Wer möchte, kann für die August-Texte in der Schreibwerkstatt abstimmen.
Einen halben Sommer (2003?) lang hatte ich mal das Dachfenster mit Zeitung abgeklebt - das Zimmer wäre wegen fehlender Jalousie ansonsten unbewohnbar gewesen. Die Sonne durch die Zeitung ergab Gewitterstimmung. Sehr schön war das. Der Gedanke kam mir, als ich heute morgen am Haus gegenüber ein seit längerer Zeit mit Zeitung beklebtes Fenster sah und mich fragte, warum die Leute das nicht endlich mal abmachen, ist doch unmöglich...
Die Sache mit den Ausrastern geht so nicht. Die Theorie ist klar: Ausraster ist der Befreiungsschlag bei absoluter Überforderung, also das Ding an einem Punkt vorher ausbremsen. Die kluge Frage ist nur: wie? Denn einfach gehen kann man manchmal nicht. Ommmmmmmmmmm.
Schonmal ein Zwiebelkuchenrezept raussuchen.
Neulich zur Autobahnraststätte Dingsda gefahren, völlig uneilig und ohne Stress. Ausgestiegen, reingegangen, Kaffee geholt und mit Kaffee in der Hand Komplettamnesie erlitten. Keine Erinnerung an den Weg, wo das Auto steht, ob ich nun die beiden Taschen oder nur die eine dabei hatte... Genauso, wie ich gedanklich noch irgendwo im März feststecke oder vielleicht auch im letzten Jahr, keine Ahnung. September war doch gerade erst. Weihnachten hingegen ist ewig her. Zeit ist was Komisches. Wo war ich noch gleich?
Heute waren lauter Menschen mit rotgeränderten Augen in der Bahn. Vermutlich gab es was Globales zu feiern, nur mit hat keiner Bescheid gegeben. Die üblichen "Grüßer" waren dafür alle nicht da. Auch ein merkwürdiges Gefühl. Sonst ist an jeder Ecke wer, zu dem ich Hallo sage, und dann so gar keiner. Unter lauter Menschen das Gefühl einer ausgestorbenen Stadt. Vielleicht war ich ja auch gar nicht da, ich gehöre nämlich eigentlich 10 Minuten früher. Vielleicht geht das gar nicht, dass man einfach so den Zeitplan verletzt, vielleicht ist man dann in Wirklichkeit doch zur "richtigen" Zeit unterwegs gewesen, wie es gehört, und zwei Bahnen später bin ich dann nur noch rasch der Realität hinterhergereist. Auf der Straße vor dem Büro lag ein überfahrenes Barbie-Telefon. Vielleicht hab ich das ja 10 Minuten vorher dort verloren, in meiner Tasche hab ich jedenfalls keins mehr. Dieser Gedanke beschäftigte mich dann bis ich plötzlich hier am Schreibtisch saß. Auch keine Ahnung mehr, wie ich dahin kam, aber immerhin hatte ich mir (ob nun 10 Minuten vorher oder nachher) eine Tasse Kaffee mitgebracht. Soweit alles ok.
Muss heute abend mal im Kinderzimmer nach dem Barbie-Telefon suchen.
Aufgrund akuter Langeweile im gegenwärtigen Job schwelge ich in Erinnerungen...
Frau N. finanzierte ihren bisherigen Lebensunterhalt mit den folgenden Tätigkeiten (alphabetisch):
Anwaltssekretärin
Babynahrungsverkosterin
Cafe-Bedienung in Psychiatrischer Klinik
Diskussionsrundenteilnehmerin
Flohmarktverkäuferin
Frisurenmodell
GF-Assistentin
Ghostwriter (für ne Dissertation)
Glatzenrasiererin
Honorarkraft im Kinderheim
Hoteltesterin für Billighotels
Kioskverkäuferin
Kleiderkammeraufsicht in Sozialstation
Kontrolliererin-am-Backwaren-Fließband-ob-Fliegen-unter-der-Folie-sind (auch das muss jemand machen...)
