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    Donnerstag, 17. Juli 2014
    Blogging Nobember - 989

    Ich bin eine Freundin der guten Dienstleistung. So mag ich zum Beispiel Carsharing - ich kann ein Auto verwenden, aber es gehört jemand anderem und derjenige kümmert sich um des Autos Belange. Ich finde Büchereien super - zig Bücher zum Lesen, aber keines steht bei mir herum. Und ich hänge bekanntlich sehr am Gemüsemann und der Putzfrau, die seit Jahren den Mittwoch zum Highlight-Tag der Woche machen. Ja, ich finde es super, wenn andere Menschen Dinge für mich erledigen, und dafür bezahle ich gerne. Man könnte vielleicht sagen, ich bin faul. Ich würde das anders ausdrücken: ich verwende meine Zeit gerne auf das, was mir Spaß macht.

    Spaß macht mir bekanntlich das Radfahren. Fahrräder reparieren jedoch nicht. Gestern Abend, als ich um 19 Uhr aus dem Büro stolperte, freute ich mich auf eine Fahrradfahrt quer durch die Stadt in ein Restaurant, und auf den nächtlichen Heimweg am Fluss entlang danach. Jedoch: das Fahrrad war platt. Hinten.

    Wieso, weshalb, warum kann ich nicht sagen, es ist eben nicht so, dass ein Raubtier den Reifen gerissen hätte. Aus rund 1,70 Metern Höhe betrachtet ist er unversehrt, aber platt. Platt ist: nicht fahrbar. Der Rest war uninteressant, ich fuhr Taxi.

    Nach dem Restaurant war der Reifen unglücklicherweise noch immer platt, das Rad passte nicht ins Auto der Kollegin und ich hatte überhaupt gar keine Lust, das Fahrrad in die rolltreppenlose S-Bahn-Station zu wuchten, dann zwanzig Minuten lang festzuhalten und im Anschluss eine weitere Viertelstunde vorsichtig zu schieben, um es am nächsten Tag wiederum eine Viertelstunde zu Herrn M., dem Fahrradmenschen, mit dem mich seit vierzehn Jahren eine Hassliebe verbindet, zu schaffen. Ich vertagte die Angelegenheit also.

    Heute morgen war ich ausgeruht, aber dennoch weiterhin wenig geneigt, das Fahrrad per Bahn zu transportieren und googelte folglich Fahrradläden in der Nähe des Büros. Es gab einen zwei Straßen weiter, dort rief ich an, ein junger Mensch mit amerikanischem Akzent sagte mir, man könne das Rad erst Montag reparieren. Ich sagte daraufhin ab - so lange wollte ich das Rad nicht vor dem Büro herumstehen haben und sowieso auch nicht die nächsten fünf Tage Bahn fahren. Der junge Mensch war verblüfft - natürlich kann ich das Rad doch sofort heute schon bringen und erhalte ein kostenloses Leihrad! Das ist doch selbstverständlich!

    Nun ist es so: Herr M. und ich kennen uns seit, wie gesagt, vierzehn Jahren und seitdem erbringt er eine schlechte Dienstleistung. Wobei - das Kerngeschäft, also die eigentliche Reparatur - führt er einwandfrei aus. Aber dazu muss es ja erst einmal kommen.

    Herr M. nimmt beispielsweise keine Fahrräder an, wenn er sie nicht am selben oder am nächsten Tag repariert. Dafür hat er keinen Platz, man muss dann ein andermal wiederkommen. Gleichzeitig verteilt er aber keine Termine, das ist ihm zu viel Aufwand. "Ich bin ja nicht so ein Bürofräulein wie Sie!", sagte er mir auf eine diesbezügliche Frage. Man muss bei Herrn M. also schauen, dass man Glück hat. Und wenn dem so ist, muss man vorher auch Fahrradkorb und Kindersitz abmontiert haben, sonst nimmt Herr M. das Rad nämlich nicht an. Wobei, bei mir dann nach einigen Jahren und gespärchstechnischen Pattsituationen schon, weil er "das Gerede nicht mehr aushalten" konnte. Weitere Reibungspunkte haben wir, wenn er mir nicht verkaufen will, was ich mir ausgesucht habe, wenn er zum wenige Minuten vorher vereinbarten Abholzeitpunkt während der Öffnungszeiten abgeschlossen hat, wenn er bei kleineren Reparaturen nachdrücklich findet, das solle ich selbst machen und wenn er bei größeren Reparaturen mindestens eine halbe Stunde lang vorträgt wie falsch ich das Rad behandele.

