Ein bisschen zu früh aufgestanden dafür, dass ich erst gegen 2 Uhr nachts im Bett war. Die kleine Katze weckte mich um 8 für Futter, ich hätte nochmal schlafen können, wäre dann aber erfahrungsgemäß erst gegen 10 wieder aufgewacht und dann wäre der weitere Tag hektisch geworden. Also blieb ich gleich wach.
Um 11 Uhr brach ich nämlich auf zum Optiker, ich brauche zwei neue Brillen. Die eine für den Alltag, die jetzige ist 6 Jahre alt und die Werte haben sich verändert, außerdem bin ich kürzlich mit der Brille auf der Nase eingeschlafen und das Gestell ist verbogen. Das kann man vielleicht richten, vielleicht auch nicht, ausprobieren möchte man es erst, wenn eine Alternative zur Verfügung steht. Zusätzlich brauche ich eine Arbeitsplatzbrille, auf Bildschirme optimiert. Hier merke ich seit ein paar Monaten mit der Gleitsichtbrille eine gewisse Anstrengung, die ich gern wegoptimiert hätte.
Herrn N nahm ich gleich mit, damit er auch eine neue Brille bekommt, wir waren insgesamt ungefähr zwei Stunden beim Optiker, bis die Auswahl feststand. Jetzt bin ich sehr zufrieden. Und ungeduldig, wann die Brillen fertig sind.
Danach fuhr ich zum Wertstoffhof, es hatte sich wieder Elektroschrott angesammelt und aus der Wohnung von Papa N waren noch zwei Quecksilberthermometer übrig. Dachte ich jedenfalls. Der Wertstoffhofmensch sagte mir, eins davon sei ein Alkoholthermometer und gab es mir zurück. Man erkenne das an der blauen Spitze, Quecksilber hingegen erkenne man an den silbernen Kügelchen, wie ja der Name schon sagt. Ich wies auf die grauen Kügelchen im Thermometer mit der blauen Spitze hin, der Wertstoffhofmensch blieb unerschütterlich. Ich nicht. Keine Ahnung, aus welchem Jahrhundert dass Thermometer stammt und ob man sich damals schon an Farbstandards gehalten hat. Ich entsorgte das Thermometer daher nicht, wie vom Wertstoffhofmenschen vorgeschlagen, im Hausmüll sondern schmuggelte es zwischen den Elektroschrott, den ich an der Nebentheke abgab. Wenn es kein Quecksilber ist, besteht kein Problem. Wenn es doch Quecksilber ist, habe ich das Problem externalisiert. Mit dieser Lösung war ich mittelzufrieden, eine bessere fiel mir jedoch nicht ein.
Auf dem Rückweg kaufte ich ein. Ich habe vor einigen Wochen die Gemüsekiste abbestellt, sie lohnt nicht mehr. Dreimal in der Woche kocht Herr N und er bevorzugt HelloFresh, zweimal koche ich, möchte dann aber flexibel sein und nicht Vorhandenes verwerten müssen, mindestens einen Abend pro Woche wird wegen Abwesenheit nicht gekocht und an einem weiteren sind meistens irgendwelche Reste da. Was mir seit Abschaffung der Gemüsekiste fehlt, ist allerdings Obst, also kaufte ich heute Obst. Schönes Herbstobst: Feigen, Mirabellen und Birnen. Und noch ein paar andere Dinge, unaufgeregte Standardeinkäufe wie Salz und Eier.
Nach diesen Mühen schlief ich für exakt 8 Minuten zu Hause im Sessel ein, dann klingelte der Handywecker, denn ich hatte einen Sporttermin. Ich habe mich letzte Woche versehentlich für 2 Jahre im Fitness-Studio angemeldet. Also der Zeitraum war versehentlich, die Anmeldung an sich nicht, nur wollte ich mir für 13 Wochen anmelden. Aus diversen Gründen, davon hoffentlich alle gut, sind es nun zwei Jahre. So hat es sich immerhin auch gelohnt, dass ich mich umgehend ausgerüstet hatte. Zunächst einmal mit einer zweiten Sporttasche. In der ersten sind nämlich die Schwimmsachen und Umpacken kann ich nicht von mir erwarten. Es muss alles immer griffbereit sein, sonst ist die Hürde zu groß. Als zweites kaufte ich ein paar Tage später noch Sportschuhe. Zuerst dachte ich, ich hätte mehr als ausreichend Sneaker, aber die vorhandenen trage ich natürlich auf der Straße. Und beim Schwimmen trage ich anden Füßen gar nichts oder Kurzflossen, auf den Wegen Badelatschen, alles nicht sportstudiogeeignet und damit ein willkommener Anlass, schöne Schuhe mit heller Sohle zu kaufen.
Heute war mein zweites überwachtes Training, es gibt derer drei und ich bin froh, wenn sie vorbei sind und ich spontan trainieren kann, wenn es mir gerade passt. In der bisher noch optimistischen Annahme, dass dieser Fall ca. zweimal pro Woche eintreten wird.
Anschließend war es wirklich Zeit für einen kleinen Nachmittagsschlaf und danach verräumte ich die Einkäufe und kochte Abendessen (Spaghettoni mit Gemüsebolo).
Ansonsten stand heute die kleine Katze im Mittelpunkt, sie hat nämlich Geburtstag und ist jetzt 14 Jahre alt.
Alles anderen Einträge zu WmdedgT wie immer bei Frau Brüllen
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Manche Dinge lassen sich erst mit etwas Abstand erzählen, wenn sie in all ihren Einzelheiten und Zusammenhängen durch die verschiedenen Schichten des eigenen Bewusstseins gesackt sind und sich zu einem Erinnerungskristall, handhabbar und erzählbar, verfestigt haben. So ist es mir heute, im Urlaub mit Herzbruchs in Kent, möglich, die Geschichte von uns und Herrn Schäfer im Urlaub vor einem Jahr in Dingens zu berichten.
Als wir damals im Ferienhaus ankamen und von einem Rasenmähermann namens Frank empfangen und eingewiesen wurden, erwähnte Frank einen Herrn Schäfer, dessen Wäsche er erst am Vorabend gemacht habe, die Sachen hingen daher noch im Wirtschaftsraum, aber ganz hinten, sie würden uns hoffentlich nicht stören. Herr Schäfer sei vor kurzem hier gewesen und käme auch bald wieder, er sei häufiger da. Dies nahmen wir relativ desinteressiert zur Kenntnis. Bei der späteren näheren Untersuchung des Hauses fanden wir, ebenfalls im Wirtschaftsraum, eine Schublade mit haltbaren Nahrungsmitteln, unter anderem Hafermilch. Obenauf lag ein Zettel, in Schreibschrift, der in etwas, das ich Mittelalterrollenspielersprache nennen würde, so grob kundtat (aus dem Gedächtnis zitiert):
Zum Gruße, edle Gäste!
Gehen euch die Vorräte aus, so bedient euch gern an dieser einfachen Speise.
Doch sei euch aufgetragen: Was ihr nehmet, das lasset in gleicher Weise wieder da, auf dass die Vorratskammer nicht leer verbleibe. Ersatz oder ein paar Taler seien mir wohlgefällig.
So wünsche ich euch allzeit guten Hunger und eine angenehme Herberge!
Dies nahmen wir zur Kenntnis, und nahmen uns auch gleich eine Hafermilch.
Am nächsten Morgen, als ich aufwachte, erwartete mich Frau Herzbruch wie damals beschrieben mit zwei bizarren Nachrichten: zum einen, dass sie abreisen würde und zum anderen, Herr Schäfer sei ein Minnesänger. Beides war falsch, das wurde in beiden Fällen aber erst mehrere Tage später klar. Bis dahin verfestigten sich in unseren Köpfen die Beweise für die Identität von Herrn Schäfer. Wir studierten seine Website und hörten seine Musik auf Youtube. Er hatte kürzlich erst an einem Gesangswettbewerb im Mittelalterhaus auf dem Nachbargrundstück teilgenommen - nur logisch, dass er häufiger in unserem Ferienhaus, dem alten Gerichtsgebäude, aus dem Geschichte nur so hinauspulsierte, unterkam. Die Wäsche im Hauswirtschaftsraum passte von Stil und Statur zu ihm, die Schrift auf dem Zettel sowieso. Wir sahen ihn vor uns in unserem Ferienhaus: wie er in der Abenddämmerung mit der Laute auf der Bank unter der Trauerweide saß und neue Tonfolgen übte, wie er nachts am Tisch unter den zahlreichen Wappen mit der Hand Texte schrieb und verwarf, morgens übermüdet und barfuß in der Küche. Herr Schäfer ist Raucher, Zigaretten und Feuerzeug hatte er hinter einer Zinnbackform, die als Deko im Eingangsbereich hing, versteckt. Vor sich selbst versteckt, er war ja immer allein, getrieben, zerrissen. Das Haus war ganz offensichtlich seine Inspiration, seine Muse. So erklärte es sich auch, dass er trotz Impressumsanschrift im Nachbarort immer wieder im Ferienhaus übernachtete. Er hatte wohl mit dem Besitzer eine Übereinkunft, dass er in Zeiten, in denen das Haus unvermietet bleibt, dort wohnt und für Belüftung, Heizung und Bewässerung des Gartens sorgt.
Es war ein vollkommen stimmiges und rundes Bild. Dass wir an Tag 3 in die 23 km entfernte Apotheke fuhren, die im Ort der Impressumsanschrift von Herrn Schäfer lag, war tatsächlich Zufall, wo wir einmal da waren, fuhren wir natürlich auch an seinem Haus vorbei und als er uns eine Kreuzung weiter in einem alten, schmutzigen Auto entgegenkam, waren wir uns sicher, dass alles wahr ist und wir keinesfalls falsch liegen können.
Manchmal ist es mit den Tatsachen wie mit dem Mond: Man sieht ihn, glaubt, man wisse, was man sieht, und erst später merkt man, dass einem die andere Hälfte gefehlt hat. Bei mir geschah das in dieser Nacht um kurz nach vier. Da saß ich plötzlich schlagartig wach im Bett, weil mein - im Urlaub völlig unterbeschäftigtes Gehirn - in diesem Moment die Information ausspuckte, die irgendwo im Kleingedruckten der Mietvereinbarung für das Haus stand, nämlich der Name des Besitzers: Schefer. Kein Minnesänger sondern ein Architekt. Seine Kleidung, seine Hafermilch, seine Zigaretten. Keine Texte, keine Tonfolgen, keine Muse.
Wie komme ich heute darauf? Mein Gehirn ist für mich nicht immer gut kontrollierbar. Deshalb liebe ich meinen Alltag so sehr, nicht als zwingendes Korsett, sondern als Lichtstreifen, die die Landebahn kennzeichnen, durch die ich nach irgendwelchen mentalen Ausflügen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückfinden kann. Im Urlaub fehlt das, ganz akut bemerkte ich es heute auf einer Autofahrt durch Kent. "Ich glaube, da sitzt eine Stechmücke am Schiebedach!", sagte ich von der Rückbank. Frau Herzbruch antwortete etwas und ich verstand: "Das ist Ara." Der Moment, in dem mein Gehirn verharrte, war nur minimal, vermutlich nicht einmal messbar, dann verstand ich sofort. Frau Herzbruch hat ja eine für mich höchst befremdliche Fixierung auf Fahrzeuge und sagt häufig, wenn wir einem begegnen, seinen Namen auf. Es ist nur ganz logisch, dass sie in ihrem Auto eine kleine Spinne hat und diese intellektuell "Ara" (nach Arachirgendwas, das mir nicht sofort einfiel), sogar getauft hat. Das alles geschah im Bruchteil eines Moments, bevor mein Mund "Was?" sagte und Frau Herzbruch deutlicher "Aa!" wiederholte, denn es war Vogelkacke von außen.
Das Merkwürdige ist, dass wir uns heute an unsere falsche Geschichte noch sehr genau erinnern können, während wir kaum noch wissen, wie es tatsächlich war. Herr Schäfer ist in unserem Gedächtnis erstaunlich gut erhalten, mitsamt Laute, Trauerweide und nächtlichem Schreiben. Der wirkliche Herr Schefer dagegen ist fast vollständig verschwunden. Vielleicht wird es mit Frau Herzbruchs kleiner Autospinne namens Ara ähnlich sein.
Ich finde, meine Geschichten sind deutlich besser als das, was wir als Realität akzeptieren.
(Wenn Sie einen Reisebericht lesen wollten, schauen Sie bei Frau Herzbruch vorbei!)
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(Alles zu WmdedgT wie immer bei Frau Brüllen.)
Die Nacht war grauenhaft. Um halb 3 nachts wachte ich mit einer beginnenden Migräne auf, ging auf den Balkon in dem naiven Gedanken, mich zu erfrischen, doch dort hatte es - um 2:32 Uhr - noch 30 Grad. Wi-der-lich.
Um 6 Uhr erwachte ich erneut, nun ohne Migräne dafür in einem körperlichen Zustand wie diese winzigen Männchen aus Kinderzeitschriften, die man in Wasser legen kann und dann wachsen sie auf die größe eines echten Menschen heran. Was natürlich gelogen ist, sie werden nur so ca. 10 cm groß, ich bin aber 176 cm groß, umso schlimmer das alles, bleiben Sie einfach bei dem Bild eines derart aufgequollenen Menschen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich es ertrage, weiterin Matratze an meinem Körper zu spüren, also blieb ich wach. Sowieso wollte ich schwimmen gehen, je früher desto besser. Wegen der Hitze konnte ich mich allerdings nur sehr langsam bewegen und zusätzlich nicht denken, eine sehr schlechte Kombination, die dazu führte, dass es knapp zwei Stunden dauerte, bis ich einen Badeanzug unter Shorts und T-Shirt trug und meine - bereits am Vorabend gepackten - zwei Taschen inklusive aller Telefone und Schlüssel aus dem Haus gebracht hatte (ich musste dreimal sehr langsam umkehren)
So war ich erst um kurz nach 8 im Schwimmbad. Und nun geschah es: das Universum gab mir ein Zeichen. Es ist nämlich so, dass ich vor einigen Monaten erfuhr, dass ein Kollege dasselbe Schwimmbad frequentiert wie ich. Dieser Kollege ist niemand, mit dem ich meine Freizeit verbringen möchte und zum Glück hatte ich ihn noch nie im Schwimmbad getroffen. Auch heute nicht, heute traf ich ihn aber vor dem Schwimmbad auf dem Parkplatz, er fuhr weg, ich kam an. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass ich keinesfalls früher aufstehen sollte als bisher, um schwimmen zu gehen. Ich habe verstanden.
Das Wasser war trotz früher Uhrzeit viel zu warm. Ansonsten war alles gut. Ich kann jetzt tatsächlich so lange Kraulschwimmen, wie ich will, egal ob mit oder ohne Kurzflossen. Wenn ich angestrengt werde, schwimme ich langsamer oder atme häufiger, wenn ich mich erholt habe, wieder etwas schneller, es ist jetzt genau so, wie es beim Brustschwimmen schon immer war. Das macht mich glücklich.
Ankunft im Büro um 9:30 Uhr, es hatten sich erfreulich wenige Mails über Nacht angesammelt und ich konnte sofort mit geplanten Erledigungen beginnen. Um 11 Uhr dann ein geplantes Gespräch mit einer MItarbeiterin, bei der es zum einen um ein Sachthema ging und zum anderen um ein persönliches Thema, nämlich das Verschicken von unangemessen formulierten Mails. Wir hatten darüber schon zweimal zuvor gesprochen, jedoch offensichtlich nicht nachhaltig. Daher stellten wir heute im Gespräch eine Liste auf, an der man erkennen kann, dass eine Mail, die man selbst schreibt, "verdächtig" ist. Ich teile diese Liste hier gerne, ich denke, sie kann ganz grob auch für Kommentare und Replys in Social Media gelten:
Pro bejahender Antwort ist 1 Punkt zu zählen, außer es ist anders angegeben:
Bin ich verärgert?
Fühle ich mich vollkommen im Recht?
Bin ich überzeugt, dass ich den Sachverhalt zweifellos in allen Einzelheiten überblicke?
Bin ich der empfangenden Person gegenüber (aktuell) nicht wohlwollend gestimmt?
Schreibe ich eine Mail, statt das persönliche Gespräch zu suchen, weil cih am Standpunkt des Gegenübers nicht interessiert bin?
Schreibe ich eine Mail, statt das persönliche Gespräch zu suchen, weil ich befürchte, in einem Gespräch die Fassung zu verlieren?
Steht bei der Mail das Ziel, Dampf abzulassen, im Vordergrund?
Nehme ich Personen ins BCC? (1 Punkt pro Person)
Enthält meine Mail mehr Großbuchstaben als für die korrekte Rechtschreibung notwendig? (1 Punkt pro überflüssigem Großbuchstaben)
Enthält meine Mail ein Ausrufungszeichen außerhalb eines positiv-wertschätzenden Kontextes? (1 Punkt pro Ausrufungszeichen zählen)
Enthält meine Mail mehrmals dasselbe Satzzeichen direkt hintereinander? (pro Vorkommnis pro Satzzeichen einen Punkt zählen)
Kommen Fettdruck, Unterstreichungen oder ähnliche Hervorhebungen vor? (pro Vorkommnis einen Punkt zählen)
Die Anzahl der Punkte sind die Stunden, die ich vergehen lassen sollte, bevor ich die Mail (nach nochmaligem Durchlesen) tatsächlich abschicke. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich es aber wirklich nicht aushalte, zu warten, bis diese Zeit vergangen ist, verdoppelt sich der Zeitraum. Ab 12 Punkten ist davon auszugehen, dass diese Mailfassung insgesamt nicht geeignet ist. Sie wird gelöscht und ein anderer Lösungsansatz gesucht.