Lagerauspackerin in Bekleidungshaus (2 Tage)
Lehrerin (Berufsschule, Privatschule, inner Firma und Privatlehrerin)
Marktforschungsfragebogenabfragerin
Personalleiterin
Praktikantin im Stahlhandel
Prospektverteilerin für Tageszeitung
Psychotest-Versuchskaninchen
Sachbearbeiterin Export
Sachbearbeiterin Kostenrechnung
Straßenmusikantin
Teamleiterin
Teamassistentin Unternehmensberatung
Übersetzerin
Wissenschaftliche Hilfskraft
Zusätzlich hab ich mich mal (recht erfolglos) im Schnorren versucht, Geld für meine Blutspenden angenommen und einen japanischen Touristen für 15 DM meine Füße (beschuht) fotografieren lassen...
Das war's dann glaube ich.
[Nachtrag: ich überlege nun, was davon am meisten Spaß gemacht hat. Kann ich gar nicht so sagen. Fürchterliche Angst hatte ich vor den Leuten im Kleiderlager (der erste Job - war sehr schüchtern) und jeden Tag gehasst und gezählt habe ich im Praktikum. Ansonsten hat alles auch Spaß gemacht und auch alles nicht nur. Von jeder Tätigkeit habe ich was mitgenommen, und wenn es nur die Erkenntnis war, dass das nicht "meins" war.
Mit Abstand am herausfordernsten - körperlich wie seelisch - war die Arbeit im Kinderheim (Kleinkindergruppe).]
Heute morgen entdeckte das Kind ganz oben auf dem Kleiderschrank, halb hinter einer Kiste, das alte Entenviech vom Herrn N. und wollte es herunterholen und ich sagte ungewöhnlich bestimmt: Nein! Das Ding nich!
Sie kennen die vermutlich, diese recht großen Plüschenten, weiß und schlapp herumliegend mit gelben Füßen und Schnabel und fusselig, sehr sehr fusselig. Bestimmt kenenn Sie sogar jemanden, der so eine Ente besaß, denn die "hatte" man in den späten 80ern. Also ich nicht, aber der M. Der M. war plötzlich da, ich weiß nicht mehr genau woher er kam und wann, aber als er dann da war, war er nicht mehr wegzudenken und wurde in der Schule der Häuptling von allem. Alle fanden ihn toll und schlau und cool, und ich konnte den M. nicht besonders leiden. Ich weiß gar nicht mal warum, ich mochte den einfach nicht - es gibt das ja, man sieht wen und denkt sich "och nö". So ein Fall war das mit dem M. Und der M. besaß auch so ein Entenviech, nur dass es beim ihm stets prominent auf dem Sofa saß, Haare verlor und den Namen "Erpel" trug. Daran konnte man immer erkennen, welches Mädel aus der Klasse gerade was mit dem M. hatte. An weißen Erpelhaaren auf den 80er-Jahre-Popper-Rollkragenpullovern. Sogar im Biologieunterricht sorgte der Haarausfall des Erpels einmal für einen spektakulären Zwischenfall, erspähte doch die damalige Freundin des M. die unwiderlegbare Beweislast bezüglich des Aufenthaltsortes in der vorangegangenen Freistunde auf der Schulter einer Konkurrentin. Ich sehe das heute noch vor mir: weißer fusseliger Flaum auf bordeauxfarbenem Feinstrick.
Der M. bliebt mir mitsamt seinem Erpel auch nach der Schulzeit noch für viele Jahre erhalten, und zwar gleich in doppelter Rolle als Freund meiner späteren Mitbewohnerin und bester Kumpel meines Ex. Und als wir beim Abitreffen vor ein paar Jahren unversehens zu zweit mit dem Bier in der Hand in der Ecke hinter dem Billiardtisch wiederfanden, sagte er dann auch, als er ordentlich Schlagseite hatte: "Du... wir mögen uns einfach nicht, oder?". Tja. Und genau in diesem Moment mochte ich ihn dann schon, ein bisschen. Und zupfte ihm einen weißen Fussel vom Pullover und ließ Grüße an den Erpel ausrichten.
