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    Montag, 11. Mai 2026
    10. Mai 2026 - Vorletzter Urlaubstag

    "Cola mit Zero?" fragt der freundliche Kellner die Frau am Nebentisch und ich zuckte. Sofort schreie ich "Liebe Frau nur ein paar Jahre älter als ich oder vielleicht auch nur mehr in der Sonne gewesen, bitte halten Sie einen Moment inne, diese Millisekunde, damit Sie jetzt nicht automatisiert wie ein Sprachmodell antworten, Sie sind allein hier und nicht nebenher am Telefon und lesen auch nicht, Sie müssen keine Sidequests wie Bestellungen automatisiert abwickeln, bitte, bitte nehmen Sie sich diese Millisekunde, die Situation zu verstehen, die sprachliche Ungewöhnlichkeit zu genießen und dann ganz schlicht das zu bestellen, was Sie möchten." Vor der Frau auf die Knie sinke ich quasi.

    Aber es ist zu spät. Sie kennen das, wenn das Leben sich wie eine Filmszene vor Ihnen ausbreitet und Sie "Cut!", "Cut!!", "CUT!!!" brüllen wollen und wutentbrannt den Regiestuhl durch den Raum werfen, das Set tobend verlassen.

    Die Frau hielt nicht inne, sie sagte "ja, nee, äh, meinen Sie...?" und der Kellner sagte "was? also... - achso...", Füllworte und Ellipsen umschwirrten meinen Kopf wie Fruchtfliegen und ich war davon genervt. Ich war gelangweilt von der Vorhersehbarkeit, angeekelt vom zähen folgenden Gesprächsverlauf. Und natürlich am allermeisten traurig um die liegengelassene Chance.

    Natürlich hatte ich außerdem nur innerlich geschrieen.

    Zu den positiven Aspekten des letzten Urlaubstags: ich trank eine Birnen-Salbei-Limonade und konnte plötzlich wieder Birne schmecken. Wie toll ist das denn, das Schmecken ausgerechnet mit Birne wieder zu beginnen? Ich liebe Birne!

    Ich fühle mich jetzt auch wieder sicherer. Vorgestern oder so, irgendwann kurz nach Fieber, räumte ich den Kühlschrank auf. Ich konnte weder schmecken noch riechen, es wäre der optimale Zeitpunkt gewesen, mich zu vergiften, entweder für andere oder natürlich auch versehentlich durch mich selbst. Ich betrachtete abgelaufenen Frischkäse, er hatte keine verdächtigen Stellen, ich roch - nichts, ich probierte vorsichtig und es hätte auch Niveacreme oder Deckweiß sein können, keine Ahnung. So hielt ich mich bei allem strikt ans Mindesthaltbarkeitsdatum, das man natürlich auch erst einmal finden und erkennen muss. Und ihm dann noch vertrauen.

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    9. Mai 2026 – Urlaub zu Hause Tag X (Zählung nicht mehr möglich)

    Ich brauchte Zahnseide, um den Kameraschutz von meinem Handy wieder abzukriegen. Zahnseide!! Seit Wochen sagt immer mal wieder jemand bedauernd „oh, du hast deine Kamera gesplitttert“ – habe ich aber gar nicht, es ist nur der Schutz und der ging nicht mehr ab. Durch die ständigen Versuche fing schon der gesamte Kamerabaustein (oder wie auch immer man das nennt) an, sich beim herumfummeln vom Rest der Rückseite zu heben. Heute dann – ganz aus eigener Denkkraft, weder Google noch sämtliche KI-Modelle hatten irgendeine hilfreiche Idee, Föhn und Kreditkarte, dass ich nicht lache! – kam mir der Einfall mit der Zahnseide. Halleluja.

    Wobei ich schon fast bereit war, das Handy an sich aufzugeben. Es fällt nämlich ununterbrochen herunter. Egal, wo ich bin, innerhalb von einer Stunde fällt das Handy mindestens zweimal, außer ich habe es in der Hosentasche natürlich. Die ganze Welt lacht mich schon aus. Fragmente und ich haben das wissenschaftlich untersucht, sie ist ja Doktorin der Naturwissenschaften. Das Handy bewegt sich von selbst. Man legt es auf eine (für andere Handys hinreichend gerade) Fläche ein paar Zentimeter vom Tischrand entfernt, führt ein Gespräch und – wenn man es aus dem Augenwinkel beobachtet, sieht man es genau! – das Handy robbt millimeterweise zur Tischkante und stürzt sich hinunter. Auch Papa N. im Pflegeheim habe ich das gezeigt. Das Versuchsergebnis gilt damit als reproduzierbar. Das Handy mobbt mich. Allerdings ist es mittlerweile ja schon ungefähr tausend Mal von Tischen gefallen und hat noch immer keinen Defekt, das hat berührt irgendwas in mir. Vermutlich werde ich traurig sein, wenn es kaputt geht.

