• Privatbloggen an: novemberregen @ proton.me
    Donnerstag, 19. Januar 2012
    Blogging November - 80

    Als Schulelternbeiratsvorsitzende ist es unter anderem meine Aufgabe, Gesamtkonferenzen des Lehrkörpers mit meiner Anwesenheit zu erfreuen. Und ich sage Ihnen: Holla die Waldfee!! Da wird einem Angst und Bange. Meetings in der freien Wirtschaft sind dagegen Ringelpietz mit Anfassen.

    Ohne jetzt näher darauf einzugehen, dass die meisten Lehrer ihr ehemaliges Schulschreibmäppchen ganz offensichtlich behalten haben und weiterhin - auch im beruflichen Kontext - nutzen oder dass wir heute fuer einen Lehrer, der Geburtstag hatte, gesungen haben, und zwar "Heute kann es regnen", mit Klavier und gut, nun mag man sagen, das war sicher ironisch, aber - alle drei Strophen?? Mit rhythmischem Klatschen? Also ohne darauf näher einzugehen, erwartet man dann bei den Esprit-gekleideten Damen, die Paprikaschnitze und Kräuterquark in Tupperdosen mitführen doch eher Reflektorbärchen an der Jacke eine gewisse Harmlosigkeit.

    Und dann packen die die Handschuhe aus. Und es sind keine Samthandschuhe.

    Es ist wohl so: in sozialen Berufen geht es um den Menschen, nicht um die Sache. Und so wird nicht der schwache Punkt in der Argumentationskette herausgepickt, sondern der schwache Punkt an der Person. Und der wird, bei lächelnder Zustimmung zum Anliegen an sich, indirekt, in Zwischentönen und Nebensätzen, maximalvernichtends angebracht bis die Person weinend den Raum verlässt. Tagesordnungspunkt abgehakt.

    Momentan bin ich dort noch neu und so buhlen die verschiedenen Grüppchen um meine Gunst. Klar ist, dass sich das ändert, sobald ich mich, und sei es vermeintlich, für eine Gruppenzugehörigkeit entschieden habe. Ich schwanke nun zwischen "da geh ich nie wieder hin, das ist mir zu gefährlich" und "hui, da kann ich noch was lernen".

    Vermutlich muss ich mich vor der nächsten Konferenz manipulationspsychologisch beraten lassen.

    Mittwoch, 18. Januar 2012
    Blogging November - 79

    Heute wird im Wohnzimmer genächtigt - das Schlafzimmer wurde nämlich heute ge"stuckt" und abgedingst, der Fachausdruck ist mir entfallen, und wird morgen gestrichen. Der Vorteil am Wohnzimmerschlafen: ich werde heute Nacht im Flur nicht über die Mikrowelle fallen. Der Nachteil: ich falle möglicherweise über eine Langhantel.

    Und heute habe ich tatsächlich vergessen, beim Telefonanbieter anzurufen. Gut, dafür habe ich ein Einschreiben geschickt. Faszinierenderweise scheint die Relevanz des Problems komplett von meiner allgemeinen Laune abzuhängen. Möglicherweise wird eines Tages ein kleiner Computer erfunden, der dem Besitzer anhand der Stimmlage bei Hotline-Telefonaten den genauen Zykluszeitpunkt nennen kann.

    ("Abgeschnürt" hieß der Fachausdruck. Mit einer Schlagschnur.)

    Und ab morgen gewöhne ich es mir ab, pfeifend im Büro herumzulaufen.

    Dienstag, 17. Januar 2012
    Blogging November - 78

    Bewerbersuche ist per se eine Beschäftigung, für die man eine hohe Misserfolgstoleranz mitbringen muss: Man neigt dazu, gute Unterlagen/Gespräche trotz ihrer Seltenheit für den eigentlichen Normalfall zu halten und die skurrilen Ereignisse zum Weitererzählen gehen unter in einem Wust an belanglosem Ausschuss. Am Ende kann man zwar einer Person ein Angbot machen - gleichzeitig muss man aber natürlich 50-100 anderen absagen, was zusammengerechnet dann wirklich keine positive Bilanz ergibt.

    Manchmal macht es aber auch Spaß. Wenn man jemanden an allen logischen Kriterien vorbei einstellt, aus dem Gefühl heraus, dass er passt, und diese Person das selber nicht so ganz fassen kann, auch nicht, dass alles so schnell geht und auch nicht, dass deutlich mehr Gehalt gezahlt wird, als gewünscht war.

