Donnerstag, 3. Januar 2013
Blogging November - 427
Seit 2006 spielen wir im Büro ein Spiel: immer, wenn wir einem hoffentlich zukünftigen Mitarbeiter ein Vertragsangebot machen, teile ich diesen Sachverhalt unserem Mutterhaus mit und gebe Name, Anschrift und höchsten relevanten Bildungsabschluss in eine Datenbank ein. Das Mutterhaus antwortet mir dann umgehend, ich solle bitte die kompletten Daten eintragen, womit Geschlecht, Geburtsdatum und Ort, letzte 5 Wohnorte, sämtliche Details zu Schule, Ausbildung, Studium und vorherigen Arbeitsplätzen u.ä., Scan von Lebenslauf plus Übersetzung, Scan sämtlicher Zeugnisse plus Übersetzung und Lichtbild gemeint sind. Ich antworte regelmäßig, dass ich diese Daten nicht eintrage weil wir nach Bundesdatenschutzgesetzt nur Daten speichern, an denen wir ein berechtigtes Interesse haben und auch diese nicht dauerhaft; dass ich die gefragten Ergänzungen deshalb allenfalls mache, wenn der Kandidat zusagt. Das Mutterhaus beginnt dann zu krakeelen, das habe man ja noch nie gehört, das ginge nicht und würde es auch gar nicht geben und man würde diese Angelegenheit nun "eskalieren". Dann höre ich einige Zeit lang nichts, aber hinter verschlossenen Türen auf anderen Ebenen wird gezankt. Nach einigen Wochen bestätigt der Oberchef in einem knappen Einzeiler an alle, dass wir das genau so machen wie ich gesagt habe.

Wie gesagt, das handhaben wir exakt so seit 2006, bei jedem neuen Bewerber. Jeder hat sicher schon seine Mailvorlagen dazu und muss nur noch ein paar Klicks machen, um die übliche Einlassung zu versenden. Um zu sehen, ob es überhaupt auffällt, habe ich deshalb beim letzten Mal auf die Aufforderung, ALLES einzutragen einfach gar nicht reagiert. Es ist aber aufgefallen, heute kam die Nachfrage, warum ich nicht antworte. Und sozusagen im Affekt schrieb ich schnell: "Sorry - I thought that was an automated message. I could not believe that you really wanted to ask again."

Bisher kam dann jetzt gar nichts mehr.




Heute vor zig Jahren

Wir stehen um die übliche Zeit gegen Mittag auf und gehen zum Essen zu mir. Nachdem wir mit der Ratte gespielt haben, gehen wir wieder zu Pe und sie ruft den Friseur an. Wir bekommen einen Termin für Freitag, 8:15 Uhr. Das bedeutet, um 6:30 Uhr aufstehen. Nachmittags räumen wir das ganze Chaos auf, weil wir es nicht mehr ertragen können. Wir putzen die Küche, spülen, räumen das Zimmer von Pe und ihrem Bruder auf und beseitigen die Reste der Session von Sonntag. Ich rufe Ah an, aber der ist nicht da.

Spätnachmittags fahren wir in die Altstadt und nehmen uns vor, nicht vor 23:00 nach Hause zu fahren, um von Pes Oma das Taxigeld zu bekommen, das wir gestern ausgegeben hatten.

Zuerst gingen wir aber für Pe ein Shirt suchen – es gab aber keins. Wir trafen auch einige Leute aus der Schule, sonst aber niemanden. Es ist eiskalt, daher gehen wir in den Irish Pub und trinken Kakao. Wir beschließen, so lange wie möglich da zu bleiben, aber um 20:00 Uhr sind wir dann doch mit dem Kakao fertig, und Pe beschloss, Kuli anzurufen. Kuli hörte sich ziemlich schlecht drauf an, als Pe mit ihm telefonierte. Wie wir vermutet hatten, war Ah bei hm und sie hingen einfach nur rum, sie hatten anscheinend beide Kopfschmerzen. Pe erklärte Kuli unsere Lage und lud uns zu ihm ein. Er war mehr oder weniger einverstanden.

Wir freuten uns dann über unsere Geschicklichkeit, gingen zu MacD aufs Klo und fuhren dann mit der Straßenbahn Richtung Kuli. Die Bahn fuhr allerdings nicht ganz so weit und wir mussten ziemlich lange zu Fuß gehen. Als wir dann endlich da waren, trafen wir vor der Haustür die Kulimutter, die uns fragte, ob wir hoch wollten. Wir bejahten und sie nahm uns mit rauf. Dort merkten wir, dass heute mit Ah und Kuli tatsächlich nicht viel los ist und sie hörten mal wieder Anne Clark, was uns ja schon am Dienstag so genervt hatte.

