• Privatbloggen an: novemberregen @ gmail.com
  • | Twitter: @novemberregen
Mittwoch, 1. April 2015
Blogging November - 1246

Auf nichts ist Verlass in der Welt.

Heute Morgen z.B. wollte Mademoiselle gerne in den Hochseilgarten. Nun finde ich Hochseilgarten klasse, aber nicht morgens um 10. Morgens um 10 finde ich eigentlich nur Kaffee und Internet klasse, sonst nichts.

Ich sagte dem Kind, dass dort sicher nicht geöffnet sei, schließlich war ja gestern Sturm und auch heute morgen war noch ordentlich Wind. "Wir können aber ja mal gucken", sagte Mademoiselle, "und wenn nicht gehe ich skaten." Neben dem Hochseilgarten ist nämlich eine Halfpipe, das ist praktisch und die Aussicht, das Kind würde sich in einer Horde anderthalbmal so alter Skaterjungs tummeln während ich etwas entfernt am Kiosk auf der Bank Kaffee trinken und Internet lese, erschien mir äußerst attraktiv. So machten wir uns auf den Weg.

Am Hochseilgarten hingen auch schon diverse Menschen mit roten Helmen - das ist die Kennzeichnung für Mitarbeiter - in den Bäumen. "Geht wohl heute nicht, Sturm, ne?" sagte ich. "Och, doch. Nur die 8 nicht, der Rest ist stabil, wenns doch irgendwo wackelt, ruft ihr!", beschied mir ein Rothelm fröhlich.

Und so kam es, dass statt Bank, Kaffee, Internet heute morgen um 10 Gurt, Helm und Handschuh angesagt war. Auf nichts ist Verlass. Noch nichtmals auf einen Todesorkan!

Dienstag, 31. März 2015
Blogging November - 1245

Ein Tag voller Erfolgserlebnisse:

Gleich morgens um 8 kam der Rewe-Lieferant und - was ich nicht wusste, nicht ahnte, womit ich nicht gerechnet hatte: er nahm das Leergut aus dem Flur mit. Ich hatte ja keine Ahnung, dass diese Dienstleistung auch zur Verfügung steht! Das Leergut stand nur so im Flur, also eigentlich, damit Herr N. es ins Auto verschafft und entsorgt, aber das hatte noch nicht stattgefunden, so dass dort eben eine größere Tüte mit Plastikflaschen und ein Bierkasten war. Letzterer auch noch nicht ganz leer, wie der Lieferant schon bemerkte, als ich noch von der Überraschung, dass er so beherzt zu den Flaschen griff schnappatmete. Er trinkt aber kein Bier, der Lieferant, daher durfte ich die vollen Flaschen noch schnell raussortieren, er ist nämlich mehr der Cocktail-Typ. Falls das jetzt am frühen Morgen in irgendeiner Weise eine Aufforderung gewesen sein sollte, bitte ich um Entschuldigung nicht angemessen reagiert zu haben. Ich konnte nicht weiter als bis Kaffee denken.

Das zweite Erfolgserlebnis stellte sich gegen Mittag ein, nämlich: das Fotobuch wird fertig, rechtzeitig und überhaupt. Das war nicht so ganz klar, ich wusste nicht, ob ich ausreichend passende Bilder habe, ob sie einen roten Faden ergeben, also: ob das Material etwas sinnvolles hergibt. Aber das tut es, morgen nur noch die Feinarbeit, übermorgen nochmal einen ausgeschlafenen Blick darauf werfen, dann ist es fertig. Und dabei wird folgendes passieren: kurz bevor es fertig ist, bei etwa 98 %, werde ich denken: Ach. Das ist eigentlich doch keine so tolle Idee. Eigentlich ist das ziemlich doof. Sie wird sich nicht nur nicht freuen, sondern es das blödeste Geschenk von allen finden, so ein Alte-Tanten-Geschenk.