    Mir ist es mal ähnlich ergangen, und es wurde richtig gut.

    Wir sind alle sehr gespannt.

    Montag, 16. Januar 2012
    Blogging November - 77

    Der abendliche Anruf bei Vodafone (man kann ja ruhig mal Namen nennen) gehört mittlerweile genauso zum Tagesablauf, wie der Kaffee am Morgen. Und beides bringt den Kreislauf in Schwung. Obwohl dieses Abendritual ja erst 11 Tage alt ist, werde ich es vermutlich glatt vermissen, wenn ich dann in ein paar Wochen wieder DSL habe, sei es durch unverhofft wiedergefundene Kompetenz seitens des Anbieters oder durch Ablauf der gesetzten Frist zur Behebung des Nicht-Erbringens der Vertragsleistung und dem damit verbundenen Wechsel zum Kabelanbieter - der ja auch noch günstiger ist.

    Sowieso werde ich in nicht allzu ferner Zukunft mittelfristig ein Leben führen, in dem weder Komplettrenovierungen der Wohnung noch Bewerbersuche oder DSL-Probleme vorkommen. Wie mag das sein? Wie fühlt man sich? Wie beschäftigt man sich gedanklich, wenn man auf die verspätete Bahn wartet?

    Ich bin sehr, und - das das sage ich mit Nachdruck - freudig gespannt.

    Sonntag, 15. Januar 2012
    Blogging November - 76

    Von 8 bis 18 Uhr habe ich mit Mademoiselle Sachen aus dem Kinderzimmer aussortiert. Das Zimmer ist jetzt minus 3 große Müllsäcke und 2 Umzugskartons voll Zeug.

    Danach haben wir aufgeräumt.

    Jetzt brauche ich Wochenende.

    Mein Timing könnte besser sein.

    Samstag, 14. Januar 2012
    Blogging November - 75

    Für 10 Minuten heute morgen war das komplettrenovierte Wohnzimmer ein Traum. Dann haben wir den gesamten Kinderzimmerinhalt hineingestellt, um dort weiterzumachen, und alles ist wieder schrecklich.

    Ich merke an solchen Tagen, wie sehr ich die Wohnung als Rückzugsort brauche und wie unsicher ich werde, wenn nicht alles seinen Platz hat. Ich brauche meine Energie für anderes, als zum Dinge herumräumen um an andere heranzukommen oder eine Viertelstunde lang nach Alltagsgegenständen zu suchen.

    Immerhin bin ich sicher, dass das Endergebnis den Aufwand lohnt.

    Freitag, 13. Januar 2012
    Blogging November - 74

    Als ich irgendwann anfing, die Haare wachsen zu lassen - mehr aus Zufall, denn mit kleinem Kind ist Friseur immer etwas unentspannt - dachte ich, nach "erreicht die Schultern" kommt nicht mehr viel Neues. Aber dann kam "klemmt sich unter dem Schultergurt der Tasche ein", dann "verursacht bei Unachtsamkeit bei der Achselrasur ungewollten Fransenschnitt" und nun auch noch "fixiert den Kopf an der Bürostuhlrückenlehne und verhindert damit emphatisches Kopfnicken bei Chefgesprächen".

    Bevor "steckt nach Verlassen der Toilette im Hosenbund fest" sollte ich doch mal wieder nachschneiden lassen...

    Donnerstag, 12. Januar 2012
    Blogging November - 73

    "Seit Ihrem letzten Anruf gibt es keine Veränderung", behauptet die Internetprovider-Automatenansage. Pah-ha, wenn die wüssten! Es gibt massenhaft Veränderungen! Nicht nur habe ich zwei von den entzündeten Fingern, von denen Mademoiselle einen hatte (beide Ringfinger, wie albern ist das denn), sondern auch ist das Wohnzimmer schon fast fertig gestrichen und gestuckt, im Rapunzelturm gehen mysteriöse Dinge vor sich, die ich nicht einordnen kann, an der Bewerberfront wurde ein Entschluss gefasst und das Kind ist heute zum ersten Mal allein von der Schule nach Hause gegangen. Keine Veränderung! They will never know what hit them...