Nachdem wir ihnen noch ein paar Geschichten von „draußen“ erzählt hatten, fing Kuli immer mehr an zu nerven, er wolle bitte eine Flasche Bier haben, er hätte aber kein Geld und da wir ja so lange bei ihm bleiben können, wie wir nicht nach Hause wollen, müssten wir ihm eine Kaufen. Irgendwann hatte er dann den Ah und uns ausreichend lange genervt, damit wir mit ihm ein Bier kaufen gehen. Die Kulimutter war nicht sehr begeistert und meinte, er solle nicht so lange wegbleiben, er wäre ja nie zu Hause. Wir gingen dann los und merkten unterwegs, dass der Kuli schon ziemlich betrunken war. Als wir dann das Bier geholt hatten, überlegten wir, wo wir jetzt damit hingehen könnten und es kam eigentlich nur das Stromhäuschen in Frage, dort wollten wir aber alle nicht hin. Schließlich schlugen wir vor, zu Pe zu gehen, und nachdem wir den beiden mitgeteilt hatten, dass dort noch alle möglichen Getränke und was zu Rauchen herumstehen, außerdem Essen und dass sie dort auch übernachten könnten, waren die beiden einverstanden, obwohl sie fanden, das sei ja wohl am Arsch der Welt und die Fahrt äußerst beschwerlich. Dann gab es auch noch Probleme mit der Fahrkarte. Die Monatskarte von Ah mussten wir noch bei ihm abholen, wovon er sich nicht abbringen ließ weil er angeblich ein Verfahren wegen Schwarzfahren am Hals hat, was mal wieder Stunden dauerte, und der Kuli kaufte von seinem letzten Geld zwei völlig falsche Fahrkarten für sich und fuhr dann also schwarz, auch wenn er das richtige Geld bezahlt hatte, und er machte ziemlich viel Theater darum und jammerte, wie doof er ist.

In der Bahn trafen wir wieder ein paar Leute, einer davon war mal in unserer Grundschulklasse aber Ah kannte ihn auch und behauptete, er wäre in seiner Grundschulklasse gewesen, was wir nicht klären konnten weil wir dann schon wieder aussteigen mussten.

Bei Pe ging ich mit Ah und Kuli gleich in ihr Zimmer im Keller während Pe oben Getränke und Essen zusammenpackte. Um 22 Uhr war alles hergerichtet, wir wollten also was rauchen aber uns fiel auf, dass wir nur noch sehr wenig Tabak hatten. Keiner hatte allerdings Lust, welchen zu holen, so dass wir beschlossen, dass er reicht. Nun begann die Diskussion, ob wir zuerst trinken oder rauchen sollen. Aufgrund meiner Erfahrungen war ich für Rauchen, Kuli stimmte mir zu, Ah plädierte für Trinken, Pe war es egal. Wir rauchten also zuerst und Ah versuchte, so viel wie möglich noch vorher zu trinken und konnte wegen dieser Anstrengung kaum die Tüte bauen. Trotzdem schaffte er es, das Zeug genial klein zu hacken, wobei er aber ein Holzbrettchen halb zerstörte. Er verkündete uns, das alles von Phil gelernt zu haben.

Die Tüten waren wirklich durchschlagend. Nach dem ersten war uns alles egal und wir rauchten und tranken durcheinander. Kuli und Ah hörten immer Geräusche, die von der Heizung kamen, wir waren das ja gewohnt aber die beiden kamen damit überhaupt nicht klar. Kuli hatte einen Laberflash aber was er sagte ergab keinen Sinn, er wiederholte immer wieder „Mofakutte, Peter Maffay, ich wollte schon sagen… so geil! Grüne Ampel!“ Weil er das so oft sagte, bekamen wir Lachanfälle davon, dann mussten Pe und ich über die Lache von Ah und Kuli lachen und dann sie über unsere, wodurch Ah, der auf der Couch saß, aufstehen und rausgehen wollte um sich zu beruhigen, mit dem Kopf gegen die Wand schlug. Darüber mussten dann alle lachen, so dass Ah wieder mit dem Kopf gegen die Wand schlug, das wiederholte sich ca. 20 Mal. Wir waren schon halb erstickt, aber Ah schaffte es schließlich doch und krabbelte aus dem Raum. Nach einiger Zeit hatten wir uns beruhigt. Irgendwann gingen Pe und Ah Pommes machen, während Kuli und ich uns unterhielten und dann mit dem Haustelefon mit ihnen telefonierten und wieder Lachanfälle bekamen. Dann gingen wir auch hoch und Ah hatten einen Riesenberg Pommes gemacht, von dem 6 Leute sattgeworden wären. Außerdem beguckten sie sich die Wohnung, wir machten eine Kissenschlacht und aßen dann die Pommes. Dazu tranken wir Sekt und später einen Champagner aus dem Weinkeller von Pes Vater. Gegen 2 Uhr wurde Kuli seltsam und lag nur noch auf dem Boden und wiederholte immer wieder „Champagner für alle“, „Lindenstraße“ und „Morgen um 11 muss ich Zeitungen austragen…“ Wir beschlossen, ihm das Bett zu machen, legten uns dann aber alle ins Bett und schliefen ein.

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