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    Dienstag, 11. Juli 2017

    Seit Wochen wollte ich noch erzählen, wie ich mal keine Lust hatte, Urlaub zu planen.

    Ich mag Urlaub planen nicht sonderlich, denn ich gerate dabei immer in Aufregung. Ob es nun schöne Ferienwohnungen sind, für die ich erst einmal den Vermieter anmailen muss, ob sie noch frei sind oder Hotelzimmer, zwischen denen ich mich entscheiden muss, während immer wieder eine rote Meldung "wird in diesem Moment von tausendneununtertfuffzich Interessenten angesehen!" aufflackert (ich bin sehr empfänglich für so etwas) und ob das dann mit den verfügbaren Flügen/Zügen zusammenpasst und wie früh/spät ich jetzt bereit bin aufzustehen/anzukommen, um Geldsumme X zu sparen - anstrengend. Und dann ist es auch häufig noch anstrengend, die Sache mit dem Schlafplatz des Kindes zu klären: dass sie mit in unserem Bett schläft, möchte niemand von uns, sie soll ein eigenes richtiges Bett haben, gerne in einem anderen Zimmer, dieses aber dann nicht unbedingt am anderen Ende des Gebäudes - solche Dinge lassen sich nach wie vor schlecht erklicken, man muss telefonieren oder mailen und dann wieder auf Antwort warten, und bei einer Rundreise mit wechselnden Unterkünften ist das alles dann noch mehrfach zu checken - das alles regt mich auf und ich habe keine Lust, mich aufzuregen.

    Nachdem wir also gemeinsam festgelegt hatten, wohin wir überhaupt reisen möchten, suchte ich zwei Reisebüros aus, die auf dieses Zielgebiet spezialisiert sind und mailte ihnen mein Anliegen in der Form Urlaub von-bis, Personen, Budget, grobes Ansinnen. Das erste Reisebüro antwortete "Sie sind spät dran, es ist alles sehr schwierig, rufen Sie doch mal hier und da und dort an oder klicken Sie auf folgende Links." Das war gar nicht, was ich mir vorgestellt hatte.

    Das zweite Reisebüro schickte einen Bausatz an Unterkünften, die sie bei Interesse für mich anfragen würden und zusätzlich Informationen zu möglichen Anreiseverbindungen. Das war auch nicht, was ich wollte, aber schon vielversprechender, also rief ich die Absenderin an und erklärte, dass zwar alles gut klänge, ich mich mit der Reiseplanung aber am Liebsten gar nicht befassen wollte und ob sie das nicht einfach alles entscheiden und für mich buchen könne.

    Die Dame war verwundert aber nicht abgeneigt. Sie fragte noch ein wenig unsere Interessen und Präferenzen ab (Unterkunft an der Küste, Wlan, kein Tag mehr als 6 Stunden Autofahrt) und bestand darauf, die ausgearbeitete Reise vor der endgültigen Buchung noch einmal per Mail abzustimmen - nun gut. Wie versprochen kam drei Tage später die Mail mit der Detailplanung, ich antwortete umgehend "bitte so buchen" und so wurde es gemacht. Passend zu den Unterkünften bekam ich noch ein Set mit Ausflugsvorschlägen und Restaurantempfehlungen, die ich großzügig (und dann noch einmal Bein.v2-kompatibel) auf die entsprechenden Tage verteilte, und das war es dann.

    Es ist höchst komfortabel, mit Profis zu arbeiten.

    Übermorgen geht es los - Einbrechen lohnt übrigens nicht, hier wohnen, während wir weg sind die Katzensitter.

    Montag, 10. Juli 2017

    Physiotherapeutin: Kannst du rückwärts gehen?

    Frau N: Natürlich kann ich rückwärts gehen!

    PT: Mach mal.

    Frau N: (versucht rückwärts zu gehen - kann es nicht, weil das linke Bein vergessen hat, was man dazu tun muss)

    PT: Nimm mal meine Hände. So, jetzt nochmal.

