht sanft wieder heruntergesegelt bin, ohne nennenswerten "Kater", in einen Zustand, der mich zwar auf Dauer nerven würde aber den ich vermutlich schon übermorgen wieder als komplett normal empfinde. Bis dahin werde ich die Zeit möglicherweise einfach mit Essen verbringen, ich bin nämlich unglaublich hungrig. Oder mit Bücher lesen, das kann ich jetzt nämlich wieder, ohne dabei herumzulaufen.

    Ansonsten: Katzenklos grundgereinigt, Katzenbrunnen auch, private Korrespondenz erledigt, mit @cucinacasalinga den italienischen Krimi zu Ende gelesen und erfahren, werder Mörder ist, 5 Mal Waschmaschine laufen lassen und Wäsche aufgehängt, 3 Körbe Wäsche zusammengelegt, der Geburtstagskatze ein Ständchen gesungen (sie floh!), noch mehr auf dem Balkon gesessen und dicken Hummeln zugeschaut, wie sie um Minzeblüten taumeln.

    Gerade habe ich noch ein Curry zubereitet aus allem, was so da war. Ich hatte wirklich nicht die geringste Ahnung, was sich so im Kühlschrank befindet. Was haben wir in der letzen Zeit wohl eigentlich gegessen? Die Vorräte sind jedenfalls sehr erratisch, ich werde morgen (mit einer Liste!) einkaufen.

    November seit 5663 Tagen

    Letzter Regen: 25. September 2021, 11:09 Uhr