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Donnerstag, 29. Januar 2015
Blogging November - 1185

Im Supermarkt (ja, schon wieder, ich kann auch nichts dafür!)


Kassiererin: Haben Sie etwas dagegen, wenn ich einen Blick in die Taschen werfe?

Frau N: In meine Taschen? Diese Handtasche und diesen Sportbeutel?

Kassiererin: Genau.

Frau N: Durchaus!

Kassiererin: Wie meinen Sie das?

Frau N: Ich meine, dass ich sehr viel dagegen habe. So viel, dass ich das vorsichtshalber lieber mit "Ich will das nicht" abkürze, bevor wir noch streiten!

Kassiererin: Gut, dann eben nicht.



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Mittwoch, 28. Januar 2015
Blogging November - 1184

Am Witzigsten bin ich übrigens, wenn ich Türkisch spreche. Ich vermute sehr, es liegt weniger an den inhaltlichen Äußerungen als an der Aussprache, aber jedenfalls werde ich von Mutterprachlerinnen immer mal wieder aufgeordert, einfache Sätze zum Besten zu geben und dann wird enorm viel gekichert.

Ich habe in meinem Leben exakt 100 Stunden Türkisch gelernt. Ich meine nicht 100 Stunden Unterricht, sondern es waren insgesamt 6000 Minuten, in denen ich mich mit der Sprache auseinandergesetzt habe (weshalb ich schon gar nicht inhaltlich witzig sein kann, dazu fehlt mir ja das Vokabular.

Es handelte sich dabei a) um ein Experiment, nämlich wollte ich wissen, wie weit man mit 100 Stunden kommt und b) um Neugier, ich wollte nämlich auch gern wissen, worüber Personen in der S-Bahn auf Türkisch sprechen.

Zu a) habe ich herausgefunden: die Grammatik ist unproblematisch, man kann in 100 Stunden eine wirkliche Menge an Grammatik lernen, wenn man es strukturiert angeht. Gegenwart, Zukunft, Vergangenheit, Verneinung, Fragen, all das war möglich. Eng wird es mit dem Wortschatz, da kann man 100 Stunden nicht so richtig viel reißen. Passiv verstehe ich zwar erstaunlich viel, aktiv verwenden kann ich aber so gut wie nichts.

Zu b) habe ich festgestellt, dass türkisch sprechende ältere Herren in der Bahn sich erstaunlich oft über den Garten unterhalten und was dort alles wächst. Das ist wirklich auffällig! Deshalb bin ich im Gemüsevokabular auch recht firm, womit ich dann wiederum im Dönerladen den Verkäufer erheitern kann. Alle anderen reden über genau dieselben Sachen wie deutschsprachige S-Bahn-Fahrer(innen) auch. Über die Schule, die Arbeit, die Eltern, Frauen, Männer, Sport und so weiter. Ist ja eigentlich auch logisch, im Nachhinein kann ich mir jetzt auch nicht mehr erklären, warum ich meinte, das herausfinden zu wollen. Machmal hat man eben sowas.

Insgesamt also: 100 Stunden geben schon einen ziemlich guten Eindruck von einer Sprache, reichen für Konversationskompetenz aber nicht aus. Ich würde gerne irgendwann weitermachen, es gibt aber so viele Dinge, die ich irgendwann weitermachen möchte. Mal sehen. Jetzt lerne ich erstmal "Speedreading".

Dienstag, 27. Januar 2015
Blogging November - 1183

Einer hüpfte oft im Gang plötzlich im Pferdchengalopp und manchmal wieherte er kurz.

Einer schlich die Wand entlang, einen Arm nach vorn, einen nach hinten, geduckt wie eine Ratte.

Einer schreitet mit langen Schritten durch den Flur, den Blick immer in die Weite auf den Horizont gerichtet. Auch, wenn er mit mir spricht.

Einer läuft immer mit verschlossenem, missmutigem Gesicht durchs Büro und wenn man „Hey, X, wie geht es Dir?“ ruft, kommt er rein, setzt sich auf die Tischkante und erzählt mindestens 45 Minuten lang.