Gerade bin ich äußerst amüsiert, begab ich mich doch spontan auf die Suche nach einem Fensterputzer. Was es da alles gibt!! Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, in dieser Regionaldingensbörse auf mehr Treffer in der Rubrik "Erotik" als in der Rubrik "haushaltsnahe Dienstleistungen" zu stoßen. Das ist jetzt sowas, mit diesen Fensterputzern, das mir bisher in keinerlei Weise auf dem Radar erschien. Ich habe wohl doch einen recht begrenzten Horizont.
So ähnlich ging es mir übrigens neulich mit "Damenhygieneprodukten". Ich hab ja Einkaufssperre, um meinen Krempel zu Hause mal aufzubrauchen, die ganzen Pröbchen, Werbematerialien, Reste und Überbleibsel. Auch da, zu den Damehygieneprodukten: was es da alles gibt!!! Nicht, dass man es wirklich brauchen würde, aber: rechts- oder linksdrehende Tampons mit oder ohne "Applikator" (hallo??) sind nur der Anfang. Weiter geht es mit Damenbinden in den verschiedensten Zuschnitten und mit allerunterschiedlichsten Sorten von "Flügeln". Man ist sich gar nicht sicher, nicht möglicherweise in Wirklichkeit ein Modellflugzeug in der Hand zu halten. Varianten für Tag und Nacht, entsprechend verpackt, wobei die Variante "Nacht" der einen Marke in Bezug auf Farbgebung der Variante für schwarze Tangas der anderen Marke irgendwie ähnelt. Alles natürlich auch hermetisch verpackt mit Schutzfolien, Umverpackung und Klebestreifchen. Auf einer anderen Sorte dann noch als Zugabe ein "Intimpflegetuch" oben drauf. Hier könnte ich nun gut weiter über verschiedene Sorten an feuchten Tüchlein - früher gab es ja nur das klassische Erfrischungstuch mit Kölnisch Wasser Duft Geruch - referieren, denn in meinen Pröbchenkartons finden sich noch unterschiedliche Ausführungen von feuchtem Toilettenpapier (sensitiv, frisch, Kamille, Aloe, soft...), was natürlich nicht mit Feuchttüchern und keinesfalls mit Desinfektionstüchern gleichzusetzen ist. Und Brillenputztücher sind nochmal extra. Deotücher sowieso. Und da wäre man dann schon bei der Nase mit all den verschiedenen Tüchleinvarianten, die diese so dringend benötigt. Oder eben auch nicht.
Fensterputzer. Was kostet denn sowas? Also ein (für die ganze Dauer seiner Anwesenheit) bekleideter, der sein Handwerkszeug (möchte mich nicht noch in die Putztuch- und -mittelvarianten der Fensterputzer einarbeiten) selber mitbringt?
Den Familienbesuch übrigens gut überstanden. Von Fußschmerzen mal abgesehen. Den Eltern in Rollenvertauschung ein umfangreiches Lebensmittel-Carepaket mitgegeben.
Die kommen alle wieder, und zwar an Weihnachten. Das wird das erste Weihnachten seit - hm, 13 Jahren? - das ich nicht "zu Besuch" verbringe. Auch mal schön. Ob so ein Riesenvogelviech in meinen Backofen passt??
Zweites "Bewerbungsgespräch" mit der Nachbarin. Bereits nach 15 Minuten musste ein Glas Wein zu Hilfe geholt werden. Sehr schwierig, das alles. Vielleicht bin ich auch tatsächlich zu kritisch.
Drüber Schlafen ist sowieso immer gut.