Ich bin gespannt, ob es mit dieser Checkliste nun besser funktioniert.
Mittagessen mit einer anderen Mitarbeiterin, die ich in ein Restaurant einlud. Es gab bei ihr ein Schicksalsereignis in der Familie, wir besprachen, wie es nun (beruflich) weitergehen kann.
Nun war es schon 15 Uhr, es stand ein längeres Gespräch mit den Steuerexperten zur (immer noch - seit September letzten Jahres!) laufenden Steuerprüfung an, zentral dabei die Frage, inwieweit die aktuellen Anforderungen noch zumutbar sind. Steuern sind ein Gebiet, auf dem ich mich nicht gut auskenne, dafür gibt es eine Fachabteilung und externe Dienstleister. Ich bin lediglich als Schnittstelle dabei und finde das alles sehr interessant, weil ich viel Neues dabei lernen kann.
Den restlichen Arbeitstag verbrachte ich damit, neue Erkenntnisse bzw. Entwicklungen in bestehende Abläufe zu integrieren.
Gegen 19:30 Uhr Ankunft zu Hause, Außentemperatur gleich Innentemperatur (29 Grad), also Lüften. Heute war ich mich Kochen an der Reihe, wir hatten erfreulicherweise noch Reste im Kühlschrank, die ich für Herrn N aufwärmte, ich selbst habe ja mittags schon gegessen. Für mich gibt es gleich noch eine neue Wassermelone und vielleicht ein Eis. Und dabei wollte ich ein Buch lesen, habe aber gerade erfahren, dass Frau Herzbruch später für ein Telefonat zu haben ist. Darauf freue ich mich!
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Was alles liegen bleibt. Wenn man sich ein paar Monate am Rande des Machbaren bewegt.
Morgens räumte ich den Kühlschrank auf. Die Lieblingsbiersorte von Papa N, von der ich immer eine Flasche gut gekühlt mit ins Pflegeheim nahm. Das alkoholfreie Bier, das er bei seinem Krankenhausaufenthalt im Januar so gern getrunken hatte. Die Gläschen mit frisch geschnittener Melone und Kühlpacks, um sie frisch zu halten, bis sie den Patienten 250 km entfernt erreichen. Ihn dann aber nur schlafend antreffen, das Gläschen wieder mit zurück, vielleicht für das eigene Frühstück am nächsten Morgen, zu dem es dann aus Zeitgründen nie kommt. Und bei der nächsten Fahrt lieber ein neues Gläschen machen, das alte ist zwar erst zwei Tage alt aber in einem fragilen Zustand lieber nichts riskieren zumal bei den Temperaturen. Und zwei halbe Melonen entsorgt, zu deren Schnippeln es dann nicht mehr kam und auf die ich mich für mich selbst bei langen Autofahrten freute, für den Abend, aber dann war ich immer zu müde und irgendwann habe ich sie vergessen. Wie auch die Karotten und die Gurken.
Im Gemüsefach kleine Kakao-Trinkpäckchen, die ich quasi im Gegenzug aus dem Krankenhaus mitbekommen habe. "Du musst ja auch was für die Fahrt haben". Dass ich schon in der Grundschule keinen Fertigkakao mochte, geschenkt. Es ging um die Geste.
Auf dem Schreibtisch ein Karton mit Keksen, den Lieblingskeksen, die er aber seit einigen Wochen nicht mehr gut abbeißen konnte, ein gesamtes Sortiment an leichter zu kauendem Gebäck zum Durchprobieren, von dünn-knusprig zu dick-weich. Ein anderer Karton mit schönen Erinnerungen aus der Wohnung, die ich ihm nach und nach mitbringen wollte ins Pflegeheim, um ihn nicht zu überfordern. Daneben jetzt ein Karton mit den Sachen aus dem Pflegeheim: die Weihnachtskeksdose, die Uhr vom Nachttisch, das Handy, eine Armbanduhr, ein Stift mit Gravur, ein paar Bilder und - wo er den in den vergangenen vier Monaten aufgegriffen hat, wird jetzt für immer Papa Ns Geheimnis bleiben - ein Modeschmuck-Damenring. Daneben eine Tasche mit Sachen aus dem Krankenhaus. Die Brille, eine Zeitschrift und die drei Bücher, die ich mitgebracht hatte zum Vorlesen, eins nach dem anderen in abnehmender Komplexität. Ähnlich wie mit den Keksen in immer hilfloseren Versuchen, zu kompensieren, aufzuhalten, doch noch die Kurve zu kriegen.
In Ms altem Zimmer steht ein Schrank, in dem ich ausreichend Platz habe für die Fotoalben, die anderen Bilder und ein paar ausgewählte Erinnerungsstücke, die für mich keinen Gebrauchswert haben, aber die ich nicht weggeben möchte. Dort sind nun auch die Uhren, die Brille und der Stift. Beim Einräumen dachte ich für einen Moment, im Schrank würde es nach der Wohnung meiner Eltern riechen, vielleicht durch die ganzen Gegenstände. Als ich ihn dann nochmal öffnete, bemerkte ich aber, dass er nur nach Holz roch. Dafür tickt der Wecker munter vor sich hin und ist sogar auf die richtige Uhrzeit eingestellt. Ich ließ ein Lächeln im Schrank und schloss die Türen wieder.
Leider auch auf dem Schreibtisch: Etwa vier Zentimeter Papier, an das ich keine Erinnerung habe. Also auch nicht, ob ich mich schon darum gekümmert habe oder nicht und vieles hat seine Relevanz verloren. Visitenkarten der Stationen im Uniklinikum, Behandlungsvereinbarungen, Einladung zum Grillabend im Pflegenheim, Kontoauszug aus der "Taschengeldkasse", Steuerbescheid und letzte Nebenkostenabrechnung von Papa N, Kündigungsbestätigungen von allem Möglichen, Einladung zum Angehörigenabend, Rechnungen vom Sanitätshaus. Und viele Notizzettel zu notwendigen Bestellungen und notwendigen Fragen und Telefonaten, natürlich aber auch zu eigenen Angelegenheiten: wer beauftragt den Fliesenleger für das Loch im Bad, neuen Termin machen für das Gäste-WC, Termin machen für die neue Brille und zur Zahnkontrolle. Halbfertige Vorgänge zu Kostenerstattungen, vielleicht auch fertig oder gar nicht angefangen, ich habe den Überblick verloren und werde mich neu einarbeiten müssen. Die Teilnahmeurkunde vom Gesangsworkshop. Der war vor gut drei Monaten, es kommt mir vor, als sei eher ein Jahr vergangen.
Den Alltag zurückerobern, das ist die Aufgabe für die nächsten Wochen.
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Heute schloss ich mich erstmalig auch dem Prinzip "Lerchenschwumm" an. Üblicherweise gehe ich mittwochsabends schwimmen. Seit Sommereinbruch schaffe ich das nicht mehr, zum einen, weil die Freibäder nur bis 20 Uhr geöffnet haben (im Gegensatz zu den Hallenbädern, die bis mindestens 21 Uhr, teilweise bis 22 Uhr den Besuch erlauben). Zusätzlich ist es natürlich auch gegen 18:30 Uhr viel zu heiß und sonnig draußen, als dass ich meine Haut diesen Zuständen ungeschützt aussetzen würde. Und nochmal zusätzlich sind die Freibäder überfüllt.
Also kam ich heute als relativ späte Lerche um 8 Uhr im Schwimmbad an und wurde sofort integriert. Schon am Spind stellte sich Irma (wie ich erfuhr) vor mich und sagte: "Wer bist du denn?" Ich nanne meinen Namen, Irma ihren, sie fragte, ob ich Wassergymnastik im flachen Becken mache oder Schwimmen im tiefen Becken, das würden sie nämlich trennen. Ich beglückwünschte zu dieser vorausschauenden Ordnung, bekannte mich als Schwimmerin und sie nahm mich am Arm, um mich "den anderen" vorzustellen. Die Namen konnte ich mir nicht alle merken, schon kam auch ein Mann und sagte "Das ist die, die in den Männerduschen war!". Worauf sich Irma sofort schützend vor mich stellte mit den Worten: "Das ist die Neue, die kann nicht wissen, welche Dusche wo ist, wegen der Zettel!".
Die Zettel hatte ich auch gesehen. Ob sie, wie Irma für eine wahrheitsgemäße Aussage etwas zu laut behauptete, die Schilder an den Duschen überdeckten, weiß ich nicht mehr, ich trug auch keine Brille, sowieso war in der Dusche aber gar kein Mann, die Duschen an sich sind geschlechtslos und ich war maximal 30 Sekunden darin, denn ich wollte ja nur kurz Staub und Schlaf vor Eintauchen ins Schwimmbecken entfernen und dann waren - wie die Zettel ja auch warnend bemerkten - die Duschen unangenehm warm. Wobei ich warmes Wasser so gut wie immer unangenehm finde. Es fühlt sich ja komplett anders an als kaltes Wasser, gar nicht richtig wie Wasser eigentlich.
Das Warmwasserproblem hatte ich auch ganz massiv vor drei Wochen in London. Ab Flughafen Heathrow gab es überall nur noch warmes Wasser am Handwaschbecken. Nichts finde ich ekelhafter als das. Und es war überall so, in Restaurants, in Pubs, in einfach allen Gebäuden. Ich weiß, England ist sowieso Wasserhahn-gechallenged, man hat sich dann wohl einfach die Variante für "kalt" eingespart. Das Schlimmste Wassererlebnis war in der Unterkunft - Abreise zu Hause um 5 Uhr, Landung um 8 Uhr (Ortszeit), durch die 30-Grad-im-Schatten-heiße Stadt stromern bis 16 Uhr und dann, in Erwartung einer kalten Dusche, nur warmes Wasser. Ich dachte für einen Moment, ich müsse sterben, doch dann goss ich mir in der Dusche den Inhalt der Wasserflasche aus dem Kühlschrank über den Kopf und war gerettet. Jedenfalls für diesen ersten Tag.
Zurück zum Lerchenschwumm, das Wasser im Becken war angenehm frisch und die Personendichte angenehm gering. Einmal Altdeutsch-Rücken, viermal Brust (eine davon Irma), ein Herr kraulte und favorisierte dabei die Technik des Auf-der-Stelle-Kraulens. So hatte ich sogar ausreichend Platz für meine nicht ganz perfekten Rollwenden und konnte meine Strecke ohne Unterbrechungen schwimmen.
Bis die Hallenbäder öffnen, werde ich jetzt immer morgens schwimmen gehen. Immerhin, ein Sommerproblem ist gelöst. Es verbleiben ja noch ausreichend andere.
(Kommentare)
(Dieser Beitrag ist besonders für InaPoe, Joriste, Fischköppi und Hafensonne, nahoernsiemal und gurkenwurst, Vanessa, Stedtenhopp, die Kaltmamsell, Katzentratschen, Giardino, Frau Brüllen, Maike Paul, ubrummak, maske_katja, Frau Klugscheißer, Majorie, Kuchenschwarte, bhollerholler, Alba/OddlyFlowers, Rebekka, hotelmamama, Miss Megaphon, Buddenbohm, papperlapapp, Isabella Donnerhallen, Feodora, fliggerit, Küchenlatein, Isabel, Crocodylus, Violinista, NitroNika/5Kaffeespäter, jawl, Excellensa, Francine, Bettina und Linda vom Lesedings)
Ihr Lieben, ich danke euch von Herzen, dass ihr alle an Papa N und mich gedacht habt und die Traurigkeit ein kleines Stückchen mittragt. Papa N ist an den Folgen einer Lungenentzündung, letztendlich aber an "Alter" gestorben. Schon bei einer Herz-OP Anfang des Jahres konnten nur zwei von drei Engstellen versorgt werden, weil sonst durch das notwendige Kontrastmittel die Nieren versagt hätten. Die für das Herz notwendigen Blutverdünner verursachten durch die morschen Gefäßwände überall Blutungen und es wird dann mit der Zeit immer schwieriger, diese ganzen Dinge auszubalancieren. Die Lungenentzündung hat das Gleichgewicht dann final gekippt.
Papa N war immer ganz er selbst, ein Mensch mit riesiger innerer Freiheit, einer Offenheit für alle Menschen und einer bedingungslosen Großzügigkeit: alles, was er konnte und wusste und hatte, hat er geteilt und sich darüber gefreut, dass er das tun konnte. Er hatte die große Gabe, das Gefühl zu vermitteln, dass vielleicht nicht alles immer gut wird, aber dass wir alles, was kommt, irgendwie hinkriegen.
Ich wäre gerne im letzten Moment bei ihm gewesen, aber er hat sich dann doch schneller auf den Weg gemacht, als alle erwartet hatten. Und so war ich gerade auf der Autobahn, als er starb, um meine Sachen für die nächste Nacht zu holen, die ich dann bei ihm verbringen wollte. Darüber bin ich traurig, und gleichzeitig ist es natürlich gut, dass es so schnell ging und er nicht länger im Krankenhausbett herumliegen musste.
Momentan bin ich hauptsächlich unfassbar müde. Seit 2018 befand sich bei mir immer irgendein Familienmitglied in einer existenziellen Krisensituation. Seit Jahresanfang, als Papa N schon einmal im Krankenhaus war, bin ich rund 30 Mal dorthin gefahren, um ihn zu besuchen und die Wohnung aufzulösen – neben einem (etwas-mehr-als)-Vollzeitjob und einem Familienleben 250 km entfernt. Ich hätte das für ihn liebend gern noch undendlich viel länger gemacht. Gleichzeitig merke ich jetzt, wo es vorbei ist, wie viel Kraft diese Jahre gekostet haben.
Nach rund 8 Jahren ständiger Sorge, Erreichbarkeit und Anspannung weiß ich noch gar nicht genau, wer ich ohne all das bin. Das werde ich nun hoffentlich herausfinden.
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An einem Tag mit lebensbedrohlicher Hitze vier Stunden als Begleitung an einem Patientenbett stehen ist auch eine eindringliche Erfahrung. Es ist völlig überfüllt dort, unfassbar viele Personen mit Hitzeschäden und zwar im wesentlichen sehr alte Menschen und dazu viele junge Männer in Sportkleidung. I listen and I judge. Der Arzt, der die jungen Männer wieder auf die Beine brachte, war auch judgy und erklärte den jungen Menschen, dass sie mit ihrem dummen Verhalten nicht nur sich sondern auch andere in Gefahr bringen, indem sie die Kapazitäten, die für andere zur Verfügung stehen sollten, abschöpfen.
Da die Uniklinik mit mobilen Trennvorhängen Behelfskabinen geschaffen hatte, gab es viel zu hören. So auf der einen Seite von Papa N eine Dame, die sich bei einem Sturz das Becken gebrochen hat und über starke Schmerzen klagte, Schmerzmittel jedoch kategorisch ablehnte, denn davon würde ihr übel. Egal wie oft die unfassbar geduldige Ärztin erklärte, dass es zum einen etwas völlig anderes sei, zu Hause Aspirin zu nehmen als per Infusion ein völlig anderes Medikament zu bekommen und zum anderen, dass sie auch etwas gegen Übelkeit geben könnten, falls diese wirklich eintritt - sie blieb dabei. Denn, Achtung: Medikamente gegen Übelkeit machen dick!
Auf der anderen Seite von Papa N war ein Herr M, eingeliefert mit Verdacht auf Herzinfarkt. Herr M antwortet auf die Frage, ob er Blutverdünner nehme, in voller Überzeugung "Ab und zu!" und zündete sich wenig später eine Zigarette an. Sie blieb nur sehr kurz an.
Papa Ns Fall war schnell eingeschätzt und die Behandlung eingeleitet, nur warteten wir eben vier Stunden auf einen Transport, weil alle Wagen ununterbrochen im Stadtgebiet im Einsatz sind. Nun ist er auf der Station und hoffentlich in guten Händen.
Was heute gut war am Sommer: wenn mir Schweiß aus den Haaren ins Essen tropft, muss ich nicht aufstehen, und den Salzstreuer holen.
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Hört, wie ich das Lob des Sommers singe: es ist ein guter Tag für Hefeteig. Selbst für Wasser aus der Leitung für den Vorversuch, ob die 2024 abgelaufene Trockenhefe noch taugt, musste ich noch nicht einmal den Durchlauferhitzer bemühen. Es kam bereits handwarm aus dem Wasserhahn, einfach so.
Wasser ist hier ein Thema derzeit, denn die Stadt hat Wassernotstand. Es ist zwar genug Wasser da, aber es kann nicht ausreichend für den aktuellen Verbrauch gefördert werden. Denn der Verbrauch hat sich in den letzen zwei superheißen Wochen vervielfacht. Dass der Verbrauch höher ist, erschließt sich mir sofort, auch mein eigener Verbrauch ist es. Normalerweise dusche ich morgens, jetzt dusche ich morgens und abends und manchmal auch kurz nachts. Weil ich viel mehr trinke gehe ich auch häufiger aufs Klo. Und weil ich mich täglich mindestens einmal umziehen muss und auch die Nachtwäsche nicht mehrere Nächte tragen kann, wasche ich viel mehr. Was da bei den Prognosen zur Förderungsmenge und Planung von Förderungskapazitäten falsch eingeschätzt wurde, wird sicherlich jetzt bei den entsprechenden Verantwortlichen diskutiert. Ich bin gespannt.