    Ansonsten: Um 13 Uhr erhob ich mich aus dem Sessel, um die Erkältung hinter mir zu lassen und wieder einem normalen Alltag nachzugehen. All das Geschirr, das ich von Papa N übernommen habe, ist nun in meine Küche integriert. Das „gute“ Geschirr sozusagen, wobei ich es täglich benutzen möchte. Das darf als ansage verstanden werden. Jetzt ist nur noch das Werkzeug zu sichten und einzuordnen. Und danach muss natürlich meine gesamte Wohnung mit Anhängen (Garage, Keller) einmal komplett gesichtet und durchsortiert werden, denn von vielen Gegenständen werde ich jetzt zu viele haben, die können andere besser brauchen als ich. Aber das hat Zeit. Vielleicht mache ich das im nächsten Urlaub.

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    8. Mai 2026 - Urlaub und im Büro

    Ich hatte exakt drei Fälle definiert, in denen ich im Urlaub gestört werden darf: 1. Das top geheime Mega-Projekt XY realisiert sich kurzfristig (das hätte ich nicht verpassen wollen), 2. der Turm stürzt ein, 3. jemand stirbt.

    Die Nachricht, die gestern Nachmittag kam, war keine gute, und so war ich dann heute im Büro (das nicht eingestürzt ist), um ein paar Dinge in Bahnen zu lenken. Es war alles top vorbereitet, daher brauchte ich die veranschlagten 1,5 Stunden noch nicht einmal, ich war nach weniger als 30 Minuten fertig und nutzte die verbleibende Zeit, um noch ein paar Personen zum Zusammensitzen beim Mittagessen einzuladen.

    Ich konnte mich ehrlich gesagt nur schwer aus dem Büro losreißen. So ein schöner, aufgeräumter Raum, alles ganz frisch geputzt. So viele Menschen mit ganz vielen Anliegen. Und ein kleiner Stapel Post lag da. Briefpost ist ja selten geworden. Ein Brief fiel mir ins Auge, er war nämlich in einem Umschlag von unserem Firmenbriefpapier, allerdings in einer Variante, die wir seit zwei Jahren nicht mehr verwenden. Diesen einen Brief schaute ich mir trotz Urlaub näher an. Und siehe da, offenbar findet auch die Post, dass Briefpost selten geworden ist, und hat deshalb vorgesorgt: Briefe aus dem Jahr 2024, die nicht zugestellt werden konnten, wurden einfach bis 2026 aufgehoben, um nun als Rückläufer ausgeliefert zu werden.

    Da ich einmal unterwegs war, erledigte ich einen kleinen Einkauf gleich mit, so muss ich morgen nicht raus, wenn ich nicht will. Es könnte gut sein, dass ich dennoch will, ich fühle mich nämlich genesen.

    Im Sinne der Vernunft setzte ich mich nach diesem Ausflug erst einmal wieder in den Sessel. Vielleicht auch, um mir keine unangenehmen Vorträge nahestehender Personen einzuhandeln. Bis ich dann am Abend zum Chor aufbrach. Natürlich nicht, um zu singen, das geht nun wirklich noch nicht. Nur um die Noten für das neue Programm abzuholen und ein paar Unterlagen für die Buchhaltung. Das Radfahren tat sehr gut, gleichzeitig war es gut, dass der Weg kurz war. Ein längerer hätte noch nicht gut getan.

    Auch das ist vermerkt.