Morgen wird es laut, denn morgen kommt Besuch von "zu Hause". Meine Familie ist einfach sehr geräuschvoll, was zum einen daran liegt, dass die wenigsten Familienmitglieder still sitzen können, außer man gibt ihnen ein Buch oder das Internet in die Hand. So wird beständig gewuselt und gewerkelt und geklappert und gemacht und getan. Zum anderen wird in meiner Familie alles besprochen. Ob sinnvoll oder nicht, einigen muss man sich auch nicht unbedingt, da ist man gewohnt, dass das nicht klappt und es bekümmert uns nicht, aber: gut, dass wir drüber gesprochen haben. Gleichzeitig. Und lautstark. Meine eine Schwester, der ruhende Pol des ganzen Konstrukts, kommt nicht mit. Dafür mein Schwager, der auch noch eine andere Sprache spricht. Meine Eltern sprechen diese nicht, was der fortwährenden Kommunikation jedoch in keinster Weise Abbruch tut. Ein bisschen ist das alles wie der Schleudergang in der Waschmaschine. Irgendwie lustig und faszinierend und ja, es ist ja auch so gewollt. Aber wenn dann wieder Ruhe herrscht, ist es auch schön.
Übrigens hat Mama in dieser Woche schon mehrfach angerufen, ob denn wohl alles vorbereitet sei. Ich antwortete ausweichend. Tatsächlich plane ich, irgendwann nach meiner Abendverabredung heute Nacht aufzuräumen und den Tisch zu decken. Mit Kleinkind im Haus machen vorbereitende Aufräummaßnahmen ansonsten ja auch wenig Sinn. Den Einkauf mache ich dann morgen früh so um 8, was ja ausreichen sollte um dann alles ganz frisch zum Brunch gegen 10 Uhr auf dem Tisch zu haben.
Dies ist nun sozusagen der Lackmus-Test, ob Mama diese Site eigentlich bekannt ist oder nicht. Falls ja, werde ich binnen kürzester Zeit einen Anruf erhalten, der dann auch schon sehr laut sein wird :-)
Lassen sie eine knapp 4jährige für etwa 15 Minuten allein in einem Raum mit diesem:

Das Ergebnis sieht so aus:

Es hat dann wohl gemundet...
Dieses Meisterwerk von Chocri wird nächste Woche bei mir landen:

Es handelt sich um Bio-Vollmilchschokolade mit Mangostreifen, japanischen Bouls, Koriander und Blütenmix-Deko. Das hat Frau Diagonale so für mich ausgesucht und ich bedanke mich ganz herzlich.
Und die Währung, in der meine Beiträge käuflich sind, wäre somit auch klar... ;-)
Heute gab es eine kleine Katastrophe zu deckeln. Mein Gegenüber glaubt sich völlig im Reinen, ungerecht behandelt und vom Unglück verfolgt. Um herauszufinden, was da genau vor vielen Jahren bei Abschluss eines Vertrages schief gelaufen ist, waren archäologische Ausgrabungen im Aktenberg vonnöten. Und überall fand ich diese Kleinigkeiten, die nicht so glatt waren wie bei anderen. Sonderwünsche, das Wegwischen von Argumenten, schwammig-verzögerte Antworten auf klare Detailfragen, eine krude Mischung aus Nachlässigkeit wo es um Langfristiges und unangemessener Verbissenheit wo es um kurzfristige Vorteile geht. Lappalien, einzeln für sich genommen, klitzekleine Irritationen. Die sich zusammengenommen zu einem flächendeckenden Juckreiz verdichten. Hinterher und mit Abstand gesehen ist man immer schlauer.
Es gibt sie, diese Leute, mit den gibt es vom ersten Tag an Ärger. Missverständnisse, ungeplante Ereignisse, überraschende kleine Katastrophen, Komplikationen, die sich Tag für Tag aneinanderreihen. Ich sehe das an den "Akten". Da habe ich Leute, die sind seit 10 Jahren hier und ich habe vielleicht einen kleinen Finger breit an Unterlagen. Und dann solche, die noch nicht die Hälfte der Zeit dabei sind und schon 1-2 dicke Ordner füllen.
Ich frage mich, woran das liegt. Ob es einfach Pech ist, das manche Leute anziehen, oder ob es etwas mit Persönlichkeit zu tun hat, also damit, wie auf Umstände reagiert wird. Ob vielleicht ersteres letzteres formt, zu Verhaltensmustern führt, zu einem Teufelskreis.