    Frau N: (geht wackelig ein paar Schritte rückwärts)

    PT: Jetzt vorwärts. Jetzt rückwärts. Vorwärts. Rückwärts. Zur Seite. Andere Seite. Rückwärts. Vorwärts.

    Frau N: (macht alles mit)

    PT: Siehst du. So machen wir die nächsten Termine schön weiter, dann Musik dazu und wenn die Pirouetten klappen sind wir fertig. Schön üben bis übermorgen!

    Sonntag, 9. Juli 2017

    Heute morgen war ich Brötchen holen. Ja, das ist eine Meldung wert, immerhin bin ich jetzt einige Wochen nur zu Fuß irgendwohin gegangen, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Zum Bus, zum Buffet, solche Dinge. Brötchen holen gehen können auch der Herr N oder Mademoiselle, aber ich hatte Lust dazu und fühlte mich auch bereit.

    Dabei ist mir etwas aufgefallen. Bein.v2 hat nun das Stadium der Genesung erreicht, in dem zwar bei weitem nicht alles OK ist, aber auch für Fremde auf der Straße nicht mehr ganz offensichtlich eine Verletzung vorliegt. Die Krücken sind weg und das Gehen funktioniert etwas unrund, aber nicht ganz auffällig unrund und etwas langsam, aber nicht ganz auffällig langsam und etwas mühsam, aber nicht auffällig mühsam. Der gesamte Mitleidsfaktor fällt also weg, all die schönen Hilfsangebote auch und damit Entgegenkommende ausweichen erfordert es jetzt wieder Körperhaltung.

    Sehr anstrengend. Ich weiß jetzt, warum so viele Menschen ihre Orthese (entgegen der gängigen ärztlichen Anordnung) über der Hose tragen statt darunter. Diese Filous.

    Samstag, 8. Juli 2017
    Bilder

    Heute auf der Autofahrt wurde mir plötzlich klar, warum ich nicht gern Bilder anschaue. Nämlich: sie sind mir einfach zu viel auf einmal. Ich habe beim Betrachten von Bildern dasselbe Gefühl wie in Kaufhäusern oder Einkaufszentran: alles viel zu viel.

    Fotos gehen, denn auf Fotos ist meist eine Sache drauf, die Wesentlich ist (Haus, Person) und der Rest ist eher Zufall. Aber Gemälde erwecken in mir das Gefühl, als habe jeder Pinselstrich eine Bedeutung, die Bilder sind regelrecht komponiert, es ist nicht egal, ob ein Apfel links oder rechts liegt und ob ein Fenster offen oder geschlossen ist und so weiter. Abstrakte Kunst ist noch schlimmer, denn da verstehe ich noch nicht einmal irgendeins von den unzähligen Dingen, die ich sehe. Und das ganze stürmt beim ersten Blick auf mich ein, es ist nicht, wie zum Beispiel ein Buch, linear. Das ist mir einfach zu viel.

    Deshalb gehe ich auch gar nicht gern in Kunstmuseen. Da bekomme ich Kopfschmerzen. Manchmal, wenn Museum mit Bildern nun einmal aus irgendwelchen Gründen auf dem Programm steht, behelfe ich mir mit Tricks. Sind zum Beispiel viele Habsburger darin enthalten, schaue ich nur auf die Unterlippen.

    Ein einzelnes Gemälde anschauen, das geht vielleicht noch (aber auch nicht unbedingt gut). Aber wie jemand in einem Museum ein Bild nach dem anderen anschaut und dabei nicht einen kompletten Tilt im Gehirn erleidet, ist mir unbegreiflich. Vielleicht hat es etwas mit Wissen zu tun - Themen, die man wiedererkennt, an denen man sich orientieren kann, die einen Referenzrahmen geben - das könnte gut sein. Vielleicht ist "Bilder anschauen können" so etwas wie "Lesen lernen". Ich muss noch etwas länger darüber nachdenken.

    Freitag, 7. Juli 2017

    Zu müde für alles.

    November seit 4202 Tagen

    Letzter Regen: 23. September 2017, 09:13 Uhr