Ansonsten passiert nicht viel. Es ist ja zu warm für alles.
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Eigentlich ist die Hitze ganz okay. Also jedenfalls, wenn man alle Vorstellungen, die man je vom eigenen Leben hatte, fahren lassen hat.
Heute kamen wieder um 8 Uhr die Handwerker. Der ganz alte Mann war wieder da, diesmal mit einem anderen jungen Mann. Wieder wurde viel über das gekichert, was in den Wänden vorgefunden wurde. "Hihihi guck mal da!"- "Wieso haben die das nur so gemacht?" - "Hihihi was für ein Unsinn!" - "Hihihi da auch!" Den alten Mann konnte ich mit Maracujalimonade ködern. Die kannte er noch nicht und fand sie gut. Der junge Mann trank alles.
Wie geplant wurden sie gegen Mittag fertig, also mit ihrem Auftrag, das Bad an sich ist nicht fertig. Aber uneingeschränkt nutzbar, genau wie alles andere, was mit Wasser zu tun hat, das ist ja erst einmal die Hauptsache. Und wir haben zwar ein paar fehlende Fliesen, dafür jedoch nun eine Sprech- und Sichtverbindung zu den Nachbarn unten drunter und die sind sehr nett. Wir schreiben uns sonst immer WhatsApp, da können wir jetzt viel einfacher immer von Bad zu Bad rufen. Die Handwerker wollten das so lassen, weil "der Rest ja sicher auch zügig erledigt wird". Ich glaube im Handwerksbereich nicht an "zügig" und bat darum, wenigestens dafür zu sorgen, dass die Katze nicht durch das Loch fallen kann. Auch wenn die Nachbarn von unten sie ja im Urlaub immer füttern. Ich könnte nachts nicht ruhig schlafen. Das verstanden die Handwerker und bauten eine Vorrichtung aus Panzerband und Abdeckvlies.
Rasch brach ich dann auf ins Büro, denn ich hatte um 15 Uhr einen Termin und musste vorher noch eine Eislieferung aus der Cafeteria auslösen. Ich stieg ins Auto, dass Herr N mir zuvorkommend - er wusste um meine Eile - im Hof direkt vor dem Haus geparkt hatte statt in der Garage. Es hatte eine Million Grad. Ich stieg ein, mir wurde sehr, sehr heiß, üblicherweise schwitze ich ja nicht, doch diese Hitze bewirkte, dass ich nach kurzer Fahrzeit quasi innerlich aufplatzte, meine Schweißdrüsen oder was auch immer, und binnen weniger Sekunden saß ich in Schweiß. Schwindlig und übel wurde mir auch, an Weiterfahren war nicht zu denken, ich hielt bei der nächsten Gelegenheit an, es war ein Supermarktparkplatz, und ich ging sofort in den Bereich mit den Kühltheken. Schon ging es mir wieder gut. Wo ich nun einmal da war, ging ich zu den Wassermelonen. Ich möchte seit längerem Wassermelone kaufen, weiß aber nie welche, zu viel Auswahl. In diesem Supermarkt wurde das Problem nun für mich gelöst, denn ein Herr - kein Marktpersonal, sondern Kunde oder Ehrenamtler - stand an dem riesigen Karton mit den Wassermelonen, beklopfte sie alle und reicht mir eine mit den Worten "die hier geht". Woher er das wisse, fragte ich - na durch das Klopfen natürlich. Ich erkundigte mich, wie die Melone denn klingen müsse, damit sie gut sei. "Voll!", war die antwort. Und er führte mir die verschiedenen Melonenklänge durch wildes Kopfen und Springen vor, ein Melonenschlagorchester, jede klang anders, mir wurde wieder schwindlig. Ich nahm die Melone, die ging, der Melonenmann sagte, die Melonen in dem anderen Riesenkarton seien aber insgesamt noch besser. Allerdings auch viel größer. Ich könne ja jemanden zum Essen einladen!
Kurz vor der Kasse kaufte ich noch eine 1,5-Liter-Flasche Wasser und goss sie über mich, bevor ich wieder ins Auto einstieg. Bei Ankunft im Büro war ich schon getrocknet.
Als ich später nach Hause kam, gegen 20 Uhr, waren es noch immer 38 Grad. Ich traf im Hof den Bruder das Nachbarn S. Familie S kommt aus Italien, mein Nachbar S verbringt das Winterhalbjahr dort, kam vor kurzen mit seinem Bruder zurück, der Bruder wird aber morgen wieder abreisen, 17 Stunden Autofahren und sich dann um seine Olivenbäume kümmern. Er bot an, mir über seinen Bruder Olivenöl zukommen zu lassen, überlegte sich dann, dass ich das Öl vorher probieren muss, wollte eine Probe aus der Wohnung holen, kam aber mit Bruschetta zurück, die wir im Hof auf einer Treppe sitzend verspeisten. Nachbarin I huschte durch das Tor und verschwand schnell im Treppenhaus. "Ah, guck mal, diese Frau hat mein Vogelfutter geklaut", sagte ich mit mehr Phlegma, als ich je zuvor in meinem Leben zur Verfügung hatte. "Na sowas!", sagte Bruder S und erzählte weiter von seinen Olivenbäumen.
Die Melone ist hervorragend.
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Meine Laune ist stabil schlecht. Auch heute antwortete Nachbarin I nicht auf mein Klopfen und Klingeln. Ich glaube, ich werde nicht weiter das Gespräch suchen. Ich habe für meinen Geschmack sowieso viel zu viel Kommunikation zu der Paketsache. DHL hat sich gemeldet, aber nicht mit einer Auskunft, warum das Paket einer fremden Person ausgehändigt wurde sondern mit einem Formular und einer Frist, innerhalb der dieses auszufüllen ist. Und der Verkäufer hat sich schon wieder gemeldet, die Mitarbeiterin kündigt an, intern mit ihrer Vorgesetzten zu besprechen - blablabla an dieser Stelle wurde mir langweilg, mich interessiert nicht, wer was mit wem zu tun plant und wer welche Entscheidungen treffen darf, mich interessieren nur Ergebnisse.
Im vierten Anlauf seit Oktober letzten Jahres kamen heute zwei Handwerker, um sich um den Wasserschaden zu kümmern. So hatten wir ab morgens um 8 Uhr kein Wasser mehr. Das hat mich allerdings weniger gestresst als die Tatsache, dass der ältere der beiden Handwerker nichts trinken wollte. Er war sehr rot im Gesicht und schwitze stark und verweigerte Wasser, Cola, Limonade, alkoholfreies Bier und Kaffee. Er habe noch nie bei Kundschaft etwas getrunken, denn sonst müsste er ja irgendwann aufs Klo und in seinem ganzen Berufsleben habe er nie die Toiletten seiner Kundschaft benutzt. Ich schlug vor, er könne jetzt gegen Ende seines Berufslebens ja noch einmal etwas ganz Neues wagen. Und sich dann später sagen zu können, den Beruf wirklich in allen Facetten durchlebt zu haben. So ließ er sich zu Cola überreden.
Im Büro litt ich erneut unter einem Übermaß an Storytelling und wurde sehr barsch, als eine Person ihre Teilnahme an einer Führung am Freitag "aufgrund der Situation im Büro" absagte. Ich fragte natürlich nach, was diese Situation im Büro sei und erfuhr dann: es gab keinerlei Situation, jedenfalls nicht im Büro und auch nicht im Zusammenhang mit der Führung. Dieselbe Person gab mir wenig später Unterlagen verbunden mit einer Entschuldigung, sie kämen verspätet, das länge an ihrem Büroumzug, der letzte Woche stattfand. Die Unterlagen waren allerdings aus November 2025 und mittlerweile sowieso komplett irrelevant, weil ich mir natürlich längst Zweitschriften besorgt hatte. "Was hat das mit dem Umzug zu tun", fragte ich also und bekam als Antwort "eigentlich nichts". "Mir war, als hättest Du gesagt, die Unterlagen kommen wegen des Umzugs so spät", fragte ich nochmal nach. Es gab keine Erklärung dazu. Völlig grotesk. Wenn schon Storytelling, dann doch bitte gutes und unterhaltsames und nicht wirres Geplapper.
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Bei 35 Grad Sperrmüll rausstellen ist angenehmer als bei 39 Grad (die solle es morgen werden). Das war heute richtig gut am Sommer.
Während ich Brett um Brett und Tisch und Zeug aus dem Keller nach oben trug, erwartete ich bei jedem Auftauchen von der Kellertreppe, der Nachbarin I zu begegnen. Jedes Mal malte ich mir neu aus, was ich dann tun würde, von Finger ausstrecken und "Diebin, da ist die Diebin!" brüllen über fuchtelndes "Gib mir mein Vogelfutter zurück, redde civum avium!" bis hin zum Ultimo, einem rationalen Gespräch, warum das alles so gekommen ist. Doch die Nachbarin war nicht da (ich klopfte auch nochmal an die Tür). Eigentlich hatte ich sowieso damit gerechnet, dass mindestens ein Mannschaftswagen vor dem Haus steht und ich zwecks Abnahme von Fingerabdrücken gebeten werde, den aufgerissenen Karton, den ich zu diesem Zweck im Keller lagere, herauszugeben.
Auch DHL hat bisher nicht geantwortet, das wiederum erstaunt mich nicht. Dafür hat der Verkäufer geschrieben, dass er um Foto des Pakets und Aktenzeichen bittet und dann eine Ersatzlieferung auf den Weg bringen wird.
Heute kam ein Paket mit Katzenstreu, das stand unten im Haus, unangetastet. Wie gesagt, die Täterin ist klein und zierlich, vermutlich konnte sie es nicht bewegen.
Ansonsten war ich heute zum Haareschneiden. Ich war bei einer für mich neuen Friseurin, weil sie in dem Salon war, in den ich immer gehe. Andere Leute wechseln ja die Frisierperson. Ich nicht. Ich gehe einfach immer in den selben Salon und die Leute, die da Haare schneiden, wechseln. Der kiffende Friseur ist aber nur im Urlaub. Eine sehr junge Frau mit blaufarbigem Iro schnitt mir die Haare, im Laden lief Gothic und Dark Wave der 80er, ich lobte die Musik, die sich für mich positiv vom ewigen Elektrogedudel des Stammpersonals abhob. Die junge Frau wollte mir die Bands und die damalige Szene erklären und ich sagte "entschuldige Mal" und erklärte es dann umgekehrt ihr. Ich habe noch nie beim Haareschneiden so viel geredet. Ich habe jetzt irgendwie weniger Haare, als ich gewohnt bin. Nicht kürzer sondern weniger Masse. Ich glaube, für den Sommer ist das gut.
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Es ist ja nicht genug damit, dass es grotesk heiß ist. So kam es dazu, dass ich heute noch vor dem ersten Kaffee eine Strafanzeige stellte.
Gegenstand des Streits ist erneut ein Paket. Eines mit Vogelfutter im Wert von 47,24 Euro! Nicht zu Bobby geliefert, nicht zu Familie Spot, auch nicht zu mir sondern zu einer Nachbarin I. Dort wollte ich es heute abholen, traf dabei Nachbarin II an, die mir mitteilte, das Paket sei wohl da, doch Nachbarin I habe es geöffnet und den Inhalt an sich genommen. So weit, so crazy, ich wollte mehr erfahren und fragte, ob ich hereinkommen könnte. Nachbarin I war auch anwesend, schloss sich aber in ihrem Zimmer ein und öffnete auf Klopfen hin nicht, auch nicht auf Hämmern hin und - nicht ganz so erstaunlich - auch nicht auf Brüllen hin.
Ich verließ etwas ratlos den Tatort mit dem Plan, erst einmal ins Büro zu fahren und dort einen Kaffee zu trinken, dann kann ich besser denken. Auf dem Weg rief Frau Herzbruch mich an, weil in ihrem Umfeld glaube ich niemand außer mir 2-Faktor-Authentifizierung mit der Kreditkarte machen kann. So half ich ihr mit einer gerade eben zweistelligen Zahlung aus und berichtete von meinem Dilemma. Frau Herzbruch riet mir zunächst ab, die Angelegenheit weiter zu verfolgen, da Nachbarin I offensichtlich verrückt sei und eine Eskalation vielleicht unangenehm würde. Ich wandte ein, dass die Dame sehr klein und zierlich ist und ich schon daher nichts zu befürchten habe. Gut, sie sei verrückt. "Du aber ja auch", erwiderte Frau Herzbruch. Das ist durchaus richtig, in Momenten akuter Gefahr war ich in Bezug auf Hemmungslosigkeit mit allen Irren, denen ich bisher begegnet bin, durchaus auf Augenhöhe.
Nach dem ersten Kaffee blickte ich aber schon wieder mit mehr Menschenliebe auf die Welt und rief zunächst einmal bei der Organisation an, die die betreffende WG betreut, um zu erfragen, was sie für die beste Vorgehensweise halten. Leider sagten sie, ich sollte bitte tatsächlich Anzeige erstatten, das sei in der gegebenen Situation am sinnvollsten. Also tat ich das. Und informierte dann noch den Versender und öffnete ein Ticket bei DHL mit der Frage, warum das Paket, für das weder Abstellgenehmigung noch irgendeine Vollmacht vorlag, überhaupt bei Nachbarin I abgegeben wurde. Man hat ja auch sonst nichts zu tun.
So ging der Tag schnell dahin, plötzich war es schon 16:30 Uhr und ich war noch nicht dazu gekommen, zu frühstücken und auch nichts vermisst. Die erleichternde Bürotemperatur von 22 Grad hatte zu so viel Wohlfühlen geführt, dass ich sämtliche andere Körperlicheiten nicht mehr wahrgenommen hatte. Sogar das Trinken hatte ich vergessen. Da um 19:30 Uhr eine Verabredung für Feierabenddrinks anstand, holte ich schnell das Frühstück noch nach und befüllte den Körper in der vebleibenden Zeit mit 2 Litern Wasser.
Die Verabredung war dann sehr schön, auch wenn alles klebte und schmierte und glibschte - nein, kein Sex, einfach nur Hitzesudern. Immerhin hatte ich keine Watte im Kopf. Vielleicht gewöhnt man sich die ständig leicht feuchte und überhitzte Haut mit der Zeit? Es ist ja erst Juni, es gibt sicher noch ausreichend Gelegenheit, das weiter zu erforschen.
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Ich habe noch etwas gefunden, was am Sommer gut ist, nämlich: der Tee wird morgens nicht so schnell kalt. Vielleicht habe ich das auch schonmal aufgeführt. Egal.
Nicht gut war meine Kleidungsbestellung, fast alles absolut hässlich. Vermutlich wäre es besser gewesen, wenn die Lieferung gekommen wäre, bevor meine absolut schlechte Laune eingesetzt hat. Ein paar wenige Kleidungsstücke waren hübsch, aber aus grauenhaftem Kunstfasermaterial. Es gibt ja mittlerweile auch Kunstfaser, die angenehm auf der Haut ist - bei dem Preis, der aufgerufen wurde, dachte ich, es handele sich um solche. Das war eine Fehlannahme. Ich habe jetzt genau eine weitere Bluse (Baumwolle) und eine weitere Culotte. Die Bluse ist schwarz-weiß und vermutlich mit dreien meiner Sommerhosen kombinierbar (zusammenspiel mit dem Schnitt muss überprüft werden, evtl. geht sie nur mit schmalen Hosen), die Culotte ist weinrot und somit mit allen meinen Oberteilen kombinierbar außer mit den roten und evtl. wegen der Weite nicht mit der neuen Bluse. So ergeben sich immerhin mit nur zwei Teilen ganz im Sinne meiner Capsule Wardrobe diverse neue Kombinationsmöglichkeiten.
Gestern hatte ich noch einen Moment der Menschenliebe am Ende des Fußballspiels. Es wurde ins Publikum gefilmt und da waren drei völlig normale Menschen mittleren Alters, also nicht überdurchschnittlich schön sondern ganz normal und sie hatten eine Deutschlandfahe und unten in den gelben (goldenen) Bereich mit vermutlich Edding ihren Herkunftsort geschrieben, Erkelenz oder Erpenweiler oder sowas, und sie waren glücklich. Man muss sich das genau vorstellen, da sind drei Leute (oder vielleicht vier oder fünf und die anderen waren nicht im Bild), die sich die Mühe machen, für ein Fußballspiel in USA/Mexiko/Kanada (keine Ahnung wo das gestern war) Karten zu kaufen und dahin zu reisen, Flugticket kaufen, Hotel buchen, Urlaub nehmen sicherlich auch, vermutlich bleibt man nicht nur kurz und muss auch noch wen finden, der den Hund nimmt oder die Katze füttert und die Blumen gießt, es ist ein gewisser Aufwand. Die Fahne beschaffen sie, um richtig jubeln zu können, Amazon oder Temu oder so und dann machen sie sich die Mühe, mit einem Filzschreiber da noch ihren Wohnort draufzuschreiben! Am Küchentisch oder auf dem Fußboden oder wo auch immer man sowas macht, vielleicht auch erst am Flughafen, vielleicht hatte einer die Fahne mit und einer den Filzschreiber und sie haben am Abend verabredet, dass sie das dann am Gate machen, weil man da sowieso immer so lange warten muss und dann haben sie da auf dem leicht schmutzigen Boden gekniet und am Ende noch den Automatenkaffeebecher umgeworfen, gut dass der nicht gegen den Handepäcksrucksack gekippt ist - ich schweife ab. Dass sie nicht geübt waren, sah man. Dass es nicht leicht ist, mit Filzschreiber auf Polyester zu schreiben, auch. Und das Ergebnis halten sie dann in die Kamera und freuen sich so richtig. Spätestens bei der Sache mit dem Filzschreiber wäre ich persönlich ja ausgestiegen. So etwas rührt mich.