    Das ist aber nicht nur bei mir so. Wenn ich Bekannten aus dem Ort sage, dass Herr M. meine Fahrraddinge erledigt, schlagen sie die Hände über dem Kopf zusammen und geben mir Emfpehlungen für andere, bessere Fahrradmenschen.

    Herr M. ist schlichtweg absolut unmöglich. Aber: Herr M. und ich haben uns irgendwie eingeruckelt und als ich neulich Herrn Ms Laden betrat und sagte: "Ich brauche ein neues Rad", zeigte er umgehend auf eines in der zweiten Reihe Mitte auf der linken Seite des Raumes und sagte: "Da da. Das ist Ihres." Und ich hätte kein anderes in dem gesamten Laden mit all seinen Katalogen lieber gewollt.

    Leihfarrad und "vorher bringen" waren also mir völlig unbekannte Termini, die ich aber sofort für mich erschließen wollte. Ich schob das Rad hin, in einen Glaspalast unten in einem Hochhaus, ein junger Mann mit Bärtchen, Mütze, sehr flachen sehr großen Schuhen und einem Schild "Bikedoktor" am Shirt kam mir beflissen entgegen, gab meine Daten und die des Rades in einen Computer ein und informierte mich über die Preisstruktur. Ja, es gibt dort tatsächlich eine Preisliste der verschieden möglichen Ersatzteile und eine klar definierte Arbeitszeit. Auch das kannte nicht, Herr M. schaut einem kurz ins Gesicht und stellt dann einen Preis in den Raum. Stellt man diesen Preis in Frage ("Beim letzten Mal habe ich für die Inspektion aber 10 Euro weniger gezahlt!"), ficht ihn das nicht an ("Dann könnense das jetzt gerne noch vom letzten Mal nachzahlen!").

    Ich fahre nun also bis nächste Woche mit einem sonnengelben Leihfahrrad, das über einen Kaffeebecherhalter verfügt. Im ersten Moment dache ich, das Glück kann kaum größer werden. Aber dann, andererseits: bei Herrn M. ist es irgendwie lustiger.

    Dienstag, 15. Juli 2014
    Blogging November - 988


    Sie werden es ja kaum glauben, aber ganz genau so geht es bei mir im Büro auch immer zu! Mit schlecht gefärbten Haaren wandeln wir Damen durch die Gänge, die Wange an einen Aktenordner geschmiegt, und schauen dabei entrückt über die rechte Schulter. Ja - das ist das Geheimnis unseres Erfolgs!

    Woher wissen die von Leitz das?!


    Achja, und Sie entschuldigen, dass das Blatt auf dem Foto so verknickt ist. Ich hatte es als erste Reaktion entnervt zusammengeknüllt und mir erst später überlegt, dass es zum Wegwerfen doch viel zu schade ist.

    Dienstag, 15. Juli 2014
    Blogging November - 987

    Ich fasse mich etwas kurz dieser Tage, was daran liegt, dass das Notebook leider erkrankt ist und immer mal wieder den ungeliebten blauen Bildschirm anzeigt. Die Diagose ist auch bereits gestellt und die Prognose ist ungünstig. Hinzu kommt, dass der Akku per Ladekabel auch nur noch ganz manchmal aufgeladen werden kann, denn leider haben die Katzen das Kabel wohl durchgebissen (was vielleicht eine Unterstellung ist, aber mir fällt im Haushalt sonst niemand ein, dessen Zahnabdrücke sich kurz unterhalb des Steckers abzeichnen könnten).

