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    Freitag, 29. Dezember 2006
    Eine Ausnahme

    Ich halte ja nichts davon, sich über Geschenke zu beschweren, denn geschenkt ist halt geschenkt und wenn man es nicht braucht isses auch egal denn man hat ja schließlich nichts dafür bezahlt. Und ich halte auch nichts davon, über Leute zu lästern, denn es bringt nichts, man sollte ihnen sämtliche Belange lieber direkt mitteilen oder - wenn sich der Aufwand oder der Aufstand nicht lohnt - den Mund halten. Und insbesondere halte ich es für ungeschickt, über die eigenen Eltern oder die des Partners herzuziehen, denn die einen haben einen selbst geprägt und die anderen den, den man liebt, so dass man bei dieser Sache eigentlich nur verlieren kann.

    Nun, Ausnahmen bestätigen die Regel.

    Ich bekam zu Weihnachten von einer Person, die ich nicht näher identifizieren möchte, die aber den Herrn Novemberregen, also ihren Sohn, bat, meine Wünsche herauszufinden, was dieser durch die unauffällige Frage "was soll sie dir schenken" tat, woraufhin ich eine kleine Liste an leicht erhältlichen Büchern und anderem überall verfügbaren Schnickschnack zur Auswahl zusammenstellte, - Wünsche zu produzieren fällt mir nicht schwer - einen "Hausanzug" geschenkt. Also es geht um einen Hausanzug.
    Ich glaube, es gibt verschiedene Arten von Leuten, nämlich solche, die Kleidungsstücke wie Hausanzüge und Bademäntel benötigen, und solche, die dies nicht tun. Ich gehöre zu letzteren. Wenn ich noch in Schlafkleidung bin und es an der Tür klingelt, werfe ich mir keinen Bademantel über, um zu öffnen, denn ich denke, dass ein Bademantel nicht wirklich kleidsamer ist als ein Pyjama; gleiches gilt übrigens für einen Hausanzug. Ich kann nicht im Hausanzug die Tür öffnen und Störenfriede anblaffen und ich kann nicht im Hausanzug die Tür öffnen und die Müllpolizei Hausmeisterin abfertigen.

    Kleidung ist wichtig. Über die Jahre habe ich dabei für mich einige Grundsätze gefunden, die unter anderem beinhalten dass Schlafklamotten sich nicht zu produktiver Tätigkeit eignen und dass man gut aussehen sollte, wenn man Mist baut. Ersteres ist vermutlich subjektiv, zweiteres habe ich ausführlich validiert.

    Möglicherweise trifft dieser Hausanzug bei mir auch einen wunden Punkt, das will ich nicht ausschließen. Es ist ja so, dass Kleidung auch eine Einstellung ausdrückt. Bei uns laufen alle, die am Wochenende ins Büro müssen, beispielsweise in möglichst verrotteten Freizeitklamotten herum, mich eingeschlossen. Die Aussage ist klar: Ich gehöre hier nicht hin. Möchte man dies auch eigentlich jedem gleich entgegen schreien, zieht man doch oft die nonverbale Variante vor.
    Nun kann man einen Vergleich ziehen und sich fragen, ob ich unter Umständen bereit wäre, an einem Freitagabend zu Hause einen Hausanzug zu tragen. Hm?

    Ich will keinen Hausanzug. Ich will mir meine Kleidung selbst aussuchen. Ich will keine Kleidung geschenkt bekommen. Ich sage das bei jeder Gelegenheit. Wieso habe ich kein Buch bekommen?

    Naja, möglicherweise könnte ich ihn tragen, um Tai Chi für junge Mütter zu podcasten, so wenn man nach dem Einschläferzeremoniell des Kindes über die auf dem Boden verteilten Spielzeugfragmente steigt und bei dem kleinsten Geräusch in den unglaublichsten Posen regungslos verharrt...

    Hat noch jemand ein doofes Geschenk bekommen??

    Montag, 18. Dezember 2006
    Weihnachtsgeschenk für Papa

    Disclaimer: Dieser Beitrag ist natürlich frei erfunden.

    Viele Menschen behaupten, ich wäre stur. Diese Menschen kennen meinen Vater nicht. Papa ist Westfale, durch und durch. Wenn Papa etwas will oder sagt, ist das so. In den letzten Jahren kommt noch eine Portion Altersstarrsinn hinzu.

    Gegenüber meines Heimathauses war vor vielen Jahren einmal eine Bushaltestelle. Der Bus fährt dort schon lange nicht mehr, die Haltebucht ist noch vorhanden und ruft am Fußgängerzonen-Randgebiet wie eine Oase die nach einem Parkplatz Dürstenden herbei. Kurz vor dem Einparken entpuppt sich das ganze als eine Fatamorgana - Halteverbot, absolut, dokumentiert mittels Verkehrsschild.

