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    Freitag, 15. Juni 2007
    Selbstzensur

    Kopf zu voll, daher heute Tag der Selbstzensur, aus Sicherheitsgründen, laufe sonst Gefahr, nicht mehr aufhören zu können mit den Gedanken, habe ja noch so viel anderes vor heute und muss mich außerdem ständig mit der ganzen Welt unterhalten denn es ist einer dieser Tage, an dem einem alles und jeder etwas sagen möchte, also zumindest einer dieser Tage an dem man das egozentrisch annimmt, tatsächlich ist das wohl alles ganz anders, aber was ist schon tatsächlich, das ist ja sowieso Ansichtssache. Und so spricht heute jede Wolke am Himmel zu mir und jede Liedzeile und jedes Blog und jeder Kommentar und sogar in die Kleinanzeigen in der Tageszeitung haben irgendwas mit mir zu tun, leider sage sie alle etwas Unterschiedliches und leider sagt niemand "komm mal wieder runter", so wie ich es selbst den ganzen Tag sage, aber es hilft nicht und vermutlich würde es auch nicht helfen, wenn das Toast oder der Kaffee diese Worte plötzlich zu mir sprechen würden, man nimmt ja doch immer nur das wahr, was man erwartet, und ich erwarte nicht, dass die Toastscheibe sagtt "komm mal wieder runter", wenn dann sagt die was anderes, zum Beispiel "heute sollte doch Tag der Selbstzensur sein" und der Kaffee würde spotten "sieht ja wirklich seeeeeeeehr danach aus!" und der Milchschaum würde sich aus der linken Ecke der Kaffeetasse melden, erstens um klarzustellen, dass er eine eigene, vom Kaffee getrennte Identität hat und zweitens um darauf hinzweisen, dass das jetzt reichen sollte, aber was lasse ich mir denn schon vom Milchschaum erzählen.
    Selbstzensur klappt nicht. Sagt mein Kopf. Mein Mund verkneift sich einen Kraftausdruck. Das Bauchgefühl schlägt Salto. Die Augen blicken irritiert auf die Finger, die munter weiterschreiben.

    Donnerstag, 14. Juni 2007
    Ups

    Gerade festgestellt, dass ich heute alles mit 14.06.2004 unterschrieben habe.

    Nicht gerade erst festgestellt, aber gerade erst wieder gedacht, dass derart froh bin, nur Telefonkonferenzen und seltenst mal eine Videokonferenz zu haben. Ich kann meine Mimik einfach nicht beherrschen.

    (Nachgedanke - je größer die Verantwortung wird, desto mehr ist wieder per Hand zu schreiben. Sehr lästig.)

    Feierabend, jetzt, würde ich mal sagen.

    Donnerstag, 14. Juni 2007
    Gefühle, Liste (aktuell)

    • Die Genugtuung, festzustellen, dass ich quasi aus dem Stand 5,6 km am Stück laufen zu kann. Mal sehen, gegen was ich die morgen gern tauschen würde.
    • Die immense Irritation, dass ständig alle hinter mir herrennen wie Küken hinter der Glucke. Wenn ich sage, ich mach jetzt mal dasundas, ist das kein Grund, sich in Zweierreihen hinter mir aufzustellen. Ich heißt nicht wir. Was ihr macht, ist mir egal! Bzw. es wäre mir eigentlich sehr recht, wenn ihr das ab und zu mal selbst entscheiden würdet.
    • Die Fremdheit vor mir selbst, wenn ich den Blick des Typen vor dem Kiosk, der mich mit den Augen ausziehen will, so lange halte bis er zur Seite schaut.
    • Die Verwunderung, wenn ich feststelle, dass ich auf dem Heimweg, nachts, ganz automatisch die Schlüssel zwischen die Finger der rechten Hand sortiert habe, so dass ich jederzeit damit zuschlagen kann, und dabei leise zu einer inneren Musik summe.
    • Die Verletzbarkeit, die ich plötzlich zulassen kann.
    • Die Freude, über die ich nicht reden will, einfach so.
    • Die Angst, über die ich nicht reden will, einfach so.