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    7. Mai 2026 - Rekonvaleszent im Urlaub

    „Die beste Krankheit taugt nix“, pflegte Mama N. immer zu sagen. Ich stimme dem zu. Unter allen denkbaren Erkrankungen wäre meine wohl ganz vorne mit dabei von denen, die man sich aussuchen würde, wenn es denn eine sein müsste. Keine dollen Schmerzen oder Einschränkung der Selbstständigkeit, keine Medikamente oder Anlass zur Sorge notwendig und allgemein der Ausblick, sich in zwei Wochen schon nicht mehr daran zu erinnern. Das ist top unter den möglichen Krankheiten, zumal unter denen, die ich mir schon ausgemalt hatte, als ich mich ein kleines bisschen unwohl fühlte. Ich hatte ja kurz vorher den Balkon verschönert und daher kurz überlegt, ob ich mir durch Kontakt mit Vogelkot evtl. Vogelgrippe eingefangen habe oder durch das Wühlen in den Blumenkästen vielleicht Tollwut (wobei ich da Tollwut mit Tetanus verwechselte und gegen letzteres bin ich natürlich geimpft, außerdem trug ich Gartenhandschuhe). Und beides gleich auf die Katze übertragen habe, der ging es ja auch schlecht. Und ob man das dann eigentlich auch Zoonose nennt, Herr Drosten sprach ja immer nur von Übertragung vom Tier auf den Menschen, nicht umgekehrt, ich fühlte mich unterinformiert. Und beschloss, Google zu konsultieren, dabei kam mir der Gedanke, ich könnte auch das Fieberthermometer konsultieren, das gab gut Aufschluss zu meinen wirren Gedanken und ich schlief einfach wieder ein.

    Nachts wurde ich gegen zwei von der schreienden Katze geweckt, sie hatte nämlich wieder Hunger. Ich freute mich und konnte beruhigt sofort nach Fütterung wieder einschlafen. Dass sie morgens um 6 auf mir herumhopste und weiteres Futter forderte, freute mich immer noch ein bisschen. Ich habe ja nichts vor und kann den ganzen Tag schlafen.

    Das tat ich dann aber nicht, weil ich mich unerwartet verbessert fühlte. Das Fieber war weg und blieb weg und alles andere war rückläufig, das größte Thema ist jetzt, dass meine Ohren irgendwie zu sind (wobei das mehr Herrn Ns Thema ist, ich schreie halt einfach immer „Was??“ „Was???!“ „SAG MAL LAUTER!!“) und dass mir beim Husten die Bauchmuskeln schmerzen. Vielleicht führt das noch zu einer durchtrainierten Rumpfmuskulatur, das ist ja auch nicht verkehrt.

    Den Vormittag über schaute ich einen Film, den mir das ZDF in die Timeline spülte, nämlich „Olivia“ – er hat mir gut gefallen, ich schaute gleich auf Youtube nochmal Olivia Jones auf dem NPD Parteitag an. Danach stand ein zweistündiger Mittagsschlaf an.

    Erfrischt und erholt bereitete ich Nudelsalat zu – ich schmecke sehr wenig, die Textur ist aber sehr angenehm. Ebenso von Quark mit den frisch eingetroffenen Crowdfarming-Blaubeeren. Später unternahm ich noch einen kleinen Spaziergang, das war besonders schön und wohltuend für alles, was mit Atmen zu tun hat.

    Ich glaube, morgen bin ich wieder gesund!

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    6. Mai 2026 - Krank im Urlaub

    Es ist eine absolute Zumutung, ich bin tatsächlich krank. Halsschmerzen, Fließschnupfen, Husten, der mich zerreißt und eine wärmere Körpertemperatur als üblich. Das hatte ich in dieser Form zuletzt vor mehreren Jahren und, was gestern Nacht geschah und was mir überhaupt noch nie passiert ist: ich wachte nachts um 3 auf (ich wachte sowieso irgendwie alle 1,5 Stunden auf) und hatte so Hunger, dass ich etwas essen musste. Es gab einen Notfall-Müsliriegel aus der Bürotasche, vermutlich schon abgelaufen, ich habe selten kulinarische Notfälle, darauf kommt es jetzt natürlich auch nicht mehr an.

    Den Vormittag verbrachte ich im Sessel, mittags unternahm ich einen kleinen, ganz langsamen Spaziergang, um neue Taschentücher einzukaufen. Und Schokoriegel, falls ich nochmal nachts aufwache und Hunger habe. Naja und dann nahm ich halt mit, was noch so fehlte, Olivenöl, Brot, Mandeln, Tofu (gab es wieder) und zwei Eisbecher, einen für Herrn N und den anderen habe ich in den Gefrierschrank gestellt, weil ich bei Rückkehr erst einmal schlafen musste. Da steht er noch. Vielleicht wird er ein Mitternachtssnack.