    Wenn ich meine Eltern besuche, stoße ich zunächst direkt auf das Haus zu, um mich sodann in Spiralbewegungen immer weiter zu entfernen, bis es mir gelingt einen Parkplatz zu ergattern. Papa erwartet mich am Fenster. Sieht er mich unter dem Gepäck schwankend auf das Haus zusteuern, kommt er mir entgegen um einen Teil der Taschen zu nehmen und zu sagen: "Warum hast Du nicht da drüben geparkt?"
    "Da ist Halteverbot, Papa", antworte ich.
    "Schon längst nicht mehr, der Bus fährt noch nicht mehr", sagt Papa. "Da kontrolliert keiner, da kannste doch parken. Die haben nur vergessen, das Schild weg zu machen. Ich hab da schon angerufen, aber die tun nix. Seit Jahren schon! Saubande. Kümmert sich keiner. Dafür zahl ich Steuern!".
    "Ich hab da aber schon zweimal ein Knöllchen bekommen", wage ich einzuwenden.
    Papa kaut auf seinem Gebiss. "Frechheit ist das. Hast du die etwa bezahlt?? Verbrecher!".

    Da unsere Familie gern Rituale pflegt, verläuft das Gespräch bei jedem Besuch in etwa gleich. Nur beim letzten Mal war ich etwas angestrengt und mißgestimmt und verließ die gewohnten Pfade.

    "Halteverbot ist da, wo das Schild steht, Papa", sagte ich, um das Gespräch abzuwürgen.
    Wie wir wissen, bestraft der liebe Gott kleine Sünden sofort. Papa blieb wie angewurzelt stehen. "Dann muss das Schild weg!" Er lief zur Haltestelle zurück um zu schauen, wie das Schild befestigt ist. "Das mach ich ab. Das muss weg". Nur mit Mühe konnte ich ihn bewegen, das Schild vorerst Schild sein zu lassen.

    An der Kaffeetafel saß Papa gedankenverloren da und kaute auf seinem Gebiss. Wenn er sprach, dann von dem Schild, und wie es zu entfernen sei. Doch gab es nach dem Kaffee Fußball und Bier, so dass die Angelegenheit vorerst in Vergessenheit geriet.

    Vorerst, denn Papa vergisst nichts, und so etwas schon gar nicht. Das Schild war Thema beim Frühstück, beim Mittagessen und beim Abendessen (der Tagesablauf richtet sich bei uns daheim im Wesentlichen nach den Mahlzeiten - zwischendrin war das Schild jedoch auch Thema).

    Am Abend saß ich mit meiner Schwester zusammen.
    "Wie konntest Du das nur tun, ihn auf diese Idee bringen!", warf sie mir vor. "Du kennst ihn doch, der geht demnächst hin und macht das Schild weg und gibt es richtig Ärger!".
    Ich versuchte zu beschwichtigen, dass es so viel Ärger nicht gibt, wenn man sich an einem Verkehrsschild vergreift. Doch meine Schwester hatte schon weitergedacht: Papa würde das Schild niemals heimlich entfernen, da er sich ja völlig im Recht fühlt. Am hellichten Tag würde er mit Leiterchen und Akkuschrauber zu Werke gehen. Eventuell herbeigerufene Ordnungshüter würde er beleidigen (Saubande! Verbrecher!), eventuell zu zahlende Ordnungsgelder würde er verweigern, bis aufs Äußerste. Die Zukunft sieht düster aus. Und ich bin Schuld.

    "Und jetzt??", fragte ich meine ältere Schwester, die immer Rat weiß. Sie schwieg. "Wir müssen ihm zuvorkommen", sagte sie dann.

    In einer Nacht- und Nebelaktion stelle ich fest, dass es über die Jahre nicht einfacher geworden ist, Verkehrsschilder von ihrem Bestimmungsort zu entfernen. Der Vorteil des besseren Werkzeugs wird aufgehoben durch ein geringeres Maß an Kletterübung und Scheiß-Egal-Haltung. Aber Sturheit ist erblich und so ist es das Schild, das letztendlich aufgibt.

    Papa bekommt in diesem Jahr ein "Halteverbot"-Schild zu Weihnachten. Ich bekomme einen Parkplatz vor der Haustür.


    ¿Qué hora es? Nadie lo sabe.
    Las horas cuelgan del techo, pero no puedo cogerlas.
    Mando mis ojos abiertos,
    y vuelven mudos mis ojos a sus órbitas de miedo.
    Pasa un grito por la calle;
    pasa después un silencio,
    y un silencio más, y otro,
    y pasan muchos silencios...
    N. Guillén


    Noch eine weiße Nacht, von zwei Stündchen im Morgengrauen mal abgesehen.