Einer wieselt lautlos heran, steht plötzlich hinter meinem Schreibtisch und schaut mir über die Schulter.

Einer rennt mit dem Funkheadset bis in die Teeküche, Schweißperlen auf der Stirn, rollt mit den Augen, wenn man das Wort an ihn richtet und ich halte gern Abstand, damit nicht ich die Mund-zu-Mund-Beatmung machen muss, wenn er umkippt.

Einer reisst meine Tür jedes Mal so schwungvoll auf, dass ich zusammenzucke.

Einer federt wie Happy Buddha auf den Fußballen und schiebt sein Wohlstandsbäuchlein vor sich her und wenn er gerade ein Anliegen hat, strahlt er mich an als sei ich der Mittelpunkt seiner Welt, und wenn nicht, lässt er mir auch gern mal die Tür vor der Nase zufallen.

Einer schlurft und schnuffelt dabei am Ärmel des Pullis, den er sich um die Schultern gelegt hat.

Einer klopft an Glastüren, öffnet diese dann einen Spalt und windet den Oberkörper hinein. Die Händchen umklammern den Türrahmen, das Gesicht grinst wie das eines unheimlichen Clowns. Man wünscht und fürchtet gleichsam, dass er die Kontrolle über den Fuß, der die schwere Brandschutztür aufhält, verliert.

Einer steht jedes Mal in der offenen Tür und sagt „Guten Tag, Frau Vorname Nachname!“ und dann nichts mehr.


Die muss man doch alle gernhaben…

Montag, 26. Januar 2015
Blogging November - 1182 (Projekt .txt - Gratwanderung)

Manche Tage brennen sich ins Gedächtnis ein. Erstaunlicherweise sind das oft nicht die, die man sich eigentlich unbedingt merken wollte. Jedenfalls geht das mir so, ich erinnere mich dunkel, dass ich als Kind in verschiedenen Momenten dachte: "Das will ich mir jetzt unbedingt merken, bis zum Ende meines Lebens" (Augen zusammenkneifen und ganz fest daran denken). Worum es dabei ging, welche Erinnerung ich unbedingt behalten wollte, habe ich aber in allen Fällen vergessen. Ungefähr genauso, wie mir neulich bei einer Folge TBBT einfiel, dass ich mich ja auch damals, so mit ca. 15 Jahren mit einer Handvoll Freunden für einen zukünftigen Zeitpunkt an einem bestimmten Ort verabredet hatte, wo wir uns dann alle nochmal treffen wollten, "wenn wir alt sind", egal, was in der Zwischenzeit geschähe. Ich habe die dumpfe Vermutung, dass "wenn wir alt sind" irgendwann in meinen 30ern gewesen sein könnte, kann mich aber beim besten Willen auch noch nichtmals mehr an den vereinbarten Ort entsinnen.

Wie gesagt, andere Tage bleiben eingebrannt. An einem war ich wohl genauso alt, wie als ich diese ominöse Verabredung traf. Vielleicht waren es sogar dieselben Sommerferien und einen Teil davon verbrachte ich mit meiner Schwester in Schottland. Wir machten eine Rucksackreise, schliefen hauptsächlich in Jugendherbergen und Bothies, fuhren per Anhalter und kletterten auf Berge.

Letzteres war für mich ganz neu - meiner Schwester lebte damals schon in Schottland und hatte begonnen, Munros (das sind eigenständige Gipfel mit einer Höhe von mindestens 3.000 Fuß) zu sammeln ("Munro bagging"). Rund 280 gibt es davon, also reichlich zu tun und auch diese Ferien wollte sie nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Wir trafen uns also mit einer Gruppe anderer Bergsteiger im Glen Coe und beschlossen, die Aonach Eagach Ridge entlangzuklettern. Die Aonach Eagach Ridge ist ein Berggrat, etwa 10 km lang, und man kann auf dieser Strecke gleich zwei Munros einsammeln (Meall Dearg und Sgorr nam Fiannaidh), das war vielleicht ausschlaggebend.


(Qualität der Fotos ist der Tatsache geschuldet, dass sie aus einem 80er-Jahre-Fotoalbum abfotografiert wurden...)

