Gerade das Menü des mp3players auf Koreanisch umgestellt. Verstehe kein Wort, aber bestimmt ist das irgendwie gut fürs Gehirn. Oder so als Erfahrung an sich. Mit Unsicherheiten leben. Klein anfangen, halt.
- Die Zahl der Bekannten, die mich mit "Du siehst ja total beschissen/übernächtigt aus" begrüßt, erhöht sich täglich konstant um 2. Seit Sonntag. Noch unsicher, ob es sinnvoller ist, heute früh schlafen zu gehen oder zu warten, bis die prognostizierte Zahl der Beleidigungen die maximale Anzahl an Bekannten, die ich täglich treffe, übersteigt. So um mal zu sehen, was dann eigentlich passiert. Ob ich dann einen Haufen neue Leute kennen lerne.
- Auf der Heimfahrt einem Mann mit sehr ovalem Kopf, sehr hoher Stirn und sehr hellem Haar gegenüber gesessen. Immer wieder gedanklich beim Sonntagsfrühstück mit der Familie früher gelandet, Eierköpfen. Die Implikation sickert erst nach einiger Zeit ins aktive Bewusstsein. Mir graut vor mir.
- Festgestellt, dass die Spitze des Henninger Turms - bei diesigem Wetter aus der Ferne in der Spiegelung des gegenüberliegenden Zugfensters betrachtet - mich ein bisschen so anschaut wie Freddy Krueger.
(Gegenargument: kühles Hefeweizen vorhanden)
Nach zwei Stunden auf dem warmen Arm entwickelt sich der getestete leicht-frische-sympathisch-unaufdringliche Sommerduft zu einem olfaktorischen Supergau.
(Zurück zur Hausmarke.)

Isjagut ich fass das Ding nicht an...
12 Minuten im Büro, 4 Einladungen zu Speis und Trank. Hach ja. Sommer.
(Notiz an mich: ab Monatsmitte Weltgeschehen verfolgen wegen Smalltalk-Themen)
Ganz genau weiß ich noch, dass ich früher der festen Überzeugung war, wenn ich mit einem Schiff ins Meer schippern würde auf einer Insel zu landen die ich fortan bewohnen könnte, einfach so, mit Blockhaus und Tieren und vielen, vielen Kokosnüssen. Das Schiff hätte ich bauen können, natürlich, indem ich einfach weiter auf dem Spielplatz die heruntergefallenen Kastanienästchen mit langen Gräsern zusammengebunden hätte anstatt aufzuhören, wenn mir langweilig wurde. Meist wollte ich dann nämlich doch lieber einen Wohnwagen bauen oder auch ein Flugzeug, das tat ich im Keller mit Papas Werkzeug. Auch diese Projekte scheiterten nicht an der Physik, sondern an anderen wichtigen Ereignissen im Kinderalltag wie dem Klingeln des Eiswagens oder dem verhaltensgestörten Wellensittich, der wieder einmal davon abgehalten werden musste, sich zu Tode zu schaukeln.
Wie die Landung auf den Boden der Tatsachen herbeigeführt wurde, weiß ich nicht, denn sie war äußerst sanft und hinterließ keine Narben. Und irgendwo, ganz tief in meinem Inneren, ist die Erkenntnis, dass ich vermutlich doch nicht alles kann, was ich will, niemals wirklich angekommen.
Ich wünsche mir, aus meinen Allmachtsphantasien (der Sorte "Ich hab das im Griff") des Erwachsenenlebens ebenso butterweich wieder aufzusetzen. Die Prognose, die mir jedoch immer wieder spontan und ungefragt durch den Kopf wieselt, lautet "Bruchlandung".
- Geradezu unverschämt fit nach einem sehr senkrechten Absturz um halb vier und gut drei Stunden Schlaf.
- Der eine hat seine geplanten 50-Stunden-Dauerfeiern mit unserer Hilfe durchgezogen und wird uns dafür
heute verfluchenauf ewig dankbar sein,
- "Wie, er fährt? Wieso hat er Dich dann mitgebracht??" Das war nicht nett von mir, kam aber so richtig von innen.
- Bitte Daumen drücken für ausgiebigen sturzbachartigen Regen, der den Balkon sauberwäscht. Möglichst bald.

Der Milchtopf ist bei mir der einzige Topf, in dem die Milch anbrennt.
"Sehr geehrte Frau Novemberregen
wie telefonisch besprochen, sende Ich Ihnen anbei meine Kontaktdaten.
Ich freue mich auf ein zukünfstiges zusammen Arbeit.
MfG"
Nein, eher nicht...
Stück für Stück, Wort für Wort, Gedanke für Gedanke dekonstruiere ich mir die Welt, die ich kenne. Jedes Mal bin ich aufs Neue überrascht und traurig, wenn mir ein weiterer Wert, eine Grundhaltung, ein Prinzip abhanden kommt..
Und es ist nicht so, dass das unabänderlich wäre. Ab und an kommt eine Kreuzung. Ich schaue mir die Wegweiser an und gehe trotzdem weiter
[edit später: Meine Güte, was für ein Quatsch...]
Plötzlich beim Regenspaziergang dann von Antworten auf unterschwellig schon länger schwelende Fragen überfallen worden. Und die Antworten sind so simpel, so klar, dass sie einen Moment lang absoluten Seelenfrieden geben.
Eine Millisekunde etwa.
Ganz genau so lang, bis der Denkprozess wieder einsetzt.
- Die beiden kleinen alten Herren, völlig verrunzelt, die nebeneinander die Straße entlang gehen. Der eine hält eine Dolde blaue Trauben in einem Stofftaschentuch in der Hand. Abwechselnd essen sie davon. Mit einem Blinzeln abgespeichert für den Winter.
- Die alte Frau vor mir an der Supermarktkasse, mit Kopftuch. Plötzlich löst sich eine Haarnadel und unter dem Kopftuch wallt wunderschönes, kräftiges langes graues Haar hervor, über den ganzen Rücken. Noch ein Blinzeln und ein weiteres Bild für kalte Tage.
- Die Frau im Café, die auf meine Frage, ob ich mich zu ihr setzen darf nicht nur einfach nickt sondern "natürlich, ich freue mich" sagt. Einmal geschluckt und die Worte konserviert.
- Der unglaublich massige Asiate, der mich in unverständlichem Englisch nach dem Weg zu einem unverständlichen Ort fragt und mir bei dem Versuch, ihm zu helfen, seine komplette Lebensgeschichte erzählt. Noch ein Schlucken und eine (wenn auch schwer verständliche) sommerliche Klangkonserve.
- Der junge Mann, der als einziger in der überfüllten S-Bahn nicht an Deoversagen leidet, und er setzt sich neben mich. So erleichtert, dass ich mich fast ungefragt anlehne. Eine Nase voll CK One mit ganz leichtem Unterton hunderter Achselschweißnoten für den Winter olfaktorisch gespeichert.