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Die Herren spielen Fußball auf internationalem Niveau, da kann ich gut im Sessel sitzen und aufschreiben, wie fürchterlich schlecht alles am Sommer ist. Ich habe gerade zum zweiten Mal heute geduscht und glaube, was mir beim Tippen über die Kopfhaut läuft, ist kein Restwasser sondern Schweiß. Wobei ich gar nicht zum Schwitzen neige, ich glaube, das ist Teil meines Sommerproblems. Schweiß hilft ja dem Körper, abzukühlen und wer immer trocken herumsitzt wird rot und verbrennt irgendwann, innerlich oder äußerlich oder beides. Ich bin kurz vor Beidem. Um das Allerschlimmste zu verhindern, liegt auf meinem Kopf ein Kühlpack.
Die Wohnung habe ich heute nicht verlassen, denn es bietet sich natürlich an, an einem Tag, der sowieso schon keinen Spaß machen wird, noch andere Dinge zu tun, die keinen Spaß machen. So dass nicht ein weiterer Tag verschwendet wird. Also machte ich die Steuererklärung. Es war heute etwas aufwändiger als in den Vorjahren, weil ich mich das ganze Jahr über nicht befasst hatte und über mein eigenes Treiben erstaunlich unterinformiert war. Aber jetzt ist alles erledigt und wie jedes Jahr winkt ein wirklich beachtlicher Stundenlohn. Natürlich könnte ich irgendwas vorab eintragen lassen, so dass ich diese Steuern gar nicht erst zahle. Die Steuererklärung müsste ich dann aber erst recht machen und das, ohne dann ein tolles Endergebnis zu haben. Vermutlich würde ich sie dann immer verspätet abgeben und müsste Strafe zahlen. Deshalb ändere ich nichts.
Morgen mache ich auch wieder nichts. Bzw. ich muss zwei Ladungen Wäsche wasche und im Backofen (=Balkon) trocknen. Und Frühstücken, Mittagessen, Abendessen, mindestens 1x duschen. Das wird in dieser bleiernen Hitze wohl tagfüllend sein. Vielleicht stehe ich einfach gar nicht auf, ist ja auch egal.
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Mein Büro hat noch eine angenehme Temperatur von gut 23 Grad. Das liegt daran, dass ich dauerhaft die Jalousien geschlossen halte. Immer mal wieder kommen Personen bei mir vorbei, auch morgens, die sich schon antizipativ beklagen, dass ihr Raum bald sehr warm sein wird. "Ich könnte das ja nicht, den ganzen Tag im Dunkeln sitzen!" sagen sie dann. Anfangs sagte ich noch, dass sie sich halt entscheiden müssen, ob sie im Dunkeln und mäßig Warmen oder im Hellen und sehr unangenehm Warmen sitzen. Mittlerweile sage ich nur noch "Echt? Ich liebe das! Am liebsten hätte ich es zusätzlich auch noch brüllend heiß hier im Raum, aber das klappt dann irgendwie nicht!"
Später stand ein Mitarbeiter in meinem Raum, um sich zu beschweren, dass er nicht in ein Projekt eingebunden ist, das gerade gemütlich anläuft, nächstes Jahr Fahrt aufnimmt und ab Q3 quasi allumfassend wird. Ich antwortete wahrheitsgemäß, der Grund sei, dass er mich vor wenigen Wochen um ein Zwischenzeugnis gebeten hatte in Verbindung mit der Mitteilung, ich solle im zweiten Halbjahr nicht mehr mit ihm rechnen. Was ist denn los mit den Leuten? Wenn man die Jalousie im Sommer oben lässt wird es warm und wenn man sagt man kündigt kriegt man keine langfristigen Projekte, das ist doch nur logisch.
Was gut war heute: nach der Arbeit fand ich mein Fahrrad wieder. Ich wollte eigentlich morgens damit fahren, doch es stand nicht im Hof. Scharfes Nachdenken ergab zunächst einmal: nichts. Im Büro konsultierte ich meinen Kalender. Am Montag wollte ich Schwimmen, war daher mit dem Auto unterwegs. Am Dienstag fuhr ich mit dem Rad zur Arbeit und wieder zurück. Am Mittwoch ist der Hinweg ungeklärt, auf dem Rückweg nahm mich Fragmente mit. Am Donnerstag hatte ich morgens einen Termin mit Herrn N, danach setzte er mich am Büro ab. Somit schien es naheliegend, dass ich Mittwochmorgen mit dem Rad aufgebrochen war. Nur wohin genau, also an welche S-Bahn-Station und an welchen Ausgang davon? Ich hatte Glück und gleich der erste Versuch (Innenstadt, Ausgang Rathaus) war richtig!
Zum Chor schaffte ich es nicht, zu warm. Ich sah mich nicht in der Lage, den Raum mit ca. 30 weiteren 37-Grad-warmen Körpern zu teilen. Aus demselben Grund hatte ich auch am Mittag schon ein Meeting geschwänzt. Es gibt Grenzen dessen, was mir möglich ist. Dafür telefonierte ich auf dem Heimweg gleich zweimal mit Herzbruchs, Herrn und Frau, ganz unabhängig voneinander. Herr Herzbruch hatte mich angerufen und verpasst, als ich zurückrief, antwortete er nicht. Bevor ich mich nun sorgte, dass etwas mit Frau Herzbruch sei, rief ich einfach gleich sie an, um das zu erfragen. Es ging ihr gut, sie hatte ein schönes Thema zu besprechen, wegen desselben Themas rief auch Herr Herzbruch später nochmal an und wir besprachen einfach alles nochmal, warum sollte man über Schönes nicht zweimal reden. Anschließend grüßten sie einander von mir.
Was heute gut war am Sommer: ich musste bei meinen Telefonaten nicht in der anderen Hand einen Regenschirm balancieren und es gab keinen Wind, der mir das Telefon aus der Hand riss. (Sie sehen: ich bemühe mich!)
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Ich weiß ja nicht. Draußen gleißende, blendende Sonne, man schützt sich mit Sonnenbrille und am Ende noch einen Sonnenhut. Drinnen bunkert man sich ein, alle Fenster geschlossen oder bei Kachelmann-Fans auch nicht, jedenfalls aber die Jalousien und was man sonst so hat unten, man sitzt also im Dunkeln und vermeidet alles, was die Luftfeuchtigkeit oder -temperatur nach oben bringt. Die einen sagen dann auch noch, man solle die Sonnenbrille absetzen, wenn man irgendwo rein geht, also ich muss doch echt sagen, es sind der Zumutungen schon genug im Sommer, auch ohne 30x am Tag die Brille zu wechseln. Sowieso, warum soll man jetzt seine Augen zeigen, anderes aber wieder nicht, niemand soll sich die Hose ausziehen beim Betreten einer Kaffeebar, irgendwo verläuft da eine Grenze und ich weiß, Konventionen, aber was ich nur sagen will: das ist nicht naturgegeben, das ist erfunden und ich werde mich nicht wegen einer erfundenen Konvention noch mehr quälen als sowieso schon. Zum Glück trage ich gerne Hosen.
Jedenfalls, in der Häuslichkeit, pardon, im Bunker - also wir haben extra Fenster erfunden mit Glas drin und keine Wachlumpen mehr vor den Lüftungsöffnungen in den Häusern, es wäre echt schön, wenn man die nutzen könnte zum Rausschauen. Dieses Dämmerlich ist unangenehm unentschlossen. Violinista merkte es auf unserer letzten Reise schon an, ich bevorzuge lichtdurchflutete Wohnverhältnisse, gerne auch nachts und es ist absolut kein Widerspruch, dann eine Schlafmaske zu tragen. Jeder logisch denkenden Person erschließt sich das sofort. Schlafmaske abnehmen ist wie erweitertes Augenöffnen, aufstehen und Jalousie hochziehen ist wie ein anderes Leben.
Ich bin sehr unzufrieden. Für so weit mir der Wetterbericht angezeigt wird (Kachelmann natürlich) ist da nichts unter 30 Grad. Ich besitze derzeit nur drei Sommeroutfits, weitere befinden sich in einem Paket, das ich mir vorsorglich vor wenigen Tagen liefern ließ. Allerding wurde es weder zu Bobby geliefert noch zu USpot und schon gar nicht zu mir, sondern an "Hoffmann", wohnhaft angeblich im selben Haus wie ich, mir (und dem Klingelschild) jedoch nicht bekannt.
Ich bin sehr schlecht gelaunt.
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Ich weiß ja nicht. Draußen gleißende, blendende Sonne, man schützt sich mit Sonnenbrille und am Ende noch einen Sonnenhut. Drinnen bunkert man sich ein, alle Fenster geschlossen oder bei Kachelmann-Fans auch nicht, jedenfalls aber die Jalousien und was man sonst so hat unten, man sitzt also im Dunkeln und vermeidet alles, was die Luftfeuchtigkeit oder -temperatur nach oben bringt. Die einen sagen dann auch noch, man solle die Sonnenbrille absetzen, wenn man irgendwo rein geht, also ich muss doch echt sagen, es sind der Zumutungen schon genug im Sommer, auch ohne 30x am Tag die Brille zu wechseln. Sowieso, warum soll man jetzt seine Augen zeigen, anderes aber wieder nicht, niemand soll sich die Hose ausziehen beim Betreten einer Kaffeebar, irgendwo verläuft da eine Grenze und ich weiß, Konventionen, aber was ich nur sagen will: das ist nicht naturgegeben, das ist erfunden und ich werde mich nicht wegen einer erfundenen Konvention noch mehr quälen als sowieso schon. Zum Glück trage ich gerne Hosen.
Jedenfalls, in der Häuslichkeit, pardon, im Bunker - also wir haben extra Fenster erfunden mit Glas drin und keine Wachlumpen mehr vor den Lüftungsöffnungen in den Häusern, es wäre echt schön, wenn man die nutzen könnte zum Rausschauen. Dieses Dämmerlich ist unangenehm unentschlossen. Violinista merkte es auf unserer letzten Reise schon an, ich bevorzuge lichtdurchflutete Wohnverhältnisse, gerne auch nachts und es ist absolut kein Widerspruch, dann eine Schlafmaske zu tragen. Jeder logisch denkenden Person erschließt sich das sofort. Schlafmaske abnehmen ist wie erweitertes Augenöffnen, aufstehen und Jalousie hochziehen ist wie ein anderes Leben.
Ich bin sehr unzufrieden. Für so weit mir der Wetterbericht angezeigt wird (Kachelmann natürlich) ist da nichts unter 30 Grad. Ich besitze derzeit nur drei Sommeroutfits, weitere befinden sich in einem Paket, das ich mir vorsorglich vor wenigen Tagen liefern ließ. Allerding wurde es weder zu Bobby geliefert noch zu USpot und schon gar nicht zu mir, sondern an "Hoffmann", wohnhaft angeblich im selben Haus wie ich, mir (und dem Klingelschild) jedoch nicht bekannt.
Ich bin sehr schlecht gelaunt.
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Ja, es war schon wieder ein Sommertag, auch wenn der Wetterbericht anderes versprochen hatte. Aber wie meine Schwester gestern am Telefon schon sagte, als ich ihr vom angekündigten Gewitter mit Temperatursturz berichtete: "Das wird wieder nicht passieren, es passiert nie! Letzte Woche sagten sie 20 Grad, jetzt sagen sie 24 Grad, morgen sagen sie 26 Grad und dann werden es doch wieder 30". Mit einer Verbitterung in der Stimme, wie andere Menschen über Politik oder über Männer sprechen. Ich war von beidem nie so enttäuscht wie vom Wetter.
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Zudem ist ein weiteres Paket bei U. Spot gelandet. Ist das jetzt das neue Normal, dass Hermes-Sendungen bei Familie Spot ankommen und alles andere bei Bobby? Ich habe erst einmal Hermes gemailt, was das soll. Bei allen drei vermeintlichen Paketlieferungen war ich nämlich zu Hause. Ich glaube, da hat jemand keine Lust, die Pakete auszuliefern. Ich hingegen habe keine Lust, sie bei Familie Spot abzuholen. Zumal Familie Spot nur von 9 bis 21 Uhr arbeitet. Das reicht mir in den meisten Fällen nicht aus. Pakete hole ich bevorzugt entweder vor 8 Uhr oder gegen 23 Uhr ab. Und ich antizipiere schon, dass der nächste Smalltalks sich um mein Bestellverhalten drehen wird. In dem aktuellen Paket sind die Converse-Ballerinas in pink.
Ansonsten: ich finde weiterhin keine drei Dinge täglich, die am Sommer gut sind. Einzige Sache heute: der Amselgesang. Den mag ich wirklich sehr gerne.
Ich erinnere mich, erstmals eine Amsel ganz bewusst gehört zu haben, als ich mit einer Freundin abends im Garten spielte. Es war ein langer Sommertag und nun wurde es dämmrig, wir waren allein, die Erwachsenen irgendwo oben in der Wohnung, es waren Ferien, es gab keine Pläne und keine Verpflichtungen.
Der Amselgesang ist bei mir mit einem kindlichen Gefühl von absoluter Sicherheit, Sorgenfreiheit, Geborgenheit und gleichzeitig Freiheit verbunden. Und darin war schon eine leise Ahnung enthalten, dass dieser Zustand nicht für immer bleiben würde.
Heute weiß ich, dass er nicht geblieben ist. Aber wenn ich den Gesang der Amsel heute höre, hallt dieses Gefühl noch immer ein wenig nach.
Der Tag gestern zählte nicht als Sommertag, es wurden (dort, wo ich war) nicht über 25 Grad. Ich bin sehr großzügig. Unter 26 Grad wird nicht gehasst.
Heute aber wieder. Und zudem fand heute eine weitere meiner Maßnahmen, den Sommer für mich erträglich zu gestalten, ihre Umsetzung.
Eins meiner Beschwernisse im Sommer ist ja Schuhwerk. Ich laufe gern und viel, ich trage daher gerne Sneakers und, es ist einfach so, ich glaube, die Entwickler der Chucks hatten meinen Fuß im Kopf, als sie den Schuh entworfen haben. Sitzt bei mir immer, keine Größenvariabilität, sitzt morgens, mittags, abends und ich kann darin laufen, so lange ich Lust habe. Ich trage auch noch ein paar andere Schuhsorten (genau gesagt: zwei) sehr gerne, die sind aber empfindlicher und deutlich teurer, ich laufe sie im Alltag in zwei Monaten durch, das tut hier aber alles auch gar nichts zur Sache. Die Frage ist eigentlich: worin kann ich denn im Sommer gut laufen? Also mal angenommen, ich gehe überhaupt raus. Am liebsten halte ich es mit Rio Reiser, aber eben nur in Bezug auf den Fuß, in Bezug auf das Drumherum bin ich viel angepasster. Und während ich als Teenager noch im Sommer Doc Martens (die hohen) trug, habe ich in den letzten Jahren herausgefunden, dass Ballerinas für mich ganz schlau sind, denn die kann man unter jeglichem Tisch sofort abstreifen. Nur halt nicht so wirklich gut darin lange Strecken gehen, dann sind sie auch sofort kaputt. Und da habe ich jetzt die Lösung gefunden, nämlich – Converse-Ballerinas. Heute kamen sie an, natürlich passen sie perfekt, natürlich kann ich hervorragend darin laufen. Ich habe gleich vier Farben bestellt. Sie waren deutlich reduziert, vermutlich sieht außer mir niemand das Potenzial. Ein weiteres Sommerproblem gelöst. Das war gut.
Der Weg dorthin erstaunlich erschwert, übrigens, denn das Paket wurde nicht in Bobbys Kiosk geliefert, sondern in den „U-Spot“. Wer nennt sich denn so? Herr U. Spot?? Bei Bobbys weiß man, woran man ist, da gehört der Kiosk Bobby. Was ist mit den Leuten?
Das Abholerlebnis bei U-Spot war sehr mittelmäßig. Laden mit Neonröhren und schlechter Lüftung, darin drei junge Männer, sie ähnelten sich (evtl. Familie Spot), der eine las meinen Vornamen vom Ausweis, sah mir in die Augen, nannte meinen Namen, stellte sich dann vor, es dauerte alles unnötig lang. Wobei er immerhin nicht schwindelte, als er sagte, der Name sei ihm schon aufgefallen, denn er wusste, dass zwei Pakete für mich da sind statt des einen, von dem ich wusste. Unnötigerweise wollte der dann mit mir Smalltalk machen zu den Paketen, die er noch zur Abholung vorhält, zählte mir die Anbieter auf, von denen sie kommen, es war höchst uninteressant, ich schreibe es hier auf, damit es aus meinem Kopf verschwindet: ungefähr gleich viel (nämlich sehr viel) Zalando und Otto, wenig Amazon, weil die ihren eigenen Lieferdienst haben. Ich fragte nach Zooplus, weil ich ja irgendwie nie anders kann als in Gespräche einzusteigen. Kannte er nicht. Ts.