So ist das tatächlich immer, wenn ich irgendetwas fast fertig habe. Eine scheinbar vernünftige Stimme im Kopf, die mit aller Klarheit "Ach, kommt, lass es, das war keine gute Idee. Schmeiß einfach alles in die Tonne!" sagt. Im Grunde könnte ich die Spezialistin in Rückziehern in letzter Sekunde sein, außer, dass ich das ja schon seit Jahrzehnten kenne und daher "Pscht! Ksch!!" antworte und lieber meinem Ich der vergangenen 98% vertraue, das schon gewusst haben wird, warum ich bis zu diesem Punkt gekommen bin. Wir ziehen das also durch, die 98 % und ich. Und auch, wenn mich diese Haltung schon auf Karaoke-Bühnen und zu überraschenden Haarschnitten geführt hat, ist das Vertrauen doch, würde ich sagen, im Wesentlichen gerechtfertigt.

Ich werde also vollendet und mit zeitlich Luft zum Termin ein Geschenk in den Händen halten - der Zeitaspekt ist mir dabei fast so wichtig, wie die Vollendung, denn ein gutes Pferd springt war knapp, aber, ganz ehrlich: manchmal ist der Gaul auch müde. Kein youtuben nach Faltmöglichkeiten von Geldgeschenken mit Links, während Rechts die Haare föhnt, damit man nicht verspätet zum Event eintrifft, kein Karteschreiben auf wackligen Knien während der Anreise per Auto, nein, all das nicht. Ich werde vorbereitet sein, das erste Mal überhaupt, seit ich mich erinnern kann. Und wenn das das Raum-Zeit-Gefüge aushebelt, dann sei es so.

Montag, 30. März 2015
Blogging November - 1244

Der Urlaub begann etwas holprig, zum ersten Mal wurde ich nämlich um 7 (oder 6 oder 8) Uhr durch den Kater geweckt, der auf der Suche nach einem Haargummi auf meinem Nachttisch eine Hebelwirkung mittels des Asterix-Bandes "Hibbe und dribbe", aus dem ich Herrn N. allabendlich vorlese, auslöste. Durch die Hebelwirkung flog quasi alles vom Nachttisch herunter und der Kater auf den Bücherstapel neben dem Bett, der dann auch umkippte. Genau anschauen konnte ich mir das ganze Dilemma nicht, meine Brille lag nämlich nun irgendwo zwischen dem Krempel auf dem Boden.

Zum zweiten Mal wurde ich von Mademoiselle geweckt, die ihre rund 30 kg Lebengewicht auf mich warf und "Kämpfen!!!!" brüllte. Da war es 9 (oder 8 oder 10).

Ansonsten aber alles gut. Ich habe eine fünfpunktige Erledigungsliste für den Urlaub, ein Punkt ist schon abgehakt ("festliche Kleidung" für Mademoiselle für eine Taufe kaufen).

Der zweite Punkt besteht darin, für den Täufling - Mademoiselles beste Freundin und mein zukünftiges Patenkind - ein Fotobuch zu machen, mit allem, was wir in den letzten 10 Jahren gemeinsam erlebt haben bzw. den Erlebnissen, die bildlich festgehalten wurden. Ich habe es heute geschafft, die Bilder herauszusuchen, den Aufwand darf man nicht unterschätzen, nämlich: 10 Jahre Daten auf der Festplatte durchwühlen. Dabei hatten wir aber schon eine Menge Spaß, Mademoiselle hat bisher ungern Baby- und Kleinkindfotos von sich gesehen und schaute vieles heute zum ersten Mal an. Und da gibt es natürlich einige lustige Sachen.

Über Punkt 3, Steuererklärung, habe ich immerhin nachgedacht. Für diesen Punkt ist es allerdings notwendig eine Bescheinigung der gezahlten Kita-Gebühren zu bekommen, dazu müsste ich die Kollegin von Frau "Sie müssen aufpassen, Frau N.!" anrufen und dazu hatte ich merkwürdigerweise keine Lust.

Vielleicht morgen.

