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    Samstag, 17. Februar 2007
    Alte Leier

    Und immer wieder die Erkenntnis, dass es nicht gelingt, alle Variablen auf Dauer im Sollbereich zu halten; während die rechte Hand etwas aufbaut reißt die linke etwas ein... das Ergebnis, würde ich mich einfach treiben lassen und auf Glückstreffer hoffen, wäre möglicherweise dasselbe.
    Und immer wieder die Frage, ob das nicht viel einfacher wäre... sich von anderen abzugrenzen statt sich selbst zu finden.

    Ein Wochenende (oder auch erst ein halbes) dort, wo man sich über andere definiert: die hat doch bestimmt 10kg zugenommen (und ich nicht)... die haben sich getrennt und müssen jetzt das Haus verkaufen (und ich nicht)... der hat jetzt den super Job (und ich nicht)... wo das Problem das Interessante ist und nicht die Lösung...

    ... und ich will nur noch raus, die eigene Nase ist die, die es zu fassen gilt, es ist mein Leben, es geht um mich, und wenn mir alles 1000 Mal in 1000 Teile zerbricht, dann baue ich es halt 1001 Mal wieder auf, ich bin ich, ich bin ich, ich bin ich, ich bin ich, ich bin ich, ich bin ich, ich bin ich, ich bin ich, ich bin ich...

    ...

    Freitag, 16. Februar 2007
    Fast zwanghaft

    ...immer provozieren, immer weiter, immer mehr, und dann plötzlich alle Schilde fallen lassen, unvermittelt, und den anderen - psychisch - zuschlagen lassen. Merkwürdiges Hobby.

    Möglicherweise Versuch der Vergewisserung, selbst noch da zu sein, in all dem Chaos, denn - wo es weh tut, da lebt noch was.

    Ungesund, vermutlich.

    Mittwoch, 14. Februar 2007
    Ich ich ich - unbedingt (allein)

    Ich würde verreisen. Auf eine Insel. Nordsee oder so. Allein. Unbedingt allein.
    Ich würde so ein kleines Häuschen nehmen, mit Sofa irgendwo unten und Bett im Dachgeschoss und großem Fenster da oben. Mit Küche unten und großem Holztisch. Fenster mit diesen Drehgriffen. Unbedingt Fenster beim Tisch.
    Ich würde am späten Nachmittag ankommen und meine Sachen auspacken, im Dachgeschoss, und dann in der Dämmerung am Meer spazieren, später im Häuschen Reste vom Reiseproviant essen und Leitungswasser trinken, dann früh und frierend ins Bett, unbedingt frierend.
    Ich würde am nächsten morgen sehr früh aufwachen, mir die alten Klamotten wieder überwerfen, die vom Meer noch etwas klamm und salzig sind, unbedingt klamm und salzig.
    Ich würde rausgehen und frösteln, die Sonne würde nicht ausreichen, um mich zu wärmen, ich würde einen Bäcker und einen Supermarkt suchen und Brötchen, gesalzene Butter, Käse, Kaffee, Milch und Bier kaufen. Unbedingt das alles.
    Ich würde dann in das Häuschen gehen, die klammen Klamotten über die Heizung legen und duschen, ganz heiß, unbedingt.
    Ich würde die warmen Klamotten anziehen (immer noch salzig, wichtig!) und an dem großen Holztisch Milchkaffee trinken und Brötchen mit salziger Butter essen, dabei aus dem Fenster schauen, barfuß und mit nassen Haaren, unbedingt barfuß und mit nassen Haaren.
    Ich würde dann spazieren gehen und irgendwann irgendwo Fisch in einem Restaurant essen, allein, unbedingt allein.
    Ich würde noch woanders Kaffee trinken oder Kakao oder Tee und danach barfuß durchs Meer gehen und wieder kalte Füße bekommen, an denen der Sand schabt und es würde anfangen zu regnen, unbedingt.
    Ich würde - nass - irgendwohin gehen und ein Bier trinken und Leute kennen lernen, merkwürdige vermutlich (nicht unbedingt) und nach ein oder zwei Stunden in mein Häuschen gehen und allein sein, unbedingt allein.
    Ich würde mit einer komischen Decke auf dem Sofa sitzen (barfuß, klar), noch ein Bier trinken, jedes Zeitgefühl verlieren und irgendwann einschlafen, auf dem Sofa, und dann nachts wach werden und ins Dachgeschoss gehen und aus dem Fenster schauen, unbedingt.
    Ich würde Regen hören und ins Bett gehen, da im Dachgeschoss, und schlafen, schlafen, schlafen. Unbedingt schlafen.

    Ich würde am nächsten Tag aufwachen und beschließen, nach Hause zu fahren, unbedingt. Glaube ich.

    Dienstag, 13. Februar 2007
    Bewerbermarathon

    Seit Jahresanfang fast jeden Abend Gespräche gehabt, gestern gleich drei, heute zwei Telefoninterviews, anstrengend, kannichmehr, aber kein Ende in Sicht.
    Kopf schwirrt vor lauter Lebensläufen, Persönlichkeiten, Gesichtern. Weiß schon gar nicht mehr wer ich bin in dem ganzen Gewühl.