Dann geschah etwas sehr lustiges. Und zwar hatte sich hinter mir (wenig verwunderlich) eine Schlange gebildet, und sie bestand aus lauter religiösen Menschen, das sah man deutlich – jedoch ganz unterschiedlicher Religionen. So, als sei in der Stadt heute interreligiöser Paketabholtag. Direkt hinter mir waren zwei junge Frauen mit Kopftuch, dahinter ein junger Mann in Kasaya, dahinter eine Frau und zwei Männer, die ganz sicher zu diesen Dingens der Letzten Tage gehörten.
Mir sieht man ja keine Religion an, wobei ich ja keine habe, auch das sieht man mir, behaupte ich, nicht an. Ich bin generell eher inkognito unterwegs. Man sieht mir auch nicht an, was für Musik ich höre, glaube ich, und auch nicht, was ich beruflich mache oder was meine Hobbys sind. Vielleicht bin ich die komische Person, irgendwie etwas paranoid, dass ich in der Öffentlichkeit so quasi getarnt bin.
Besuch von der zauberhaften Sarah. Nebeneffekt: die Wohnung ist jetzt sehr sauber und der Kühlschrank gut befüllt.
Über alles geredet: die Arbeit, den Sommer, unsere älter werdenden Eltern, das Verschwinden des Middle Managements, das Leben auf dem Dorf, Handwerker, Nachhaltigkeit, die Klimakrise, Tromsø, unsere Urlaubspläne und die Herausforderung, als Regisseurin des eigenen Lebens inmitten aller Verpflichtungen Raum für uns selbst zu schaffen.
Lange am Tisch gesessen, dann auf dem Balkon, und schließlich eine Runde um das Dorf spaziert. Über uns ein Segelflieger, und Sarah fragt, ob ich das schon mal ausprobiert habe. Ja, habe ich – und es hat mir nicht gefallen. Ich fliege recht gerne in Linienflugzeugen, aber die Unmittelbarkeit des Segelfliegens, nur getragen durch Aerodynamik, getrennt vom Boden durch ein paar Millimeter Blech, das war nichts für mich. Dafür hänge ich zu sehr am Leben, und bin – ich erwähnte es bereits – ziemlich beleidigt, weil es irgendwann mal enden wird.
„Ich glaube nicht, dass es dann zuende ist“, sagt Sarah, und lächelt. „Du kannst es dir ja auch noch einmal überlegen, woran du glaubst.“
*da fragmente.me down ist, darf ich kurzzeitig gastbloggen bei Novemberregen*
Ich habe wahrscheinlich mehr als fünf Lieblingsbücher, aber das sind die fünf – je nach Publikum auch nur drei – die mir immer sofort einfallen, wenn ich gefragt werde:
1) Brideshead Revisited – Evelyn Waugh: wegen der vielen unterschiedlichen Arten von Liebe, die beschrieben werden, und die ich immer wieder neu entdecke, je älter ich werde.
2) Never let me go – Kazuo Ishiguo: hat zu Recht einen Nobelpreis für Literatur bekommen. Das Allerschwerste wird federleicht erzählt. Es gibt keine Gerechtigkeit, es gibt keine Rettung, auch durch die Liebe nicht.
3) The Bone Clocks – David Mitchell: wegen Holly. Und weil das Buch an unerwarteten Stellen sehr witzig ist.
4) Alchemised/Manacled – Senlinyu. Dieselbe Geschichte, unterschiedlich erzählt. Eine unausweichliche, griechische Tragödie. Alle, die nur das beste wollen, sich dafür selbst opfern, erreichen damit am Ende nur das schrecklichste. Und dann ist die Geschichte nicht zuende. My Roman Empire.
5) Bloody, slutty and pathetic – whatmurdah. Völlig verrückt, und doch in sich so stimmig. Kaum zu beschreiben.
Jedenfalls: the Bone Clocks besteht aus sechs (kurzen) Teilen, die teilweise ganz unterschiedliche Geschichten erzählen, und in allen kommt Holly vor, mal als Hauptfigur, mal nur ganz am Rande. Der erste Teil spielt 1984, da ist sie gerade fünfzehn und läuft von zuhause weg, wenngleich nur für ein oder zwei Tage, immer am Fluß Thames entlang, es ist sehr heiß. Dann folgen Episoden aus den Jahren 1991, 2004, 2015, 2025 und schließlich 2043. Die Welt ist da schon am Ende, die Ressourcen aufgebraucht, die Klimakatastrophe voll da, und das Internet ist kein Netz mehr, sondern nur noch ein Thread, über den es Holly gelegentlich gelingt, ganz kurz ihren Bruder zu erreichen.
Ihre Tochter ist bei einem Flugzeugabsturz umgekommen, damals, als alle Flugzeuge auf einmal aufhörten zu fliegen. Und von ihrer tausendfach fotografierten und gefilmten Kindheit und Jugend ist Holly nur ein einziges, schlecht ausgedrucktes Bild geblieben. Denn alles war in der Cloud, und die Cloud gibt es nicht mehr.
Es klingt so melodramatisch. Aber es ist ja auch ein Buch. In meinem Leben gibt es ein paar Fotoalben, von meiner Mutter angelegt, unten im Keller. Ein paar Schuhkartons mit Fotoabzügen, 1995 – 2005, vielleicht auch 2010, in einer Truhe in meinem Arbeitszimmer. Eine große Lücke, in der ich schon digital fotografiert habe, vielleicht auf Ordern auf meinem PC, oder auf Speicherkarten, oder auf einem iPhone 5. Und seit 2017, sicher auf jeden Fall seit 2019 in der Cloud: 20.000 Fotos, auch ein paar Videos, alle unsortiert.
Ich sollte nicht bis zur Rente warten, mich darum zu kümmern. Oder bis zum Ende der Welt, je nach dem, was zuerst eintritt.
Heute fiel mir noch etwas ein, was gestern am Sommer gut war. Mein Blick hat sich offensichtlich über Nacht schon etwas geschärft. Gut war, dass Fragmente mir sagte, ich trüge ein schönes Sommeroutfit. Im Winter hätte sie das vermutlich nicht gesagt.
Heute waren zwei Sachen am Sommer gut. Zum einen hatte das Freibad in Neu-Isenburg geöffnet (ich kann es mir leicht machen und jeden Tag ein anderes Freibad der Region aufsuchen, dies dann lobend erwähnen). Und auf dem Rückweg von diesem Freibad, in dem ich natürlich im Winter nicht gewesen wäre, zeigte ein inoffizielles Geschwindigkeitsmessschild mir "Danke" an. Ich liebe diese Schilder und möchte immer von ihnen gelobt werden, immer das Danke oder den Daumen hoch oder den lachenden Smiley bekommen. Wenn ich mal - das passiert ganz selten - den traurigen Smiley bekomme, drehe ich um und fahre nochmal dran vorbei. Ich kann das sonst nicht aushalten.
Um die Leserschaft informiert zu halten möchte ich noch erwähnen, dass Person 2 ihr Arbeitsprodukt noch immer nicht hat. Wir sprachen am 15. Mai darüber, damals lief die Angelegenheit schon seit vier Tagen. Vorgestern, also Montag, kam ein ganz kleines bisschen Bewegung in die Sache, als Person 2 nämlich in mein Büro kam und sagte, sie schulde mir eine Mail, also eine Antwort, doch hätte heute keine Zeit. Ich schob mit dem Finger eine Augenbraue hoch. Die Vorstellung, ich hätte in dieser Angelegenheit irgendeine Interessenlage, schien mir einigermaßen avantgardistisch.
Gestern kam die Person wieder in mein Büro, schloss die Tür, rutschte melodramatisch halb daran herunter, vergrub das Gesicht in den Händen und sagte, sie müsse jetzt wirklich diesen Vorgang voranbringen, den Antrag formulieren, doch es sei alles so unglaublich kompliziert und sie habe niemals gewusst, dass sie sich bei Erreichen der lang ersehnten und kürzlich erklommenen Stufe der Karriereleiter mit SO ETWAS befassen müsse. Ich wiederholte noch einmal, dass ich den Antrag formulieren kann, dazu nur ein paar Informationen benötige, die ich jetzt auch gleich im Gespräch erfragen konnte. Also stellte ich meine Fragen. Statt sie knapp und sachlich zu beantworten wurde Person 2 sehr emotional, es sei alles nur so, weil eben immer alles so unangemessen verkompliziert und undurchdringlich sei und sie selbst von unglaublichem Pech verfolgt. Ich sagte "jaja, ich brauche nur die Fakten", versuchte, sie herauszuhören, formulierte daraus den Antrag, schickte ihn Person 2 zur Durchsicht per Mail und bat sie, wegzugehen, die Mail zu lesen und mit dem geballten Hintergrundwissen, über das eben nur Pereson 2 verfügt, den Feinschliff vorzunehmen.
Das war gestern Mittag. Es geschah dann nichts weiter bis heute um 16:48, als Person 2 anrief und fragte, wie lange ich noch da sei, damit wir uns ihrer Sache noch einmal widmen, sie würde jetzt sehr bald meine Mail lesen. Ich antwortete, das sei noch exakt 12 Minuten lang der Fall, dann würde ich ins Freibad aufbrechen. "Das schaffe ich!" rief Person 2 enthusiastisch.
Ich habe seither nicht wieder etwas gehört.
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Es ist schon der dritte Sommertag in diesem Jahr. Ich hatte mir am ersten Sommertag - er kam recht überraschend, schnell überlegen müssen, wie ich mich in diesem Jahr zum Sommer verhalten. Schnell wurde klar, dass auch dieses Jahr wieder schlechte Laune angezeigt sein wird. Zusätzlich wollte ich aber an jedem Tag drei gute Sommerdinge festhalten, damit ich nichts übersehe, wer weiß, vielleicht wird Sommer doch noch was für mich, man darf sich verändern.
Das hat bisher nicht geklappt. Also der Teil mit der schlechten Laune schon, der mit den drei guten Sommerdingen am Tag aber nicht. Es ist Tag 3 und ich bin erst bei zwei guten Dingen insgesamt, nämlich 1. Der Badesee ist geöffnet und 2. Auf den Schwimmbadpommes war so viel Salz, dass ich mir an diesem Tag über Salzmangel keine Gedanken machen musste.
Mehr konnte ich beim besten Willen noch nicht finden, ich werde meinen Blick noch schärfen müssen. Das schreibe ich bewusst hier, um Druck aufzubauen, denn Druck beflügelt mich.
Das Wasser im Badesee hatte angenehme 18 Grad, ich schwamm eine Stunde darin herum, dabei kam der Wunsch in mir auf, in einem großen See zu schwimmen oder durch einen großen See zu schwimmen. Daher informierte ich mich abends über Schwimmevents. Es gibt im August eine Atterseequerung, die ich spannnend finde, das ist aber ziemlich weit weg und die Startplätze wohl immer innerhalb weniger Minuten vergeben. Die übrigen Events, die ich fand, schienen mir sehr kompetitiv, ich möchte mich nicht hetzen sondern einfach in Ruhe durch einen großen See schwimmen. Das kann man am Bodensee machen, indem man sich alles mögliche an Personal selbst anmietet, das ist dann sehr exklusiv in jeder Hinsicht.
Ein möglicherweise passendes Event gibt es in Düsseldorf, nicht im Rhein (wäre mir auch zu dreckig) sondern im Unterbacher See. Sogar passende Streckenlängen, noch freie Plätze und ein (halbwegs) passender Termin. Es wird aber erst ein paar Tage vorher anhand der Wassertemperatur entschieden, ob es eine Neoprenpflicht gibt und, wirklich, ich halte es für ausgeschlossen, dass ich mich in Neopren hülle, alles daran stößt mich ab, lieber schwimme ich nicht. So kann man sich, falls diese Pflicht verhängt wird, dann natürlich auch entscheiden, kurzfristig, das Startgeld ist dann aber weg. Ich werde diese Events noch eine Weile beobachten, um eine bessere Einschätzung zu haben. Übrigens: bisher ist nur ein einziges Team, und zwar männlich, für die Staffel angemeldet. Sollte sich ein weibliches Team finden, das mit mir dort die Staffel schwimmen will, hätten wir (Stand heute) hervorragende Chancen auf die Goldmedaille! Auch, wenn wir ganz gemütlich schwimmen.
Vier Arbeitstage nach dem Urlaub und ich habe schon wieder einen Überblick. Und das Chaos ist nicht mehr größer als vor dem Urlaub. Okay, auch nicht kleiner. Doch der Urlaub ging ja über zwei Wochen. Wenn das nach nur vier Tagen schon wieder stabilisiert ist, kann ich das ja öfter machen.
In den letzten vier Tagen gab es auch einen Vorfall, aus dem man lernen kann. Sofort nach Rückkehr wollten zwei Personen unabhängig voneinander von mir ein sehr ähnliches Arbeitsprodukt. Dafür musste ich zunächst Zahlen zusammenstellen und einen Vorschlag dazu machen, die Personen mussten dem Vorschlag dann zustimmen (oder nicht), ich hatte dazu jeweils eine (identische) Rückfrage, nach Klärung dieser Rückfrage war noch eine Genehmigung des Chairman einzuholen, schriftlich, ein begründeter Antrag. Für diesen brauche ich zwei oder drei Stichworte, dann kann ich den Antrag stellen, wenn das OK kommt, kann das Arbeitsprodukt verschickt werden. Beiden Personen war es sehr eilig damit. Generell findet Person 1, ihre Angelegenheiten laufen gut und es werden immer schnelle und gute Lösungen gefunden. Person 2 findet, unsere Abläufe sind unglaublich kompliziert und die Welt hat es darauf abgesehen, ihr das Leben schwerzumachen.
Beiden Personen schickte ich direkt Dienstagmittag quasi zeitgleich (ca. ein bis zwei Minuten Unterschied) den ersten Entwurf.
Person 1 ging, wenn ich mit Vorschlag/Rückfrage anrief, ans Telefon und lieferte die Stichworte zügig. Das OK vom Chairman kam unmittelbar, am Dienstag gegen 15 Uhr war alles abgeschlossen.
Person 2 habe ich bis heute nicht telefonisch sprechen können. Ich habe nach dem ersten Anrufversuch Dienstagmittag eine Mail geschickt, die Antwort kam Mittwoch. Für die sich ergebende Rückfrage rief ich wieder an, leider keine Antwort, also formulierte ich sie schriftlich, die Antwort kam am Donnerstag, so dass ich wieder anrief, um nun die Stichworte für den Antrag abzustimmen. Kein Glück, ich schrieb wieder.
Die Antwort kam gerade, leider hat Person 2 meine Nachricht aber nicht vollständig gelesen, sondern nur den ersten Halbsatz. Oder sie wurde gelesen und nicht verstanden, was ich ungern glauben möchte, denn die Sätze waren denkbar einfach formuliert. Ungefähr "Hier ist der erste Entwurf, wir benötigen nun die Freigabe von XY. Um die für Sie zu beantragen, benötige ich 2-3 Stichworte zum Sachverhalt".
Die Antwort, die ich gerade bekam, lautet "Super, danke!!" Sie verstehen, warum ich hoffe, dass nicht gelesen wurde. Es ist jetzt Freitagabend, nach 21 Uhr, ich werde erst am Montag erneut nachfragen. Was mir sehr schwer fällt, denn zum einen mag ich Person 2 wirklich enorm gern und noch lieber mag ich es, wenn Dinge gut funktionieren. Gleichzeitig weiß ich, dass exakt in dieser Situation jetzt die beste Chance für Person 2 liegt, zu begreifen, warum ihr Krempel immer unfassbar lang dauert. Und für mich die beste Chance, dafür zu sorgen, dass die Dinge zukünfig reibungsloser funktionieren. Dafür muss ich diese Angelegenheit jetzt vor die Wand fahren lassen. Schmerzhaft, aber nachhaltig.
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Ich verhalte mich antizyklisch. Die Welt macht Hanta-Virus, ich kündigte heute an, mein gesamtes Home-Office-Equipment bis Montag zurückzugeben. Ich weiß, Personen ticken da unterschiedlich: ich sehe es für mich nicht, nochmal über "kurz notfallmäßig" hinaus von zu Hause zu arbeiten und ich möchte auf gar keinen Fall irgenwo in meiner Wohnung zwei Monitore aufgebaut haben und mir auch nur noch ein weiteres Mal den Zeh am Drucker unter dem Tisch anstoßen.
Die Aktion ist nicht ganz anlasslos - die Prüfung der Geräte nach DGUV V3 steht an, sie müssen daher sowieso einmal kurz zu Besuch ins Büro und ich werde sie dann nicht wieder mit zurücknehmen. Wie in solchen Geschichten, in denen Menschen ihre gebrechlichen Eltern zum Nachmittagskaffee in ein Altenheim fahren und dann nicht wieder abholen.
Heute, am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub stellte ich im Büro fest, dass meine kurze Lunte vor dem Urlaub offenbar gar keine Urlaubsreife war. Sie besteht nämlich fort und ist vermutlich Teil einer neuen Grundhaltung. Wir werden uns alle damit arrangieren müssen, ich selbst auch. Es war schön, mich selbst als nette Person wahrzunehmen. Doch das ist jetzt Vergangenheit.