    Das kann man zwar alles ersetzen, aber ob das lohnt, ist die Frage, und wenn es finanziell lohnt, ob es dann auch noch psychisch lohnt: die Anstrengung, sich damit auseinanderzusetzen und die Zeit des Darbens, während das Notebook sich in Behandlung befindet.

    Ich gehe da gerne den leichten Weg und habe einfach ein neues bestellt. Das kommt angeblich am Mittwoch an. Und dann, dann... mal sehen.

    Montag, 14. Juli 2014
    Blogging November - 986

    Ich muss mich gerade leider anderweitig konzentrieren, auf Fußball nämlich. Sie schauen das sicher auch, bzw. wenn nicht, dann gehen sie vermutlich bald schlafen.

    Sollte Ihnen wider Erwarten langweilig sein, backen Sie doch einfach das Bananenbrot von Frau Frische Brise, das habe ich heute auch gemacht und es ist äußerst schmackhaft.

    Sonntag, 13. Juli 2014
    Blogging November - 985

    Sie kennen das sicher aus Träumen, dass man irgenwohin unterwegs ist und einfach nicht ankommt. Immer passiert irgendwas, das einen davon abhält.

    So ging es mir heute ganz in echt. Ich wollte um 15 Uhr bei einer Freundin zum Geburtsagskaffee sein, die Veranstaltung davor verschob sich aber wegen des Wetters immer wieder einmal, so dass ich erst um 15:30 Uhr überhaupt aufbrechen konnte und auch dringenden Gründen noch im Supermarkt vorbei musste.

    Im Supermarkt war dann die Geldbörse weg, als die Geldbörse wieder da war, war der Einkaufswagen weg.

    Endlich war der Einkauf geschafft, doch auf dem Weg zum Auto riss die Einkaufstüte. Wir konnten alles in den Armen balancieren, kurz darauf riss jedoch Einkaufstüte Nr. 2. Wie kleine Hamster schleppten Mademoiselle und ich so viel wir in die Taschen stopfen konnten gen Auto, um dann zurückzueilen und die Reste aufzulesen.

    Am Auto war natürlich - das war wirklich platt und vorhersehbar - der Autoschlüssel weg. Da es aber eben so wenig originell war, machte ich mir keine Gedanken, ging sofort zur Information im Supermarkt, wo er auch schon abgegeben worden war.

    Im Auto sagte Mademoiselle dann: "Mama, jetzt fehlte nur noch, dass das Auto nicht anspringt!" Ja, da hatte sie Recht und darauf wollte ich es ungerne ankommen lassen. Ich erklärte dem Kind also, dass wir uns jetzt am besten für einen kurzen Moment aus Raum und Zeit zurückziehen - mental natürlich, physisch kann ich das nicht, leider. Zu diesem Zweck stellten wir die Rückenlehnen zurück und schlossen die Augen. Nach einiger Zeit kicherten wir darüber, wie blöd es ist, im Auto mit geschlossenen Augen dazuliegen, wenn man doch eigentlich seit mehr als zwei Stunden auf einer Geburtstagsfeier sein möchte. Da öffneten wir die Augen wieder, der Wagen sprang problemlos an und wir fuhren weiter.

    Es mag Ihnen etwas erscheinen, aber ich halte es wirklich manchmal für eine gute Idee, sich der Welt zu entziehen, bis sie sich ein winziges Stück weitergedreht hat.

    Samstag, 12. Juli 2014
    Blogging November - 984

    Ich verließ heute das Büro etwas früher, weil noch ein kompetitiver Plan anstand. Und so war ich um 14 Uhr an Mademoiselles Schule, wo ich einen Haufen Helfer so dirgierte, dass sie in einem leeren Raum ein provisorisches Café aufbauten, teilte Schichten ein und erklärte den Zuständigen die Kasse, übergab die ganze Angelegenheit "Café" dann an eine Stellvertreterin und stellte mich vor das Schulgebäude, um eine kleine Ansprache zu halten.