Sonntag, 29. März 2015
Blogging November - 1243

Zeitumstellung ist in diesem Haushalt jetzt etwas komplizierter geworden, es gibt nun nämlich drei Personen im uhrenumstellfähigen Alter und mit umstellungwilliger Disposition, die alle dazu neigen, sich nicht abzusprechen. Wer heute wie oft genau auf ein Leiterchen gestiegen ist, um die bahnhofsuhrgroße Küchenuhr umzustellen, möchte ich gar nicht wissen. Und welche der sonstigen Uhren wie geht, ist mir auch momentan recht egal, ich habe ja nächste Woche Urlaub.

Den Besuch, der heute kam, haben wir praktischerweise für "nach dem Mittagessen" eingeladen, das ist dann sowieso ein sehr offener und verhandelbarer Zeitpunkt. Als der Besuch z.B. auf meiner Handyuhr (weiß nicht, ob die sich selbst umstellt, denn ich hatte das Handy im Oktober noch nicht) um 15.30 Uhr eintraf, hätte es nicht nur auch 14:30 Uhr und damit gut nach dem Mittagessen sein können, sondern wir hatten selbst auch noch gar nicht zu Mittag gegessen, weil wir nämlich erst um 11 (oder 12 oder 10) aufgestanden waren. Ich habe also beschlossen mich mit dem Themenkomplex "Uhrzeit" zunächst nicht näher zu befassen. Erst am 11.4 muss ich wieder die genau Zeit wissen, um morgens um 7:55 Uhr etwas unbedingt zu erledigen. Bis dahin ist mir alles egal.

Falls Sie erwarten, dass ich zum Thema Sommer-/Winterzeit noch Stellung beziehe: selbstverständlich gerne. Für meinen persönlichen Biorhythmus ist es völlig egal. Ich kann immer schlafen, ich bin morgens, wenn der Wecker klingelt, immer wie erschlagen und nur fünf Minuten später topfit, diese Fitness hält an bis zum späten Nachmittag, ab da geht es immer rapide bergab und alle Postings nach 20 Uhr sind im Delirium geschrieben; diese Tatsache ist es, die mir eines Tages den Hals aus dem Strick ziehen wird, sollte mir jemand einen drehen wollen.

Seit das Kind auf der Welt ist, habe ich allerdings Schlafnervzeugs aus zweiter Hand im Sommerhalbjahr. Je länger es abends hell ist, desto weniger gut schläft Mademoiselle nämlich ein, was nichts mit Schlafraumverdunklung zu tun hat sondern, glaube ich, einfach nur damit, dass es nicht lange genug "Abend" war, bevor es ins Bett geht. Da sie gleichzeitig schon immer ein Morgenmuffel war, ist sie im Sommer morgens doppelt müde und das ist kein Spaß. Und da mir selbst lange, helle Abende ja auch nichts nützen (wegen Delirium), befinden Sie sich hier klar im Team Winterzeit. Und natürlich sowieso im Team Winter. Oder noch besser: Herbst. Es muss ja auch solche geben.

Samstag, 28. März 2015
Blogging November - 1242

Ich war heute mit Mademoiselle in einer Drogerie und sie wollte dort gerne einen Klostein kaufen. Heißt vermutlich heute nicht mehr Klostein, was ich meine, ist ein durchdesigntes Dings in mindestens zwei Farben mit irgendeinem fancy Duft, das man unter den Toilettendeckel hängt, wo es vom Wasser umspült wird. Klostein halt.

Ich reagierte zögerlich. Mademoiselle war vehement. Es erschien ihr sowieso schon seit langem verdächtig, dass sich in unserem Haushalt kein solches Utensil findet, das doch für Hygiene wie Wohlbefinden gleichermaßen unabdingbar ist. Ich fragte sie, wozu wir wohl aufgeschäumtes und parfümiertes Wasser im WC benötigen würden. Mein Kind verwies darauf, dass das super sei: sie habe das im Fernsehen gesehen. Und - legte sie nach, weil sie weiß, dass ich Fernsehen nicht ernst nehme - auch irgendwo davon gelesen.