    Verkehrte Welt. Vielleicht werde ich ja müde, wenn ich heute abend Kaffee trinke...

    Sonntag, 17. Dezember 2006
    Schlaflos

    Ich kann nicht mehr [edit: richtig] schlafen, schon seit drei Nächten. Allerdings bin ich auch nicht müde. So gar nicht.

    Eigentlich sehr praktisch!

    Freitag, 15. Dezember 2006
    Ausfallerscheinungen

    Statt "Starbucksröstung" wiederholt "Sprachstörung" lesen. Gleich ein Gespräch darüber anfangen. Bei "wie kommst Du denn jetzt darauf??" auf Kaffeebohnen deuten und "steht doch da" sagen.

    [edit - weitere Ausfallerscheinungen. Gehaltsabrechnungen 5x an falschen Drucker geschickt, bis der Gedanke aufkam, dass das was schief läuft. Lang nicht mehr so gespurtet.

    Urlaubsreif??]

    Donnerstag, 14. Dezember 2006
    Oh.

    Gerade in einer Nachmittagstalkshow gesehen. Wieso überhaupt Nachmittagstalkshow sag ich jetzt nicht, würde eh alles wie eine Ausrede klingen, sagen wir einfach, ich hab sie eingeschaltet...

    Jedenfalls - da sind Leute, denen man auf den ersten Blick ansieht (Ton war aus), dass sie bei der Verteilung der Gaben recht kurz gekommen sind. In Haltung und Mimik, aber auch in den Gesichtszügen. Wie kommt sowas? Selbst bei den Jugendlichen konnte man das schon sehen, bei den Erwachsenen erst recht. Schlimm, man sieht sie und sie sind gleich abgehakt, müssen den Mund gar nicht erst aufmachen. Gar nicht an Einzelheiten festzumachen, aber ein Gesamtbild. Traurig. Ton einschalten hat meine Voreinschätzung übrigens bestätigt.

    Hat mich an Alkoholikerbabys erinnert, mit denen ich mal gearbeitet habe...

    Chancengleichheit, ich lach mich tot :-(

    Montag, 11. Dezember 2006
    Die ersten 20cm

    Was für eine merkwürdige Idee es doch ist, an einem 11. Dezember wieder mit dem Laufen anzufangen!

    Die letzten zweieinhalb Jahre hat mich nichts, aber auch gar nichts zum Laufen getrieben. Es erschien mir absurd, jemals Spaß daran gefunden zu haben. Und dann wache ich mit diesem fixen Gedanken im Kopf auf, es juckt in den Füßen.

    So trabe ich Richtung Park. Schiefergrau ist der Himmel und es ist doch tatsächlich noch richtig schön kalt geworden. Der Weg im Park ist trotzdem vermatscht, was mich nicht stört, denn ich hätte nicht gedacht, dass ich überhaupt - laufend - so weit komme. Fand meine letzte Laufrunde doch vor einer längeren Babypause statt. Der Matsch wäre schon fast ein Grund, doch lieber ins Schritttempo zu wechseln, hätte ich nicht genau dort, auf dem schlammigen Weg, meinen Rhythmus wieder gefunden. Tsapp tsapp tsapp tsapp tsapp tsapp. Hypnotisch.

    Tsapp tsapp tsapp tsapp tsapp. Die Gedanken fließen. Erinnerung an die Schulzeit, an endlose Strafrunden auf dem Sportplatz, immer mit der besten Freundin und immer mit Jeans und Docs. Dabei nie einen Rhythmus gefunden, schon gar nicht meinen.

    Tsapp tsapp tsapp tsapp tsapp. Erinnerung an eine Wette, einige Jahre später. Eine Runde um den Maschsee in Hannover. Das tat weh am nächsten Tag. Wette gewonnen - worum es überhaupt ging, verrät die Erinnerung nicht mehr.

    Tsapp tsapp tsapp tsapp tsapp. Erinnerung an den ersten wirklich freiwilligen Lauf, wieder einige Jahre später. Wie komisch ich mir in den Sportklamotten vorkam. Die Laufschuhe erschienen so riesenhaft. Bei jedem Entgegenkommenden hätte ich mich am liebsten in den Büschen versteckt, so blöd kam ich mir darin vor.

    Tsapp tsapp tsapp tsapp tsapp. Erinnerung an Silvesterläufe um die Obernau-Talsperre, 10 Kilometer restlos vereist, schäbige kalte Pensionszimmer, Würstchen und Tombola und mit dem Auto in die Dämmerung, nochmal quer durch Deutschland zu irgendeiner Silvesterparty, mit müden Beinen aber einem guten Gefühl.