    Danach schaute ich mir hunderttausend Projektvorstellungen an und eine Zirkusvorstellung. Nach der Zirkusvorstellung war ganz schlimm Gewitter und ich rannte dadurch zu einem Auto, um mit diesem Kinder einzusammeln und so schnell es geht zum Sportverein zu chauffieren, während die Heizung im Auto uns wieder trocknete.

    Vom Sportverein fuhr ich weiter in ein mir bis dahin unbekanntes Eiscafé, dort lernte ich die gesamte Besitzerfamilie kennen, auch einen Hund (hatte ein komisches Gefühl dabei) und wurde in die Geheimnisse der Produktion von Deutschland- und Argentinieneis eingeweiht.

    Zurück die Kinder wieder abholen und kurzer Sprint durch die Fußgängerzone, um noch etwas Wichtiges zu kaufen, dann war das Kind leider halb verhungert und wir stoppten an einem dubiosen Imbiss, das Kind wollte unbedingt einen Burger, mir drehte sich bei dem Gedanken der Magen aber das Kind fand ihn grandios.

    Dann war es 19 Uhr und ich bekam einen Anruf aus dem Büro, von jemandem, der sagte, wir hätten ja eben noch gesprochen. Eben... eben - vor hundert Jahren habe ich mal mit wem aus dem Büro gesprochen, wo war dieses Büro nochmal überhaupt? - dachte ich. Ganz unglaublich, mir schien es sehr, sehr lange her, dass ich in diesem Büro war, der andere, der dort noch saß, vermutlich sogar die letzten sechs Stunden ununterbrochen auf demselben Stuhl gesessen hatte, fand, wir hätten "eben" noch gesprochen.

    Zeit. So ein komisches Dings.

    Freitag, 11. Juli 2014
    Blogging November - 983

    Heute Nacht im Traum habe ich mir einen Hund angeschafft und das war aus vielerlei Gründen sehr schlecht. Zusammenfassen lassen sie sich so: ich will keinen Hund. Aber von vorn.

    Ich saß im Auto und mit mit war der Hund. Keine Ahnung, was für ein Hund es war, so mittelgroß und hellbeige mit weiß und zotteligem Fell. Der Hund war gerade neu, wie es dazu gekommen war, weiß ich nicht, diese Traumsequenz fehlt, ich saß mit dem Hund im Auto, vor der Haustür, und überlegte, wie man wohl mit einem fremden Hund ohne Leine und ohne Behälter ins Haus hineingeht. Und dass im Haus kein Futter und kein Napf ist - ich weiß gar nicht, was Hunde überhaupt fressen! Ich fand die Idee mit dem Hund also auf Anhieb schlecht, aber er war nunmal da.

    Ich bin kein Hundemensch. Es ist nicht so, dass ich Hunde nicht mag. Ich mag Hunde gern, sie sind freundlich und oft niedlich, ja, auch die großen. Als ich klein war, hat mir mal ein Hund in die Nase gebissen, aber das war ein Missverständnis. Als ich etwas größer war, hatte meine Tante einen Schäferhund und als ich eine Woche in den Ferien bei ihr verbrachte, folgte der Hund mir Schritt auf Tritt, brachte mir angenagte Knochen und schlief (und schnarchte und roch) vor meinem Bett. Später hatte die Putzfrau einen Hund, Määääändy (er kam hier schon vor) und brachte ihn mit, und wenn ich dann mit Mademoiselle rausgehen wollte, wollte Määäändy immer mit. Viele Leute haben ja einen Hund, um rauszugehen, ich finde, man kann mit Hund total schlecht rausgehen, man kann zum Beispiel nicht in Geschäfte und nicht auf Spielplätze. Aber Määäändy stand da an der Tür und machte traurige Hundeaugen, sie fiepte auch ein bisschen, also nahmen wir sie mit und latschen sinnlos auf Waldwegen herum.