Über das Thema Werbung müssen wir sicher nochmal genauer sprechen. An mir selbst fiel mir aber auf, dass ich nicht so sehr über die offensichtlich erfolgreiche Werbekampagne des Henkel Konzerns amüsiert war, sondern generell über die Idee, man könne an irgendetwas fest glauben, weil es im Fernsehen kommt oder in der Zeitung steht. Oder von mir aus im Internet. Auch wenn ein Politiker was sagt, hat das für mich kein Gewicht. Experten hinterlassen mich gleichermaßen skeptisch, was weiß ich denn, wer dieser Experte ist, wer ihn bezahlt und wer ihn überhaupt Experten nennt?

Es ist nun nicht so, dass ich glaube, selbst alles besser zu wissen. Ich glaube eigentlich gar nichts. Alles, was irgendwer sagt oder schreibt, halte ich in erster Linie für Meinung. Mal fundierte, mal weniger fundierte, mal interessant formuliert, mal weniger, aber: Meinung. Nix Genaues weiß man nicht. Insofern gehöre ich nie zu den Leuten, die völlig erstaunt oder verletzt sind, wenn eine vermeintlich abgesicherte Expertenmeinung dann ein paar Jahre später doch wieder gekippt wird. Im Ausgleich dafür befinde ich mich aber in einem permanenten Schwebezustand, in dem es keine Wahrheit gibt.

Woher diese Haltung stammt und wann sie begann, überlegte ich. Zu Hause hatten wir früher durchaus eine Tageszeitung und man nahm an, dass das, was darin stand, stimmte und auch die 20-Uhr-Nachrichten wurden täglich geschaut und als sichere Informationsquelle über die Lage der Welt betrachtet. Wann ist das gekippt? Mir ist kein Zeitpunkt bewusst.

Vor ein paar Jahren, ungefähr, als ich Mutter wurde, habe ich Mama N. mal nach ihren Erziehungsgrundsätzen gefragt - also, ob es solche gab, und wenn ja, welche. Beim ersten Kind habe sie sich noch sehr von anderen beeinflussen lassen, sagte sie mir, und habe Sachen gemacht, die ihrem Gefühl eigentlich widersprachen. Bei mir - dem jüngsten Kind - habe sie sich komplett auf ihr Bauchgefühl verlassen. Vorbild und Liebe. Und sie habe versucht, uns so zu erziehen, dass keine von uns sich je von irgendwem würde einschüchtern lassen, nur weil diese Person eine wichtige Position hat oder eine Autorität ist.

Möglicherweise sind wir mit letzterem etwas über das Ziel hinaus geschossen. Aber ich beobachte auch in meinem Umfeld, dass alles - alles - mit einer gewissen, mit einer gesunden, aber vielleicht auch mit einer größeren Portion Misstrauen betrachtet wird. Stand in der Zeitung? Nunja, haha. Gibt es eine Studie? Chrchr, wer hat die in Auftrag gegeben. Ich kenne wen, der? Mhm, ich kenne wen, der genau anders.

Vielleicht müssen wir uns aber auf irgendeine Wahrheit einigen, damit es weitergeht. Wenn jeder jede Situation neu bewertet, anders bewertet, bindet das doch viel zu viel Energie. Und ich kann natürlich gar nicht alles für mich selbst herausfinden, das mich intereressiert. Ich kann nicht in alle Krisenregionen dieser Welt fahren und schauen, wie es dort wriklich ist. Ich kann nicht alle Forschungen selbst durchführen, jedes Produkt bis zum Ursprung zurückverfolgen, jeden von irgendwas Betroffenen selbst befragen.

Aber wie geht das mit der Wahrheit? Zwischen Vertrauen (haha!) und Verdrängen (nunja) sehe ich nicht viele Möglichkeiten.

Den Klostein haben wir übrigens gekauft. Im Verdrängen bin ich super.

November seit 3295 Tagen

Letzter Regen: 01. April 2015, 23:21 Uhr