Knapp 3.000 Mails hatten sich in meinem Postfach während meiner Abwesenheit angesammelt. Das ist kein Tippfehler, jedoch natürlich eine komplett bizarre Anzahl. Ich hatte das, als ich Freitag kurz da war, nicht bemerkt (sonst wäre ich vielleicht nicht wiedergekommen), da ich ein recht ausgeklügeltes Filtersystem habe, das mir auf den ersten Blick nur Mails anzeigt, die (in exakt dieser Reihenfolge) a) vom Chef, b) von meiner Assistentin, c) an mich als einzige Person gerichtet sind. Erst auf den zweiten Blick sehe ich dann die Mails, die an mich im To-Feld gehen, und erst danach offenbart sich der ganze restliche Schlonz, der rund 3/4 dieser Mailflut bildete. Den Schlonz betrachte ich rückwärts chronologisch, denn meist sind es irgendwelche ausufernden Hin- und Hermailungen, bei denen nur noch der allerletzte Stand relevant ist (wenn überhaupt). Einen ganz separaten Ordner habe ich dann noch für Mails, bei denen ich im BCC stehe. Das sind meistens Petz-Mails!
Von meiner ja noch recht neuen Assistentin war keine einzige Mail unter den knapp 3.000. Ich ging morgens als allererstes bei ihr vorbei und sie sagte, es seien schon ein paar Themen aufgetaucht, bei denen sie sich mit mir besprechen möchte. Aber nichts davon sei eilig, daher habe sie nicht gemailt sondern alles auf einem Block notiert und wir könnten uns ja später in der Woche mal zusammensetzen. Ich war kurz davor, sie zu umarmen, auf ein Rollwägelchen zu stellen und durch alle Flure zu schieben, dabei zu rufen "Schaut her, so macht man das, ihr Irrsinnigen!!" Aber ich hatte Angst, dass sie das befremdlich findet und sie davonläuft.
Die andere neue Assistentin fragte ich heute auch, wie es ihr ergangen war und ob es etwas zu erzählen gäbe. Sie sagte, die Stelle sei ja Liebe auf den ersten Blick gewesen und sie sei immer noch begeistert und "endlich beruflich angekommen", dann umarmte sie mich und schenkte mir Schokolade. Das fand ich befremdlich, lief aber nicht davon. Es ist ja nichts verkehrt an Schokolade.
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"Cola mit Zero?" fragt der freundliche Kellner die Frau am Nebentisch und ich zuckte. Sofort schreie ich "Liebe Frau nur ein paar Jahre älter als ich oder vielleicht auch nur mehr in der Sonne gewesen, bitte halten Sie einen Moment inne, diese Millisekunde, damit Sie jetzt nicht automatisiert wie ein Sprachmodell antworten, Sie sind allein hier und nicht nebenher am Telefon und lesen auch nicht, Sie müssen keine Sidequests wie Bestellungen automatisiert abwickeln, bitte, bitte nehmen Sie sich diese Millisekunde, die Situation zu verstehen, die sprachliche Ungewöhnlichkeit zu genießen und dann ganz schlicht das zu bestellen, was Sie möchten." Vor der Frau auf die Knie sinke ich quasi.
Aber es ist zu spät. Sie kennen das, wenn das Leben sich wie eine Filmszene vor Ihnen ausbreitet und Sie "Cut!", "Cut!!", "CUT!!!" brüllen wollen und wutentbrannt den Regiestuhl durch den Raum werfen, das Set tobend verlassen.
Die Frau hielt nicht inne, sie sagte "ja, nee, äh, meinen Sie...?" und der Kellner sagte "was? also... - achso...", Füllworte und Ellipsen umschwirrten meinen Kopf wie Fruchtfliegen und ich war davon genervt. Ich war gelangweilt von der Vorhersehbarkeit, angeekelt vom zähen folgenden Gesprächsverlauf. Und natürlich am allermeisten traurig um die liegengelassene Chance.
Natürlich hatte ich außerdem nur innerlich geschrieen.
Zu den positiven Aspekten des letzten Urlaubstags: ich trank eine Birnen-Salbei-Limonade und konnte plötzlich wieder Birne schmecken. Wie toll ist das denn, das Schmecken ausgerechnet mit Birne wieder zu beginnen? Ich liebe Birne!
Ich fühle mich jetzt auch wieder sicherer. Vorgestern oder so, irgendwann kurz nach Fieber, räumte ich den Kühlschrank auf. Ich konnte weder schmecken noch riechen, es wäre der optimale Zeitpunkt gewesen, mich zu vergiften, entweder für andere oder natürlich auch versehentlich durch mich selbst. Ich betrachtete abgelaufenen Frischkäse, er hatte keine verdächtigen Stellen, ich roch - nichts, ich probierte vorsichtig und es hätte auch Niveacreme oder Deckweiß sein können, keine Ahnung. So hielt ich mich bei allem strikt ans Mindesthaltbarkeitsdatum, das man natürlich auch erst einmal finden und erkennen muss. Und ihm dann noch vertrauen.
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Ich brauchte Zahnseide, um den Kameraschutz von meinem Handy wieder abzukriegen. Zahnseide!! Seit Wochen sagt immer mal wieder jemand bedauernd „oh, du hast deine Kamera gesplitttert“ – habe ich aber gar nicht, es ist nur der Schutz und der ging nicht mehr ab. Durch die ständigen Versuche fing schon der gesamte Kamerabaustein (oder wie auch immer man das nennt) an, sich beim herumfummeln vom Rest der Rückseite zu heben. Heute dann – ganz aus eigener Denkkraft, weder Google noch sämtliche KI-Modelle hatten irgendeine hilfreiche Idee, Föhn und Kreditkarte, dass ich nicht lache! – kam mir der Einfall mit der Zahnseide. Halleluja.
Wobei ich schon fast bereit war, das Handy an sich aufzugeben. Es fällt nämlich ununterbrochen herunter. Egal, wo ich bin, innerhalb von einer Stunde fällt das Handy mindestens zweimal, außer ich habe es in der Hosentasche natürlich. Die ganze Welt lacht mich schon aus. Fragmente und ich haben das wissenschaftlich untersucht, sie ist ja Doktorin der Naturwissenschaften. Das Handy bewegt sich von selbst. Man legt es auf eine (für andere Handys hinreichend gerade) Fläche ein paar Zentimeter vom Tischrand entfernt, führt ein Gespräch und – wenn man es aus dem Augenwinkel beobachtet, sieht man es genau! – das Handy robbt millimeterweise zur Tischkante und stürzt sich hinunter. Auch Papa N. im Pflegeheim habe ich das gezeigt. Das Versuchsergebnis gilt damit als reproduzierbar. Das Handy mobbt mich. Allerdings ist es mittlerweile ja schon ungefähr tausend Mal von Tischen gefallen und hat noch immer keinen Defekt, das hat berührt irgendwas in mir. Vermutlich werde ich traurig sein, wenn es kaputt geht.
Ansonsten: Um 13 Uhr erhob ich mich aus dem Sessel, um die Erkältung hinter mir zu lassen und wieder einem normalen Alltag nachzugehen. All das Geschirr, das ich von Papa N übernommen habe, ist nun in meine Küche integriert. Das „gute“ Geschirr sozusagen, wobei ich es täglich benutzen möchte. Das darf als ansage verstanden werden. Jetzt ist nur noch das Werkzeug zu sichten und einzuordnen. Und danach muss natürlich meine gesamte Wohnung mit Anhängen (Garage, Keller) einmal komplett gesichtet und durchsortiert werden, denn von vielen Gegenständen werde ich jetzt zu viele haben, die können andere besser brauchen als ich. Aber das hat Zeit. Vielleicht mache ich das im nächsten Urlaub.
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Ich hatte exakt drei Fälle definiert, in denen ich im Urlaub gestört werden darf: 1. Das top geheime Mega-Projekt XY realisiert sich kurzfristig (das hätte ich nicht verpassen wollen), 2. der Turm stürzt ein, 3. jemand stirbt.
Die Nachricht, die gestern Nachmittag kam, war keine gute, und so war ich dann heute im Büro (das nicht eingestürzt ist), um ein paar Dinge in Bahnen zu lenken. Es war alles top vorbereitet, daher brauchte ich die veranschlagten 1,5 Stunden noch nicht einmal, ich war nach weniger als 30 Minuten fertig und nutzte die verbleibende Zeit, um noch ein paar Personen zum Zusammensitzen beim Mittagessen einzuladen.
Ich konnte mich ehrlich gesagt nur schwer aus dem Büro losreißen. So ein schöner, aufgeräumter Raum, alles ganz frisch geputzt. So viele Menschen mit ganz vielen Anliegen. Und ein kleiner Stapel Post lag da. Briefpost ist ja selten geworden. Ein Brief fiel mir ins Auge, er war nämlich in einem Umschlag von unserem Firmenbriefpapier, allerdings in einer Variante, die wir seit zwei Jahren nicht mehr verwenden. Diesen einen Brief schaute ich mir trotz Urlaub näher an. Und siehe da, offenbar findet auch die Post, dass Briefpost selten geworden ist, und hat deshalb vorgesorgt: Briefe aus dem Jahr 2024, die nicht zugestellt werden konnten, wurden einfach bis 2026 aufgehoben, um nun als Rückläufer ausgeliefert zu werden.
Da ich einmal unterwegs war, erledigte ich einen kleinen Einkauf gleich mit, so muss ich morgen nicht raus, wenn ich nicht will. Es könnte gut sein, dass ich dennoch will, ich fühle mich nämlich genesen.
Im Sinne der Vernunft setzte ich mich nach diesem Ausflug erst einmal wieder in den Sessel. Vielleicht auch, um mir keine unangenehmen Vorträge nahestehender Personen einzuhandeln. Bis ich dann am Abend zum Chor aufbrach. Natürlich nicht, um zu singen, das geht nun wirklich noch nicht. Nur um die Noten für das neue Programm abzuholen und ein paar Unterlagen für die Buchhaltung. Das Radfahren tat sehr gut, gleichzeitig war es gut, dass der Weg kurz war. Ein längerer hätte noch nicht gut getan.
Auch das ist vermerkt.
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„Die beste Krankheit taugt nix“, pflegte Mama N. immer zu sagen. Ich stimme dem zu. Unter allen denkbaren Erkrankungen wäre meine wohl ganz vorne mit dabei von denen, die man sich aussuchen würde, wenn es denn eine sein müsste. Keine dollen Schmerzen oder Einschränkung der Selbstständigkeit, keine Medikamente oder Anlass zur Sorge notwendig und allgemein der Ausblick, sich in zwei Wochen schon nicht mehr daran zu erinnern. Das ist top unter den möglichen Krankheiten, zumal unter denen, die ich mir schon ausgemalt hatte, als ich mich ein kleines bisschen unwohl fühlte. Ich hatte ja kurz vorher den Balkon verschönert und daher kurz überlegt, ob ich mir durch Kontakt mit Vogelkot evtl. Vogelgrippe eingefangen habe oder durch das Wühlen in den Blumenkästen vielleicht Tollwut (wobei ich da Tollwut mit Tetanus verwechselte und gegen letzteres bin ich natürlich geimpft, außerdem trug ich Gartenhandschuhe). Und beides gleich auf die Katze übertragen habe, der ging es ja auch schlecht. Und ob man das dann eigentlich auch Zoonose nennt, Herr Drosten sprach ja immer nur von Übertragung vom Tier auf den Menschen, nicht umgekehrt, ich fühlte mich unterinformiert. Und beschloss, Google zu konsultieren, dabei kam mir der Gedanke, ich könnte auch das Fieberthermometer konsultieren, das gab gut Aufschluss zu meinen wirren Gedanken und ich schlief einfach wieder ein.
Nachts wurde ich gegen zwei von der schreienden Katze geweckt, sie hatte nämlich wieder Hunger. Ich freute mich und konnte beruhigt sofort nach Fütterung wieder einschlafen. Dass sie morgens um 6 auf mir herumhopste und weiteres Futter forderte, freute mich immer noch ein bisschen. Ich habe ja nichts vor und kann den ganzen Tag schlafen.
Das tat ich dann aber nicht, weil ich mich unerwartet verbessert fühlte. Das Fieber war weg und blieb weg und alles andere war rückläufig, das größte Thema ist jetzt, dass meine Ohren irgendwie zu sind (wobei das mehr Herrn Ns Thema ist, ich schreie halt einfach immer „Was??“ „Was???!“ „SAG MAL LAUTER!!“) und dass mir beim Husten die Bauchmuskeln schmerzen. Vielleicht führt das noch zu einer durchtrainierten Rumpfmuskulatur, das ist ja auch nicht verkehrt.
Den Vormittag über schaute ich einen Film, den mir das ZDF in die Timeline spülte, nämlich „Olivia“ – er hat mir gut gefallen, ich schaute gleich auf Youtube nochmal Olivia Jones auf dem NPD Parteitag an. Danach stand ein zweistündiger Mittagsschlaf an.
Erfrischt und erholt bereitete ich Nudelsalat zu – ich schmecke sehr wenig, die Textur ist aber sehr angenehm. Ebenso von Quark mit den frisch eingetroffenen Crowdfarming-Blaubeeren. Später unternahm ich noch einen kleinen Spaziergang, das war besonders schön und wohltuend für alles, was mit Atmen zu tun hat.
Ich glaube, morgen bin ich wieder gesund!
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Es ist eine absolute Zumutung, ich bin tatsächlich krank. Halsschmerzen, Fließschnupfen, Husten, der mich zerreißt und eine wärmere Körpertemperatur als üblich. Das hatte ich in dieser Form zuletzt vor mehreren Jahren und, was gestern Nacht geschah und was mir überhaupt noch nie passiert ist: ich wachte nachts um 3 auf (ich wachte sowieso irgendwie alle 1,5 Stunden auf) und hatte so Hunger, dass ich etwas essen musste. Es gab einen Notfall-Müsliriegel aus der Bürotasche, vermutlich schon abgelaufen, ich habe selten kulinarische Notfälle, darauf kommt es jetzt natürlich auch nicht mehr an.
Den Vormittag verbrachte ich im Sessel, mittags unternahm ich einen kleinen, ganz langsamen Spaziergang, um neue Taschentücher einzukaufen. Und Schokoriegel, falls ich nochmal nachts aufwache und Hunger habe. Naja und dann nahm ich halt mit, was noch so fehlte, Olivenöl, Brot, Mandeln, Tofu (gab es wieder) und zwei Eisbecher, einen für Herrn N und den anderen habe ich in den Gefrierschrank gestellt, weil ich bei Rückkehr erst einmal schlafen musste. Da steht er noch. Vielleicht wird er ein Mitternachtssnack.
Zu allem Übel ist die kleine Katze auch angeschlagen. Heute Nacht hat sie sich zwar über mein ständiges Herumlaufen gefreut und auch Futter erbettelt, später (als ich wieder schlief) dann aber erbrochen und jetzt mag sie nichts mehr fressen. Ich hoffe, das gibt sich in der nächsten Nacht. Leckerchen nimmt sie, es scheint also keine ganz dramatische Situation zu sein und sie trinkt auch.
Ms These ist, dass ich die Katze sich unwohl fühlt, weil ich zum einen krank rieche und grauenhafte Hustgeräusche mache, zum anderen ständig in der Wohnung bin und nach ihr schaue, was sie so nicht kennt und vielleicht total verunsichert. Wir haben abgemacht, dass ich also heute nur vor dem Schlafengehen nochmal Futter hinstelle und mich dann bis morgen früh nicht mehr befasse, keinesfalls die Katze nachts zur Kontrolle an ihren Schlafplätzen aufsuche.
Morgen früh beurteilen wir die Situation erneut, die der Katze und meine. Ich hoffe, keine von uns beiden muss zum Arzt geschafft werden, das fände ich unglaublich anstrengend.
(Vielen Dank für die Podcast-Empfehlungen – es wäre der optimale Zeitpunkt, sie alle zu hören, aber ich kann die Augen kaum lang genug offenhalten, um einen auszuwählen. Ich bin aber schon sehr gespannt!)
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Geschlafen bis halb 6, dann die Katze gefüttert, dann nochmal bis kurz vor 9 geschlafen. Der Hals fühlte sich deutlich fitter an, ich hatte sogar eine Singstimme! Dafür nun Husten, okay.
Den Vormittag über las ich und befasste mich mit der Wäsche, dann brach ich auf, um ein Paket aus Bobbys Kiosk abzuholen (an M adressiert – ich schrieb mir selbst eine Vollmacht), dann zur Apotheke, um diese schleimigen Halstabletten zu kaufen für das nächste Mal Halsschmerzen, zum Bäcker, um Herrn N Brötchen mitzubringen und in einen Supermarkt wegen neuer Tulpen. Zwischendrin kam ich an einem Laden vorbei, der ein Shirt für Violinista im Fenster hatte. Neulich habe ich schon in meinem eigenen Kleiderschrank so ein Shirt gefunden, also so eins, in dem ich Violinista sehe und gar nicht mich selbst (und ich habe es ihr mittlerweile auch aufgedrängt). Vielleicht sollte ich Kleidungsscout für andere Personen werden. Während ich das dachte und dabei amüsiert das Shirt betrachtete, sah ich weiter hinten etwas für mich, ging hinein, probierte an und kam mit einer pink-lastigen Tüte wieder heraus. Noch bin ich ganz überzeugt von meinem Einkauf, ich hoffe, das ist nicht nur Urlaubslaune.
