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    Dienstag, 17. Oktober 2023
    17. Oktober 2023


    Ich habe mich gerade in den Sessel gesetzt, Closure sozusagen, heute Morgen saß ich auch irgendwann im Sessel, tiefenentspannt mit einem Tee und ich bestellte einen dünnen, schwarzen Baumwollschal. Das kommt mir vor, wie mehrere Jahre her, der Tag riss mich davon, es geschah dies und das völlig unvorhergesehen und nun wurde ich wieder ausgespuckt vom Tag hierher in den Sessel, total lustig, ich mag sowas ja. Gerade sah ich das offene Tab mit dem Schal und dachte „ui, so ein schöner Schal, den könnte ich mir ja kaufen!“ – ich habe es aber noch rechtzeitig bemerkt. Von mindestens 3 Personen, die hier mitlesen, habe ich mir einen solchen Schal übrigens gewünscht über die letzten zwei Jahre, aber ich habe ihn nicht bekommen. Vielleicht, weil es sie so unerwartet traf, das sich mir mal etwas Gegenständliches wünsche, ich schließe das ja eigentlich komplett aus. Vielleicht auch, weil es sie es zu anstrengend finden, einen Schal zu besorgen oder vielleicht, weil sie mich sowieso doof finden, was weiß man, ist aber auch unwichtig, das Schalschenkfenster hat sich heute morgen geschlossen, die Gelegenheit ist vorbei, vertan möchte ich fast sagen.

    Bis vorhin war noch „Event“ mit Frau Herzbruch, so nennen wir unsere 2wöchigen Online-Treffen, bei denen wir Sekt trinken und uns unterhalten. Wir sprachen auch über meinen Geburtstag, seit ich auf der Geburtstagsfeier von Violinista war, kann ich weitere Feierlichkeiten kaum abwarten und während unseres „Events“ streute ich daher Einladungen in verschiedene Richtungen, ich freue mich schon sehr.

    Thema in der unverbindlichen Contentvorschlagliste heute: „Umgang mit Teenagerleichtsinn“. Ich bin unsicher, ob „Leichtsinn“ hier das passende Wort ist, vielleicht würde ich eher sagen, das Teenager in ihren Risikoeinschätzungen oft noch etwas unterkomplex denken. Es ist nicht so, dass sie das Risiko sehen und sich aktiv dafür entscheiden, es einzugehen. Sie sehen es schlicht nicht oder nicht in derselben Ausprägung wie Menschen mit mehr Lebenserfahrung. Vielleicht erkennen sie an dieser Formulierung schon meinen recht milden Blick. Absolut wichtig finde ich den Schutz von Leib und Leben, der Rest ist mehr oder weniger verhandelbar. Deshalb ist es wichtig, es den Teenagern ganz leicht zu machen, weniger Risiken einzugehen. Das können ganz einfache Dinge sein wie ein Badezimmerschrank mit Kondomvorräten, an denen sich auch Gastteenies gerne bedienen dürfen oder eine Taxiapp auf dem Handy, die automatisch über das Konto der Eltern bucht und so in Notfällen immer für einen sicheren Heimweg zur Verfügung steht, das kann die Abmachung sein, auf ein bestimmtes Signal hin das Kind anzurufen und streng nach Hause zu beordern, damit es in unangenehmen Situation gehen kann ohne Gesicht zu verlieren, das kann die Abmachung sein, immer alle Softdrinkrechnungen zu übernehmen. Im Idealfall schafft man es noch, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen so dass sie wissen, dass sie jederzeit anrufen können und es wird geholfen ohne Fragen zu stellen, oft funkt dann aber dazwischen, dass das Kind die eigenen Eltern vor Sorgen schützen möchte und dann doch nicht anruft, es kann also sinnvoll sein, dafür eine emotional etwas weiter entfernte Person zu finden. Ich bin diese Person für einige Freund*innen von M, für M wiederum ist es jemand anders.

    Ansonsten rede ich, wenn ich mich sorge, also sage „ich sorge mich“ und erkläre genau, warum. Das sind selten harmonische Gespräche, sie enden oft mit Ärger und „jetzt hast du es mir verdorben“ und ja, das ist richtig, das habe ich, weil das Gespräch zu ein höheres Risikobewusstsein erzeugt hat und die Folge ist, dass das Vorhaben an Schwere gewonnen hat und nicht mehr uneingeschränkt reizvoll erscheint. Das muss man aushalten und sich klar machen, dass genau das das Ziel des Gesprächs war. Das Vorhaben sollte weniger attraktiv werden, weil es gefährlich ist und ja, das nimmt Spaß und ist richtig blöd und die Person, die das aufgebracht hat nervt gewaltig. Auseinandersetzung ist notwendig, da geht kein Weg dran vorbei. Es hilft der Glaubwürdigkeit, sich nur da einzumischen, wo auch wirklich echte Sorge besteht und nicht überall da, wo die eigenen Vorstellungen von was schön, gut, bequem, angemessen ist unterlaufen werden, genau das wollen Teenager ja gerade für sich selbst herausfinden. Und müssen sie auch, sonst wären sie immer nur Kopien von uns und wie schade das wäre!

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