    Hunde gucken ja immer so! Und die mögen einen und wollen mit einem zusammen sein! Das kann ich nicht gut, ich habe dann immer gleich ein schlechtes Gewissen, wenn ich dem Hund seinen Wunsch nicht erfüllen kann, und ein noch schlechteres, wenn ich ihn nicht erfüllen will. Wie mit einem Kind ist das mit einem Hund, nur dass es mit dem Kind über die Zeit besser wird, man kann mit ihm sprechen und ihm erklären und es wird immer selbstständiger.

    All das ging mir durch den Kopf, als ich mit dem Hund im Auto vor der Tür saß. Dann klingelte zum Glück der Wecker.

    Donnerstag, 10. Juli 2014
    Blogging November - 982

    Selten auf so eine Horde gereizter und mies gelaunter Leute getroffen wie heute im Büro. Es wird Zeit, dass die WM zu Ende ist, damit die alle mal wieder genug Schlaf bekommen.

    Ich gehe jetzt übrigens mit gutem Beispiel voran.

    Gute Nacht.

    Dienstag, 8. Juli 2014
    Blogging November - 981

    "Ich bin um 7:30 Uhr aufgewacht, da habe ich gerade noch gehört, wie er die Tür zugezogen hat", sagt Kians Vater der Polizei. Was für Kleidung der Sohn trägt, weiß er nicht - er ist erst um 5 Uhr von der Nachtschicht gekommen und Kian hatte ihn morgens nicht geweckt. Der Viertklässler macht sich morgens oft allein fertig, wenn der Vater nach der Arbeit schläft und die Mutter schon beim Frühdienst ist. Meistens geht er zusammen mit dem großen Bruder los, sie fahren gemeinsam den Berg hinunter, dann muss der Bruder nach rechts zum Gymnasium und Kian weiter geradeaus zur Grundschule, aber an dem Tag hat der Bruder hat bei seiner Freundin übernachtet.

    Dass Kian fehlte, fällt in der Schule gegen 8 Uhr auf. Er ist nicht in dem Raum, in dem er sein soll, aber eine Entschuldigung liegt im Sekretariat auch nicht vor. Deshalb werden die Eltern angerufen, die aber wissen lassen, dass ihr Kind rechtzeitig zur Schule aufgebrochen ist.

    Es ist der erste Tag der Projektwoche und zunächst geht man davon aus, er habe sich versehentlich einem falschen Projekt angeschlossen. Die Schulleiterin unterbricht deshalb ihr Gespräch mit mir und fordert Kian per Lautsprecherduchsage auf, sich im Sekretariat zu melden. Gespannt lauschen wir auf das Klappern der Tür, das aber leider ausbleibt. Kein Kian. Nach fünf Minuten wiederholt sie die Durchsage, wieder ergebnislos. Zwischenzeitlich telefoniert die Sekretärin die Lehrer ab, die ein Projekt außerhalb des Schulgeländes betreuen. Doch keiner von ihnen hat ein überzähliges Kind dabei.

    Die Freunde von Kian werden nun aus ihren Projekten geholt. Sie haben Kian morgens im Hof nicht gesehen und machen darauf aufmerksam, dass auch sein Fahrrad nicht an der üblichen Stelle am Zaun steht.

    Einer der Schulsozialarbeiter ist auch mit dem Fahrrad da und fährt Kians Schulweg rückwärts ab. Vielleicht hat Kian ja einen Platten und ist nun zu Fuß unterwegs. Kians Eltern verständigen die Polizei, die Schulsekretärin telefoniert die Krankenhäuser ab.

    Dann beginnt das Warten.