    Sehr versucht, allabendlich einen alkoholinduzierten Tilt herbeizuführen (aber bislang standhaft). Wochenendmigräne ist gewiss.

    Dienstag, 13. Februar 2007
    Verbesserungsfähig

    Wenn man der Linie 715 aus der Innenstadt Richtung Außenbezirk folgt, weil man wie immer zu hibbelig ist, um nach der verpassten Bahn auf die nächste zu warten, und lieber die Beute des Einkaufsbummels ein paar Haltestellen vorwärts schleppt, kommt man zu einer kleinen Schneiderei mit vergilbten Gardinen und Kakteen im Fenster.

    Hibbelig ist man selten nur einmal im Leben, und so war ich an dieser Haltestelle schon einmal, vor vielen Jahren, nachts, im Regen, ohne Einkäufe aber dafür in Gesellschaft. Ich weiß nicht mehr wie es dazu kam, zu viele Jahre seitdem, oder vielleicht wusste ich es auch nie genau, aber nach einigem hin und her kamen die Worte "natürlich kannich ne Scheibe einschlagen" leicht schlurrig aus meinem Mund. Im Nachhinein wundere ich mich sehr, dass es mir damals so wenig schwer fiel, schwachsinnige Dinge zu tun, es mir aber schier unmöglich war, eine Herausforderung abzulehnen oder etwas Gesagtes zurückzunehmen. An eine gewisse Übelkeit unter dem Adrenalin kann ich mich erinnern und an einen kleinen Gedanken, etwas Dummes zu tun, der mich von der großen Scheibe der Auslage auf die kleinere neben der Tür umzuschwenken ließ, als ob es das besser machen würde. Mehr Adrenalin, ein Krachen, das Gefühl, durch brechendes Eis zu stürzen, jemand reißt mich zurück und mit sich, kalte Luft in der Lunge, ein brennender Hals, viele Glassplitter auf der um den Arm gewickelten Jeansjacke, ein Kratzer am Daumenballen, Dosenbier und das Gefühl, dass jedes La-Lü in dieser Nacht mir galt.

    Die Schneiderei sieht noch genauso aus wie vor vielen Jahren, drinnen wieselt ein altes Männlein umher, alles irgendwie in sepia. Ich kann mich so gut verstehen und doch irgendwie gar nicht, ich wünschte, ich könnte es nicht oder ich würde mich besser kennen oder was weiß ich. Wie angewurzelt stehe ich vor dem Laden und das Männlein in sepia grinst und winkt mir zu.

    Schwachsinniges zu tun fällt mir noch immer unglaublich leicht. Plötzlich finde ich mich in dem Laden wieder. Während das Männlein auf mich zusteuert überlege ich blitzartig, was ich hier eigentlich will, die Tür hinter mir öffnet sich und gibt mir einige Sekunden mehr zum Finden der Antwort, die wohl irgendwo darin liegt, mich nach der Fensterscheibe von vor zig Jahren zu erkundigen und ob wohl die Versicherung gezahlt hat und falls nicht, was ich schuldig bin. Um dies genauer zu ergründen möchte ich dem neu angekommenen Ladenbesucher Vortrittt lassen, was dieser mit den Worten "Neee, Frollein, ich bin hier Inventar" ablehnt.
    "Schöner Tag heute, nech? So sonnig!" ruft das Sepia-Männlein fröhlich, das Inventar nickt und produziert eine joviale Antwort und mir wird klar, dass ich hier fehl am Platze bin, hier braucht keiner was außer vielleicht ich selbst, der Mann denkt seit Jahren nicht mehr an seine Scheibe und er hat einen schönen Tag, alte Geschichten sind unangebracht.

    Die Luft wird mir knapp, so als wäre hier zum letzten Mal gelüftet worden, als ich das Loch in die Scheibe schlug. Irgendwas murmele ich und stürze am Inventar vorbei aus dem Laden, auf den drei Stufen knicke ich noch um und stolpere auf das Pflaster, ergreife die Flucht.

    Auf Bahnen warten ist nicht meine Stärke. Nach wenigen Minuten schleiche ich zurück, meine gesamte Barschaft in der Hand. Ein Mann mit seiner Habe in Plastiktüten erspart mir die Peinlichkeit, knapp 130 Euro in den Briefkasten einer Schneiderei mit vergilbten Gardinen und Kakteen im Fenster zu werfen. Endlich kommt dann auch die Bahn.

    Während der Heimfahrt habe ich das Gefühl, dass sämtliche La-Lüs mir gelten. Zwecks Einlieferung, oder so. Vergangenheitsbewältigung. Keiner braucht das.


    Ich bin ich.

    Das Leben drum herum, das sind nur die Rahmenbedingungen.

    Samstag, 10. Februar 2007
    Suchmeldung

    Geruch von Regen auf warmem Asphalt.

    Wird schmerzhaft vermisst.

    Mit so ein bisschen Unterton von nassem Laub.