Nun ist die Aonach Eagach Ridge ein Grat, den man definitv nicht ohne Bergwandererfahrung angehen sollte. Zum einen muss man tatsächlich auch etwas klettern, nicht nur gehen, und dann ist die Ridge auch stellenweise äußerst schmal. Und dazu ist sie mit 10 km eben recht lang - wir waren ca. 7 Stunden unterwegs. Und es gibt, wenn man einmal auf dem Bergrücken ist, kein Zurück. Wobei, es gibt natürlich schon ein /urück, aber eben auch nur das: es gibt definitiv kein seitliches Ausweichen, das sind alles Steilhänge. Einmal auf der Ridge, geht man vorwärts oder rückwärts, komme was wolle.



Bei uns kam dann irgendwann Nebel. Das war nicht so schlimm, der Weg ist recht eindeutig, vielleicht war es sogar vorteilhaft, dass ich nicht mehr so gut nach unten sehen konnte, denn es gibt eine Stelle, die sich die "Crazy Pinnacles" nennt, dort klettert man mit dem Rücken zum Abgrund um Säulen herum und außer zwei fußbreit Gestein ist da drunter dann - nichts. Regen wäre mir an dieser Stelle wohl deutlich weniger Recht gewesen, an glibschigen Steinen kann man sich nicht gut festklammern.

Eigentlich habe ich über all das aber gar nicht nachgedacht, denn: ich fand das alles so absolut wunderbar und habe jede Sekunde genossen. Ich habe noch immer die tiefen Steilhänge vor Augen, einen kleinen See irgendwo unten, wie die Nebelfetzen vorüberzogen, manchmal Sonne dazwischen und die verschleierten bizarren Steinformationen.



Bergsteigen ist nie so meins geworden. Ich gehe nicht gerne bergauf und ich gehe nicht gerne bergab, damit hat sich das Thema natürlich schon ziemlich erschöpft. Ich klettere aber unheimlich gern und gucke von irgendwo oben nach irgendwo unten.

Insofern - ja, die Aonach Eagach würde ich nochmal klettern. Am liebsten bei Schnee, aber dann natürlich auch nur mit Profis und mit Seil. Bei Schnee und Eis, denke ich, ist das sonst eine Nummer zu groß.

[Das ist ein Beitrag zu Projekt .txt. Die übrigen Beiträge sind hier.]

Sonntag, 25. Januar 2015
Blogging November - 1181

Tofu esse ich übrigens auch gerne, allerdings nicht, wenn ich gerade Schnitzel essen möchte.

So gut wie immer esse ich Tofu außer Haus. Selbst zubereitet gelingt er mir nicht, bleibt geschmacklos, wenn auch von der Konsistenz her angenehm. Frau Herzbruch wollte mich einmal in der Kunst des Tofu-Bratens unterweisen, die sie vorgab, aus dem Handgelenk zu beherrschen. Das Ergebnis war allerdings etwas, an dem man sich die Zähne ausbeißen konnte. Frau Herzbruch sagte, es läge am Ausgangsmaterial oder am Öl, ich denke, es lag daran, dass wir uns verquatscht und den Tofu etwa eine Dreiviertelstunde lang vergessen hatten. Man weiß es nicht.

Außer Haus halte ich Tofu aber meist für eine gute Wahl, insbesondere bei Lieferdiensten zweifelhafter Qualität, denn schlecht zubereiteten Tofu finde ich immer noch okay, während ich schlecht zubereitetes Fleisch sofort ausspucken muss.

Den leckersten Tofu, den ich bisher gegessen habe, gibt es im Vipho in Frankfurt. Außen knuspring, innen zergeht er cremig auf der Zunge. Pefekt gewürzt. Leider habe ich keine Erinnerung, wie die Speise hieß, das ich dort beim letzten mal aß, aber wenn ich nächste Woche dort wieder bin, werde ich vielleicht einfach nach dem Gericht mit dem allermeisten Tofu fragen.

November seit 3233 Tagen

Letzter Regen: 30. Januar 2015, 01:57 Uhr