Anschließend kaufte ich noch Blumen und Bubble-Tea, der Bubble-Tea fiel mir zwei Straßen weiter leider aus der Hand, tja, so ist das manchmal, der Gedanke zwei Straßenzüge lang, ihn später zu trinken, war schon einmal sehr schön.Ermattet sank ich zu Hause in den Sessel und schlief ein Stündchen. Ich erwachte mit Schnupfen. Ich sage es, wie es ist: dieses Entspannen bekommt mir nicht!
Während ich das Abendessen kochte – Pasta mit weißen Bohnen und Thunfisch – unternahm ich einen 4-fach-Test, ohne Treffer. Ich schwanke zwischen Freude, dass ich nichts habe, dass man berücksichtigen müsse und Empörung, dass mein Körper eine schnöde Erkältung nicht ordnungsgemäß abgewehrt hat.
Abends war noch Leserunde, ich war etwas unkonzentriert, ich hatte den Link über mein Arbeits-Zoom eingerichtet und war daher auf dem Arbeits-Laptop eingeloggt, was zu lauter hereinploppenden Nachrichten führte. Das war schlecht geplant.
Jetzt ist der Laptop wieder zugeklappt, ich sitze wieder im Sessel, die Katze hat sich zurückgezogen, weil sie meinen Husten doof findet. Ich gehe gleich schlafen.
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Als ich heute aufwachte, war ich sofort sehr zufrieden, die Halsschmerzen hatten sich nämlich nicht zu einer Krankheit ausgebreitet sondern waren im Hals geblieben – etwas weiter nach hinten/unten gerutscht, nicht sonderlich beachtenswert. Die Nase ist komplett unbeeinträchtigt, was für mich neu ist. Erkältungen beginnen bei mir üblicherweise in der Nase. Allerdings habe ich derzeit eine akute Phase der Nasensprayabhängigkeit, vielleich hat sich das auf den nahenden Infekt positiv ausgewirkt, so dass die Nebenhöhlen frei geblieben sind. Zu irgendwas muss ja auch eine Nasensprayabhängigkeit gut sein. Jedenfalls war heute der Beginn des Ausruhurlaubs geplant, also blieb ich noch im Bett. Es war sowieso erst 6 Uhr.
Ich probierte nochmal, einen Podcast zu hören. Im Auto klappt das ja mittlerweile recht gut, vielleicht kann ich das auf „im Bett“ ausweiten, zumal ich ja schon ausgeschlafen war. (Hier ein kurzer Einschub, Sie können mir gerne Podcasts empfehlen. Wichtig: kein männlicher Host, schon gar nicht zwei männliche Hosts. Und nichts mit Verbrechen.) Hat aber nicht geklappt, ich schlief wieder ein und wurde erst zwei Stunden später wieder wach.
Ab da ging der Tag komplett für die Chorbuchhaltung drauf. Daran hatte ich dieses Jahr nämlich noch gar nichts gemacht, zusätzlich werden im Januar die Mitgliedsbeiträge und regelmäßigen Spenden eingezogen, es hatte sich also etwas angesammelt. Jetzt ist der Rückstau erledigt, das restliche Jahr wird wieder eine halbe Stunde pro Monat ausreichen.
Nebenher schnurrte die Waschmaschine und die Spülmaschine, ich überzog die Betten frisch, nahm Pakete für die ganze Nachbarschaft an und erledigte Familientelefonate. Die Meisen frästen sich währenddessen auf dem Balkon durch vier Meisenknödel.
Gegen 18 Uhr beschloss ich, dem ruhigen Tag einen ruhigen Abend folgen zu lassen. Kein Kino für mich heute, ich muss gelegentlich Husten, das ist im Kino unangenehm.
Morgen werde ich das Haus wieder verlassen. Entweder, weil ich ganz fit bin oder, weil ich in der Apotheke Halsmedikamente kaufen muss. Vielleicht ergibt es sich dann, dass ich beim Optiker vorbeischaue und mich nach einer neuen Brille umsehe, oder im Rewe den leckeren Kokosjoghurt kaufe, den ich gestern bei Schanuf probierte und den ich momentan gar nicht brauche, weil noch ausreichend anderer Joghurt im Kühlschrank ist, schon über das MHD und daher essbedürftig. Aber die Erbsenmilch von Fly könnte ich kaufen, die war auch gut. Ein bisschen Luxus im Urlaub muss schon sein.
Und wenn ich mich wirklich fit fühle, fahre ich zum Wertstoffhof und entsorge Balkonsichtschutz und Isomatten, statt sie wie eine zerlegte Leiche, portioniert in Müllsäcken, nachts auf verschiedene Restmülltonnen zu verteilen.
(Kommentare)
Als ich heute Morgen aufwachte, wusste ich sofort, dass mir heute der Sinn nach eher sitzenden Tätigkeiten steht. Also ließ ich die Pläne, schwimmen zu gehen, fallen.
Vor dem Frühstück buk ich zwei Apfelkuchen, den einen für hier zu Hause, den anderen, um ihn nachmittags mit zu einer Verabredung zu nehmen. Zwischendrin bereitete ich die Chorbuchhaltung vor. Ich habe dieses Jahr noch keine Buchungen gemacht, weil ich mit der Abwicklung von Papa Ns Wohnung etc. keine Zeit hatte. Da jetzt natürlich einiges aufgelaufen ist, sortierte ich erst einmal Monatsweise.
Dann war es auch schon Zeit, den zweiten Apfelkuchen außer Haus zu tragen, nämlich zu Schanuf, die mir die neue Dackeldame vorstellte. Sehr lieb, wir verstanden uns auf Anhieb und kuschelten später sogar. Ich vermisse das erste Dackelchen sehr, das zweite ist ihm kein bisschen ähnlich, so dass ein ganz neue Zuneigung wachsen kann. Das war eine große Erleichterung.
Der Kuchen ist hervorragend gelungen. Ich hatte griechischen Joghurt als Topping mitgebracht, den brauchte es aber gar nicht. Reproduzierbar ist der Kuchen nicht, denn es handelte sich um Resteverwertung: unterschiedliche Sorten angeschrumpelte Äpfel in großer Menge und im Teig Reste von gemahlenen Mandeln und Nüssen.
Auf dem Heimweg begann mein Hals zu kratzen und in den letzten Stunden hat sich ein leichtes Hüsteln dazugesellt. Ich bin gespannt, was das werden soll. Eine Erkältungskrankheit habe ich nicht auf der Urlaubsliste und bin unsicher, ob ich sie willkommen heißend umarmen würde. Bisher ist es aber eigentlich nichts. Ich glaube, wenn ich mehr beschäftigt wäre, würde ich das alles gar nicht merken.
Da ich aber ja sowieso geplant hatte, ab jetzt eher Schreibtischkrams zu erledigen und Bücher zu lesen, lasse ich das einfach mal auf mich zukommen in der Annahme, dass meine Pläne nicht allzu sehr behindert werden.
Am hergerichteten Balkon habe ich mich heute mehrfach erfreut. Gerade eben wieder, jetzt ist nämlich Wind aufgekommen und das Geräusch von Wind im bisherigen Sichtschutz ging mir (und der Katze) immer fürchterlich auf die Nerven. Jetzt ist dieses Geräusch Vergangenheit!
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Heute war der Balkon an der Reihe. Ich hatte mir eine genaue Einkaufsliste geschrieben, damit ich nicht zu viel kaufe. In diesem Jahr habe ich nämlich diverse Kräuter von meiner Schwester übernommen, sie hatte die geschenkt bekommen aber brauchte sie nicht. Meine Kriterien für Balkonpflanzen sind überschaubar: hübsch oder nützlich und in jedem Fall nicht giftig für Katzen. Also nahm ich die Kräuter: Lavendel, Rosmarin, Bohnenkraut, Salbei und Petersilie.
Kaufen wollte ich drei Tomatenpflanzen (Wunsch von Herrn N) und drei blühende Pflanzen, eine taugliche Auswahl stand auf dem Zettel. Und dann hatte ich mir morgens noch die Kästen angeschaut und befunden, dass sie recht spröde geworden sind, also wollte ich möglichst auch neue Kästen, die vor allen Dingen gut hängen und möglichst auch noch gut aussehen.
Ich fuhr in einen Pflanzenmarkt, der mir mehrfach empfohlen wurde, weil Familienbetrieb und gute Qualität etc. Naja ich werde keine Stammkundin. Das Parken war schon schwierig, dann war im Markt alles sehr eng gestellt und man musste sich ständig mit Leuten absprechen, um vorbeizukommen. Beratung oder Service gab es eher nicht so, ich interessierte mich für Balkonkästen, die in einem oberen Regal ganz hinten waren und fragte, ob mir da jemand helfen könnte. Eine Leiter wurde versprochen, kam aber in der nächsten Viertelstunde nicht, so dass ich das Interesse verlor. Es gab sowieso nur andere Größen, als ich suchte und auch keine guten Kombinationsgrößen (ich brauchte 80 cm, es gab 50er und 60er und 100er), man müsse für Kästen früher im Jahr kommen, wurde mir gesagt und individuelle Bestellungen werden nicht gemacht, das lohnt nicht.
Ich nahm das zur Kenntnis und verwarf die Idee, das Projekt über Wochen zu strecken. Es gäbe eine Version davon, in der man im März Kästen kauft, im April pflanzt und im Mai Erde nachlegt. Das ist eine denkbare Lebensphase. Dieses Jahr gehört nicht dazu. Dieses Jahr sollten es nochmal die alten Kästen werden und dann nächstes Jahr, falls ich mich noch nicht bereit fühle für ein mehrwöchiges Balkonprojekt, würde ich meine ganz eigene Individualbestellung vornehmen.
Die Pflanzen waren sehr schön und auch gut versorgt, das gefiel mir und außerdem gab es Dahlien, die ich sehr mag.
Wieder zu Hause packte ich alles aus und entsorgte erst einmal den Sichtschutz vom Balkon, der mich schon lange stört. Ich will keinen Sichtschutz, ich will Sicht. Dann begann ich, die Kästen von den Halterungen zu lösen und gleich beim ersten zerbröselte mir der Rand zwischen den Fingern.
Ich stieg mit absoluter Contenance wieder ins Auto und fuhr in einen großen Baumarkt in der Annahme, dass es dort zwar vermutlich keine schönen Kästen gibt, aber dafür die passenden Größen. Ich lag richtig. Es gab außerdem noch Kabelbinder und weiße Wandfarbe, das brauche ich auch, die Wandfarbe für das Garderobenprojekt bei meiner Schwester, das sich ja auch über mehrere Wochen zieht, ich bin also schon ganz nah dran. Die Kabelbinder brauchte ich für das Katzennetz, eigentlich brauchte ich auch noch Katzennetz selbst für eine Ecke, die durch den entfernten Sichtschutz freigelegt worden war. Katzennetz gab es im Baumarkt nicht, also vermutlich nicht. Die Person, die ich fragte, empfahl Moskitonetz. Naja ich denke nicht. Eine freundlicher Mensch aus dem Internet bot mir bereits einen Katzennetzrest an. Letztendlich konnte ich mir aber selbst mit dem Netz helfen, an einer anderen Stelle überschüssiges Netz wegschneiden und es mit den frisch gekauften Kabelbindern in der Lücke anbringen.
Die Kästen sitzen, die Pflanzen sitzen darin, die Balkonregenrinne ist ausgesaugt und der Balkon geschrubbt. Unter einem Schränkchen fand ich ein Vogelnest, zum Glück verlassen. Ganz schön mutig von den Vögeln, auch wenn die kleine Katze zu rund ist, um unter den Schrank zu passen. Das Vogelhäuschen hingegen war schmutzig aber leer, ich unterzog es einer Grundreinigung, vielleicht kommt ja noch jemand.
Mit dem Balkon bin ich jetzt sehr zufrieden, das nächste Mal neue Kästen brauche ich in schätzungsweise 3 Jahren. Ich habe mir für Januar 2029 in den Kalender geschrieben, über das Thema erneut nachzudenken.
(Kommentare)
Gestern beschloss ich am Morgen, dass ich endlich die defekte Kaffeemaschine, die seit ein paar Monaten in einen Karton verpackt im Flur steht und, wie es dann halt immer kommt, bereits in die Einrichtung integriert wurde, nämlich teilweise als Sitzplatz für die kleine Katze und teilweise als Abstellplatz für Schuhe von Besuch (wenn der die Schuhe ausziehen möchte), zum Wertstoffhof zu bringen. Als ich die Kaffeemaschine ins Auto geladen hatte, fand ich, es sei irgendwie blöd, mit einem leeren Fahrzeug zum Wertstoffhof zu fahren, wenn doch der Keller noch voll mit Gerümpel ist. Also packte ich noch einen alten Balkontisch, 8 große Eimer Wandfarbe, ein Röhrenfernseher, zwei Autoradios, einen Anrufbeantworter, drei Router, eine Tüte mit Lacken und einen Kanister altes Motoröl ein.
Der Effekt war überwältigend: Im Keller ist jetzt ein Weg bis ganz hinten frei, ich komme an alles dran, was das weitere Aufräumen sehr erleichtern wird. Insbesondere stieß ich auf ein Isomatten-Nest, gleich vier Stück von den ganz alten Schaumgummidingern, mit denen ich zuletzt zelten war, als ich jünger war als M jetzt. Die kommen als nächtes weg.
Ich bin gern auf dem Wertstoffhof (verabscheue aber die Vorbereitung des Hinfahrens), denn ich bin jedes Mal wieder amüsiert über die mit Begeisterung gelebte Unfreundlichkeit der Leute dort, die ab einem gewissen Punkt in absolute Herzlichkeit umschlägt.
Die übliche Frau hielt mich am Tor an um zu fragen, was ich denn dabei habe und versuchte dann, mir auszureden, irgendwas davon tatsächlich dazulassen. Holz abgeben kostet Geld, Farben und Öl sind Sondermüll und das geht nur Samstags vor 14 Uhr, Elektroschrott „haben wir schon ganz viel“. Ich hielt dagegen, dass ich keinesfalls wieder zurückfahren würde, eher müssten sie mich mit dem Auto gleich mitverschrotten, weil ich mich keinen Millimeter von der Stelle bewege. Das wäre noch mehr Aufwand. Zähneknirschend wurde ich durchgelassen.
Der Mann am Elektroschrottresen fand dann natürlich noch Platz für meine Sachen, der Mann am Holzcontainer wollte kein Geld und während ich den verschlossenen Sondermüllcontainer inspizierte rief mir die Frau vom Eingang zu, das Schadstoffmobil sei genau heute unterwegs und dort könne ich den Rest abgeben, wenn ich das Mobil finde, die Haltepunkte stünden online. Aber sowieso sollte ich in die großen Eimer erstmal reinschauen, getrocknete Farben wären nämlich normaler Hausmüll, weil ja dann offensichtlich keine Lösungsmittel mehr drin sind.
Die Farben waren tatsächlich alle vollkommen vertrocknet, die Frau half mir, die Eimer in einen Restmüllcontainer auszuleeren und nahm sie dann mit. Mir blieb nur noch der Ölkanister.
Das Schadstoffmobil war für 12:30 Uhr an einer mir bekannten Straßenecke angekündigt, es war erst 10:30 Uhr, also fuhr ich in die Autowaschstraße. Dort war alles perfekt wie immer. Als ich das Ticket löste, wurde ich auf 40 Minuten Wartezeit für die Innenraumreinigung hingewiesen. „Das macht nichts, ich habe Urlaub!“ sagte ich, worauf der Kassierer „Haben Sie denn im Urlaub nichts Besseres zu tun?“ fragte. Natürlich nicht. Was gibt es besseres als Autowaschstraße?
Anschließend erwischte ich das Schadstoffmobil und dann fuhr ich noch Einkaufen, mittlerweile war es auch 14 Uhr und ich ziemlich ausgehungert. Mit meinen Erlebnissen und Einkäufen kehrte ich nach Hause zurück, frühstückte spät aber ausgiebig und ging dann wieder ins Bett, um nochmal zwei Stunden zu schlafen.
Heute ging es gleich weiter mit dem Regeln von Dingen. Ich besuchte Papa N im Pflegeheim und war danach mit der Tochter seiner ehemaligen Nachbarin verabredet, die ein neues Handy hat, das sie nicht in Gang setzen kann. Wir hatten uns schon zweimal getroffen, um das Problem zu lösen, kamen aber nicht weiter, da sie beim ersten Termin weder PIN der Simkarte noch Entsperrcode des Handys wusste und beim zweiten kein einziges ihrer Passwörter für irgendwas anderes. So hatte ich ihr Hausaufgaben aufgegeben und dieses Mal hatte sie eine ausgedruckte Passwortliste dabei. Heute kamen wir gut weiter, ich zeigte ihr an ein paar Beispielen, wie sie Apps installiert und sich dort einloggt, dann ließ ich sie selbst weitermachen. Die Zeit nutzte ich, um die Spülmaschine meiner Schwester, in deren Wohnung wir uns getroffen hatten, zu reparieren. Sie pumpte nicht mehr ab, Ursache war eine Kürbiskernschale, die sich unter das Sieb gemogelt hatte. Und dann füllte ich noch zwei größere Löcher in der Wand, aus denen einen Garderobe herausgebrochen war, mit Blitzzement, damit wir beim nächsten Besuch – da bringe ich dann die Bohrmaschine mit – die Garderobe wieder befestigen können.