    Tsapp tsapp tsapp tsapp tsapp. Erinnerung an Bern, selten einen Streckenabschnitt so sehr verflucht wie den Aargauer Stalden. Zelten und endlose, immer wiederkehrende Diskussionen, welcher Kilometer auf welcher Strecke der schwierigste ist Der 34. beim Marathon? Der 7. bei 10 Kilometern? Immer der dritte, wenn die Euphorie verfliegt aber die Muskeln noch nicht richtig warm sind? Immer der letzte? Bis einer die Diskussion für immer beendet mit den Worten: "Am schwierigsten sind die ersten 20 Zentimeter. Das sind die, wo man den Hintern von der Couch hebt."

    Tsapp tsapp tsapp tsapp tsapp. Die Kondition fehlt, um weiter im Rhythmus zu bleiben. Die Gedanken brechen ab. Der Rückweg ist eher zäh.

    Trotzdem, die ersten 20 Zentimeter waren die schwierigsten.

    Donnerstag, 7. Dezember 2006
    Pah.

    Los, Leben
    zeig mir heute dein wahres Gesicht
    heute kann ich es ertragen
    denn darauf kommt es wirklich nicht mehr an.
    Los, Freunde
    zeigt mir eure Fratzen
    heute bin ich in Gönnerlaune
    denn morgen ist ein neuer Tag.

    Heute
    ist ein Tag für Schnitte
    für Schlussstriche
    Heute
    ist ein Tag um durch den Regen zu laufen
    um zu frieren.

    Keine Harmonie heute
    keine Wärme
    nicht süß
    nicht weich.

    Lasst alles raus. Heute, nur heute.
    Morgen nicht.
    Morgen ist ein neuer Tag.

    Mittwoch, 6. Dezember 2006
    Gerade

    Riesenstapel Dokumente sortiert. Über 40 Stapel strategisch auf dem Fußboden verteilt. Dringendes Frischluftbedürfnis entwickelt. Fenster geöffnet.

    Sowas sieht man sonst nur im Film...

    Lachen oder heulen??

    Dienstag, 5. Dezember 2006
    Welches Essen wann und wo

    Frau Gutemine möchte alles von mir wissen!! Zunächst habe ich einen ziemlichen Schrecken bekommen und befürchtet, in den Keller gehen und ein paar Leichen exhumieren zu müssen. Aber dann fing sie doch erstmal ganz harmlos an und wollte nur wissen, welche Gerichte ich mit folgenden Orten und Begebenheiten verbinde:

    Freibad: trockenes Brötchen und später dann Pommes mit einem ganz merkwürdigen Ketchup...

    Skihütte: Müsli

    Urlaub:
    Früher, mit den Eltern: Blaubeerpfannkuchen. Im Urlaub allein: Brot mit Senf

    Bei Mutti:
    Blumenkohl mit heller Soße und Frikadellen und auf jeden Fall und immer Nachtisch. Quark nämlich, mit Obst.

    Bei Krankheit: Erdbeeren - egal ob Saison oder nicht, wenn Prinzesschen krank war hat Papa immer Erdbeeren herangeschafft :-)

    Liebeskummer: Nichts

    Unterwegs:
    Käsebrötchen

    Restaurant: Indisch

    Als Kind:
    Erbsen aus der Dose und sonst sehr, sehr wenig

    Niemals: Öh. Da bin ich vorsichtig. Man könnte ja was verpassen. Niemals gibt es nicht. (An Eltern von Kindern die nur Erbsen aus der Dose essen - nur Mut, Sie sehen, das kann sich ändern, ganz von selbst.)

    Immer gerne:
    Häppchen jeder Art. Mundfertiges Obst, Pralinen, kleine Schweinereien wie diese köööööstlichen Oliven in Knoblauch und Chili, die zu Hause nach mir rufen...

    Überraschend gut: Gute Dinge überraschen mich selten *optimist bin*

    Überraschend schlecht
    : Biersuppe. (Was für eine Verschwendung...)

    Für immer mein absolutes Lieblingsessen:
    Ach, so absolut... Pasta mit gegrillten Zwiebeln, Tomaten und Olivenöl.

    Das beste Restaurant,in dem ich war:
    Da gibt es sehr viele, aber ein sehr nettes, in dem ich in letzter Zeit war, ist dieses.

    Ich werfe das Stöckchen an den Herrn Büffel weiter. Ich weiß zwar nicht, ob er hier liest, aber ich muss seit seinen Daunenjackenschneemännern ständig an ihn denken.

    [edit: hatte eine Rubrik vergessen, deshalb steht es jetzt nochmal als neu drin...]

    Sonntag, 3. Dezember 2006

    Nie wieder Alkohol.

    November seit 7238 Tagen

    Letzter Regen: 06. Januar 2026, 22:39 Uhr