    Mittwoch, 11. Januar 2012
    Blogging November - 72

    Vorhin dachte ich, ach, rufe ich doch nochmal bei meinem Internetanbieter an und plaudere ein bisschen. Gut gelaunt summte ich die mir mittlerweile recht vertraute Warteschleifenmusik mit und drückte die diversen zu drückenden Tasten. Und dann: eine automatische Ansage! "Rufen Sie an wegen Ihrer Störungsmeldung vom 9. Januar? Ein Außendienstmitarbeiter kümmmert sich um dieses Problem. Wir haben derzeit keine weiteren Informationen für Sie. Möchten Sie die Ansage nochmal hören?" Dreimal sagte ich "Ja" und hörte nochmal, dann sagte ich "Nein" und hörte "Auf Wiedersehen".

    Also - so macht das aber keinen Spaß!

    Dienstag, 10. Januar 2012
    Blogging November - 71

    Die Kurzfassung: Internet ist immer noch weg.

    Die Langfassung:

    Um 15:00 Uhr sollte der Techniker kommen. Um 14:59 rief der Techniker an, er werde sich um sieben bis neun Minuten verspäten, da er versehentlich zuerst bei der Taliban wäre, aber das werde er mir erzählen, wenn er da sei, vielleicht, er müsse erstmal gucken wo er da landet. Um 15:06 kamen zwei Techniker, der eine hieß Q und der andere hieß Herr T. Q. war Asiate und sprach kein Wort, Herr T. redete ununterbrochen.

    Herr T. ließ sich die Gerätschaften zeigen und überprüfte dezent den Sitz aller Kabel wobei er "ich muss das tun" murmelte und schloss dann weitere Gerätschaften zu Testzwecken an. Alle Tests ergaben, dass es nichts gab. Kein Signal, keine Leitung, nichts. Telefonate "nach Hause" wurden geführt mit rätselhaften Wendungen wie "mach mir mal ne TAL", "vielleicht ne Muffe abgesoffen", "wie weit isn der Tresor unter der Post am Aliceplatz" und bekannten Wendungen wie "vielleicht sind wir alle zu doof" und "Scheißteil". Q begann zu meditieren. Ich bot Kaffee an. Herr T. erzählte, ihm habe mal jemand 10 Millionen für bestimmte Zugangsdaten angeboten, aber er habe das gut durchgerechnet und abgelehnt. Was solle man auch ein Leben lang im Liegestuhl auf den Bahamas Cocktails schlürfen. Bei mir auf dem Fußboden zu liegen und Kaffee zu trinken sei doch viel schöner. Und von dem anderen Kunden erzählte er, bei dem er eigentlich um 15:30 sein müsse, er sei eben versehentlich hingefahren weil er der Q. die falsche Zeile im Navi angeklickt habe, in der Wohnung habe man den Irrtum bemerkt, sei also stande pede wieder umgekehrt, und außerdem war da alles vermüllt und lauter Leute mit Turban lagen da und schliefen, da wolle er nicht mehr hin, müsse er aber auch nicht, denn das GPS habe ja erfasst, dass er schon da war, wegen dem Versehen des Q.

    Nach einer Stunde konnte immerhin festgestellt werden, dass neben dem Internet das Telefon "eigentlich" auch nicht funktionierte. Was gut sei, denn sonst wäre alles noch komischer. Es habe ja Sturm gegeben, und es sei immer dunkel da, wo man die Sache mit den Muffen macht, so dass man vielleicht versehentlich was Analoges mit druff und oder auch vielleicht Wasser und so, jedenfalls sei das Problem nicht bei mir im Haus sondern, Sie wissen schon, wie weit ist es denn zum Aliceplatz?

    Herr T. und Q. gingen weg und kamen eine Dreiviertelstunde später wieder. Man müsse die T-Dingsda einschalten, es wäre deren Bereich, sagte Herr T. und wurde hastig. Das ginge nun alles sehr schnell, es müsse niemand mehr kommen, ratzfatz macht die T-Dingsda das und dann wird alles gut sagte er, während er seine Sachen zusammenraffte. Ich hielt Herrn T. am Ärmel fest und fragte: "Sie müssen das so sagen, oder? Was heißt "schnell"? Stunden? Tage? Wochen? Monate?"

    Herr T. sah mir fest in die Augen. "Sie müssen jetzt tapfer sein", sagte er, riss sich los und verschwand mit dem Q. - der sich im Hinauseilen mehrfach verbeugte - die Treppe hinunter.

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    Letzter Regen: 12. Mai 2026, 22:21 Uhr