    Wasser bis zum Hals

    ...aber besser als Scheiße bis zum Hals, immerhin.

    (5,5 Minuten-Stream, gleich nochmal - weils so schön war mit dem dahinrotzen - und zu mehr ist eh keine Zeit)

    Und ich hasse es, gedrängt zu werden, in welcher Form auch immer, und wenn ich etwas ernst meine sage ich "Bitte", und wenn ich noch eine Mail mit rotem Ausrufungszeichen dran bekomme fliegt mir die Schädeldecke weg. Unbedingt kurz und knapp und professionell antworten und keinesfalls rechtfertigen, niemals rechtfertigen, und in den nächsten Wochen die Knirscherschiene am besten auch tagsüber tragen.

    Draußen wummert die Musik von diesem Lauf, auch das noch, auch der noch, und zwischen den Smalltalk-Parties für dies und das und jenes mit Smalltalk über bla und blubb das Wesentliche nicht aus den Augen verlieren, hier und da einen Eimer Wasser draufkippen und hoffen, dass es erst wieder anfängt zu schwelen, wenn ich das nächste Mal vorbeihaste.

    Dabei natürlich und unbedingt nicht nur auf die Krisen schauen, sondern das Lob da anbringen, wo es hingehört, nicht übertrieben aber auch nicht zu flapsig, keinesfalls zwischen Tür und Angel und mit den Gedanken nicht schon zwei Kilometer weiter oder 200 Kilometer entfernt.

    Und das ist erstmal nur das eine, diese drei Stunden am Tag im Rapunzelturm. Von der Biertrinkersuche, den Kaffeetrinkerbegegnungen und den nur-noch-Wasser-trinkenden Netzbegegnungen vielleicht in einem völlig anderen Leben.

    Montag, 11. Juni 2007
    Desillusionierende Momente des Alltags

    Gestern abend beim Laufen von ambitionierten Spaziergängern überholt worden. (Muss an Bowie im Ohr gelegen haben, alte Schlaftablette).

    Vielleicht Mittwoch passend zum Chase Lauf Läuse bekommen? Eine verschwommene Erinnerung, vor gefühlten 100 Jahren die Hierarchie bis über den Atlantik breitgeschlagen zu haben, um diesen Lauf als Firmenevent mit allem drum und dran zu etablieren. Meine Güte, muss ich mal jung gewesen sein...

    Freitag, 8. Juni 2007
    Gerettet!

    Wie ein leichtes Kribbeln auf dem Hinterkopf plötzlich (in der Bahn mal wieder) die rettende Idee. Wenn es gar nicht geht: Läuse. ich hab Läuse. Das ist die Ausrede überhaupt. So doof, dass sie nur wahr sein kann.

    Wird dann doch eine entspannte Woche, mit dem Wissen, dass ich im Notfall Läuse haben könnte.

    Donnerstag, 7. Juni 2007
    Training

    Gerade das Menü des mp3players auf Koreanisch umgestellt. Verstehe kein Wort, aber bestimmt ist das irgendwie gut fürs Gehirn. Oder so als Erfahrung an sich. Mit Unsicherheiten leben. Klein anfangen, halt.