    Ich habe mitgeholfen, die verschiedenen Projekte noch einmal persönlich abzuklappern, und in den Toiletten, der Cafeteria und der Turnhalle nachzuschauen, ob das Kind vielleicht doch irgendwo versteckt ist. Nun gehe ins Büro, für mich gibt es dort letzendlich nichts zu tun. Es kann natürlich tausend ganz harmlose Erklärungen dafür geben, dass Kian zwischen 7:20 Uhr und 8:00 Uhr - zwischen zu Hause und Schule - vorübergehend verschwunden ist. Aber Gedanken mache ich mir schon. Ich kenne das Kind nicht, aber die Klassenlehrerin sagt, die Familie sei absolut zuverlässig und sie hält es für sehr unwahrscheinlich, dass Kian schwänzt. Auch auf sein Projekt hat er sich sehr gefreut.

    Endlich, um kurz nach 11 Uhr, schickt die Schulleiterin mir eine SMS: "nur ganz kurz: alles gut."

    Heute morgen bin ich unsicher, ob ich nachfragen soll, wie sich die Sache gelöst hat - es geht mich ja eigentlich nichts an. Der Sozialarbeiter kommt aber direkt auf mich zu und erzählt mir von der Verkettung von Ereignissen, die zu Kians "Verschwinden" geführt haben:

    Zuerst einmal wachte Kian morgens relativ früh auf. Er konnte nicht wieder einschlafen, weil eine Mücke in seinem Zimmer summte. Deshalb ging er in das Zimmer seines Bruders, der ja bei seiner Freundin war, und legte sich dort ins Bett. In diesem Bett hörte er seinen Wecker nicht und verschlief.

    Kians Bruder war auch spät dran. Er stürmte gegen 7:20 Uhr in die Wohnung, weil er eine Jacke brauchte. Er sah Kians Schulbrot noch auf dem Tisch liegen, rief nach dem Bruder, dass er losmüsse und schaute in Kians Zimmer. Das Bett war leer, der Bruder also offenbar ohne sein Brot zur Schule gegangen und auch ohne Fahrrad - vielleicht, weil es regnete. Der Bruder nahm also das Brot und das Fahrrad, weil er beides selbst gut brauchen konnte. Um 7:30 Uhr zog er die Tür hinter sich zu. Der Vater war von diesem Geräusch aufgewacht, fand weder Kian in seinem Bett noch das Brot in der Küche oder das Fahrrad vor dem Haus, und ging deshalb davon aus, dass es Kian war, der um 7:30 das Haus verlassen hatte.

    Kian lag aber die ganze Zeit im Bett seines Bruders. Dort fanden ihn die Eltern irgendwann mitten am Vormittag friedlich schlafend, als sie vom Computer des Bruders ein aktuelles Foto für die Polizei ausdrucken wollten.

    Mannmannmann.

    Dienstag, 8. Juli 2014
    Blogging November - 980

    Nachts erst gegen 2 eingeschlafen weil zu warm.
    Morgens um kurz nach 5 von auf mir prügelnden Katzen geweckt worden.
    Kind zur Schule gebracht und eine wichtige Tasche vergessen.
    Bei erneuter Anfahrt mit Tasche Polizei an der Schule angetroffen, da ein Kind vermisst wird.
    Nicht gut die Entscheidung treffen können, ob das Wetter radfahrgeeignet ist - zwischen Fahrradparkplatz und Ampel wirr hin- und hergefahren.
    Für Bahn entschieden - Fahrradparkplatz aber jetzt voll.
    Für Rad entschieden - wieder ein Stöpsel vom Kopfhörer AWOL.
    Für Bahn entschieden und an anderer Stelle geparkt.
    Im Büro nur Durcheinander.
    Auf Rückweg Fahrrad erst nicht gefunden (an falscher Stelle gesucht).
    Vor der Schule Krankenwagen angetroffen, da ein Kind giftige Beeren von einem Strauch gegenüber gegessen hat.
    Auf dem Heimweg sprang Mademoiselle derart auf mein Fahrrad, dass sie a) wieder herunterfiel, b) mein Schutzblech halb abriss, c) mein hinterer Reflektor ganz abriss, d) ihre Hose zerriss.

    Im Bett bleiben wäre vermutlich sinnvoller gewesen. Sonst aber alles gut.

    November seit 7098 Tagen

    Letzter Regen: 28. August 2025, 21:53 Uhr