    Freitag, 9. Februar 2007
    Mir selbst ins Netz gegangen

    Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich bestimmte Entscheidungen, mit denen ich scheinbar ringe, schon längst getroffen habe. Dass ich mich gut genug kenne, um zu wissen, worauf es hinauslaufen wird. Dass ich manche Dinge einfach nicht mache. Dass ich manche Dinge einfach tun muss.

    Das schiebe ich aber ganz schnell weg. Und gaukele mir selbst vor, ich würde noch überlegen und abwägen. Und erbitte mir vor anderen Bedenkzeit.

    Der Sinn ist vermutlich, dass ich mich mit der Entscheidung noch anfreunden möchte. Oder vielleicht auch, dass ich das Gefühl haben möchte, entscheiden zu können und nicht sowieso schon, durch ein innerliches, (glücklicherweise) nur mir selbst zugängliches, verzwickt-verzweigtes Netz an Erfahrungen, Werten und Charakterzügen, festgelegt zu sein.

    Mittwoch, 7. Februar 2007
    Sechs Seltsamkeiten

    Als ich da so gedankenverloren in mein wunderschönes neues Layout starrte, meine Hände am Tee wärmte, in Gedanken Frau Diagonale huldigte und Regen im Ohr hatte, klockerte plötzlich etwas übers Parkett und schlug gegen meinen Knöchel. Schluss also mit dem Abhängen - Frau Lilly-Charlotte möchte sechs Seltsamkeiten über mich erfahren. Naja, ich könnte jetzt kokettieren, dass ich gar nicht seltsam bin oder dass ich mich nicht auf sechs Dinge beschränken kann. Aber in Wirklichkeit hatte ich schon Angst mich fragt keiner mehr ist das natürlich gar nicht mein Stil... also sehen Sie, das ist mit mir so:

    1. Ich habe noch zwei Milchzähne. 34 und 44 (bzw. eigentlich heißen die ja dann 74 und 84).

    2. Mein Abitur wird im Bundesland Bayern nicht anerkannt. (Einer meiner Studienabschlüsse übrigens auch nicht, aber das ist weniger kurios, das geht vielen so.) Mein Abitur gilt dort nicht, weil ich in die Berechnung der Note sechs Sprachen einbrachte und keine davon war Bayerisch. Das geht natürlich nicht. Ich habe dafür vollstes Verständnis *süß lächel*.

    3. Ich muss fast zwanghaft alles probieren, was ich genau identifizieren möchte. So verkoste ich jedes neue Shampoo, Duschgel, Rasierschaum, Pflanzen, Farben... und auch Krümel etc. die ich auf dem Boden finde und nicht eindeutig zuordnen kann. Glücklicherweise möchte ich die meisten Dinge, die draußen so herumliegen, nicht identifizieren.

    4. Ich schneide meine Fingernägel nicht sondern beiße sie auf die gewünschte Länge. Selbstverständlich bin ich kein Nägelkauer. Es ist vielmehr eine zielgerichtete Handung, die ich bei Bedarf am Waschbecken im Bad verrichte.

    5. Ich schlafwandle sehr extrem.

    6. Im frühen Gymnasialalter gründete ich mit einer Freundin einen Club dessen Ziel es war, sich möglichst wenig zu Fuß fortzubewegen bzw. wenn absolut notwendig dabei extrem große Schritte zu machen. Es gelang uns, mehr als 20 Mitglieder zu gewinnen, mit Mitgliedsbeitrag, Ausweis, Zeitschrift mit praktischen Ratschlägen, Fanshop und allem pi pa po. Nach einigen Monaten verloren meine Freundin und ich das Interesse und leugneten - trotz erdrückender Beweislage - jegliches Wissen von oder gar Beteiligung an diesem Unterfangen (für die Fälle Barschel und Daum empfinde ich übrigens starke Empathie).

    (Ich bitte um Verständnis, dass ich den Namen dieses Clubs nicht nenne. Ich möchte nach 2 Dekaden des Schweigens nicht von versprengten Restmitgliedern zur Rechenschaft gezogen werden.)

    Ich denke, das reicht. Weitergeben möchte ich dieses Holz an Frau Anje und Frau Morphine.

    Dienstag, 6. Februar 2007
    Also...

    ich bin ja schon sehr angetan von meinem neuen Layout :-)

    Montag, 5. Februar 2007
    Montagsbilanz

    (bis 14:00 Uhr)

    • Eine weitere Kindergartenabsage im Briefkasten gehabt
    • Total komplett nassgeregnet worden
    • SMS von der Putzfrau erhalten - sie kommt nicht mehr
    • Küchenstuhl-Lieferung erhalten - im Paket eine Hälfte Stuhl und eine Hälfte irgendwas
    • Spülmaschine kaputt gegangen
    • Kind nach 10 Minuten schreiend aus dem Mittagsschlaf erwacht
    Oh, was freu ich mich auf heute nachmittag....

    November seit 7238 Tagen

    Letzter Regen: 06. Januar 2026, 22:39 Uhr