    Zu allem Übel ist die kleine Katze auch angeschlagen. Heute Nacht hat sie sich zwar über mein ständiges Herumlaufen gefreut und auch Futter erbettelt, später (als ich wieder schlief) dann aber erbrochen und jetzt mag sie nichts mehr fressen. Ich hoffe, das gibt sich in der nächsten Nacht. Leckerchen nimmt sie, es scheint also keine ganz dramatische Situation zu sein und sie trinkt auch.

    Ms These ist, dass ich die Katze sich unwohl fühlt, weil ich zum einen krank rieche und grauenhafte Hustgeräusche mache, zum anderen ständig in der Wohnung bin und nach ihr schaue, was sie so nicht kennt und vielleicht total verunsichert. Wir haben abgemacht, dass ich also heute nur vor dem Schlafengehen nochmal Futter hinstelle und mich dann bis morgen früh nicht mehr befasse, keinesfalls die Katze nachts zur Kontrolle an ihren Schlafplätzen aufsuche.

    Morgen früh beurteilen wir die Situation erneut, die der Katze und meine. Ich hoffe, keine von uns beiden muss zum Arzt geschafft werden, das fände ich unglaublich anstrengend.

    (Vielen Dank für die Podcast-Empfehlungen – es wäre der optimale Zeitpunkt, sie alle zu hören, aber ich kann die Augen kaum lang genug offenhalten, um einen auszuwählen. Ich bin aber schon sehr gespannt!)


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    5. Mai 2026 – Urlaub zu Hause Tag 8 und WmdedgT

    Geschlafen bis halb 6, dann die Katze gefüttert, dann nochmal bis kurz vor 9 geschlafen. Der Hals fühlte sich deutlich fitter an, ich hatte sogar eine Singstimme! Dafür nun Husten, okay.

    Den Vormittag über las ich und befasste mich mit der Wäsche, dann brach ich auf, um ein Paket aus Bobbys Kiosk abzuholen (an M adressiert – ich schrieb mir selbst eine Vollmacht), dann zur Apotheke, um diese schleimigen Halstabletten zu kaufen für das nächste Mal Halsschmerzen, zum Bäcker, um Herrn N Brötchen mitzubringen und in einen Supermarkt wegen neuer Tulpen. Zwischendrin kam ich an einem Laden vorbei, der ein Shirt für Violinista im Fenster hatte. Neulich habe ich schon in meinem eigenen Kleiderschrank so ein Shirt gefunden, also so eins, in dem ich Violinista sehe und gar nicht mich selbst (und ich habe es ihr mittlerweile auch aufgedrängt). Vielleicht sollte ich Kleidungsscout für andere Personen werden. Während ich das dachte und dabei amüsiert das Shirt betrachtete, sah ich weiter hinten etwas für mich, ging hinein, probierte an und kam mit einer pink-lastigen Tüte wieder heraus. Noch bin ich ganz überzeugt von meinem Einkauf, ich hoffe, das ist nicht nur Urlaubslaune.

    Anschließend kaufte ich noch Blumen und Bubble-Tea, der Bubble-Tea fiel mir zwei Straßen weiter leider aus der Hand, tja, so ist das manchmal, der Gedanke zwei Straßenzüge lang, ihn später zu trinken, war schon einmal sehr schön.Ermattet sank ich zu Hause in den Sessel und schlief ein Stündchen. Ich erwachte mit Schnupfen. Ich sage es, wie es ist: dieses Entspannen bekommt mir nicht!

    Während ich das Abendessen kochte – Pasta mit weißen Bohnen und Thunfisch – unternahm ich einen 4-fach-Test, ohne Treffer. Ich schwanke zwischen Freude, dass ich nichts habe, dass man berücksichtigen müsse und Empörung, dass mein Körper eine schnöde Erkältung nicht ordnungsgemäß abgewehrt hat.

    Abends war noch Leserunde, ich war etwas unkonzentriert, ich hatte den Link über mein Arbeits-Zoom eingerichtet und war daher auf dem Arbeits-Laptop eingeloggt, was zu lauter hereinploppenden Nachrichten führte. Das war schlecht geplant.

    Jetzt ist der Laptop wieder zugeklappt, ich sitze wieder im Sessel, die Katze hat sich zurückgezogen, weil sie meinen Husten doof findet. Ich gehe gleich schlafen.

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    Letzter Regen: 11. Mai 2026, 17:09 Uhr