    Mittwoch, 6. Juni 2007
    Pendlergedanken

    • Die Zahl der Bekannten, die mich mit "Du siehst ja total beschissen/übernächtigt aus" begrüßt, erhöht sich täglich konstant um 2. Seit Sonntag. Noch unsicher, ob es sinnvoller ist, heute früh schlafen zu gehen oder zu warten, bis die prognostizierte Zahl der Beleidigungen die maximale Anzahl an Bekannten, die ich täglich treffe, übersteigt. So um mal zu sehen, was dann eigentlich passiert. Ob ich dann einen Haufen neue Leute kennen lerne.
    • Auf der Heimfahrt einem Mann mit sehr ovalem Kopf, sehr hoher Stirn und sehr hellem Haar gegenüber gesessen. Immer wieder gedanklich beim Sonntagsfrühstück mit der Familie früher gelandet, Eierköpfen. Die Implikation sickert erst nach einiger Zeit ins aktive Bewusstsein. Mir graut vor mir.
    • Festgestellt, dass die Spitze des Henninger Turms - bei diesigem Wetter aus der Ferne in der Spiegelung des gegenüberliegenden Zugfensters betrachtet - mich ein bisschen so anschaut wie Freddy Krueger.
    Fazit: Heute doch früh ins Bett?
    (Gegenargument: kühles Hefeweizen vorhanden)

    Geruchsbelästigung

    Nach zwei Stunden auf dem warmen Arm entwickelt sich der getestete leicht-frische-sympathisch-unaufdringliche Sommerduft zu einem olfaktorischen Supergau.

    (Zurück zur Hausmarke.)

    Dienstag, 5. Juni 2007
    Dieses Leben ist eines der gefährlichsten...



    Isjagut ich fass das Ding nicht an...


    12 Minuten im Büro, 4 Einladungen zu Speis und Trank. Hach ja. Sommer.

    (Notiz an mich: ab Monatsmitte Weltgeschehen verfolgen wegen Smalltalk-Themen)

    Montag, 4. Juni 2007
    Lasst mich noch ein bisschen fliegen...

    Ganz genau weiß ich noch, dass ich früher der festen Überzeugung war, wenn ich mit einem Schiff ins Meer schippern würde auf einer Insel zu landen die ich fortan bewohnen könnte, einfach so, mit Blockhaus und Tieren und vielen, vielen Kokosnüssen. Das Schiff hätte ich bauen können, natürlich, indem ich einfach weiter auf dem Spielplatz die heruntergefallenen Kastanienästchen mit langen Gräsern zusammengebunden hätte anstatt aufzuhören, wenn mir langweilig wurde. Meist wollte ich dann nämlich doch lieber einen Wohnwagen bauen oder auch ein Flugzeug, das tat ich im Keller mit Papas Werkzeug. Auch diese Projekte scheiterten nicht an der Physik, sondern an anderen wichtigen Ereignissen im Kinderalltag wie dem Klingeln des Eiswagens oder dem verhaltensgestörten Wellensittich, der wieder einmal davon abgehalten werden musste, sich zu Tode zu schaukeln.

    Wie die Landung auf den Boden der Tatsachen herbeigeführt wurde, weiß ich nicht, denn sie war äußerst sanft und hinterließ keine Narben. Und irgendwo, ganz tief in meinem Inneren, ist die Erkenntnis, dass ich vermutlich doch nicht alles kann, was ich will, niemals wirklich angekommen.

    Ich wünsche mir, aus meinen Allmachtsphantasien (der Sorte "Ich hab das im Griff") des Erwachsenenlebens ebenso butterweich wieder aufzusetzen. Die Prognose, die mir jedoch immer wieder spontan und ungefragt durch den Kopf wieselt, lautet "Bruchlandung".

    Sonntag, 3. Juni 2007
    Heute

    • Geradezu unverschämt fit nach einem sehr senkrechten Absturz um halb vier und gut drei Stunden Schlaf.
    • Der eine hat seine geplanten 50-Stunden-Dauerfeiern mit unserer Hilfe durchgezogen und wird uns dafür heute verfluchen auf ewig dankbar sein,
    • "Wie, er fährt? Wieso hat er Dich dann mitgebracht??" Das war nicht nett von mir, kam aber so richtig von innen.
    • Bitte Daumen drücken für ausgiebigen sturzbachartigen Regen, der den Balkon sauberwäscht. Möglichst bald.

    November seit 7237 Tagen

    Letzter Regen: 06. Januar 2026, 22:39 Uhr