Als das alles erledigt war erhielt ich einen Anruf von M, dass das bei ihr befindliche Auto nicht anspringt und unglückerweise in einer Parklücke mit Schnauze zur Wand und von beiden Seiten eingeparkt steht. Zudem mit angezogener elektrischer Parkbremse, sehr misslich. Ich bin diesem Problem jetzt schon mehrfach begegnet und bin unsicher, ob elektrische Parkbremsen generell eine gute Idee sind. Jedenfalls ist im Auto von Herrn N, das ich fuhr, eine Starthilfe-Powerbank, die ich auf dem Rückweg nach Hause bei M vorbeibrachte. Das weitere Prozedere beobachtete ich nicht mehr, es wird einem Haufen Physikstudierenden bestimmt gelingen, die richtigen Kabel an die richtigen Stellen anzuschließen, ganz sicher sogar besser als mir.
Für meinen Geschmack habe ich mich jetzt auch ausreichend mit Reparaturen und Entsorgungen befasst. Morgen werde ich den Balkon bepflanzen und mich danach wieder mehr auf tippende Tätigkeiten einschwingen.
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Für Wasch- und Spülmaschine gibt es nun keine Warteschlange mehr und alle Terminvereinbarungen, die aktuell sinnvoll sind, sind erledigt.
Mittags war ich im Kino. Ich wollte gern einen Film sehen und zu Hause gelingt mir das bekanntlich nicht, weil ich dann entweder einschlafe oder ganz kurz etwas anderes erledige und nicht mehr zum Fernseher zurückkehre. Das zweite fällt im Kino weg, das Einschlafen meistens auch, zumal ich heute sehr gut ausgeschlafen hatte.
Ich sah Horst Schlämmer sucht das Glück. Da der Humor von Hape Kerkeling mir liegt, hoffte ich auf gute Unterhaltung. Meine Hoffnung wurde weder enttäuscht noch übererfüllt. Die Zeit verging schnell, ich war von nichts abgestoßen und fand einige Passagen ganz charmant.
Beim Studium des Kinoprogramms und durch die vor dem Film gezeigten Trailer entdeckte ich noch mehr Filme, die ich mir gut anschauen könnte, nämlich unbedingt Glenkill, dann Project Hail Mary und der Super Mario Galaxy Film. Vielleicht gehe ich einfach alle zwei Tage ins Kino während des restlichen Urlaubs. Ich wohne so, dass ich zu Fuß hinspazieren kann und je nach Uhrzeit gibt es Karten ab EUR 6,99. Popcorn habe ich heute schon gegessen, die brauche ich das nächste halbe Jahr nicht mehr.
Nach dem Kino ging ich schwimmen. Ich glaube, meine übliche Schwimmzeit (ab 19 Uhr) ist besser als die heutige (17:30), es war nämlich noch ein Kinderschwimmkurs im Gange. Zusätzlich waren sehr viele Plantschherren – also Männer, die sich mit dem Wasser prügeln, um voranzukommen – anwesend. Das Kreisschwimmen beherrschten sie nicht, das Ausweichen zunächst auch nicht, sie erlernten es aber dann, als ich zweimal gegen einen geschwommen war. Ich weiche natürlich auch aus, aber wenn man links und rechts jemanden auf gleicher Höhe neben sich schwimmen hat, dann geht das nicht, dann muss die einzelne Person, die von der anderen Seite kommt, vorausschauend agieren, statt auf die Mitte zuzuhalten. Hinterher lief dann alles sehr smooth.
Am Schwimmbad hing ein Zettel mit dem Datum, an dem das Hallenbad schließt und das Freibad (das aber woanders ist, ich war dort noch nie) öffnet. Ich wollte mir das Datum merken, habe mir aber nur „nächste Woche noch nicht“ gemerkt. Nun muss ich darauf vertrauen, dass ich bis Ende nächster Woche nochmal schwimmen gehe, damit ich das genaue Datum feststellen kann. Aber eigentlich habe ich vor, mindestens so oft schwimmen zu gehen, wie ins Kino.
Morgen ist zunächst einmal ein häuslicher Tag eingeplant. Die Putzhilfe kommt, sie möchte den Fensterputzroboter nochmal vorgeführt bekommen. Ich erwarte zwei Lieferungen und werde vermutlich den Geschirrschrank umräumen, um Papa Ns Porzellan zu integrieren. Auch kann ich mir vorstellen, mich an den Schreibtisch zu setzen und die Steuererklärung sowie die Chorbuchhaltung zu machen.
Noch immer habe ich Dauerohrwürmer von den Songs vom letzten Wochenende, bin zugleich versucht, gleich den nächsten Workshop wieder zu buchen. Geht das alles wieder weg?
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Das hatte ich mittlerweile vergessen: wie überzeugend sich Urlaub anfühlen kann.
Ich wachte auf und hatte keine Lust mehr, zu schlafen. Das war um 8 Uhr. Schon um 11 hatte ich alle Telefon-Erledigungen, die auf meiner Liste für diese Woche standen, abgehakt. Und um 13 Uhr waren die Kisten und Taschen aus Papa Ns Wohnung, für die ich mental die ganzen zwei Wochen eingeplant hatte, sämtlich gesichtet und entweder sofort in meinen Haushalt integriert oder in eine Schlange für Spül- oder Waschmaschine eingereiht. Letztere lief heute schon fünf Mal.
Das einzige, das noch anstrengend wird, ist das Thema „Werkzeug“. Ich habe Papa Ns Werkzeug komplett mitgenommen, habe auch eine Grundausstattung im Keller und das, was man regelmäßig braucht (und was sich so ansammelt) in der Wohnung. Diese verschiedenen Werkzeuglager möchte ich zusammenfügen und sinnvoll sortieren. Ob ich im Keller bis zum Werkzeug überhaupt durchkomme, ist allerdings fraglich. Und dann muss ich alles hochtragen, im Keller sortieren ist ausgeschlossen.
Das Werkzeug in der Wohnung ist in einem Schrank, den ich hasse. Er hat eine Rolladen-Schließung und ich träumte schon einmal, dass eine Katze darin geköpft wurde und einmal, dass der herunterrasselnde Rolladen mir die Hände amputiert hat. Schon das Geräusch lässt mich schaudern. Vielleicht kann ich etwas umsortieren, so dass in den Schrank etwas kommt, das man seltener benötigt als Werkzeug. Nur was?
Um 13 Uhr brach ich mit Herrn N auf, um unseren neuen Hausarzt kennenzulernen. Die bisherige Hausärztin ist in den Ruhestand gegangen und hat uns eine Nachfolgepraxis empfohlen. Dort hatten wir beide einen Termin, meiner wurde allerdings abgesagt. Nicht so schlimm, weil ich sowieso kein Anliegen hatte außer die Karte einlesen und die Daten aufspielen zu lassen. So ging ich mit Herrn N hin in der Hoffnung, dass die Praxis mich effektiv und effizient gleich mitverwaltet. Genau so war es.
Ursprünglich war es mein Plan, mich bei einer Ärztin in dieser Praxis aufnehmen zu lassen. Nun war Herr N aber bei dem Arzt und ich fand ihn so sympathisch und überzeugend, dass ich einfach gleich dort bleiben werde.
Zurück zu Hause machte ich gleich zwanzig Verabredungen für die nächsten zwei Wochen aus. Ich habe jetzt Sorge, dass der Urlaub zu Ende ist, bevor ich alles, worauf ich Lust habe, machen konnte! Und hier sind noch keine Termine wie „neue Brille aussuchen“, „Knirschschiene nachschleifen lassen“, WC-Spülkasten austauschen dabei. Um die kümmere ich mich erst morgen.
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Gestern Abend legte ich mich früher ins Bett als Violinista. Das ist erwähnenswert, weil sie viel lieber und häufiger im Bett liegt als ich, doch gestern war mein Körper müde. Mein Kopf noch nicht, und da das Bett sowieso im Wohnzimmer stand und Violinista dort auf der Couch lag konnten wir uns noch unterhalten. Was sie dabei genau machte, weiß ich nicht, denn ich trug schon meine Schlafmaske. Das habe ich für mich in den letzten Monaten als super entspannend herausgefunden: einfach mal vorübergehend eine Sorte von Sinneseindrücken aus dem Spiel nehmen. Für das Gespräch teilweise etwas hinderlich, denn nicht immer konnte ich Violinistas Tonlage exakt einschätzen, Gesichtsausdruck und Haltung fehlten gelegentlich, aber dann fragte ich nach.
Später, als Violinista auch im Bett lag, erschreckte ich mich kurz sehr. In fremden Betten ist meine größte Sorge stets, das Handy könnte in einer unerwarteten Ritze für immer verschwinden. Zwecks Risikoanalyse tastete ich daher – wie gesagt, mit Schlafmaske – nach dem Spalt zwischen Violinistas und meiner Matratze. Plötzlich fiel mein ganzer Arm inklusive Schulter ins Nichts! Bei dieser unerwarteten Abwärtsbewegung rutschte mir auch die Schlafmaske von den Augen und ich sah, dass sich zwischen uns eine riesige Kluft aufgetan hatte. Die Matratzen, sehr weich und bouncy, hatten sich halbrund um unsere Körper gelegt, so dass zwischen uns diese Gletscherspalte entstanden war, in der nicht nur Handys sondern ganze Körper versinken konnten. Ich bin froh, dass nicht noch ein vorheriger Gast dieses Airbnbs daraus hervorstieg.
Ansonsten schlief ich gut.
Das gewünschte Egg Benedict fanden wir in Köln und auf dem Weg dorthin schaltete Violinista Kölsche Lieder ein, Brings und so weiter, man kann alles sofort mitsingen. Und als Milljö „Noh Huss, noh Huss, noh’m Leuchturm met zwei Spitze hin“ sangen und exakt in diesem Moment der Kölner Dom am Autobahnhorizont auftauchte, hatte Violinista Gänsehaut und ich war auch ganz gerührt.
Vielleicht werde ich auch krank. Seit dem Egg Benedict bin ich unfassbar müde und fröstelig. Oder vielleicht ist das Entspannung. Dieses Gefühl kenne ich ja nicht so gut.
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Zwei Personen kamen uns über Nacht abhanden. So konnten am Ende nur acht von uns ihren Song begleitet von Schlagzeug und einer Nord Stage 4 auf der Bühne vor Publikum zum Besten geben. Das hat erstaunlich viel Spaß gemacht, sowohl das Singen als auch das Zuhören. Vielleicht machen wir das nochmal. Wir waren in ein besonderes Wochenende geraten: die langjährige Leiterin des Programms wurde in den Ruhestand verabschiedet, sehr tränenreich, wir waren auch sehr gerührt, obwohl wir sie ja nur 48 Stunden noch gar nicht gekannt hatten. Wie sowieso überhaupt niemanden aus dem ganzen Trupp an Menschen, die dennoch nach dieser kurzen Zeit alle völlig vertraut miteinander waren. So dass ich jetzt in diesem Moment äußerst verwundert bin, dass ich von niemandem den Nachnamen weiß und sie daher gar nicht googeln kann.
Anschließend machten wir erst einmal Sightseeing. Das geht ja nicht, dass man in Remscheid ist und gar nichts besichtigt. Wir fuhren umgehend nach Solingen und verzehrten „Belgische Kaffeetafel“ in erstaunlich schlechter Qualität direkt an Schloss Burg. Dafür gab es eine echte Dröppelminna! Dann besichtigten wir noch die Müngstener Brücke, es fuhr sogar ein Zug darüber. Und zogen dann ins Airbnb ein, weniger schlicht als das Zimmer im Tagungshaus. Dafür keine Bar im Keller, nunja, wir haben ja noch zwei Flaschen Champagner.
Essen haben wir nicht. Ich dachte kurz über eine Bestellung nach, aber Violinista hat eine ganze Ikea-Tasche voll Chips und Keksen dabei, eine Sorte ekliger als die nächste. Wir probierten uns durch, ich aß am Ende Maronen (selbst mitgebracht) und Russisches Brot. Morgen gibt es ja wieder Frühstück, hoffentlich in guter Qualität, Egg Benedict wäre toll, also falls jemand in/um Remscheid von einem Lokal weiß, das hervorragend Egg Benedict zubereitet, freue ich mich über Tipps.
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"Wenn ich aus dem Bad komme, bin ich nackt", sagte Violinista heute morgen, recht früh, zu mir. "Warum sagst Du mir das? Soll ich dann gucken?" fragte ich zurück. So begann der Tag.
Ich war zu diesem Zeitpunkt schon geduscht und umgezogen und ein wenig frühstückshungrig - nicht, weil es meine übliche Frühstückszeit war (es war 8:00 Uhr), sondern weil ich Dinge erleben wollte. Es gibt sehr viel zu erleben hier!
Violinista und ich teilen derzeit ein schlichtes Zimmer in einer Bildungsakademie. Wie ich gerade vorhin sah, teilen wir das Zimmer ebenfalls mit einer Stechmücke. Ich richte gerade mein Verhalten so aus, dass wir hoffentlich bald nur noch zu zweit sind.
Seit gestern Nachmittag singen wir hier. Wir kamen - obwohl ich mich ja sehr bemühe, mich wieder in einer pünktlichen Lebensphase zu verankern - fast zu spät und stolperten daher schon in die erste Übungseinheit, ohne unser Gepäck in das schlichte Zimmer gebracht zu haben. Im Workshop sind 10 Teilnehmer*innen, fast alle singen sehr schön und morgen gibt es ein kleines Konzert. Gesungen wird Good Luck Babe (Version von Sabrina Carpenter), Walzer für Dich (Pur), Granada (Augustín Lara), Model Mädchen (Julia Engelmann), Always Remember us this Way (Lady Gaga), Million Reasons (Lady Gaga), Der alte Mantel (Eigenkomposition), The Story (Brandi Carlile), ein Song, der mir gerade nicht einfällt und eben Stone Cold (Demi Lovato).
Bis dahin wird es aber noch mindestens zwei Mahlzeiten und einige Erlebnisse geben, die Violinista und ich in der zum Debriefing gebuchten Anschlussnacht im Airbnb erörtern. Bei zwei Flaschen Champagner, die eigentlich schon getrunken sein sollten, aber man kommt ja zu nix.
Violinista kündigt bereits jetzt zahlreiche Richtigstellungen zu diesem Eintrag in den Kommentaren an. Ähnlich, wie wir heute Nachmittag schon eine Differenz hatten. Nicht persönlicher Natur, nur in der Interessenlage, und zwar, weil ich mich heute nicht zu einer Besprechung der Thematik, ob Violinista sich morgen die Haare wäscht und wenn ja, wann, motivieren konnte. Etwas zu spät fiel mir ein, dass ich nicht mehr "das ist mir egal" sagen wollte sondern "das würde ich situativ entscheiden". Violinista ist meine Berichterstattung hier nicht exakt genug. Und ich habe noch nicht einmal den Anspruch, Bericht zu erstatten. Wir können das nicht auflösen, nur aushalten.
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Zwei Personen kamen uns über Nacht abhanden. So konnten am Ende nur acht von uns ihren Song begleitet von Schlagzeug und einer Nord Stage 4 auf der Bühne vor Publikum zum Besten geben. Das hat erstaunlich viel Spaß gemacht, sowohl das Singen als auch das Zuhören. Vielleicht machen wir das nochmal. Wir waren in ein besonderes Wochenende geraten: die langjährige Leiterin des Programms wurde in den Ruhestand verabschiedet, sehr tränenreich, wir waren auch sehr gerührt, obwohl wir sie ja nur 48 Stunden noch gar nicht gekannt hatten. Wie sowieso überhaupt niemanden aus dem ganzen Trupp an Menschen, die dennoch nach dieser kurzen Zeit alle völlig vertraut miteinander waren. So dass ich jetzt in diesem Moment äußerst verwundert bin, dass ich von niemandem den Nachnamen weiß und sie daher gar nicht googeln kann.
Anschließend machten wir erst einmal Sightseeing. Das geht ja nicht, dass man in Remscheid ist und gar nichts besichtigt. Wir fuhren umgehend nach Solingen und verzehrten "Belgische Kaffeetafel" in erstaunlich schlechter Qualität direkt an Schloss Burg. Dafür gab es eine echte Dröppelminna! Dann besichtigten wir noch die Müngstener Brücke, es fuhr sogar ein Zug darüber. Und zogen dann ins Airbnb ein, weniger schlicht als das Zimmer im Tagungshaus. Dafür keine Bar im Keller, nunja, wir haben ja noch zwei Flaschen Champagner.
Essen haben wir nicht. Ich dachte kurz über eine Bestellung nach, aber Violinista hat eine ganze Ikea-Tasche voll Chips und Keksen dabei, eine Sorte ekliger als die nächste. Wir probierten uns durch, ich aß am Ende Maronen (selbst mitgebracht) und Russisches Brot. Morgen gibt es ja wieder Frühstück, hoffentlich in guter Qualität, Egg Benedict wäre toll, also falls jemand in/um Remscheid von einem Lokal weiß, das hervorragend Egg Benedict zubereitet, freue ich mich über Tipps.
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